Einzelnen Beitrag anzeigen
  #84  
Alt 30.05.2011, 19:04
Benutzerbild von Kiuna
Kiuna Kiuna ist offline
XII. Hanged Man
 
Registriert seit: May 2009
Ort: Hain der Täuschung
Beiträge: 1.407
Standard

Spoiler aufdecken
Ich hoffe, dass dieses Kapitel besser ist. Ich hatte es erst angefangen und es war grauenhaft. Durch ein Lied habe ich es dann nochmal komplett neu geschrieben und abgesehen davon, dass ich an manchen Stellen etwas zu schnell mit der Handlung bin, gefällt es mir eigentlich. Einige Sachen sind Anspielungen auf meine alte FF. Man sollte das Kapitel aber auch verstehen, ohne diese gelesen zu haben.
Ich denke, ab diesem Kapitel weiß jeder, wer der eigentliche Hauptcharakter der Story ist.


Kapitel 15: Ein schwaches Herz

Unter Erebos sauste ein Sandkorn nach dem Anderen hinweg. Seine pechschwarzen Flügel schlugen so schnell sie konnten. In seinem Schnabel hielt das kleine Kramurx eine Tragetasche aus Elfun-Wolle. Der Inhalt dieses Beutels und die Tatsache, dass ein ihm wichtiger Freund in Gefahr schwebte, ließen das Vogel-Pokémon unermüdlich gegen die brennende Hitze ankämpfen. Auch wenn das Unlicht-Pokémon sich fühlte, als würde der grelle Feuerball am Himmel sein kohlefarbenes Gefieder wie in einem Fegefeuer davon brennen, auch wenn seine Kehle so trocken wie die Wüste unter ihm schien und seine Sicht in ein Sandfarbenes Geschmiere eines Kleinkindes verschwamm, flog der schwarze Vogel weiter.
Man konnte es Erebos vielleicht nicht auf dem ersten Blick anmerken, doch das kleine, vorlaute Kramurx besaß Stolz. Sehr großen Stolz. Wenn nicht gar so groß, wie der Horizont selber, welcher sich über ihm in einem Himmelblau erstreckte. „Ein Vogel, der nicht fliegen kann? Wie armselig!“ hallte es in Erebos Kopf. Die Krähe kniff die Augen zusammen. Nicht wegen des umherfliegenden Sandes oder wegen der blendenden Sonne. Nein, der kleine Vogel redete sich ein, dass so das Bild des schwarzen Vogels mit den prächtigen Kopffedern vor seinen Augen verschwinden würde. Aber das tat es nicht. Erebos wusste, er war das schwächste Kettenglied des Teams. Deswegen brauchte er auch die Hilfe seiner Team-Kameraden. Ein Gefühl von Schuld und Zorn kam in dem kleinen Vogel auf. Zorn gegen sich selbst. Seine Mutter wurde von einem Trainer gefangen, als er noch ein Küken war, sein Vater war immer auf Reisen. Thanathos war ein beachtliches Kramshef. Stark, prächtig. Sein verlorenes linkes Auge und eine Narbe in der Brust hatten von harten Kämpfen erzählt. Erebos war nicht stark Er war es nie gewesen und er würde es auch nicht werden. Denn er hatte der ihm wichtigsten Person etwas versprochen. „Bleib immer so, wie du bist“, wiederholte Erebos die Worte des Farbeagles. Er würde sich nicht entwickeln. Niemals. Und Kramurx waren eben schwach. Vielleicht hätte er sich damit abfinden sollen? Schwache Pokémon konnten nicht überleben. Menschen mochten keine schwachen Pokémon. Mochte Valeria ihn nicht? Das kleine Kramurx wusste es nicht. Alles, was es wusste, war, dass es niemanden beschützen konnte. Seinen Vater nicht, die ihm wichtigste Person nicht. Und nun sollte Celebi das selbe Schicksal ereilen? Dem Kramurx blieb keine andere Wahl. Es musste Hilfe holen und zwar schnell.

Zwischen dem unendlichen Braun aus Sand und Fels trat das Weiß mit der Aufschrift „Libra“ hervor. Das kleine Herz des Kramurx schlug schnell, schneller als die Flügel schlagen konnten. Endlich setzte Erebos zur Landung an. Seine stelzenartigen Beine griffen nach dem morschen Holz unter sich. Das Vogel-Pokémon fühlte die raue Maserung unter seinen Krallen, doch dann knickten ihm die Beine weg. Mit einem dumpfen Ton schlug der Vogelkörper auf dem Boden auf und rutschte ein Stück über die harten Bretter, bis er erschöpft liegen blieb.

Der kleine Vogel runzelte die Stirn, ehe er seine Augen öffnete. Er befand sich im Steuerraum des Schiffes auf einem Bett. Auf seinem Kopf befand sich ein kleiner Beutel, gefüllt mit Eiswürfeln, welche Shivvery zu verdanken waren. Neben sich vernahm das Unlicht-Pokémon ein paar flüsternde Stimmen.

„Er hat die Entwicklung immer abgelehnt. Jedes mal, wenn Valeria ihm den Finsterstein entgegenhielt, ist er weg geflogen. Irgendwann hat sie es aufgegeben“, flüsterte Shivvery. Minerva sah von einem Buch auf, welches sie in ihren Schoß gelegt hatte. Das Buch musste entweder sehr uninteressant sein oder das Guardevoir hatte es bereits mehrere Male gelesen, damit etwas anderes ihre Aufmerksamkeit erhaschen konnte. „Du meinst, sie hat es akzeptiert. Nicht aufgegeben“, korrigierte das Psycho-Pokémon das gelbe Wiesel. „Aber wenn er sich entwickeln würde, wäre er sicher stärker und könnte auch schneller fliegen!“ erhob Shivvery Einspruch und wurde etwas lauter. „Shhhhh!“ ermahnte Akil das Bojelin. „Nur weil sich ein Pokémon entwickelt, heißt das nicht, dass es stärker wird. Ich bin auch schwächer als die meisten Lucario, wieso sollte Erebos nicht bereits als Kramurx stark genug sein?“

Langsam richtete Erebos sich auf. Sein Gefieder gab ein leises Rascheln von sich und von der Sanftglocke um seinen Hals ging ein sanftes Läuten aus. „Du bist wach?“ fragte das Lucario erfreut. Das kleine Kramurx nickte nur. „Darf ich... darf ich euch um etwas bitten?“ begann es dann schließlich. Daraufhin erzählte das Krähen-Pokémon seinen drei Team-Mitgliedern, was am Sanktuarium geschehen war. Von Celebi, von dem Simala und von den Skelett-Kabutops. Akil brachte direkt die Kabutops mit dem Pantimos, gegen welches er gekämpft hatte, in Verbindung. Die Kraft Skelett-Pokémon zu beschwören war etwas Einzigartiges.
„Dann sollten Shivvery und ich mit Erebos mitgehen“, schlug Minerva vor. Das goldgelbe Lucario wollte Einspruch erheben, aber das Guardevoir unterbrach ihn direkt wieder. „Der Feind kennt dich, Ker und Tiara bereits. Somit wäre das die sicherste Art und Weise. Wenn wir in ein paar Tagen nicht zurück sind, kommt ihr einfach nach, sollten Kers Wunden bis dahin verheilt sein.“ Akil stand auf und schaute nach draußen auf das Deck. Valeria brachte gerade den letzten Verband an Kerberus Pfote an und ließ sich von Tiara unterstützen, welche ein paar Sinelbeeren in einen Fressnapf legte.
„Was ist mit ihr?“ fragte der Schakal leise. Auch die Anderen standen nun auf und schauten zu ihrer Trainerin. „Du wirst es ihr schon irgendwie erklären können. Wer von uns ist denn hier der Menschenflüsterer?“ meinte Shivvery scherzhaft. Akil zog wie ein kleines Riolu eine Schnute. Er wäre zu gerne mitgekommen. Die Neugierde fraß sich durch seinen Magen, denn er wollte zu gern wissen, wer sich hinter der Silhouette verbarg. Doch ehe er die drei überzeugen konnte, hatten sie bereits das Schiff verlassen.

Ein Kloß steckte in Erebos Hals, als er mit Shivvery und Minerva seinen Weg durch die Wüste machte. Lief er gerade tatsächlich neben dem Pokémon, das ihn als schwach abstempelte? Aber sie hatte ja recht. Erebos atmete tief aus. Die Wüstenluft war trocken und heiß. Doch zum Glück näherte sich die leuchtende Scheibe dem Horizont und ließ die Schatten der drei Pokémon ins Unendliche wachsen. Minerva lief immer auf der jeweils anderen Seite von Shivvery als Erebos es tat. Aber das Vogel-Pokémon konnte es ihr nicht übel nehmen. Immerhin schien sie Verständnis für ihn zu zeigen. Und doch fühlte sich das Krähen-Pokémon schuldig, dass es die Hilfe von anderen annehmen musste um Celebi zu retten.

Das Trio erreichte langsam eine felsige Gegend. Klippen stürzten sich wagemutig in den Sand und formten beeindruckende Gebilde, als plötzlich etwas aus dem Sand herausschoss. Shivvery reagierte schnell, wie man es von einem flinken Wiesel erwarten würde, und zog Minerva am Arm beiseite, bevor eine finstere Kraftwelle sie erreichen konnte. Vor den Dreien bäumten sich mehrere, violett geschuppte Schlangen auf. Ihre Zungen zischten bedrohlich zwischen den Furcht einflößenden Fängen hin und her, ihre grauen Augen schienen leblos und geistesabwesend.
„Keine Sorge, Arbok sind anfällig gegenüber Psycho-Attacken!“ versuchte Minerva ihre Team-Mitglieder zu beruhigen. Dann tauchte sie ihre Hände in ein sanftes Blau und war kurz davor, mit ihrer Psychokinese ein Exampel an einem der Arbok zu statuieren, als eine der Schlangen neben ihr aus dem Sand schoss. Die starken Fangzähne bohrten sich in Minervas Arm. Ihr rotes Blut tränkte diesen und den Kopf des Arbok, das nun langsam sein Opfer los ließ und wieder zwischen den Sandkörnern verschwand. Shivvery kam dieses Verhalten merkwürdig vor. Die Arbok-Schar hätte diesen Augenblick längst nutzen können, um alle drei zu erledigen, aber sie tat es nicht. Im nächsten Moment zuckten Blitze durch die Luft, die gezielt jedes der Arbok trafen. In der Zwischenzeit sackte Minerva auf die Knie. Unter Schmerzen hielt sie ihren linken Arm, der noch immer stark blutete. Shivvery und Erebos versuchten hingegen auszumachen, woher die Blitze kamen, welche eine weitere Bedrohung darzustellen vermochten. Zeitgleich erspähten die beiden am Rande einer Klippe ein Wesen. Sein Fell war schneeweiß und schien wie Eiskristalle in der untergehenden Sonne zu funkeln, die das Fell langsam blutrot zu färben schien. Obwohl es auf vier Beinen lief, ließ das Gesicht des Pokémon etwas menschliches erkennen, obwohl das Antlitz eine rötliche Färbung besaß und die türkisen Augen wie Diamanten funkelten. An der Seite des Kopfes trug der Vierbeiner eine rote Sichel und um seinen Hals baumelte ein, an einem Faden aufgezogener, Scharfzahn.
Elegant wie ein Schwaroness erhob sich das schillernde Absol in die Luft und landete wie ein Snobilikat auf allen Vieren vor den drei reisenden Pokémon. „Ihr gestattet?“ sprach das Unlicht-Pokémon. Seine Stimme klang sanft und hatte einen arroganten Unterton.

Die Gift-Kobras fackelten nicht mehr länger. Sie hetzten ihrem Angreifer mit blanken Zähnen ausgestreckt entgegen. Doch ehe sie sich versahen, war ihr Gegenüber verschwunden und tauchte an neuer Stelle wieder auf, um hart zuzuschlagen. Als ein Großteil der Schlangen am Boden lag, machte das Absol einen Satz in die Luft und schickte einen gewaltigen Feuersturm auf die Gift-Pokémon los. Als die Tatzen wieder den Boden berührten, wehte der ruhige Wind, der die herannahende Kälte ankündigte, die letzten Überbleibsel davon. Shivvery fühlte sich bestätigt. Auch wenn dieser Feuersturm kräftig war, so wäre er sicher nicht in der Lage gewesen, ein Heer von Arbok so einfach auszulöschen. Doch in diesem Moment war ihr das Wohlergehen Minervas deutlich wichtiger. Als das Absol näher an die drei herantrat, verzog sich das Gesicht des Bojelin. Das Wasser-Wiesel machte sich bereit, seine beiden Freunde zu verteidigen, erkannte jedoch, dass es nicht nötig schien. Das Desaster-Pokémon blieb locker und stand direkt still, als es Shivverys Grimasse sah. „Wer bist du?“ zischte Shivvery noch etwas misstrauisch. Das Absol verneigte sich. „Mein Name ist Neve Rosso Sangue. Oder kurz Neve. Ich irre durch diese Wüste auf der Suche nach Pokémon, die meine Hilfe benötigen. Und wie ich sehe, scheint Ihr solch Pokémon zu sein.“
Das Bojelin ließ den Fremden nicht aus den Augen. Weder Shivvery noch Erebos war sich sicher, ob man diesem Wesen trauen konnte.
Spoiler aufdecken
Der Name Neve Rosso Sangue kommt von dem gleichnamigen Lied der Band Rhapsody of Fire.
__________________

DeviantART | SPP | Konstruktive Kritik üben
"We spend our lives to try and make sense of it."
~OLP
Mit Zitat antworten