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At Wit's End

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    • At Wit's End

      ~ At Wit's End ~
      Eine Fanfic von Raikachu





      Karibik, 1761, vier Jahrzehnte nach dem Goldenen Zeitalter der Piraterie. Die neunzehnjährige Carolina Anne Dunkin lebt gemeinsam mit ihrem Vater und dessen Adoptivsohn auf der Insel St. Theodore, mitten in den Wirren des Siebenjährigen Kriegs, der in Nordamerika wütet und den Kontinent heimsucht. Dem britischen Landadel angehörend ist Carolina mit dem Leben als Teil der Aristokratie überfordert und wünscht sich Abenteuer, wie sie ihr Großvater, ein Mann, der sich auf eine Vergangenheit der Piraterie beruft, als kleines Kind erzählt hat. Doch solche Träume enden nie auf glückliche Art und Weise und auf niemanden soll ein solches Ende warten ...


      Kapitelliste

      NUMMERNAMEORTERSCHEINUNGSDATUM
      Prolog//19.11.2013
      Kapitel #1Ein besonderer TagSt. Theodore20.11.2013
      Kapitel #2Das Leben einer DameSt. Theodore24.11.2013
      Kapitel #3VerlorenSt. Theodore20.12.2013
      Kapitel #4TollkirschenSt. Theodore20.12.2013
      Kapitel #5Der Junge, den sie Jolly nanntenSt. Theodore22.12.2013
      Kapitel #6Das Zeichen wurde gesetztPorrins (St. Theodore)24.12.2013
      Kapitel #7Unzertrennliche PartnerSt. Theodore30.12.2013
      Kapitel #8Verloren und gerettetSt. Theodore03.01.2014
      Kapitel #9Das Ende der FluchtSt. Theodore06.01.2014
      Kapitel #10Ein kleiner LichtblickSt. Theodore, Karibisches Meer10.01.2014
      Kapitel #11TodKaribisches Meer23.01.2014
      Kapitel #12Die DistressNassau31.08.2014
      Kapitel #13Der SonnenkönigNassau28.09.2014
      Kapitel #14Im Sinne der Freundschaftnördlich von New Providence26.10.2014
      Kapitel #15Er lebte, starb und lebtenahe den Abaco-Inseln23.11.2014
      Kapitel #16Willkommen auf St. TheodoreSt. Theodore13.02.2015
      Kapitel #17EntschlossenheitSt. Theodore28.02.2015
      Kapitel #18Havanna, wie es leibt und lebtKaribisches Meer, Havanna14.03.2015
      Kapitel #19Der Pirat, der nicht sein sollteHavanna30.03.2015
      Kapitel #20Tumulto a La HabanaHavanna08.04.2015
      Kapitel #21Die verlorene KolonieMississippi River, New Orleans22.04.2015
      Kapitel #22Zwei Damen und ein BubeNew Orleans06.05.2015
      Kapitel #23Das Ass ist gespieltNew Orleans29.05.2015
      Kapitel #24Kaperfahrt zu viertNew Orleans, Karibisches Meer02.09.2015
      Kapitel #25ProtégéKaribisches Meer10.09.2015
      Kapitel #26Ein dunkler HimmelSt. Theodore25.09.2015
      Kapitel #27Geister in der NachtSt. Theodore05.10.2015
      Kapitel #28Vor langer ZeitPorrins (St. Theodore)13.10.2015
      Kapitel #29Gleichgewicht der ErdeSt. Theodore22.10.2015
      Kapitel #30Der gefallene AdlerSt. Theodore11.11.2015
      Kapitel #31In die Lüfte erhoben St. Theodore, Karibisches Meer29.01.2016
      Kapitel #32Gestutzte FlügelKaribisches Meer14.02.2016
      Kapitel #33Des Adlers KükenKaribisches Meer29.02.2016
      Kapitel #34AdlerhorstKaribisches Meer07.05.2016
      Kapitel #35Vom Himmel geholtGreat Harbour Cay30.05.2016
      Kapitel #36Hin und herSt. Theodore07.07.2016
      Kapitel #37Das neue alte LebenSt. Theodore19.07.2016
      Kapitel #38Aus dem Leben der CarolinaSt. Theodore15.08.2016
      Kapitel #39Die Rückkehr des schwarzen RittersSt. Theodore09.09.2016
      Kapitel #40Ein zweites MalSt. Theodore23.09.2016
      Kapitel #41Cave carnemSt. Theodore5.10.2016
      Kapitel #42Eine Krone für nichtsSt. Theodore30.10.2016
      Kapitel #43Gesellschaft in vier TaktenSt. Theodore13.11.2016
      Kapitel #44So sprach das SchicksalSt. Theodore29.11.2016
      Kapitel #45???St. TheodoreApril 2017


      Liste der Intermezzi

      Das Intermezzo, auch Zwischenspiel genannt, trägt neben diesen noch viele weitere Namen. Oftmals kontrastiert es das Hauptwerk, dient im Theater aber beispielsweise als Einschub oder Überleitung. Auch At Wit's End besitzt solche Einschübe, die ab und an auftreten, weder regelmäßig noch gleichförmig, und dienen der alleinigen Aufgabe, den Hintergrund der Geschichte weiter zu erklären. So soll den Charakteren mehr Tiefe verliehen werden und vor allem sollen sie nicht aus dem Blick geraten, wenn sie in der Haupthandlung gerade nicht auftreten.

      NUMMERNAMEEINORDNUNG
      DER HANDLUNG
      ERSCHEINUNGSDATUM
      Intermezzo #1Erinnerungenvor dem Prolog20.12.2013
      Intermezzo #2Rückblick?17.05.2015
      Intermezzo #3Verbindungennach Kapitel 2516.06.2016






      Als kleinen Vorgeschmack hier einmal den etwas (zu) kurzen Prolog... ;P


      PROLOG | PROLOGUE | PRÓLOGO



      Wir schreiben das Jahr 1761. Jahrzehnte zuvor herrschten die Piraten über die sieben Weltmeere, doch bald gab es nur noch wenige von ihnen, denn unter der Krone des britischen Königs jagten die Soldaten der Royal Navy die Piraten ans Ende der Welt.
      Mein Name lautet Carolina, meine Eltern und ich kamen vor einigen Jahren mit dem Schiff von London in das karibische Meer, welches zuvor ein piratenverseuchtes, unsicheres Gewässer war, doch heute fahren hier nur die Sklavenschiffe und die der Royal Navy hindurch.
      Meine Familie ist keine der reichsten, doch arm sind wir hingegen auch nicht. Früher diente mein Vater als auf einem der Schiffe der Briten. Als ich noch ein kleines Kind war, erzählte er immer davon, dass sie oft gegen Piraten kämpfen mussten, doch heute weiß ich, dass er sich damit seinen dreckigen Job als Deckschrubber schönreden wollte.
      Meine Mutter war in Amerika eine angesehene Frau; sie arbeitete in der Residenz des Gouverneurs von Boston als seine Beraterin. Sie bekam auch kein allzu niedriges Gehalt, was sehr verwunderlich ist, da Frauen eigentlich heutzutage kaum viel Geld verdienen, geschweige denn überhaupt Arbeit verrichten.
      Jedenfalls haben wir es uns hier in der Karibik recht schön eingerichtet, doch das Leben hier weist sich als genauso uninteressant, wie es auch schon in den britischen Kolonien in Amerika war. Ab und zu kommen zwar französische oder spanische Schiffe vorbei, doch es sind nur Schiffkutter oder Handelsschiffe, die sich im Gewirr von kleinen Inselgruppen hier verirrt haben.

      Die Insel, auf der wir heute leben, nannten wir St. Theodore, eine Idee meines Vaters, die Insel nach dem Namen seines Onkels, nach den Geschichten meines Großvaters ein berüchtigter Pirat, auf den der väterliche Teil meiner Familie sehr stolz ist, benannt. Angeblich würde in mir echtes Piratenblut fließen, was ich natürlich für völligen Quatsch halte.
      „Du wirst sehen“, hatte mein Vater bei unserer Ankunft auf St. Theodore gesagt. „Eines Tages erkennst auch du, dass wir einmal Piraten waren.“
      Bei Dingen wie diesen dachte ich immer, meine Mutter und ich seinen die einzigen Vernünftigen in unserer Familie, doch ich konnte nie ganz aufhören, über die Piraterie nachzudenken.


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

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    • denn unter der Krone des britischen Königs die Soldaten der Royal Poké Navi die Piraten ans Ende der Welt.
      Früher diente mein Vater als auf einem der Schiffe der Briten.
      o.O Da fehlen irgendwie Wörter. ^^

      Ansonsten - joa, Piratengschichten sind ja immer ganz nett (auch, wenn Ich nicht verstehe, warum alle immer zu den Piraten halten - das sind immerhin gemeingefährliche Raubmörder). Der Prolog ist natürlich jetzt nicht unbedingt "actiongeladen", aber sowas muss auch nicht immer sein - ist ja irgendwie auch ätzend, wenn jede Geschichte sofort von Null auf Hundert losprescht. So hilft der Prolog erst einmal dabei, sich auf die Geschichte einzustellen, was ja durchaus seiner Funktion entspricht; zu viele begreifen den Prolog einfach nur als erstes Kapitel.
      Mal abgesehen von den beiden entschwundenen Wörter flüssig geschrieben und gut lesbar (Eine Ausnahme: Der erste Satz des zweiten Schriftblockes - der ist ein wenig verwirrend. ^^), verspricht dies eine interessante Geschichte zu werden. :bew1:
      "Three nations fallen in 6 days of war
      Traitorous neighbors
      Received as deserved
      Under the sun in the dust of the war
      One nation standing stronger than before"
      Sabaton - Counterstrike


    • Leichte historisch angehauchte Geschichten mag ich immer, weswegen es natürlich großartig ist, dass du hier eine genaue Jahreszahl reinbringst. Das wirkt nicht nur handfest, sondern gibt dem belehrten Leser auch schon eine Grundkenntnis darüber, was zu erwarten ist und welche Technologien überhaupt möglich sind. Das gefällt mir zu Beginn, aber es ist schließlich auch nur der erste Sa — der erste Satz ist immer der wichtigste Satz des gesamten Werkes für viele, sehr viele Leser, denn der erste Satz entscheidet, wie die Geschichte weitergeht. Ich sitze da zum Beispiel teilweise Stunden dran, um am Ende einen Satz mit vielleicht zehn Worten dort stehen zu haben, der noch einige Male gelöscht wird. Mit so einer Zeitangabe jedoch macht man nie einen Fehler, wenn man etwas fiktives Historisches schreibt, denn das gibt dem Leser schon den Eindruck des "Wann?" und auch wenn man es eher instinktiv als bewusst wahrnimmt, sucht man durch die schulische Bildung genau nach diesen W-Fragen. Was wir nur immer durch den ersten Satz lernen!
      Okay, weiter geht es, denn ich will dich nicht mit meinen Assoziationshirngespinsten vollschreiben und deinem Prolog eine nützliche und passende Kritik widmen!
      Auch der zweite Satz ist noch eher expositorisch, erläutert die Rahmenhandlung und gibt mir nun schon das Wissen, dass es etwas mit Piraten zu tun haben wird, das wird ja auch im Verlauf des Prologs noch umso klarer. Dass du dort einige für den Satz wichtige Worte vergessen hast, hat Sneek ja bereits erwähnt, also werde ich das nich noch mal erwähnen, würde dir aber raten, dir deine Sätze doch durchzulesen, wenn du deinen Text geschrieben hast. Irgendwann wirst du die meisten Fehler sofort bemerken, ebensolche wie viele andere auch, doch zu Beginn sollte man da wirklich besonders aufpassen, da es oft Fehler zu Anfang der Texte und zum Ende hin gibt und das die Wirkung rapide verschlechtert. Und jetzt habe ich doch einige Worte dazu verloren, aber so sei es.
      Auf jeden Fall kommen dann noch weitere Angaben. Der Hauptcharakter ist also weiblich und heißt Carolina und ist vor Jahren aus einem fremden und fiktiven Land in das karibische Meer gezogen. Okay. Jetzt wiederholst du dich. Das solltest du etwas umschreiben. Dass es inzwischen nicht mehr piratenversucht ist, hatten wir bereits einen Satz zuvor.
      Allgemein solltest du an deinen Beschreibungen arbeiten. Denn selbst wenn es eine generelle Wiedergabe der bisher geschehenen Dinge ist, kann man das gut beschreiben und spannender machen. Und vermeide Dopplungen jeglicher Art.
      Ich erwarte dein nächstes Kapitel!
    • Vielen Dank für die ordentliche Kritik, die ich sehr gerne aufnehme und versuche, eure Tipps möglichst gut in das erste Kapitel zu übetragen. Und zu dem Punkt, dass einige Sätze unlogisch erscheinen; ja das stimmt, da habe ich einfach zu voreilig gekürzt, vielen Dank dafür! :D


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.
    • Joah!
      Deine Geschichte, eher Prolog, ist wirklich spannend gestaltet. Du hast diesen "älteren" Schreibstil wie >>Wir schreiben das Jahr 1761<<
      Sowas liebe ich oft oder gehört gern zu meiner Kategorie. :)
      Manchmal wiederholst du dich in den Sätzen, aber es ist ja noch kein Meister von Himmel gefallen! Arbeite ruhig ausführlicher dran (nicht so wie ich ^^')
      Carolina ist ein Mädchen, welches nicht wirklich glaubt Piratenblut zu haben. Tja, das glaube ich ändert sich 100%-ig. Du benutzt eigentlich schöne Wörter und so lässt du diese lebendig wirken. Noch ein Punkt, was mir wichtig ist. :)
      Schreibe schnell weiter! :D

      PS. Tschuldigung für meine mangelhafte Kritik :/
    • Ich muss mich meinen Vorrednern anschließen-tolle Story!:)
      Direkt beim ersten Satz fühlte ich mich gleich in das Jahr 1761 ein:lol:
      Und die ganze Story lang musste ich an Pirates of the Carribean denken:p
      Weiter so, ich freu mich auf die nächste Geschichte:)
    • So, noch mehr Meinungen! Mich freut es wirklich, dass euch der Prolog so gefällt, ich bedanke mich sehr! Nun will ich auch das 1. Kapitel posten und als Info für alle, die die Geschichte verfolgen: ich werde versuchen, möglichst jeden Tag ein neues Kapitel zu schreiben und anschließend zu veröffentlichen. ;D
      ____________________

      KAPITEL EINS:
      "Ein besonderer Tag"



      St. Theodore, 27. Juli 1761


      Heute war der siebenundzwanzigste Juli. Das Gezwitscher der exotischen Vögel weckte mich aus meinem leichten Schlaf. Ich hatte von den Abenteuern meines Onkels geträumt, so wie sie mein Großvater geschildert hatte. Anscheinend war es ein Traum aus dem Unterbewusstsein, denn ich konnte mich nicht erinnern, was für Geschichten es waren, schließlich war ich damals gerade mal elf Jahre alt und das ist nun knapp zehn Jahre her.
      Ich nahm mir schnell einen Bademantel, den meine Mutter zum Lüften über den Fenstersims gehängt hatte und lief schnell die Treppen hinunter in den Salon unseres Hauses. Mein Vater hatte mich bereits erwartet.
      „Ah“, rief er auf. „Carolina, Schatz!“
      „Du brauchst gar nicht so zu tun“, antwortete ich grob. „Was willst du heute von mir?“
      „Warum so unfreundlich?“, fragte er und gab mir einen dicken Kuss auf die Wangen. „Ich bin gekommen, weil ich dich heute in die Stadt mitnehmen möchte.“
      „Ach ja, ich vergaß“, sagte ich mit ironischem Unterton. Ich tat ein gespieltes Lächeln auf. „St. Theodore bekommt die Stadtrechte vom obersten Gouverneur der Karibik, Sir Edward Noules.“
      „Noules ist ein ehrbarer Mann, Carolina“, sagte Vater ernst. „Zieh dir etwas Anständiges an und beeil dich!“
      Ich nickte und lief die Treppen rasch wieder hoch. Noules war kein ehrbarer Mann, er war in seine Arbeit versessen und schätze nichts und niemanden; er war der Vollstrecker des Königs.
      Als ich oben angekommen war, standen bereits zwei Zofen da, die mir dabei helfen sollten, mein Kleid anzuziehen.
      „Ich kann das auch alleine“, murmelte ich und die Zofen huschten in schnellem Tempo aus dem Zimmer.
      Dann verschwand ich hinter den Gardinen, zog schnell meinen Bademantel aus und streifte das edle Kleid über mein Unterhemd. Ich trat hervor und betrachtete mich im Spiegel; eine junge Dame mit zerzaustem dunkelblondem Haar und dunkelbraunen Augen. Viele würden mich als sehr hübsch empfinden.
      Ich wandte mich dem Spiegel zu, kämmte mir die Haare und flocht sie zu einer kunstvollen Frisur, etwas, was sich andere Frauen in meinem Alter von ihren Zofen machen ließen.
      Schnell schlüpfte ich aus meinen Schlappen und zog mir die etwas zu engen Stöckelschuhe an. Ich war so weit.
      Ich versuchte die Treppen herunterzurasen, doch mit den unbequemen Schuhen war das schlecht möglich.
      Wieder stand mein Vater im Salon, nun etwas ungeduldiger und in anderem Aufzug. Nun hatte er seine Perücke aufgesetzt und seinen Spitzbart geglättet. Auf seinem Kopf trug er einen großen Hut mit einer Pfauenfeder daran. Mir war das ganze zu kitschig.
      „Die Kutsche steht bereit“, sagte er und schüttelte die Ärmel seines barocken Gewands, welches mindestens 50 Jahre alt sein musste. „Komm, Liebes.“
      Er nahm mich bei der Hand, doch ich schüttelte sie ab und marschierte zur Kutsche. Sie wurde von zwei prachtvollen Galoppa gezogen, dessen feurige Mähnen im Wind der See flatterten.
      Wir betraten die Kutsche und der Kutscher, ein alt aussehender Mann, ließ die Galoppa in raschen Trab loslaufen. Die Straßen von St. Theodore, die mir so vertraut waren, zogen an mir vorbei und ich vergaß jegliches Gefühl für Raum und Zeit. Ich lehnte mich einfach zurück.


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

      The post was edited 5 times, last by Rai ().

    • Ein großes Ereignis, ein großes Ereignis!
      Ganz so viel passiert nun ja nicht in diesem Kapitel und dadurch, dass es auch relativ kurz ist, war ich schnell fertig. Ehrlich gesagt habe ich sehr die Beschreibungen des prachtvollen Kleides vermisst. War es rot? Pink? Blau? Bei dunkelblonden Haaren könnte es hellblau sein. Rot würde die Haare und die dadurch sicherlich noch vergleichbar helle Haut zu entsättigen und pink ist zu mädchenhaft für das bisherige Auftreten Carolinas. Besitzt es einen Unterrock? Weiß? Blau? Ist es schulterfrei? Ist es ein Cocktailkleid? Besitzt es einen V-Auschnitt? U? W?
      Und wie sah die Kleidung des Vaters aus? Mit Gold verziert? Silber? Bronze? Grün?
      Du solltest darauf achten, dass du Wörter wie 'nun' nicht zu oft wiederholst. Das ist nämlich monoton und stört eher beim Lesen und die deutsche Sprache offeriert mehr als genug Begrifflichkeiten für solche zeitlichen Ereignisse. Nutze sie! Schau nach Synonymen.
      Was ist zwischen den beiden Menschen vorgefallen? Was hat er getan, dass sie sich so abweisend ihm gegenüber zeigt?
      Man vergisst übrigens das "Gefühl von Raum und Zeit", nicht "für Raum und Zeit". Zumindest in dem Kontext.
      Ansonsten ein schönes Kapitel!
    • So, dann möchte ich mich eben für deinen Kommentar bedanken und direkt auf deine Fragen eingehen! Also, zur Verständnis, das Kleid war eher cremefarben bis orange, sodass es sich sehr der etwas hellen Hautfarbe Carolinas anpasst und ihre dunkleren Haare dadurch mehr hervorstechen lässt. Das Kleid an sich ist nicht allzu lang, es reicht nicht ganz auf den Boden, man kann sagen, dass es ihre Füße nur ganz knapp bedeckt. Es soll etwas aufgeplustert wirken, aber ganz nach Carolinas Geschmack, etwas natürlicher sein als andere Kleider aus damaliger Zeit.
      Zu dem Gewand des Vaters... Also ich habe mir es nun so vorgestellt, dass es ein dunkelblaues, beinahe violettes Gewand mit großen überschlagenen "Ärmelenden", sage ich mal, ist. An den Stellen, wo sich die Knöpfe befinden ist es mit goldenen Streifen verziert. Und zu der Länge: es sollte ungefähr bis zu den Knien gehen. Der Vater trägt übrigens eine weiße Strumpfhose. ;)
      So, nun möchte ich mich nochmal bedanken und gleich das nächste Kapitel posten, indem mal etwas mehr passiert!


      KAPITEL ZWEI:
      "Das Leben einer Lady"



      St. Theodore, 27. Juli 1761


      „Carolina?“, fragte eine Stimme neben mir. Jemand rüttelte an mir. „Liebes? Sag doch was!“
      Bevor die Stimme hektischer wurde, öffnete ich die Augen. Die Kutsche, in der ich saß, schien über einen großen Felsen gefahren zu sein und für eine Sekunde schwebte ich einen Zentimeter über der Sitzbank.
      „Sind wir schon da?“, fragte ich noch etwas benommen.
      „Mitnichten“, rief die Stimme und die Person lachte lautstark los. „Liebes, die Fahrt dauert knapp zehn Minuten und es ist nicht einmal eine einzige vergangen!“
      Ich drehte den Kopf zur Seite. Neben mir saß ein Mann mittleren Alters. Vater. Ich seufzte.
      „Ich verstehe nicht, aus welchem Anlass ich mitkommen soll“, sagte ich. „Du weißt genau, dass ich Noules hasse, Vater.“
      „Hasse?“, fragte er zornig. „Liebes, dieser Mann ist das Vorbild eines jeden Briten und ehemaligen Soldaten!“
      „Deckschrubber“, sagte ich entnervt. Vater sah mich fragend an. „Du warst ein Deckschrubber, kein Soldat und deshalb sollte er auch nicht dein Vorbild sein. Vor allem; der Junge ist keine dreißig Jahre alt und du bist…“
      „Sag so etwas nicht“, sagte Vater. „Ende der Konservation.“
      Wieder wollte ich mich zurücklehnen, als mich ein schrilles Wiehern aus meinem Tagtraum riss. Ich streckte meinen Kopf aus dem Fenster. Die Galoppa scheuten und bäumten sich auf. Ich streckte mich noch weiter aus dem kleinen Fenster hinaus und sah, dass eine Schar Soldaten der Poké Navy den Weg versperrt hatten.
      „Stehen bleiben“, brüllte einer der Männer. Er saß auf einem prächtigen Galoppa mit aschfahler Mähne. Seine Augen schweiften über die Kutsche, bis er mir plötzlich direkt in die Augen sah. Ich steckte meinen Kopf schnell wieder in die Kutsche und wedelte hektisch mit einem Fächer, der neben mir lag, in mein Gesicht.
      Ich hörte, wie er von seinem Pokémon absprang und zur Kutsche marschierte. Dann hörten die Schritte auf. Ich wagte es nicht meinen Kopf nach links zu wenden.
      „Wen haben wir denn da?“, fragte der Soldat höhnisch. Die Soldaten, die nun hinter im standen und alle auf mich glotzten, fingen an zu lachen.
      „Den obersten Bürgermeister der Stadt St. Theodore City und Herr über die Insel St. Theodore“, rief mein Vater zornig und tauschte mit mir den Platz. Er stieg aus der Kutsche aus und musterte die Soldaten. Der, der mich belästigt hatte, wurde rot im Gesicht.
      „V-v-erzeihung“, sagte der Soldat, verbeugte sich schnell und rannte dann schnell wieder zu seinem Galoppa. Die anderen Soldaten folgten ihm.
      „Was war das?“, fragte ich. Mir fiel auf, dass ich schwitze, obwohl es nicht allzu heiß war.
      „Männer von Noules“, sagte Vater kopfschüttelnd. „Ich hoffe, er hat mehr Verstand als seine Soldaten.“ Während er noch ein paar wütende Worte vor sich hinredete, stieg er wieder in die Kutsche ein, die sich anschließend in Gang setzte.

      Wieder stoppten wir, diesmal schienen wir aber angekommen zu sein. Vater stieg aus der Kutsche und erschien draußen auf meiner Seite. Er streckte mir die Hand entgegen und sah mich demütig an.
      Ich erwiderte seinen Blick, machte einen Knicks und nahm in bei der Hand. Er führte mich aus der Kutsche. Wir befanden uns auf dem großen Platz im Zentrum der Stadt.
      Alles wirkte sehr feierlich, Girlanden hingen an den Häusern und einige Holzbänke waren aufgestellt. Trotz des feierlichen Anlasses schienen nur sehr wenige Menschen da zu sein, kein Bürger der Stadt, abgesehen von den wenigen Adligen, schienen anwesen zu sein. Der Platz war wie leergefegt.
      Mein Vater führte mich weiter durch die Sitzreihen. Die Adligen tuschelten in kleinen Gruppen, manche ältere Männer starrten mich an. Schließlich waren wir bei einem Holzpodest angekommen, der ebenfalls feierlich geschmückt war.
      Auf ihm stand ein Mann, vielleicht neunundzwanzig Jahre alt. Noules. Er trug eine prächtige Uniform in den Farben der Navy und damit der britischen Marine und Armee.
      „Seid gegrüßt, Gouverneur“, sagte Noules.
      „Willkommen, Sir“, erwiderte Vater. Er ließ meine Hand los und verbeugte sich kurz vor Noules, der ihn gebieterisch anstarrte. Dann fiel sein Blick auf mich.
      „Wie ich sehe, habt ihr eure reizende Tochter mitgebracht“, sagte Noules und kam vom Podest herunter. Dafür, dass er so viel Macht besaß, war er nicht von großer Statur gebaut. „Hallo, Kleines.“
      Seine höhnischen Worte und seine grausam betörende Stimme drehten mir den Magen um. Am liebsten hätte ich ihn geohrfeigt.
      „Guten Tag, Edward“, sagte ich spöttisch. Noules sah mich entgeistert an, wie als wüsste er nicht, warum ich mich so aufregte. Dann drehte ich mich um und wand mich an alle Anwesenden. „Entschuldigung meine Herren.“
      Ich nahm mein Kleid hoch und stapfte wütend davon, wissend, dass mich knapp dreißig Leute verwundert und teilweise zornig anstarrten.
      „Aber Carolina“, stammelte mein Vater, doch er blieb wie angewurzelt stehen und ließ mich in die Kutsche einsteigen und davonfahren.


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

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    • KAPITEL DREI:
      "Verloren"



      St. Theodore, 27. Juli 1761


      Während wir uns auf den Weg zur Villa machten, zerstörte ich meine Frisur und öffnete meine Haare. Der Kutscher, der eigentlich still zu sein hatte, fing plötzlich an zu lachen. Ich streckte meinen Kopf aus dem Fenster und merkte, dass wir langsamer wurden.
      Gerade wollte ich den Kutscher fragen, wieso, als ich plötzlich ein merkwürdiges Kreischen ganz in meiner Nähe hörte. Es war definitiv nicht das Kreischen eines Menschen, zudem waren wir schon längst von den Straßen der Stadt abgekommen und befanden uns auf einem schäbig gepflasterten Pfad inmitten eines kleinen Dschungels.
      Ich wendete meinen Blick vom Kutscher ab und sah in die Baumreihen hinein. Sträucher raschelten und langsam hörte man, wie Gras zertreten wurde. Mir wurde es mulmig zumute.
      „Kutscher“, brachte ich beängstigt hervor. „Ich glaube, ein schnelleres Tempo wäre angebracht.“
      Plötzlich entdeckte ich Köpfe, die hinter den bewachsenen Hügeln erschienen und sich rasch näherten.
      „Los“, schrie ich verzweifelt.
      Der Kutscher benutze seine Peitsche und die Galoppa preschten los. Jetzt hörte ich auch raue Stimmen, die auf unterschiedlichsten Sprachen brüllten.
      Ich presste meinen Körper an die Lehne und hoffte, dass wir irgendwohin kamen, wo diese Menschen nicht waren. Dann fiel mir ein, dass ich völlig allein war. Der Kutscher war ein Fremder und ich eine junge wehrlose Dame.
      Wir fuhren in einem extremen Tempo, also wagte ich mich schließlich, aus dem Fenster zu schauen. Ich streckte meinen Kopf hinaus und sah plötzlich den Kopf eines Mannes mit Vollbart, Goldzähnen und einem höhnischen Lächeln, der in das Fenster hineinlugte.
      Ich schreckte zurück, schrie entsetzt auf und rückte so weit wie möglich ans rechte Ende der Sitzbank. Dann hörte ich Schüsse. Die Kutsche wurde langsam, bis sie ganz stehen blieb. Ich spürte, dass ich hektisch atmete und dass sich meine Finger fest in das Leder hineingegraben hatten.
      „Hallo, Lady“, sagte der Mann, der an dem Fenster gehangen hatte. Er holte einen breiten Säbel mit ungleichmäßiger Klinge hervor und machte sich auf, in die Kutsche einzubrechen. Ich sah ihn nur geschockt mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund an.
      Plötzlich wurden die Stimmen lauter. Ich konnte mich weder sortieren, noch an irgendetwas denken, außer daran, dass man gekommen war, um mich entweder zu töten oder gefangen zu nehmen, um mich dann wiederum zu verkaufen, vergewaltigen oder dann zu töten.
      Ich versuchte mich auf irgendeine Art zu beruhigen. Schließlich konnte ich wieder klar denken. Ich nahm die Klinke der rechten Tür der Kutsche in die Hand und rüttelte an ihr. Sie war verklemmt. Ich rüttelte mit aller Kraft und schließlich brach die Tür auf. Der Mann auf der linken Seite saß fast in der Kutsche.
      Ich nahm das Kleid hoch und rannte so schnell es nur ging von der Kutsche weg. Die Stimmen entfernten sich, ich hoffte so sehr, dass sie es nicht auf mich abgesehen hatten.
      Plötzlich stolperte ich über einen Stein und schlug mir die Knie auf. Das Blut färbte das Innere meines Kleides dunkelrot. Die Absätze meiner Schuhe waren abgebrochen, also zog ich sie schnell aus. Ich lag im Gras und presste mich an den Boden, in der Hoffnung, dass mich niemand sah oder gesehen hatte.
      Es musste wirklich lächerlich ausgesehen haben, wie ich wie ein tollpatschiges Kind gestolpert bin und in den Sträuchern verschwand. Zudem hatte ich auch noch einen amüsanten Laut ausgestoßen, der hoffentlich nicht allzu laut gewesen war.
      Dann wurde es still. Die Rufe der Leute, die ich gehört hatte, waren verstummt. Selbst die Vögel hatten aufgehört zu zwitschern. Es herrschte Totenstille.
      Auf einmal fielen wieder Schüsse. Vier Schüsse, um genau zu sein. Ich zählte sie, in der Hoffnung, dass es die letzten waren. Dann hörte man einen dumpfen Laut, wie das Aufkommen eines Gegenstandes auf der Erde. Jemand wurde getötet. Der Kutscher.
      Wieder fing ich an hektisch und laut zu atmen und riss die Augen auf. Mir wurde klar, dass wenn ich entdeckt wurde, keine Chance auf ein Überleben hatte. Also entschloss ich mich dazu, weiter zu rennen. Ich nahm mein Kleid und riss es ab, sodass es so lang wie ein Rock war. Meine Schuhe zog ich aus und versteckte sie schäbig unter einem Gebüsch, auch die Fetzen meines Kleides fanden dort ihre letzte Ruhe.
      Dann stand ich schnell auf und rannte weiter. Mir war klar, dass dies Aufmerksamkeit erregt haben musste. Lautes Gebrüll ertönte wieder. Ich sah mich schon leblos am Boden liegen, mit einem Loch im Rücken und mit einem vor Schmerz verzerrtem Gesicht im Gras liegen.
      Ich wollte schreien, doch was bracht es mir? Die Leute wussten, ich war nur eine junge Frau mit wunden Füßen und verletzten Knien. Und selbst wenn ich entkam – wo sollte ich hin? Woher wusste ich, dass sie mich nicht suchen würden?
      Ich spürte wie die Farbe aus meinem Gesicht wich. Ich war nicht bereit so zu sterben. Ich fing während des Laufens an mir Vorwürfe zu machen. Warum war ich in die Stadt mitgekommen? Warum hatte ich von Anfang an den Willen dazu, etwas Unverzeihliches zu tun? Warum hatte ich mich nicht beherrschen können und warum hatte ich Noules beleidigt? Warum war ich vollkommen einsam in die Kutsche gestiegen und losgefahren?
      Mir schien es, als würden die letzten Tage an mir vorbei ziehen. Ich begann mich an Dinge zu erinnern, die ich längst vergessen hatte. Schließlich hörte ich auf zu rennen. Ich starrte vor mich und setzte mich langsam ins Gras. Tränen flossen meine Wangen hinunter und ich ließ mich zu Boden fallen.
      Ich schloss die Augen und erwartete den Tod.


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

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    • Hallo Raikachu,

      zuerst einmal gefällt mir die Geschichte sehr gut. Dein Schreibstil und deine Art, dich zu auszudrücken ist auf einem Top-Niveau. :) Du schreibst fehlerfrei (ausser ich hab was übersehen xD) und die Ich-Perspektive von Carolina kommt auch sehr überzeugend rüber. ^^
      Von dem, was bis jetzt passiert ist, kann man sich atmosphärisch gut in die Zeit hineinversetzen. Du schaffst es, das Umfeld und Details gut zu beschreiben, sogar noch besser, als dir Dusk diesen Tipp gegeben hast.
      "Von dem, was bis jetzt passiert ist" wäre eigentlich auch mein Kritikpunkt an deiner Geschichte, denn das ist genau genommen noch nicht so wahnsinnig viel, selbst für drei Kapitel. 50 - 60 Zeilen haben nur genug Inhalt, wenn du nur bei grösseren Unterbrechungen Abschnitte setzt, was bei dir hingegen sehr oft eintrifft. Wenn du diesen Stil beibehalten möchtest, wären Kapitel von 70 - 100 Zeilen vielleicht gehaltvoller, aber das ist nur meine Ansicht. ^^

      Ich bin gespannt, wie es mit Carolina weiter geht. Ob die Banditen sie aufspüren werden? Ich freu mich schon, wenns weitergeht. :hihi:

      Liebe Grüsse :)
    • hab jetzt Kapitel 1, 2 und 3 gelesen und bin positiv überrascht!
      Dein Schreibstil gefällt mir sehr und es war gut, dass du die ichperpektive gewählt hast, denn die gelingt dir besonders gut:)!

      Ui die arme Carolina:(
      Na ja so war das eben in der karibik, und das hast du ebenfalls sehr gut umgesetzt. Wie ich schon geschrieben hab, man fühlt sich richtig in die Zeit hineinversetzt!
      Ich hab eigentlich nichts zu kritisieren, nur eine kleine Bitte:
      Könntest du den Kapiteln Namen geben?:hihi:
    • Und noch einmal danke ich für die überaus nette und konstruktive Kritik! Dass euch mein Schreibstil gefällt, freut mich übrigens sehr. Das mag zwar ein wenig eingebildet klingen, aber wer viel liest, erlangt eben auch eine gewisse höhere sprachliche Kompetenz. Tolkiens Der Herr der Ringe-Trilogie hat mich in Sachen Schreibstil sehr inspiriert. ;) Und nun soll es auch mit einem bzw. zwei Kapiteln weitergehen... Ach so, da es ja bemängelt wurde, dass die Kapitel keine Titel tragen, werde ich das im Folgenden natürlich ändern. :)

      ― Beiträge automatisch zusammengefügt ―

      KAPITEL VIER:
      "Tollkirschen"



      irgendwo auf St. Theodore, 29. Juli 1761


      In meinen Ohren klangen noch immer die rauen Stimmen der Männer, welche dann langsam verstummte, als ich in Ohnmacht fiel. Es hatte lange gedauert, bis sie mich gefunden hatten, ich hatte so sehr gehofft, dass ich einfach sterben würde.
      Und nun war ich an einem unbekannten Ort, unter mir spürte ich einen kalten und harten Boden. Ich trug noch immer mein Kleid, welches sich nun nur noch anfühlte wie ein zerfetzter Lumpen.
      Ich wagte es kaum die Augen zu öffnen. Ich entschloss mich dazu, meine Umgebung abzutasten, doch vorher versicherte ich mich, dass niemand da war.
      Ich lauschte eine kurze Zeit. Niemand schien in meiner Nähe zu sein.
      Schließlich stand ich auf. Es kam mir ein wenig dämlich vor, mit den Augen zugekniffen im Nichts herumzutorkeln. Ich lief gerade aus, zumindest fühlte es sich so an. Plötzlich stießen meine Finger auf etwas Kaltes. Eine Wand? Mir wurde klar, dass es nichts brachte die Augen zuzukneifen. Mittlerweile fragte ich mich, warum ich das überhaupt getan hatte.
      Ich öffnete die Augen langsam. Zu meiner Verwunderung war es nicht so dunkel im Raum, wie ich vermutet hatte. Es war eine kleine Hütte, so wie es schien, schäbig zusammengezimmert aus Lehm und Natursteinen. Ich blickte nach oben. Das Dach war aus getrocknetem Gras auf morschen Holzbalken gebaut und hatte überall Löcher, durch die das abendrote Licht fiel.
      Ich drehte mich um. Vor mir war ein menschengroßes Loch in der Wand, was anscheinend den Ein- und Ausgang der Hütte sein sollte. Dann sah ich nach unten. Der Boden, auf dem ich gelegen hatte, war nicht mehr als Erde, die mit Füßen geebnet worden war.
      Nun, da ich die Hütte beinahe in- und auswendig kannte, fragte ich mich, was nun. Erst jetzt fiel mir ein, dass ich hierhin verschleppt worden sein musste. Wer waren meine Entführer? Wo genau war ich? War ich noch auf St. Theodore? Das waren Fragen, die mir durch den Kopf gingen.
      Ich begann langsam eine Flucht zu planen. Ich wagte es nicht die Hütte zu verlassen, aus Angst, dass die Entführer draußen darauf warteten, dass ich herauskam. Doch wieder waren die Gefahr und das Risiko unumgänglich, um zu entkommen oder gar versuchen zu entkommen.
      Ich tappte leise auf den Eingang zu. Die Hütte befand sich also mitten in einem Dschungel, doch ich hörte das Meer rauschen, die Hütte musste an der Küste liegen, vielleicht in einer Bucht, wie es bei vielen Inseln in der Karibik der Fall war. St. Theodore wies drei Buchten auf, Privateer’s Bay, Caleta De Fundación und Harbour Bay und nur eine davon lag tatsächlich nahe eines Dschungels; Caleta De Fundación, welche der Ort der Landung der Spanier vor zweihundert Jahren war. Sie hatten die Insel San Teodoro genannt, ein merkwürdiger Zufall, da mein Vater nie gewusst hatte, dass die Insel bereits einen Namen hatte.
      Ich war schon oft in der Bucht gewesen, meine Mutter hatte mich dorthin begleitet, um Muscheln zu sammeln. Vor fünf Jahren war ich zuletzt dort, seitdem war niemand mehr in der Bucht gewesen.
      Ich wagte es schließlich aus der Hütte hinauszugehen; ich hatte mir vorgenommen so schnell wie möglich im Dschungel zu verschwinden und dort eine Weile auszuharren. Waren keine Menschen in der Nähe wollte ich mir einen Weg zu einem Fischerdorf bahnen, welches beim Privateer’s Bay lag.
      Niemand schien in der Nähe zu sein, der Dschungel war abgesehen von ein paar jungen Affen komplett still. Ich huschte zu einem großen Hibiskusbusch, der nahe der Hütte lag. Immer noch niemand zu entdecken.
      Ich lief weiter, nun hinter eine Palme. Mein Blick schweifte über den tropischen Wald, die Hütte war nun erstaunlich fern. Nachdem auch diesmal nichts zu hören, geschweige denn zu sehen war, rannte ich los. Der Dschungel war dunkel, die Sonne war untergegangen und meine Füße kalt.
      Doch ich konnte mich durchschlagen. Der Wille nach Freiheit und danach, all das zu vergessen, war unglaublich groß. Selbst die Splitter, die sich langsam an meinen Füßen sammelten, hielten mich nicht davon ab, weiter zu rennen.
      Umso länger ich rannte, desto unvorsichtiger wurde ich. Auf seltsame Art und Weise begann mir die Flucht Spaß zu machen. Ich lachte laut los, blieb spaßeshalber stehen, ließ mich ab und zu absichtlich fallen und drehte mich schließlich nur noch im Kreis. Meine Gedanken waren vernebelt und ich hatte kaum Kontrolle über meinen eigenen Körper.
      Meine Flucht endete wieder darin, im Gras zu liegen und bewusstlos zu sein.


      ZWISCHENKAPITEL EINS:
      "Erinnerungen"



      Das kleine Mädchen bückte sich und hob eine große Muschel auf. Sie war größer als die zarte Hand des Mädchens, es freute sich und grinste breit.
      Eine junge Dame stand neben ihr, sie trug ein langes blaues Kleid mit Schürze und weißer Haube. Beide waren nobel angezogen, sie gehörten definitiv der Adelsschicht an.
      Sie befanden sich auf einem Strand. Das kristallklare Wasser spiegelte die hell scheinende Sonne. Das kleine Mädchen rannte fröhlich herum und die Mutter sah ihrem Kind vergnügt zu. In ihrer Hand hielt sie einen Fächer.
      Das Mädchen war nun bereits weit weggerannt und die Mutter hatte Schwierigkeiten es zurückzupfeifen, da das Brausen der Wellen immer lauter wurde. Langsam wurde auch der Seewind stärker, die Haube der Frau löste sich von ihrem Kopf und wurde mit dem Wind weggerissen.
      Sie flog weiter hinauf in den Himmel, der sich mittlerweile von einem hellblau in ein dunkelgrau gefärbt hatte. Die letzten Sonnenstrahlen verschwanden und wurden von der dicken Wolkenschicht verdeckt. Die Haube verschwand mit der Sonne vom Himmel.
      Die Frau schrie den Namen ihres Kindes, doch sie erhielt keine Antwort. Ihr Ruf verhallte im Wind wie als würde man versuchen gegen das Getrommel von hundert Trommeln schreien. Das Meer und der Wind schienen ihre Furcht und Verzweiflung einfach zu verschlucken, doch nicht freiwillig.
      Gerade wollte die Frau loslaufen und ihr Kind suchen, da erschien das Mädchen hinter einer Sanddüne und schien nicht sehr besorgt zu sein. Die Mutter atmete erleichtert auf, doch ihr Lächeln verflog, als sie sich umdrehte und ihr Blick auf das Meer fiel, welches nun bedrohlich und tödlich wirkte.
      Am Horizont ragte eine Spitze aus dem Meer, wie ein Speer, welches von tief unten vom Meeresgrund gen Himmel gestreckt wurde. Der Speer wurde größer und bald erkannte man einen schwarzen Fleck, der im Wind flatterte. Es war das Zeichen des Todes, der rasch folgen sollte.
      Bevor noch mehr zu sehen war, nahm die Frau ihr Kind auf den Arm und rannte los. Sie kannte das Zeichen, die Standarte, schon einmal hatte sie ihn gesehen. Der Name, der ihr durch den Kopf schoss, machte sie wahnsinnig. Ihre Furcht war groß, doch sie wusste; sie durfte ihre Tochter nicht im Stich lassen.
      „Hilfe“, schrie die Frau kraftlos. Sie hatte ihre Tochter und sich schon weit in einen Dschungel gebracht, der nahe der Küste gelegen hatte. Niemand war da und die Zivilisation schien weit entfernt.
      Doch bald kamen sie bei einem Fort an, welches aus dem Dschungel herausragte. Es war wie eine Insel im Meer von tropischen Bäumen. Soldaten kamen herausgelaufen und brachten die Frau und ihr Kind sicher in die Festung hinein.
      „Der Himmel hat euch geschickt“, keuchte die Frau. Sie übergab das Kind einer anderen Frau, die sich im Fort befand. „Piraten! Sie sind hier!“
      Mit diesen Worten klappte die Frau zusammen und schloss die Augen.

      „Auf Gefechtsstation“, brüllte ein Soldat in prächtiger Uniform. Die anderen Soldaten marschierten auf die Mauern und machten die Kanonen bereit. Dann murmelte der Soldat zu sich. „Betet zu Gott, dass dies nicht die Distress ist.“
      „Die Distress?“, fragte ein Junge in der Nähe.
      „Richtig, die Distress“, antwortete der Kommandant. „Sie ist eines der letzten großen Piratenschiffe in der Karibik, sie gehört John Halsey, diesem Piratenschwein.“
      „P-p-piraten“, wiederholte der Junge. „Sind sie so furchtbar?“
      „Aye“, sagte der Kommandant. „Zumindest ist es Halsey. Man sagt die Kanonen der Distress haben eine Reichweite von über einhundert Metern und, bei Gott, diesem Schiff würde ich alles zutrauen.“
      „Werden wir diesen Kampf überleben“, fragte der Junge. „Das hängt ganz davon ab, ob die Gerüchte wahr sind oder nicht. Wenn ja, dann lauf lieber, denn das wird kein gutes Ende nehmen.“
      Ein Schuss fiel. Der Mann sah dem Jungen in die Augen. Alles schien normal. Dann lief Blut aus dem Mund des Jungen. Der Mann sah nach unten. Der Junge fiel leblos zu Boden.
      „Gott“, sagte der Kommandant entsetzt. Dann wand er sich zu seinen Soldaten und brüllte: „Feuer! Volle Breitseite, diese verruchten Schweine dürfen dieses Fort nicht erobern, ihr legt euer eigenes Leben in eure Hände!“

      Das Aufschlagen der Kanonenkugeln auf den Boden, gegen Bäume, Palmen und die Mauer betäubten die Ohren der Soldaten. Geschrei des Todes, Befehle und Leichen flogen durch die Luft. Der Kommandant versuchte alles um den Feind zurückzudrängen. Kein Feind drang in die Festung ein, kein Schuss eines Gewehres fiel mehr, nur Kanone gegen Kanone.
      Plötzlich herrschte Stille. Die Feinde hatten aufgehört zu schießen, nur die letzten Kugeln aus dem Fort preschten durch den Wald an die Küste. Die Soldaten sahen sich fassungslos an.
      „Das Zeitalter der Piraten ist nicht vorbei“, murmelte ein Soldat an einer Kanone neben dem Kommandanten.
      „Nein, das ist es nicht“, antwortete der Kommandant. „Wer auch immer noch am Leben ist, schickt einen Boten. Er soll ganz St. Theodore hiervon berichten. Wenn die Karibik das Spektakel vor fünfzig Jahren nicht wiederholen will, wäre es vielleicht von Vorteil, wenn Sir Noules davon erführe, dass die Distress wieder da ist.“


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    • Die Situation scheint ja gewaltig an Carolinas Psyche zu nagen. Na hoffentlich hat sie wenigstens die Idioten abgehängt. Vielleicht wird sie diesmal von jemandem gefunden, der ihr zur Abwechslung mal etwas gutes tun will. ^^
      Hab ich das richtig verstanden, dass es sowohl normale Affen als auch Affenpokemon gibt? :o
      John Halsey scheint also vorerst die Rolle des Antagonisten zu übernehmen, interessant. Ich bin gespannt, warum er so gefürchtet ist, scheint ja ein richtiger Fiesling zu sein. Schönes Kapitel, weiter so. ^^ Wirst du uns mit dem Cliffhanger in die Festtage schicken oder kommt noch Part V vorher? :p
    • Also zur Verstädnis; da ist mir wohl ein kleiner Fehler unterlaufen. Natürlich sind alle Tiere in dementsprechende Pokémon umgewandelt, in dem Fall habe ich das übersehen, sorry. :/ Kleine Korrektur: nicht Affen, sondern Menki. Was die nächsten Kapitel angeht, habe ich es soweit geplant, dass ich demnächst für Weihnachten und die Festtage ein größeres Kapitel schreiben werde. Morgen erscheint dann das nächste Kapitel und dann für Heiligabend und die Festtage eben ein sehr großes. Und dass Halsey der Antagonist ist, hast du ganz richtig erkannt, aber dazu will ich nichts genaueres bekanntgeben, außer, dass er der "größte" der Bösewichter ist. Vielen Dank für den Kommentar! :D


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    • KAPITEL FÜNF:
      "Der Junge, den sie Jolly nannten"



      irgendwo auf St. Theodore, 30. Juli 1761


      „Piraten“, dachte ich.
      Meine Augen waren geöffnet. Ich lag noch immer dort, wo ich in Ohnmacht gefallen war. Mein Kopf schmerzte. Was war passiert? Ich erinnerte mich nur daran, dass ich die Kontrolle über mich verlor.
      „Jemand hat dir ein Gift verabreicht, damit du nicht entkommst“, sagte jemand neben mir. „Nervengift, nichts womit man spaßen sollte. Sie müssen wohl ein europäisches Schiff gekapert haben, denn in der Karibik findest du keine Tollkirschen.“
      „Gift?“, rief ich entsetzt und stand blitzartig auf. Neben mir saß ein junger Mann in meinem alter auf einem Baumstamm. Er hatte relativ helle Haut, doch sie war von der karibischen Sonne gebräunt. Seine Haare waren dunkelbraun und zu einem Zopf hinten zusammengebunden. „Man hat mir Gift verabreicht?“
      „Aye“, sagte der junge Mann. Er stand auf und wollte mir seine dreckige Hand reichen. „Ich bin übrigens Jolly und du?“
      „Caro-“, sagte ich, doch stoppte abrupt. „Ich darf ja wohl sehr bitten! Ich bin Carolina Dunkin, Tochter des Gouverneurs von St. Theodore!“
      „Oh“, rief der junge Mann. „Dann…“ Er stand auf und verbeugte sich vor mir. Er hatte ein verspottendes Lächeln aufgesetzt. „Mylady?“
      „Das ist doch absurd“, fuhr ich ihn an. Der junge Mann, Jolly, schreckte zurück. „Warum bin ich überhaupt noch hier? Anstatt mich mit euch zu unterhalten, sollte ich längst zu Hause sein.“
      Noch etwas benommen stapfte ich davon, doch der junge Mann lief mir hinterher.
      „Halt“, sagte er. „Ich bin nicht zum Spaß hier. Meine Aufgabe war es, dich zu beschützen.“
      „Beschützen?“, antwortete ich. „Wenn ich von jemanden beschützt werden will, wähle ich Leute, die mir vertraut sind. Und ihr, ihr seid mir weder bekannt, noch hatte ich überhaupt die Wahl, ob ich beschützt werden will!“
      Gerade wollte ich wieder loslaufen, da packte mich der junge Mann am Arm. Ich blieb stehen, machte meinen Mund auf und wollte etwas sagen, klappte den Mund wieder zu und funkelte ihn zornig an.
      „Lasst mich sofort wieder los oder ich jage euch die gesamte britische Marine auf den Hals.“, sagte ich.
      „Warum duzen wir uns nicht?“, antwortete der junge Mann fröhlich, als hätte er mich nicht gehört. „Also, noch mal, ich bin Jolly und du bist die hübsche und temperamentvolle Carolina.“
      „Würdet ihr das bitte lassen?“, sagte ich wütend. Der junge Mann machte mich beinahe so wütend wie Noules es tat.
      „Du darfst mich auch ruhig James nennen“, rief der junge Mann. Er hatte mich losgelassen und ich lief in raschem Tempo los.
      Als er keine Antwort erhielt und ich schon fast außer Sichtweite war, gab er es auf und lief zurück zu dem Ort, wo ich aufgewacht war.
      Ich blickte hinter mich. Der Junge war hinter einem Hügel verschwunden. Ich befand mich wieder mitten im Wald, doch diesmal schien er mir vertraut zu sein.
      Ich bog links ein, da ich wusste, was mich dort erwartete. Voller Vorfreude und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, stolperte ich vorwärts.
      „Hallo, Carolina“, sagte eine Stimme direkt vor mir. Ein paar Zentimeter vor mir war der Junge hinter einem Baum aufgetaucht. Ich schreckte auf und konnte mir einen lauten Schrei nicht verkneifen.
      „Leise“, flüsterte er. „Oder willst du, dass sie kommen?“
      „Piraten?“, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen. „Oh, mit Piraten habe ich schon genug Erfahrung gesammelt und wenn sie einer sind, dann würde ich mich sehr freuen, sie hängen zu sehen!“
      Der Junge prustete los und konnte es sich nicht verkneifen wenigstens zu schmunzeln. Er drehte sich um und hielt sich die Hand vor den Mund.
      „Also wenn ihr mich fragt, St. Theodore ist nicht gerade das piratenunfreundlichste Inselchen in der Karibik“, sagte er. „Falls du es nicht bemerkt hast, das gesamte Fischerdorf, zu dem du scheinbar willst, ist ein überaus beliebter Hafen, den Piraten gerne anlaufen.“
      „Und warum, erklärt mir, hat die gesamte Royal Navy noch keinen einzigen Piraten hier entdeckt?“, fragte ich.
      „Vielleicht weil Piraten keine dämlichen einsamen Draufgänger sind, wie ihr zu denken scheint“, sagte der Junge. Um so mehr ich mit ihm stritt, desto mehr kam es mir vor, als würden wir uns schon seit ewig kennen. „Ich fürchte es wäre zwecklos dir die glorreiche und lange Geschichte der Piraten zu erzählen.“
      „Ja, das wäre es wohl“, antwortete ich und hoffte damit das Gespräch beenden zu können. „Und nun werde ich mich davon überzeugen, ob ihr auch recht habt, Jolly.“ Ich sprach seinen scheinbaren Spitznamen spöttisch aus.
      „Carolina“, sagte er, als ich mich entfernt hatte. „Ich bin kein Pirat, auch wenn mein Name etwas ganz anderes sagt, falls du weißt, was ich meine.“
      „Ja, ja“, rief ich genervt. „Jolly Roger, die berühmt-berüchtigte Piratenflagge. Tu nicht so, als wüsste ich nichts davon.“ Ich fragte mich, warum ich ihn plötzlich zu duzen begann.
      Umso weiter ich lief und umso mehr ich mich von Jolly entfernte, desto mehr fürchtete ich, dass er mit seinen Aussagen über mein Ziel recht hatte.


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    • Haha, Jolly der Verrückte. xD Der Charakter gefällt mir jetzt schon. Er scheint ja ganz schön flott zu sein, dass er Carolina erneut den Weg abschneiden konnte. Er ist Quajutsu der Frokage!
      Ich gehe mal stark davon aus, dass die beiden die aller besten FRRRRRRRRRRRRRIENDS werden. :p ^^
    • Lass dich da mal überraschen, ich glaube das wird eine lustige Beziehung und morgen geh es dann weiter, das Kapitel hab ich zwar schon geschrieben, aber wäre doch schade jetzt schon zu erzählen, was als nächsten passiert. ;) :P


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    • KAPITEL SECHS:
      "Das Zeichen wurde gesetzt"



      nahe Porrins, 30. Juli 1761


      „Wir sehen uns in Porrins, Carolina“, rief mir Jolly hinterher. „Wenn du nach deinem Besuch dort noch leben willst, dann triffst du mich lieber beim Gasthaus Zum faulen Seehund.“
      Ich rollte meine Augen. Porrins war schon immer ein verschlafenes Städtchen gewesen, ein paar Fischer hier, ein paar Kaufleute aus den Kolonien da. Aber man muss gestehen, die Stadt war nie sonderlich interessant für den Gouverneur gewesen und man wusste kaum, was dort vor sich ging.
      Endlich wurden die Abstände zwischen den Bäumen breiter und weniger wildes Gestrüpp war am Boden vorzufinden. Bald konnte ich die kleinen Hütten des Dorfes erkennen.
      Ich musste schrecklich ausgesehen haben mit meinen völlig verdreckten und zerfetzten Klamotten und der wilden Frisur. Trotzdem beachteten mich die Leute, die auf den engen Gassen umherwuselten, eher wenig. Der ein oder andere feiner angezogene Herr betrachtete mich ein wenig misstrauisch, aber sonst schien ich völlig unbemerkt zu bleiben.
      Nun war ich wieder in der Zivilisation. Mein Weg führte mich zum Hafen des Dorfes, ein breiter Steg für größere Schiffe und einige kleine für die Fischerboote. Hier waren ein paar Männer, die am Rande des Stegs saßen und aus ihren Flaschen tranken. Als ich an ihnen vorbei kam, starrten sie mich an und tuschelten miteinander. Mir wurde schnell klar, dass das vermeidlich friedliche Dörfchen voll von betrunkenen und gefährlichen Seemännern war.
      Ich lief nun in einem etwas zügigeren Tempo wieder zurück in die Stadt. Ich blickte in die verschieden Gassen, in der Hoffnung Jolly dort zu entdecken. Plötzlich stand ein riesiger Mann vor mir. Er sah mich finster an und ich tappte zurück.
      „G-guten Tag“, stammelte ich.
      „Hallo, Carolina“, sagte der Mann. Er hatte eine dunkle Haut und ein Band um seine Stirn gewickelt. Seine Stimme war rau und tief. „Jolly sagte mir, ich solle dich zum Faulen Seehunden führen.“
      „Hat er das?“, sagte ich.
      „Hat er“, antwortete der Mann. „Ich bin übrigens Yaris, freut mich dich kennen zu lernen.“ Er reichte mir die Hand.
      „Ähm… die Freude ist ganz meinerseits“, sagte ich noch etwas schüchtern und schüttelte Yaris’ Hand. Er grinste.
      „Komm, Carolina, es wird Zeit zu gehen“, sagte Yaris. „Es wird bald dunkel und diese Stadt ist selbst tagsüber nicht geheuer.“
      Er bat mich ihm zu folgen. Ich wusste nicht ganz, ob ich hier irgendjemand trauen konnte, doch es war besser als die Nacht mutterseelenallein unter betrunkenen Seemännern zu verbringen. Also lief ich ihm schnell hinterher.
      Als wir beim Faulen Seehund ankamen, war es bereits stockdunkel. Die Straßen waren nun erstaunlicherweise noch voller als tagsüber. Das Gebäude, in das mich Yaris hineinführte, war ein kleines Fachwerkhaus mit großen Fenstern, die teilweise eingebrochen waren.
      Innen war der Faule Seehund eine typische Taverne, wie sie im Bilderbuch steht. Runde Tische mit Hockern, ein Kamin, ein Tresen mit dem Wirt und jede menge angetrunkene und betrunkene Männer. Hier und da standen auch leicht zwei bekleidete Frauen, die sich mit einer Schar Männer begnügten.
      Yaris führte mich zum Tresen, wo auf einem Hocker ein junger Mann saß. Jolly. Als Jolly sich umgedreht hatte und Yaris einen Beutel in die Hand drückte, verließ er uns.
      „Na?“, sagte Jolly. „Ich wusste, dass du nicht auf mich hören würdest, also habe ich Yaris geschickt.“
      „Das weiß ich schon“, antwortete ich. Dann setzte ich mich auf einen Hocker neben Jolly. „Ich will nicht aufdringlich sein, aber hast du zufälligerweise warme Klamotten für mich? Es ist eisig kalt hier.“
      „Erstaunlicherweise ja“, sagte er und reichte mir einen Haufen Kleider. „Oben müsste ein Zimmer frei sein, wenn ja beeil dich, bevor der, der das Zimmer bezieht kommt. Wenn er das tut, versteck dich im Kleiderschrank. Vielleicht rettet dir das das Leben.“ Er lächelte mich mit seinen gelben Zähnen an.
      „In Ordnung“, antwortete ich mit zusammengekniffenen Zähnen und verließ Jolly.
      Ich zwängte mich durch die Massen der Gäste und lief eine morsche Holztreppe hoch. Als ich oben war, rüttelte ich an den Türknaufen alle Zimmer, die ich fand. Und tatsächlich, die letzte Tür stand offen.
      Ich ging hinein und probierte schnell die Klamotten an. Es dauerte länger, da die meisten Sachen zu groß waren. Schließlich trug ich ein weißes Hemd mit weiten Ärmeln und eine braune Hose. Zum Glück hatte mir Jolly auch ein paar Schuhe mitgegeben. Nicht die bequemsten, aber besser als mit nackten Füßen umherzuspazieren.

      Unten stand bei meinem Platz schon ein Glas mit Milch. Ich setzte mich hin, bedankte mich mit einem Kopfnicken bei Jolly und trank zügig das Glas aus. Es tat gut, endlich mal wieder etwas zu trinken.
      „Das Essen kommt gleich“, sagte Jolly, nachdem ich das Glas ausgetrunken hatte.
      „Danke“, sagte ich wehmütig.
      „Nicht der Rede wert“, sagte Jolly und lächelte. Er trug nicht mehr die dreckigen Klamotten von vorhin und hatte sich anscheinend auch gewaschen. Ich blickte ihm tief in die Augen, doch er wandte sich ab.
      „Verzeih“, sagte ich. Ein paar Minuten sagten wir nichts. Auch nachdem ich fertig gegessen hatte, schwiegen wir eine Weile. „Du sagtest, dass die Geschichte der Piraten lang und glorreich sei.“
      „Ja“, antwortete er und starrte gegen die Wand. „Es gab eine Zeit, als Piraten ein freies Leben führen durften.“
      „Das goldene Zeitalter der Piraten“, flüsterte ich.
      „Aye“, sagte Jolly. „Vor fünfzig Jahren blühte die Piraterie in der Karibik auf. Es war eine wunderbare Zeit.“
      „Bist du ein Pirat?“, fragte ich vorsichtig.
      „Das hängt davon ab, wie man es sieht“, antwortete er. „Ich bin noch nie als Pirat gesegelt und ich bin mir nicht sicher, ob man einen Taschendieb als Piraten bezeichnen kann. Und bevor du fragst, ich habe mein Schicksal nicht selbst gewählt. Armut und Hunger herrschen nun in dieser Welt.“
      „Und das war deiner Meinung nach vor 50 Jahren nicht so?“, fragte ich.
      „Nun, zumindest hatte man damals die Möglichkeit einem anderen Handwerk nachzugehen“, sagte Jolly. „Früher lebten wir in England, doch Armut trieb uns in die Piraterie und wir zogen in die Karibik.“
      Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Welch Verzweiflung hatte diese Familie nur in die Piraterie getrieben? War es nicht möglich unter der Krone als Freibeuter die Meere zu befahren?
      „Und es war euch nicht erlaubt Freibeuter zu werden?“, fragte ich.
      „Die Briten haben schnell genug begriffen, dass es nichts brachte, Seemänner für sie spanische oder französische Schiffe kapern zu lassen.“, antwortete er. „Nach all denen, die dann Piraten wurden… Man kann meinen, sie haben es selbst zu verantworten, dass Piraten ihre Kolonien „heimsuchten“.“
      „Wenn das so ist“, sagte ich. „Dann hält mich hier nichts. Ich dachte, in euch steckt noch ein Fünkchen Ehre und Anstand.“
      „Carolina“, sagte Jolly. „Ich kann dir helfen sicher nach Hause zu kommen. Aber dafür musst du mir vertrauen.“
      „Aber was gibt mir die Sicherheit, dass ich dir vertrauen kann?“, fragte ich mit zittriger Stimme. Tränen sammelten sich in meinem Auge und die Welt um mich verschwamm immer mehr.
      „Dir bleibt gar keine andere Wahl“, antwortete Jolly. Er rückte näher und begann zu flüstern. „Du wurdest gekennzeichnet und glaub mir, Carolina, du willst nicht wissen, was folgt, wenn wir nicht schnell von hier verschwinden.“
      Jolly nahm meinen Arm und krempelte grob den Ärmel hoch. Auf meinem Arm befand sich ein rot glühendes Zeichen in Form eines P. Mir stockte der Atem.


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    • Wird ja immer mysteriöser. ^^ Ein rot glühendes Zeichen in Form eines P? Plaaaaaaaaasmaaaaaaaa? Ich denke mal eher nicht, auch wenn die Outfits aus einer vergangenen Zeit stammen könnten.
      Carolina will nicht wissen, was folgt, ich aber schon. :p
      Die Atmosphäre kommt sehr gut rüber, finde ich. Diese Tavernen erinnern mich genau an die, wo man in Sid Meier's Pirates (PC-Spiel) neue Rekruten mitnehmen und sich über die aktuellen Ergeinisse auf dem Laufenden halten kann. ^^
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