Ich war damals erst Zehn. Und schon war so viel passiert. Und ich war nicht mehr wie ein zehnjähriges Sheinux. Meine Schwester nahm meinen Bruder und mich auf und versuchte, uns zu erziehen, auch wenn es wohl nicht so möglich war, denn sie hatte zu viel zu arbeiten. Sie war vielbeschäftigt und das war für Liri und mich okay. Doch schon bald hatte sie so viel zu tun, dass wir in der Welt umherirrten. Liri reiste in ein weit entferntes Land.
Und ich lebte hier mein Leben. Ich lief in der Stadt herum, lernte Pokémon kennen und wurde älter. Ich lernte so auch den ersten wichtigen Freund kennen, ein kleines Hunduster – welch Ironie –, mit dem ich sehr viel unternahm. So liefen wir eines Tages durch eine Allee – naja, er schwebte, ich lief – und da kam sie näher. Diese Luxtradame, die ich so gut kannte. Es war niemand geringeres als meine Mutter, die mich anstarrte und uns entgegen lief. Sie fletschte die Zähne und sah mich böse an. Sie wusste wohl, dass nur ich es mich gewagt haben konnte, sie zu verraten. Ja, so war es ja auch. Und nun wollte sie mich dafür halt töten. Damit konnte ich leben. Aber sie sollte es sich wagen, meinen Freund anzugreifen. Mir war nichts wichtig, aber er schon. Und genau das schien sie zu sehen, denn sie steuerte nicht auf mich, sondern auf ihn zu. Ich schaute sie böse und entsetzt zugleich an und schrie: »Du willst mich leiden sehen und nicht ihn! Er kann nichts dafür also lass ihn in Ruhe! L a s s ihn in R U H E!« Doch das schien sie nicht zu bemerken und wenn doch, dann war es ihr egal. Sie war ihm schon ganz nahe, als plötzlich ein Brüllen ertönte. Ich hörte ein anderes Luxtra brüllen. Es kam sprintend bei uns an und ich erkannte sie als meine Schwester. Sie brüllte: »Lass Ito und seine Freunde in Ruhe. Ito hat nur das getan, was richtig war. Denn du hast unseren Vater, deinen Mann getötet. Und das werden wir dir nie verzeihen. Liri ist weg und Ito und ich sind die einzigen Tenika, die noch hier sind. Nur weil du mehr Macht wolltest. Du solltest dich schämen und nicht mehr auftauchen, mehr war deine Strafe nicht und dennoch wagst du es dich, zurückzukehren. Also lebe mit den Konsequenzen!« Ihre Worte kamen durchdringend und die Silben, die sie ausstieß waren hart und undurchdringbar. Unglaublich, wie sie sich für mich und meinen Freund einsetzte. Ich schaute zu ihm und sah, wie verängstigt er war. Ich ging auf ihn zu und schaute ihm tief in die Augen, sagte ihm: »Alles ist okay. Meine Schwester hilft uns. Meine Mutter wird dir nichts tun. Ich verspreche es dir mit meinem Leben.«
Mein Freund nickte und schaute mich doch noch verängstigt an. Aber ich war bei ihm und das bedeutete ihm so viel, wie es mir etwas bedeutete. Und dennoch war meine Mutter noch da und schaute böse zu mir rüber. Aber damit würde ich wohl leben können, solange nichts Schlimmeres passierte. Doch es würde was passieren, denn meine Schwester fletschte die Zähne und einige Funken entluden sich ihrem Fell und umhüllten meine Mutter. »Verschwindet! Es ist nicht mehr die Zeit, hier herum zu spielen. Ich muss jetzt wohl doch handeln, denn sie wollte deinen Freund schon wieder angreifen«, meinte sie unter Spannung, doch ich verstand erst nicht.
Aber dann wurde es mir klar, als ich die Situation Revue passieren ließ. Sie hatte einen Ladungsstoß vorbereitet, um ihn zu treffen. Sie schien zu wissen, dass sie mir so weh tun konnte, wie sie wollte, ich bei jedem kleinsten Bisschen Schmerz, den er hatte, Höllenqualen erlitt. Und das würde sich nicht ändern, bis ich dem ein Ende machte. Ich schaute ihm noch einmal tief in die Augen und küsste ihn dann. Doch es war kein normaler Kuss. Es war mein Lebe-wohl. Ich sagte ihm für immer „Lebe wohl“, würde ihn nie wieder sehen. Und das zerriss mich. Doch nur so konnte ich ihm helfen. Ich musste es beenden. Mir rannen viele Tränen das Gesicht runter und ich fühlte mich so elend wie nie zuvor, als ich mich umdrehte und ihm dem Rücken kehrte. Mein Herz hämmerte und brüllte vor Schmerz, mein Verstand sagte mir, ich tat das Richtige und mein Körper schien zu verbrennen. Doch es war richtig so. Wie mein Verstand mir sagte. Nur so konnte ich ihn vor meiner Mutter schützen. Hoffte ich.
Ich reiste alleine durch das Land, sah meine Schwester seit unserem letzten Treffen nie wieder, wusste aber, dass es ihr gut ging, denn sie tauchte noch einig Male in der Zeitung auf, wo ich sicher sagen konnte, dass sie es war. Ob meine Mutter tot war oder geflohen, wusste ich nicht und es war mir egal. Sie würde mich schon finden, wenn es zum letzten Kampf kommen würde. Und wenn es erst nach meinem Tod war. Ich wollte eigentlich in weit entfernte Orte, wie es mein Bruder getan hatte, doch wurde ich schnell in ein Waisenheim gebracht, wo ich ein Jahr lebte, bis ich Sora kennenlernte.
Eines Tages besuchte uns ein merkwürdiges Magnayen, das irgendwie so aussah, wie ich es bei dem Attentäter meiner Mutter gedacht hatte. Ich spielte schon die ganze Zeit alleine, denn ich hatte in dem Waisenhaus in dem Jahr keine Freunde gefunden, war ihnen zu eigenwillig und intelligent. Ja, sie sagten, ich wäre schlau. Dass ich nicht lachte. Ich war so schlau wie ein Dummisel. Oder noch dümmer. Doch dann bemerkte ich die Anwesenheit des Wolfpokémons und ich bekam es mit der Angst zu tun. Instinktiv zitterte ich und versteckte mich vor ihr. Doch sie kam genau auf mich zu und sprach mit mir. Naja, sie versuchte es, denn ich hatte noch immer Angst. Ich sprach nicht, doch irgendwie beruhigte mich ihre Stimme, sie wirkte so besonders auf mich, erinnerte mich an meine Schwester und doch irgendwie an mich. Sie hatte eine Art, die sehr weise und lebenserfahren wirkte, eine Art, die ich selbst gerne hätte. Doch dann meinte sie auf einmal, dass sie gehen wolle, weil sie es nicht brauche, mit etwas zu sprechen, was eh nicht antwortet. Genau kann ich den Wortlaut aber leider nicht wiederholen. Dann endlich traute ich mich zu sagen: »W-Warte. Ich weiß, du kennst mich nicht. Und ich weiß, ich habe nicht gesprochen. Doch du scheinst mir nett zu sein. Du scheinst mir wirklich besonders und freundlich zu wirken. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich aufnehmen könntest. Ich verspreche dir, dass ich nicht zur Last fallen werde und dass ich so schnell wieder weg bin, wie ich kann. Nur wäre ich so lange nicht gerne allein. Also darf ich mit dir kommen?« Ich steckte alle Emotionen rein, die ich gerade verspürte und hoffte, sie damit dazu zu bringen, dass sie „Ja“ sagte. Und, auch wenn ich es erst nicht glauben konnte, das tat sie. Sie sagte wirklich „Ja“. Sie wusste gar nicht, wie dankbar ich ihr in diesem Moment war, wie viel mir ihre Zustimmung bedeutete.
Ich erlebte viel mit ihr, reiste von Ort zu Ort, hatte viel Spaß mit ihr und in ihr eine echt tolle Beschützerin und Freundin gefunden. Sie ist mir sehr wichtig geworden und ein Leben ohne sie wäre schrecklich. Mein Leben ist wieder lustig und glücklich, auch wenn mich ihr Spitzname „Ko-Chin“ für „Kleiner Winzling“ ein bisschen ärgert. Sie darf das.
Wesen:
Ito ist ein kleiner, meist freundlicher und höflicher Charakter, der manchmal jedoch auch sehr nachdenklich und traurig ist. Inzwischen spürt er, dass er seine Mutter nicht hätte verraten dürfen, selbst wenn sie der Grund war, warum sein Vater getötet wurde. Sie war schließlich seine Mutter. Er ist sehr eigenwillig und engstirnig, doch besonders von Sora lässt er sich eine Menge sagen. Er empfindet Liebe als ein großartig Gefühl und vermisst aus tiefstem Herzen das Hunduster.
Zu Sora hat er ein sehr gutes Verhältnis, sie ist gleichzeitig seine beste Freundin und seine Beschützerin. Sie ist wie eine zweite Schwester für ihn. Er ist recht offen im Gegensatz zu ihr und versucht sie oft aufzumuntern und ein bisschen offener zu machen.
Schriftfarbe:
DimGray
Aussehen:
Charaktertheme: