Thema: Anmeldung Die Propheten [Reloaded]
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Alt 08.03.2012, 19:17
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Wir liefen. Wir liefen schon seit fast anderthalb Stunden und schienen noch nicht da zu sein. Meine Mutter aber blieb plötzlich stehen und meinte »Hier sind wir. Hier liegen deine Schwestern vergraben.« Sie wirkte abgrundtief traurig und schien sich Vorwürfe zu machen, wie ich es jetzt tat, wenn ich daran dachte, dass ich meinen Vater getötet hatte. Doch hier lag wohl nicht nur eine Schwester, da war ich mir irgendwie sicher. Tränenüberströmt schaute mich meine Mutter an und fragte mich etwas, was ihr sehr schwer zu fallen schien: »Hilfst du mir, deinen Schwestern eine Ruhestätte zu schaffen, die ihnen gerecht wird?« Ich nickte, denn ich hatte das selbe Gefühl, als ich diesen Ort genau anschaute. Es war hier so trostlos und ich wusste nicht, wie es sein konnte, dass meine Schwestern an einem solchen Ort begraben lagen. Hier war kein Kreuz, kein Hinweis, wo sie lagen. Doch das würden wir ändern. Ich hatte irgendwie Freude daran, meinen Schwestern zu helfen. Und wenn es nur darin bestand, ihnen ein ordentliches Grab zu errichten.

Es dauerte zwei Tage und drei Nächte, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Die Stätte war inzwischen aufgewühlt worden, denn ich hatte jede meiner Schwestern, bei vielen hatte ich weinen, bei den Anderen eher brechen müssen, ausgegraben und sie ordentlich nebeneinander getragen. Von manchen waren nur noch Knochen da, die Jüngste schien erst seit wenigen Tagen tot zu sein. Ich schaute meine Mutter an und sah, wie sie sich besonders beim letzten Leichnam Vorwürfe machte. Ich konnte es verstehen, wieso sie nichts gegen die Taten meines Vaters getan hatte. Doch war dieser Ort ein Ort voller Grausamkeit. Wie hatte er sie wohl getötet? Manchen hatte er scheinbar den Kopf abgebissen. Manche waren an einem Genickbruch gestorben. Und bei Anderen erkannte ich die Todesursache nicht. Ich übergab mich. Nicht nur ein Mal, aber das war wohl verständlich. Das hier waren schließlich meine Schwestern und vorher hatte ich nie so eine Grauenhaftigkeit gesehen. Und jetzt flutete es auf mich ein. Die Eindrücke waren viel zu zahlreich und dafür war ich dankbar. Denn ich spürte wohl nur wenig von der eigentlichen Härte des Augenblicks. Nur ein Bruchstückchen.
Am Ende stand es hier. Vierzehn Gräber an denen sich immer ein Kreuz befand, auf den wir den Namen der verstorbenen Schwester eingeritzt hatte. Vierzehn Geschwister. Meine Geschwister. Er hatte vierzehn lebende Wesen getötet. Es schockierte mich. Erst jetzt nämlich spürte ich die wahre Last der letzten zwei Tage. Ich fiel in Ohnmacht und erwachte erst anderthalb Tage später wieder. Meine Mutter lag neben mir und hatte ihren Kopf an den meinen gelehnt. Sie schlief in Ruhe und wachte doch über mich.
Ich löste mich langsam von ihr, wobei sie aufwachte und flüsternd sprach: »Endlich bist du wieder wach« Sie rüttelte sich auf, streckte sich, was sie noch sehr elegant dafür, dass sie so viel wog, machen konnte.
»Wollen wir nach Hause?«, fragte sie mich und ich nickte. Es war naiv von meiner Mutter zu denken, dass wir wieder in das Haus konnten und normal leben könnten. Denn da war mein Vater, ihr Mann gestorben. Wir würden wegziehen müssen, das war für mich klar und für meine Mutter wohl auch, denn sie hatte inzwischen ein ganz ernstes Gesicht.
Wir benötigten zwei Stunden, um zurückzukehren, denn die Anstrengung zog noch immer an mir.

Als wir nach Hause kamen, war die Atmosphäre irgendwie merkwürdig. Es war so fremd, obwohl wir gerade einmal drei Tage weg gewesen waren. Es war aber nicht, weil hier das Motzen fehlte. Irgendetwas war merkwürdig. Ich ahnte schon was und rannte in das Zimmer, in dem die Leiche meines Vaters lag. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als die Leiche auf einmal nicht mehr da war, wo sie noch vor einigen Tagen gelegen hatte. Wo war sie? War er gefunden und begraben wurden? Nein. Das konnte nicht sein. Aber wie sollte es anders sein? Ich hatte ihm doch den Hals aufgerissen und er war verblutet. Oder etwa nicht? L-L-Lebte er etwa noch?!
Ich schrie, meine Mutter solle kommen, doch sie antwortete nicht. Ich schrie noch einmal. Keine Antwort. Ich schrie ein letztes Mal und legte die ganze Kraft meiner Stimme in diesen Schrei. Doch sie antwortete noch immer nicht und ich hörte nichts weiter als dieses penetrante Lachen. Ich erstarrte. Doch nicht so, wie ich es so oft tat. Ich erstarrte wirklich. Ich hatte in Irgendetwas geschaut und war fixiert. Ich rüttelte, strengte meine Muskeln an, doch nichts half. Und nun erkannte ich warum. Mein totgeglaubter Vater stand am Eingang und seine Augen waren gerade leuchtend gelb. »Nun bist du eine Gegnerin, Sora. Und du wirst doch nichts ausrichten können, weil dich mein Horrorblick lähmt. Es tut mir irgendwie doch leid, dass es so endet. Aber du hast mich angegriffen, nicht ich dich. Und so werden es auch alle erfahren. Meine Familie wollte mich töten und ich habe mich verteidigt. Und ich werde leben. Von euch werde ich nun aber Abschied nehmen dürfen«, sprach er, kam mir ganz nahe und atmete aus, sodass ich den Maulgeruch roch, der wohl schlimmer nicht sein konnte. Er war so schlimm, dass er mich einnebelte. Er knurrte auf einmal und seine Krallen begannen zu leuchten. Er hob seine Kralle in die Höhe und wollte gerade seinen letzten Hieb einleiten, da brüllte ich. Eigentlich wäre es ja normal, doch hatte mir sein Horrorblick bis gerade auch die Fähigkeit genommen zu sprechen. Als ich fertig gebrüllt hatte, begann meine Haut zu leuchten, mein Fell erstrahlte in einem hellen Licht. Meine Pfoten wurden größer, die Krallen an diesen wurden länger, meine Schnauze wurde markanter. Das Erste, was aus dem Licht stach, waren meine Augen, so sah ich in einem Spiegel. Die Augen leuchteten nicht wie die meines Vaters, sondern waren violett-grau und farbloser als seine. Das Licht verschwand langsam und plötzlich erschien ein besonderes Magnayen, denn ich sah nicht aus wie mein Vater. Mein Fell war heller und sah leuchtender aus, ich war etwas kleiner und meine Statur war sehr viel eleganter als seine. Und nicht nur, dass ich größer war, ich war nun wohl auch stärker, denn sein Horrorblick hielt mich nicht mehr und ich konnte mich wehren. Seine Kralle leuchtete zwar noch, doch ich war schneller. Noch bevor er auf mich einschlug, hatte ich meine Zähne um seinen Kehlkopf geschlossen. Blut spritzte an den Seiten meines Mundes und mein Vater gab nur noch ein Gurgeln von sich. Doch dieses Mal stoppte ich nicht. Ich biss noch kräftiger und trennte den Kehlkopf vollständig von seinem Hals ab, damit er sicherlich starb. Denn dieses Monster durfte nicht mehr leben. Nicht nachdem ich so viele geliebte Wesen verloren hatte. Er starb gehasst und unehrenhaft. Wie er es verdient hatte.

Doch nun hatte ich etwas, was mich nicht losließ. Wo war meine Mutter? Ich rief noch einmal, doch noch immer antwortete sie mir nicht. Mit meinem neuen Tempo rannte ich durch das Haus und fand sie dann in einem der oberen Zimmer, wo sie bewusstlos da lag. Sie war nicht tot und schien keine bedrohliche Verletzung zu haben. Ich atmete auf und wartete, bis sie aufwachte, was schnell geschah. Ich erzählte ihr, was passiert war und sie begann zu weinen – einerseits freudig über meine Entwicklung, andererseits traurig, dass es so weit hatte kommen müssen. Ich war 14 und eine Vatermörderin. Das war wohl nichts, was man in einen Lebenslauf schreiben sollte. Aber das hatte ich auch nicht vor. Ich meinte zu meiner Mutter, dass wir hier weg müssen, doch sie schüttelte den Kopf und sagte: »Du musst hier weg, ich aber bleibe. Die Welt steht dir offen und du bist groß genug. Ich traue dir zu, diese Welt zu entdecken. Du wirst weiser und glücklicher werden. Du wirst jemanden kennenlernen, der dich liebt und dir hilft. Du wirst Großes erreichen. Ich glaube an dich. Aber ich hoffe auch, dass du mich nie vergisst. Ich bin immer für dich da, egal was passiert. Immer. Vergiss das bitte nicht.«

Ich verstand sie. Ich nickte ihr zu und dankte ihr innerlich. Denn sie wusste wohl, dass ich nicht hier bleiben könnte, weil mich mein Herz sonst zerreißen würde, aber auch, dass ich sie brauchte, auch wenn sie nicht mitkam. Auch das war wohl weise, denn sie hätte mich wohl immer daran erinnert, wenn ich sie nicht für gewisse Zeit verlassen hätte. Und dafür danke ich ihr aus tiefstem Herzen.

Vier Jahre später...

Ich war inzwischen in vielen Städten gewesen, hatte viele Pokémon kennengelernt, die sich sehr unterschieden. Manche waren klein, manche groß, manche dick und manche dünn, mache weiblich, mache männlich und manche undefinierbar, wie das uralte Ditto, das ich kennenlernen durfte. Doch nie hatte ich erwartet, dass ich ein Wesen wie Ito treffe. Mit ihm hatte ich mein wahres Leben gefunden, meine Aufgabe entdeckt. Ich war dazu bestimmt, mich um ihn zu kümmern.

Ich war in der Stadt Aqua gewesen, inzwischen konnte ich wieder in mein Heimatdorf reisen, ohne mich mit Schmerz an die Vergangenheit zu erinnern. Ich hatte meine Mutter besucht und auf dem Rückweg in Aqua an einem kleinen Waisenhaus Halt gemacht. Es war klein und alt, aber die älteren Pokémon kümmerten sich gut um die Kleineren. Doch hörte ich auch von einem kleinen, eigenwilligen Sheinux, das nur Stress machte. Ito war sein Name. Ich sah ihn auf Anhieb, denn er erinnerte mich an mich. Er hatte diesen unerschütterlichen Lebenswillen, schien aber auch schon eine Menge gesehen zu haben. Wieso er wohl Waise war? Warum war er genau hier gelandet? Und wieso war er so eigenwillig? Das waren nur drei von vielen Fragen, die ich mir stellte. Ich ging auf ihn zu und er schaute mich erschrocken an, denn ich als Magnayen wirkte nicht wirklich wie ein Engel, besonders nicht mit meinen grau-violetten Augen. Ich hatte ihm wohl Angst gemacht, denn plötzlich war er ganz still. Ich sprach ihn an und meinte, er brauche keine Angst zu haben, doch er ignorierte es und blieb stumm. Ich redete viel auf ihn ein, doch er sagte nichts. Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich meinte, ich würde jetzt gehen, denn ich hätte keine Zeit für solche Albernheiten. Doch dann plötzlich sprach das kleine Pokémon. »D-D-Darf ich mit dir gehen? Ich will nicht hier bleiben, will aber auch nicht alleine sein. Ich brauche nur jemanden, der mir am Anfang hilft, danach lasse ich dich in Ruhe. Ich verspreche es dir. Wirklich.« »Wie alt bist du, Ito?«, fragte ich ihn und schaute ihn mir genau an. Er war besonders. Wirklich. Nicht nur von den Augen her, sondern von seinem ganzen Sein. Von seiner ganzen Existenz aus. »I-Ich bin 12. Bald werde ich 13. Also? Darf ich mit dir kommen?«, fragte er mich auf eine Art, die ich heute nur schlecht nachmachen kann. Doch er hatte sofort mein Zustimmen erzielt. Ich musste ihm helfen. Und ich wusste auch irgendwie, dass mich das ausfüllen würde. Denn mir fehlte etwas. Mir fehlte die Bestimmung. Ich hatte keine Bestimmung für mich gefunden, wusste nicht, was ich tun sollte. Und was konnte schon schlimm daran sein, wenn ich ihm half?

Wenn ich geahnt hätte, wie schlimm es mit diesem Sturkopf sein kann, hätte ich ihn wohl nie mitgenommen. Doch fühlt mir meine Aufgabe das Leben aus. Auf die schönste Art und Weise, die ich mir für mich vorstellen kann. Ich bin eine Freundin. Und eine Beschützerin. Ich hoffe, ich bin ihm eine Hilfe. Inzwischen reise ich mit ihm seit dreieinhalb Jahren im Land herum und er ist so sehr mein Schützling wie auch ein Freund für mich.

Wesen: Soras Wesen ist so vielfältig wie ihre Existenz. Sie kann aufbrausend und zornig, aber auch herzlich und freundlich sein. Sie versucht immer mit Bedacht zu handeln, versucht logisch an Dinge heranzugehen und immer das Beste für Ito herauszuholen. Sie kümmert sich liebevoll um Ito, klammert aber nicht. Es würde sie zwar innerlich zerstören, wenn Ito sterben würde, doch ist sie auch mal gerne ein klein wenig gemein zu ihr, wobei das eher Neckereien sind.

Fremden Pokémon gegenüber ist sie sehr misstrauisch und würde sie wohl sofort töten, wenn sie Ito auch nur ein Härchen krümmen würden. Sie ist zu Pokémon, die sie mag, immer freundlich und versucht sehr höflich aufzutreten. In der Menge ist sie eher scheu und wird wohl kaum als großer Redner fungieren.
Schriftfarbe: Purple
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Gesamt

Charaktertheme:

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