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At Wit's End

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    • 2.800 Wörter, hi Dusk! :wink:

      Es war ein Mann mittleren Alters mit dunkelbraunen Haaren, bereits mit einigen grauen Strähnen übersäht, und einem einprägsamen Spitzbart.

      Ein echter Musketier xD

      Wie bei Sid Meier's Pirates! :D Als ob ich es wieder spielen könnte, so beschreibst du diese Schlacht, herrlich! ^^

      "Isch wäre dafür ... sie allesamt in die Meer auszusetzen, dann können sie ihr Schicksal selbst wählen, non? Entweder sie ertrinken oder sie schaffen es zu schwimmen."

      Wie weit sind die denn von der Küste entfernt? :c

      "Mit dieses Schiff ist völlisch inacceptable, mon Dieu"

      Mon Dieu oui oui Baguette xD, So much Herr Dekay :D

      "Ich heiße Carolina", bemerkte ich kurz am Rande, doch zuerst schien Ravenau mich gar nicht beachtet zu haben.

      So war das früher echt :tlmao: Jede Nation hat die üblichen Namen auch bei Ausländern einfach mal umbenannt.

      "Interessiert ihr Eusch denn nun mehr für uns Franzosen oder lieber für Eure Landsmänner?"

      Niederträchtig o_O
      Aber ich sehe Parallelen. Sheila ist ja auch Britin! :O.O:

      Niemand hier war mein Freund, sie waren alle nur Männer der See und was hatte Vater damals erzählt? Ein Kapitän liebt nichts, nur die See und sein Schiff. Wie recht er doch gehabt hatte.

      Ein kluger Mann. O:

      Schon in den Zwanzigern dieses Jahrhunderts war es mit diesem Traum aus und vorbei. Die meisten Piraten waren entweder tot oder hatten sich ins Exil gezwungen. Wie gut es mein Großonkel wohl gehabt haben musste.

      Schön, dass du auch die Geschichte nach der goldenen Ära ansprichst, denn die ist mir nämlich noch unbekannt. :D

      "Männer ..."

      xD Solche kleinen Flächen mit vielen Leuten beherbergen eben immer sehr viel Konfliktpotential.

      Jenkins' Ear?

      Schöne Hintergrundinformationen, Indianer, Azteken, Conquistadores. :D Sehr schön, wie du die generelle vormoderne Geschichte Amerikas immer mit einbindest! ^^

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Yeah, ein Kommentar, vielen Dank! :sonne:

      Wie bei Sid Meier's Pirates! :D Als ob ich es wieder spielen könnte, so beschreibst du diese Schlacht, herrlich! ^^

      Ich sollte mir dieses Spiel wirklich einmal anschauen, so viel erzählst du ja davon. :O Auf jeden Fall klingt es ziemlich interessant. :D

      Wie weit sind die denn von der Küste entfernt? :c

      Mitten auf dem Meer. >:D

      So war das früher echt :tlmao: Jede Nation hat die üblichen Namen auch bei Ausländern einfach mal umbenannt.

      Unsere ehemalige Französischlehrerin hat unsere Namen auch immer "französisiert", deswegen musste ich dieses kleine Extra einfach einfügen. Ich finde es eben lustig, wie Franzosen Namen mit "a" am Ende seltsam betonen (Laura => "lorá") :shihi:

      Schön, dass du auch die Geschichte nach der goldenen Ära ansprichst, denn die ist mir nämlich noch unbekannt. :D

      Und sie macht die Geschichte dadurch um einiges interessanter. :!!!:

      Jenkins' Ear?

      Aye, der "War of Jenkin's Ear". :hihi: Das sollte ich wohl noch als * unten anbringen, was es mit diesem Krieg auf sich hat. Ursprünglich wollte ich eigentlich den Siebenjährigen Krieg wählen, aber später ist mir aufgefallen, dass wir uns mit 1761 mitten darin befinden. :rofl: Aber damit lässt sich noch viel mehr anfangen. :fies:

      Schöne Hintergrundinformationen, Indianer, Azteken, Conquistadores. :D Sehr schön, wie du die generelle vormoderne Geschichte Amerikas immer mit einbindest! ^^

      Ich habe letztens wieder "Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides" geschaut und obwohl dieses Kapitel schon ziemlich alt ist, habe ich das dann als kleine Inspiration für diese Geschichte genommen. Merkt man bestimmt auch noch bei folgenden Kapiteln. oO


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.
    • Nyooooom! #i-latios#
      Ja, ganz recht. Ich Wahnsinniger habe mir jetzt innerhalb von einer Stunde deine ganze Geschichte von Anfang an durchgelesen. :hihi:

      Ich mag ja dieses Karibik-Flair total. Die Karibik gefällt mir, da gibt's Sonne, Palmen, hübsche Frauen, Rum, Zigarren und ähh, Jamaika. :ups:
      Und eine Erzählung aus dem großen Piratenzeitalter sagt mir da natürlich sowieso zu, ich mochte schon "Fluch der Karibik". ;)

      Was mir so aufgefallen ist, ist unter anderem, dass du manchmal die Zeitformen durcheinanderwirfst. Mitten im Satz von Vergangenheit zu Gegenwart oder umgekehrt. Auch aufgefallen ist mir, dass dich die selbe Krankheit wie alle von uns Freizeitlegasthenikern befallen hat: die Duskeritis, sprich dass deine Kapitel immer länger und länger werden. :tlol:
      Finde ich aber nicht schlimm, da hab ich wenigstens was zu lesen und fix geht es ja trotzdem.
      Könnte halt nur Manche abschrecken. Faules Pack! :@

      Dieser Kommentar war bis jetzt weitestgehend sinnlos und bestand aus blabla. Also will ich auch mal was zur Story selbst sagen: Ich finde es interessant, wie Carolina so ohne Weiteres von der Tochter aus gutbürgerlichem Hause erst zur Asozialen (=benimmt sich piratenhaft) und dann gar zur Kriegerin wird! Ihr erster Mord scheint sie ja überhaupt nicht so sehr gekratzt zu haben. Von anderen Charakteren aus ähnlichen Verhältnissen in anderen Erzählungen kenne ich es z.B. so, dass sich die frischgebackenen Mörder nach ihrer Tat dann erst einmal übergeben müssen. Carolina scheint mir da aber ziemlich abgebrüht.

      Was ich auch sehr mochte, war das Zwischenkapitel eins. Hat mich so sehr an den ersten "Fluch der Karibik"-Film erinnert! :bg:
      Carolinas Flucht von Halseys Insel will mir bis jetzt aber immer noch nicht richtig in den Kopf. Eine junge Frau und ein Kleoparda räumen im Alleingang ~13 Piraten weg? :eek: Wo hat die denn solche sKilLZz her?
      Die Seeschlacht kurze Zeit später hat mir aber widerum sehr gut gefallen, man sieht, dass du dich mit den Taktiken der Seekriegsführung zu dieser Zeit beschäftigt hast! Oder halt AC: Black Flag gespielt hast. :hihi:

      Jaaaa....was bleibt da noch? Ach ja, ich würde ganz gern wissen, was es nun mit Carolinas rotem "P" auf dem Arm auf sich hat. Wer hat ihr das verpasst und warum? Oder hast du das bereits erklärt und ich habe es bloß schon wieder vergessen? :ups:
      Hauptsache, wir sehen Jolly nicht wieder. Der ging mir auf den Keks. :lol:
      Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Bleiben also nur die üblichen Schlussfloskeln:

      Neuer Leser wurde aquiriert und freut sich auf weitere Kapitel! :)

      Das Zentralkomitee ordnet an: Weitermachen!
    • Oha, ein neuer Leser! *:O Dankeschön für den Kommentar! :bg:

      Ja, ganz recht. Ich Wahnsinniger habe mir jetzt innerhalb von einer Stunde deine ganze Geschichte von Anfang an durchgelesen. :hihi:

      Ist das nun ein Zeichen, dass dir die Geschichte gut gefällt oder dass du einfach ziemlich schnell liest? xD Okay, ich habe letztens auch nochmal alles durchgeschaut und das hat nicht sehr lange gedauert. :ups::v:

      Ich mag ja dieses Karibik-Flair total. Die Karibik gefällt mir, da gibt's Sonne, Palmen, hübsche Frauen, Rum, Zigarren und ähh, Jamaika. :ups:
      Und eine Erzählung aus dem großen Piratenzeitalter sagt mir da natürlich sowieso zu, ich mochte schon "Fluch der Karibik". ;)

      Jup, Reggae. :sebi: Aber einmal Karibik, das wär schon toll. Vor allem spricht man dort zu 99% die drei großen europäischen Sprachen, von denen man mindestens eine beherrscht. :ws:

      Was mir so aufgefallen ist, ist unter anderem, dass du manchmal die Zeitformen durcheinanderwirfst. Mitten im Satz von Vergangenheit zu Gegenwart oder umgekehrt. Auch aufgefallen ist mir, dass dich die selbe Krankheit wie alle von uns Freizeitlegasthenikern befallen hat: die Duskeritis, sprich dass deine Kapitel immer länger und länger werden. :tlol:

      Ja, das fällt irgendwie auf. :tlol: Aber hier ist es nunmal so, dass ich bei dieser Geschichte (als meine erste) eine Art Entwicklung hatte, sprich, dass ich bemüht habe, bessere Kapitel zu schreiben. Und da muss ja auch ein bisschen mehr Inhalt rein. :hihi:

      Könnte halt nur Manche abschrecken. Faules Pack! :@

      Da hast du recht. :ups:

      Carolina scheint mir da aber ziemlich abgebrüht.

      Ja, sie ist wohl etwas schmerzlos geworden, schließlich hat sie ziemlich viel in ziemlich kurzer Zeit miterleben müssen ... Ich glaube aber eher, dass es an den Piraten liegt, d.h. wenn sie einen gewöhnliches Bürger töten müsste, fände sie das wahrscheinlich nicht soooo ... xD

      Carolinas Flucht von Halseys Insel will mir bis jetzt aber immer noch nicht richtig in den Kopf. Eine junge Frau und ein Kleoparda räumen im Alleingang ~13 Piraten weg? Wo hat die denn solche sKilLZz her? :eek:

      #i-kleoparda#-sKilLZz! :cool: Die gute Nidinia ist sehr schnell, kann also Gegner töten, bevor sie es bemerken. :hihi:

      Die Seeschlacht kurze Zeit später hat mir aber widerum sehr gut gefallen, man sieht, dass du dich mit den Taktiken der Seekriegsführung zu dieser Zeit beschäftigt hast! Oder halt AC: Black Flag gespielt hast. :hihi:

      Alles wahr, alles wahr. :tlol: Genug Filme geschaut, lange genug das Spiel gesehen. xD

      Jaaaa....was bleibt da noch? Ach ja, ich würde ganz gern wissen, was es nun mit Carolinas rotem "P" auf dem Arm auf sich hat. Wer hat ihr das verpasst und warum? Oder hast du das bereits erklärt und ich habe es bloß schon wieder vergessen? :ups:

      Ne ne, das "P" bekommt später noch seine richtige Bedeutung, aber die primäre und offensichtliche wurde eigentlich schon "zwischen den Zeilen" geklärt. :)

      Das Zentralkomitee ordnet an: Weitermachen!

      Jawohl, Sir! *exerziert*


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.
    • Sooo, ich präsentiere euch Capítulo/Chapter/Chapitre Fünfzehn, dessen Text ohne Titel und Zeitangabe exakt 2400 Wörter besitzt, viel Spaß! o/
      __________________

      KAPITEL FÜNFZEHN:
      "Er lebte, starb und lebte"



      nahe den Abaco-Inseln, 08. September 1761

      "Ben oui, dieser Mann ge'ört gerettet, imbécile*!"
      "Wie nennst du mich, Franzose? Ist Euch der Krieg in Europa und Nordamerika nicht schon genug? Meinetwegen können wir die Karibik gerne miteinbeziehen!"
      Interessiert sah ich Thompson und Ravenau beim Streiten zu. Ich lehnte entspannt an der Reling und kaute lustlos auf einem kleinen Stück gesalzenen Fisch herum. Warum mussten sich Franzosen und Briten eigentlich immer in die Haare bekommen? Nun gut, Thompson mochte zwar kein Engländer sein, aber Schotten kämpften im Krieg genauso für Großbritannien wie Engländer. Es war Krieg, das stimmte. Meine gesamte Familie war reichlich uninteressiert an dem Geschehen gewesen und nur wenn eines unserer Handelskutter bei Gefechten in Nordamerika versenkt wurde, war Vater zornig geworden. Sollten sie doch nur ihre Kriege führen, am Ende würden sie nur einen brüchigen Friedensvertrag schließen, der nach ein paar Jahren oder Jahrzehnten in einen neuen Krieg aufging.
      "Meine Herren, würdet ihr so höflich sein und eure Streitigkeiten beseitelegen?", zwang ich Thompson und Ravenau zu schweigen. "Die Karibik ist momentan, Gott sei dank, kein Schauplatz des oder eines Krieges und anhand dieser Tatsache und der, dass wir zusammenarbeiten müssen, um am Ende glücklich nach Hause zu kommen, steht leider an erster Stelle. Zudem seid ihr von unserem eigentlichen Gesprächsthema abgekommen. Sollen wir diesen Mann nun retten oder nicht?"
      "Dies ist ein Pirat, Madame, dafür lege isch meine 'and ins Feuer", erklärte Ravenau beleidigt, Thompson keines Blickes würdigend.
      "Dann tut das. Ich für meinen Teil würde zu gerne wissen, was er auf einer einsamen Insel zu treiben hat", antwortete ich kalt.
      "Bon", war das einzige, das der Franzose dazu erwidern konnte.

      Pausenlos winkte uns der Ausgesetzte mit den Armen zu, während wir ihm zuerst kaum Beachtung schenkten, dann aber die Rapid Rescue in Bewegung setzten und vor wenige Meter vor der Sandbank haltmachten. Die Sonne strahlte uns entgegen und verwehrte mir die Sicht auf das endlos türkisblaue Meer. Die Crew ließ ein Beiboot ins Wasser, welches nach kurzer Zeit mit dem Ausgesetzten zurückkehrte. Der Mann sah nicht gerade ausgehungert aus, wie man es wohl von einem Ausgesetzten erwarten würde, seine Haut aber war stattdessen rot und von mehreren Sonnenbränden entstellt. Als er aus dem Boot stieg und träge die Flanke der Rapid Rescue hochkletterte, erkannte das wahre Ausmaß der Zerstörung: verbrannte Haut, wo man nur hinsah, und blutige Narben, so tief als würden sie von Macheten stammen.
      "M'lady", keuchte der Mann und verbeugte sich so tief es ging. "Wie kann ich Euch jemals für Eure Gnade danken?"
      "Wer hat Euch dies angetan, guter Mann?", wollte ich wissen und sah den Ausgesetzten wehmütig an. Warum hatte ich diese Frage gestellt? Es war mehr als nur offensichtlich, so viel war klar.
      "John Halsey", antwortete der Mann nach einem weiteren schmerzhaften Keuchen. "Ich war Captain eines Schiffs namens Vengeance, bevor dieser elendige Dreckskerl mit diesem galeonengleichen Schiff daherkam und sich meinen Kahn unter den Nagel gerissen hat. Er hat meine Crew genommen und ist vor drei Tagen davongesegelt, gottverdammt. Drei Tage lang habe ich gebetet und keinen einzigen Schluck Süßwasser getrunken. Und nun stehe ich hier. Habt Dank, Lady ...?"
      "Carolina Dunkin", sagte ich knapp, noch immer über Halseys Brutalität und Skrupellosigkeit schockiert. "Nichts zu danken, Captain. Wir werden Euch schon irgendwie wieder gesundpflegen."
      "Vielen Dank", erwiderte der Mann und verschwand mit zwei Crewmitgliedern in der Kapitänskajüte. Ich starrte ihm hinterher.
      "Das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was folgt", brach Thompson das Thema erneut nach einer längeren Schweigepause an. Mit verschränkten Armen gesellte er sich zu mir und sah mich an. "Ich habe nie gewusst, was für eine Gefahr von diesen Piraten ausging. In Zeiten des Krieges kommen sie, halten sich dann aber wieder verdeckt. Carolina, weißt du etwas über diesen Halsey?"
      "Ja. Er hat mich entführt. Ein ... "Freund" und ich wurden von einem Handelsschiff aufgenommen, während man mich zurück nach Hause geleiten wollte. Auf dem Weg entdeckten wir ein fremdes Schiff, das sich später als die Distress herausstellte. Wir wurden von ihr bombadiert und das Schiff vollkommen vernichtet. Nur wenige abgesehen von uns überlebten die Schlacht, nehme ich an."
      "Aye, die Distress. Irgendein Kahn von Halseys Armarda gabelte uns an der Küste Carolinas auf und segelte uns als Gefangene hierher. Wir wurden mit diesen Franzosen hier zusammengewürfelt und ab da unter Verschluss gehalten. Tagelang bekamen wir nichts von der Außenwelt mit, wenn nicht gerade ein weiterer Gefangener unter Deck gebracht wurde."
      Gerade wollte ich meinen Teil dazu beitragen, als der Ausgesetzte Mann aus der Kajüte zurückkehrte. Die zwei Narben in Augennähe und eine besonders große auf der Brust waren verbunden oder genäht und seine Haut schimmerte in der Sonne, wahrscheinlich hatte man eine Art Crème aufgetragen. Erst jetzt erkannte man wirklich, wen man sich vor sich hatte. Er konnte nicht viel älter als ich sein, wahrscheinlich um die fünfundzwanzig Jahre alt, vielleicht auch älter, mit schulterlangem dunkelbraunem, fast schwarzem, Haar und braunen Augen. Seine Zähne waren gelb, aber nicht zu ungepflegt, wie es bei den meisten Matrosen der Fall war. Er schien mir ein stattlicher Seefahrer zu sein, gerade noch zivilisiert genug, um nicht zu den Rauen und Ungehobelten seiner Art zu gehören. Im Grunde gefiel er mir sogar, von den Verletzungen und der verbrannten Haut abgesehen.
      "Wie lautet Euer Name", fragte ich strenger als ich wollte und den Mann musternd.
      "Captain Edward Teach, M'lady", beantwortete der Ausgesetzte meine Frage lächelnd und verbeugte sich tief.
      "Teach, sagtet ihr?"
      "Aye, so lautet mein Name, werteste Dame." Auf einmal verschwand alles Mitleid und beinahe jede Sympathie für den Mann. Es musste dieses Lächeln sein.
      "Teach wie Edward Teach", meldete sich Thompson zu Wort, den Ausgesetzten erstaunlich nah an die Pelle rückend. "Oder seid Ihr nur ein Hochstapler, Captain?"
      "So wahr ich hier stehe und bei Gott", schwor der Mann. "Ich bin kein Hochstapler."
      "Hochstapler oder nicht, tragt Ihr nun denselben Namen wie Edward Teach", fragte ich erneut nach.
      "Kann ich Euch ein Geheimnis anvertrauen, Lady Dunkin ... ohne unseren Herrn der Navy, Gott segne ihn?"
      Zuerst blickte ich zu Thompson, der mich hoffnungsvoll ansah, und dann zu dem Ausgesetzten. Beide wollte ich nicht enttäuschen, doch ich wollte unbedingt wissen, was mir Antony oder wie auch immer er heißen mochte zu sagen hatte, wenn gleich ich bereits etwas vermutete.
      "Mister Thompson, würden sie uns für ein paar Minuten alleinlassen, bitte?"
      Wortlos trat der Schotte ab, wodurch mir der Ausgesetzte näher kam. Erneut lächelte er dieses merkwürdige Lächeln, mehr falsch als freundlich. Und es machte ihn unausstehlich, aber auf eine gewisse Art und Weise auch interessant, mindestens genauso interessant wie das Geheimnis, welches er mir anvertrauen wollte, doch die Worte, die aus seinem Mund kamen, waren so leise, dass ich nur das Wenigste verstand.
      "Teach ist nur ein Deckname. Mein wahrer Name lautet Thatch. Und bevor Ihr fragt, ja, Blackbeard war mein Großvater. Ihr könnt mich übrigens Ed nennen. Aber kein Wort an den guten Thompson, aye?"
      Erwartungsvoll sah er mich mit seinen braunen Augen an. Schon wieder. Schon. Wieder. Piraten. Es war nicht zum Aushalten. Jeder Mann, der in irgendeiner Weise freundlich erschien, stellte sich am Ende als Pirat heraus oder war mit ihnen in Verbindung. Wieso musste das nur mir geschehen? Was hatte ich getan, dass immer ich auf diese Wesen treffen musste? Liebend gerne hätte ich ich nun über Bord gestoßen, diesen Antony Edward Teach. Oder Thatch.
      "Ihr habt mein Wort, Edward", versprach ich, wandt mich dann aber möglichst schnell ab und ging die Reling entlang zum Steuerrad.
      Ich löste den Steuermann ab und packte das Holz. Gleichzeitig folgten mir Thatch und Thompson, wobei letzterer schneller war. Der Schotte stellte sich neben mich, zuerst Richtung Horizont blickend, dann sah er mich an. Ich erwiderte seinen Blick nicht. Der Ausgesetzte zog sich wieder zurück, wahrscheinlich wartete er aber nur auf den richtigen Moment, um sich wieder zu mir zu gesellen.
      "Teach wie Thatch, nicht?"
      "Nein. Sein Name lautet Teach. Es wäre ja auch eine selten dämliche Idee, würde jemand in der Familie denselben Namen wie jemand anderes tragen. Natürlich ist das möglich, ich selbst bin ja der beste Beweis dafür ... irgendwie ... aber es wäre doch etwas offensichtlich, hätte Blackbeards Sohn den seinen, was er natürlich nicht ist, nach seinem Vater benannt, nicht wahr? Ich meinte natürlich ... aye?"
      "Das ist ein sehr wirres Gerede, Mylady. Dennoch denkt Ihr sehr ... modern." Während er das letzte Wort aussprach, verzog sich sein Mund, als hätte er einen unangenehmen Geschmack im Mund.
      "Als wäre es etwas Schlechtes." Ich hielt die Hand vor den Mund und schaute kurz zu Thompson. Hatte ich das tatsächlich laut gesagt? "Verzeiht. Captain Thatch ... Teach ... hat ein sehr ansteckendes Verhalten."
      "Wie dem auch sei. Welches Geheimnis hat Euch dieser Mann anvertraut? Und wagt es ja nicht zu lügen, denn wenn ich wollte, könnte dieses Schiff jeden Moment mir gehören."
      Heuchler. "Er sagte mir lediglich, dass er in Wirklichkeit auf den Namen James hört. Edward ist nur sein Deckname. Und dann erwähnte er noch, sein Spitzname sei Jolly." Ich nickte und versuchte mir diese Lüge wenigstens selbst zu glauben, vielleicht half es ja.
      "Dieser Captain Teach scheint mir ein Narr zu sein."
      Ich erwiderte nichts und Thompson verschwand inmitten der Crew. Stattdessen kam Thatch wieder angetrottet und lehnte sich neben mir an die Reling. Er hatte sich mittlerweile neue Kleidung angeeignet, bestehend aus einem weißem Hemd mit weiten Ärmeln und darüber eine rot-braune Weste. Er trug noch immer dieselbe Hose aus billigen braunen Stoff, dafür aber ebenfalls braune Stiefe aus Wildleder. Am aufälligsten von allem jedoch war, dass Thatch nun ein durch die Sonne verblasstes grünes Band über die gesamte Stirn trug, sodass seine dunklen Haare nach hinten gebunden waren. In irgendeiner seltsamen Weise erinnerte er mich an Jolly.
      "Schick, aye?", sagte der Ausgesetzte, als er bemerkte, dass ich sein Stirnband musterte. Zuerst lächelte er, dann verschwand sein Lächeln augenblicklich.
      "Ich bin verwundert, wie schnell ihr genesen seid", machte ich meine Verwunderung mit einem prüfenden Blick klar.
      Tatsächlich glänzte Edwards Haut nun nicht mehr, da die Crème eingezogen war, sondern hatte eine rötliche Farbe angenommen und wirkte nun aber mehr natürlich als sonnenverbrannt. Auch seine Narben schienen erstaunlich schnell verheilt zu sein, zudem fiel mir auf, dass die Fäden verschwunden waren und nicht mehr als ein größerer verkrusteter Riss dort aufzufinden war, wo sich vorher genähte Wunden und noch früher klaffende Wunden befunden hatten. Was hatte es sich mit diesem Mann auf sich?
      "Das liegt vielleicht daran, dass wir hier einen grandiosen Schiffsarzt an Bord haben. Wie hieß er noch gleich? Sauveterre ... Sauvemont ... Ah, ich erinnere mich. Benoit Sauveterre und sein Wonneira Adrienne. Nettes Duo, nicht? Und wie sie zusammenarbeiten ... Man könnte meinen es sei Magie!"
      "Halt. Benoit Sauveterre, sagtest du?" Thatch nickte mit fragendem Blick. "Dieser Mann, er war in meiner Kindheit Arzt in St. Theodore. Der Mann war der wohl schlechteste Arzt der Welt, kein Wunder also, dass er nach nur zwei Jahren von meinem Vater um seine Arbeit erleichtert wurde. Es hieß er sei nach Saint-Domingue ausgewandert, jedoch soll sein Schiff auf dem Weg gekentert sein."
      "Offensichtlich nicht, wie es scheint."
      "Darum geht es doch gar nicht! Sauveterre konnte nicht eine einfach Schürfwunde behandeln, ganz im Gegenteil, durch seine vermeintliche "Desinfektion" kam sogar ein Mann zu Tode. Und so viel ich weiß, können Wunden wie eure nicht einfach binnen zwei Stunden verheilen."
      Thatch seufzte und überschlug die Beine. Sein leerer Blick war in den Himmel gerichtet, allem Anschein nach dachte er wohl gerade nach. Es dauerte mindestens drei Minuten, bis er eine Antwort hervorbringen konnte:
      "Kann ich dir vertrauen, Carolina Dunkin?" Ich sah kurz auf den Boden und formte meinen Mund dann so, als wollte ich sagen, dass ich es nicht wissen würde. "Hm. Na schön. Du wirst mir zwar nicht glauben, aber ich tue nur, was du von mir verlangst. Ich bin in Wahrheit tot." Ich schaute für eine Weile die Planken des Schiffs an, bis ich bemerkte, dass er nicht weitererzählte. Dann fuhr er mit einem Räuspern fort, anscheinend darauf wartend, dass ich fragte, was er damit meinte. "Ja, ich bin tot. Mausetot. Eigentlich. Mein Geburtstag ist der 1. April 1717, theoretisch wäre ich jetzt ..." Er dachte nach. "... dreiundvierzig Jahre alt. Puh, das ist alt."
      "Du machst wohl Scherze. Du bist höchstens dreiunddreißig."
      "Um genau zu sein siebenundzwanzig, aye? 1744 in London gestorben, doch ich hatte Glück und bekam eine zweite Chance."
      Der Ausgesetzte griff sich mit der Hand in den Ausschnitt und holte ein sechseckiges silbern glänzendes Amulett hervor, von dessen Spitzen jeweils sechs Spitzen abstanden, die in der Mitte oben und unten liegenden breit und stumpf und die seitlichen lang und spitz. Am auffälligsten jedoch war der fünfeckige strahlende Edelstein in hellblau, der in der Mitte des Amuletts eingesetzt war. Zuvor hatte ich das Schmuckstück nur für eine wert- oder bedeutungslose Kette gehalten, doch das Medaillon umgab eine seltsame Aura, die nicht zuletzt von dem schwachen bläulichen Leuchten unterstrichen wurde, das von dem Edelstein ausging.
      "Dies ist ein besonderes Amulett, wie du sicherlich bereits gemerkt haben könntest", erklärte Edward, während er das Amulett betrachtete. "Es steht für die Gunst eines gewissen Legendären Pokémon, welches vor Jahrhunderten von den hier ansässigen heidnischen Stämmen als Gottheit verehr wurde. Wer ein solches Amulett trägt, steht für die Ewigkeit."
      "Du willst mir nun also weismachen, du seist in Wahrheit tot und begraben, lebst aber aufgrund dieses Amuletts wieder? Das ist schlicht und ergreifend absurd."
      "Ich wusste, dass du es mir nicht glaubst. Dennoch werde ich fortfahren." Er schmunzelte mich an. "Wer auch immer von Dialga, dem Wesen der Zeit oder von den heidnischen Stämmen zu ihrer Zeit als Gottheit der Unsterblichkeit angebetet, auserwählt wird, wird zurück in die Welt der Lebenden geschickt. Und ich bin einer davon."
      Kurz bevor ich etwas erwidern konnte, berührte Thatch mit seinem ausgestreckten rechten Zeigefinger den Mund und umschloss das Amulett mit seiner linken Hand. Zwischen den Fingern strahlte das schwache hellblaue Licht auf und umschloss die gesamte Hand des Ausgesetzten. Ich sah ihn an und musste feststellen, dass eine beinahe gänzlich andere Person vor mir stand. Er musste um mindestens fünfzehn Jahre gealtert sein und trug nun einen stoppeligen Bart, der seinen Mund einrahmte aber sofort wieder mitsamt einiger Falten verschwand, nachdem Thatch die Hand, die das Amulett umschloss, wieder öffnete. Er lächelte.
      "D-das ist b-beeindruckend", stammelte ich noch immer schockiert vor mich hin.
      "Ein nettes Werkzeug", gab Edward zu und steckte sein Amulett zurück in das Hemd. "Möglicherweise könnte das auch erklären, weshalb ich nun vor dir stehe, genesen und vor allem ... lebendig."


      * l'imbécile (fr.) = der Dummkopf


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

      The post was edited 4 times, last by Rai ().

    • Warum mussten sich Franzosen und Briten eigentlich immer in die Haare bekommen?

      Hundertjähriger Krieg! *:O
      Frankreich hatte übrigens mal ein Bündnis mit Schottland gegen die anglikanischen Engländer, aber zu deiner Zeit war GB schon geeinigt. :)

      "Bon", war das einzige, das der Franzose dazu erwidern konnte.

      Mein Geschichtslehrer (ein Mainzer) hat das auch ständig gesagt, egal wann. xDDDDDDDDDD

      Erst jetzt erkannte man wirklich, wen man sich vor sich hatte. Er konnte nicht viel älter als ich sein, wahrscheinlich um die fünfundzwanzig Jahre alt, vielleicht auch älter, mit schulterlangem dunkelbraunem, fast schwarzem, Haar und braunen Augen. Seine Zähne waren gelb, aber nicht zu ungepflegt, wie es bei den meisten Matrosen der Fall war. Er schien mir ein stattlicher Seefahrer zu sein, gerade noch zivilisiert genug, um nicht zu den Rauen und Ungehobelten seiner Art zu gehören. Im Grunde gefiel er mir sogar, von den Verletzungen und der verbrannten Haut abgesehen.
      "Wie lautet Euer Name", fragte ich strenger als ich wollte und den Mann musternd.
      "Captain Edward Teach, M'lady", beantwortete der Ausgesetzte meine Frage lächelnd und verbeugte sich tief.
      "Teach, sagtet ihr?"

      Der sagt mir was. o.O War das nicht Blackbeard? Lassen wir jetzt mal historische Daten zur Lebensspanne mal außer Acht. :D

      "Teach ist nur ein Deckname. Mein wahrer Name lautet Thatch. Und bevor Ihr fragt, ja, Blackbeard war mein Großvater. Ihr könnt mich übrigens Ed nennen. Aber kein Wort an den guten Thompson, aye?"

      Ach soooo ... :D

      Erwartungsvoll sah er mich mit seinen braunen Augen an. Schon wieder. Schon. Wieder. Piraten. Es war nicht zum Aushalten. Jeder Mann, der in irgendeiner Weise freundlich erschien, stellte sich am Ende als Pirat heraus oder war mit ihnen in Verbindung.

      Sind die nicht alle Piraten? :was: xD

      Während er das letzte Wort aussprach, verzog sich seine Mund, als hätte er einen unangenehmen Geschmack im Mund.

      -> sein

      "Als wäre es etwas Schlechtes." Ich hielt die Hand vor den Mund und schaute kurz zu Thompson. Hatte ich das tatsächlich laut gesagt? "Verzeiht. Captain Thatch ... Teach ... hat ein sehr ansteckendes Verhalten."
      "Wie dem auch sei. Welches Geheimnis hat Euch dieser Mann anvertraut? Und wagt es ja nicht zu lügen, denn wenn ich wollte, könnte dieses Schiff jeden Moment mir gehören."
      Heuchler. "Er sagte mir lediglich, dass er in Wirklichkeit auf den Namen James hört. Edward ist nur sein Deckname. Und dann erwähnte er noch, sein Spitzname sei Jolly." Ich nickte und versuchte mir diese Lüge wenigstens selbst zu glauben, vielleicht half es ja.

      Wenn das Jolly wüsste! xD

      In irgendeiner seltsamen Weise erinnerte er mich an Jolly.

      Brüderz confirmed? o.O

      "Das liegt vielleicht daran, dass wir hier einen grandiosen Schiffsarzt an Bord haben. Wie hieß er noch gleich? Sauveterre ... Sauvemont ... Ah, ich erinnere mich. Benoit Sauveterre und sein Wonneira Adrienne. Nettes Duo, nicht? Und wie sie zusammenarbeiten ... Man könnte meinen es sei Magie!"

      Oha, noch mehr Franzosen! *:O Wenn du das Circonflexe- Dach (^) über das I setzt, wird es noch besser! :)

      Thatch seufzte und überschlug die Beine. Sein leerer Blick war in den Himmel gerichtet, allem Anschein nach dachte er wohl gerade nach. Es dauerte mindestens drei Minuten, bis er eine Antwort hervorbringen konnte:
      "Kann ich dir vertrauen, Carolina Dunkin?"

      Jetzt kommt die große Überraschung?! O.o

      Ich sah kurz auf den Boden und formte meinen Mund dann so, als wollte ich sagen, dass ich es nicht wissen würde. "Hm. Na schön. Du wirst mir zwar nicht glauben, aber ich tue nur, was du von mir verlangst. Ich bin in Wahrheit tot."

      :was: kou

      Was für ein wunderschönes Amulett! o.o

      Xerneas! O.O

      "Wer auch immer von Dialga, dem Wesen der Zeit oder von den heidnischen Stämmen zu ihrer Zeit als Gottheit der Unsterblichkeit angebetet, auserwählt wird, wird zurück in die Welt der Lebenden geschickt. Und ich bin einer davon."

      Ok, Dialgas Brust, passt zum Aussehen des Amuletts dann doch mehr! xD


      Diese verrückten Imbéciles. :) Schönes Kapitel, weiter so! xD

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Dank deiner Geschichte habe ich jetzt sogar die Begeisterung für meine "One Piece"-Mangasammlung wiedergewonnen. :hihi: Jetzt fehlt mir bloß noch AC: Black Flag zu meinem Glück.

      Franzosen und Briten. Welch wunderschöne Hassbeziehung! Genau so wie Schotten und Engländer oder Schotten und Iren oder....Schotten und Schotten! :lol:
      Siehe Willie aus den "Simpsons".

      "Dann tut das. Ich für meinen Teil würde zu gerne wissen, was er auf einer einsamen Insel zu treiben hat", antwortete ich kalt.


      Sich eh schon in Gefahr befinden und dann noch wildfremde Leute einsammeln ist sicherlich eine gute Idee. ;)

      "Ich war Captain eines Schiffs namens Vengeance, bevor dieser elendige Dreckskerl mit diesem galeonengleichen Schiff daherkam und sich meinen Kahn unter den Nagel gerissen hat. Er hat meine Crew genommen und ist vor drei Tagen davongesegelt, gottverdammt.


      Erinnert mich irgendwie sehr an Jack Sparrow. Auch von der Art her! :tlol:

      Captain Edward Teach


      Blackbeard! *:O
      Zumindest der von One Piece.

      wenn gleich ich bereits etwas vermutete.


      Ich wette, er zweifelt langsam an Carolinas Kapitänsqualiäten. :(
      Übrigens würde ich "wenngleich" zusammenschreiben. :)

      Mein wahrer Name lautet Thatch. Und bevor Ihr fragt, ja, Blackbeard war mein Großvater.


      Ich wusste es!
      Na ja, solange er sich nicht benimmt wie sein werter Herr Opa, ist doch alles gut. War aber irgendwie klar, dass auch Blackbeards Nachfahren Piraten werden. :hihi:

      Schon wieder. Schon. Wieder. Piraten. Es war nicht zum Aushalten. Jeder Mann, der in irgendeiner Weise freundlich erschien, stellte sich am Ende als Pirat heraus oder war mit ihnen in Verbindung.


      Mit den Piraten verhält es sich da wie mit der Stasi. ;)

      Dennoch denkt Ihr sehr ... modern.


      Jedes Mal, wenn das jemand zu mir sagt, bedeutet das so viel wie "du bist ja wirklich völlig bekloppt". :was:
      Thompson wird das, schätze ich mal, auch nicht anders meinen. :(

      "Dieser Captain Teach scheint mir ein Narr zu sein."


      Bei solchen Vorfahren wird er wohl alles andere als ein Narr sein! Ich wette, der hat noch die eine oder andere Überraschung auf Lager...

      Ach ja, was ich gerade auf Wikipedia.de gefunden habe:
      "Blackbeard hatte seine Hauptquartiere auf den Bahamas und dem Gebiet der britischen Kolonie Carolina."

      Nette Anspielung! :)

      In irgendeiner seltsamen Weise erinnerte er mich an Jolly.


      Ich finde Thatch schon jetzt besser als diesen nervtötenden Weichling Jolly. ;)

      Dieser Mann, er war in meiner Kindheit Arzt in St. Theodore. Der Mann war der wohl schlechteste Arzt der Welt


      Immer auf die Franzosen! :lol:

      Ich bin in Wahrheit tot.


      Dafür scheint er mir aber ziemlich lebendig zu sein.

      "Du willst mir nun also weismachen, du seist in Wahrheit tot und begraben, lebst aber aufgrund dieses Amuletts wieder?


      Solange es nicht die Art von ewigem Leben ist, die die Piraten der Black Pearl "geschenkt" bekamen... ;)

      "Möglicherweise könnte das auch erklären, weshalb ich nun vor dir stehe, genesen und vor allem ... lebendig."


      Ein wesentlich interessanterer und mir mehr sympahtischer Charakter als Jolly!
      Wenn's hochkommt ist er gar noch Blackbeard selbst? *:O

      Diesem Sonderling ein ganzes Kapitel zu widmen fand ich sehr verdient. Ein wirklich faszinierender Mann, ich bin gespannt, für was für Überraschungen er noch so gut ist! Und direkt feindselig scheint er ja nicht zu sein.

      Tolles Kapitel mit hochgradig informativen Dialogen! Weiter so! :)
    • Direkt zwei Kommentare, dankeschön! ;A; \o/


      @Meow:

      Mein Geschichtslehrer (ein Mainzer) hat das auch ständig gesagt, egal wann. xDDDDDDDDDD

      Tatsächlich stammt das von meiner ehemaligen französischen Französisch-Lehrerin, ich habe es direkt vor Augen. xD :ah:

      Der sagt mir was. o.O War das nicht Blackbeard? Lassen wir jetzt mal historische Daten zur Lebensspanne mal außer Acht. :D

      Aye, Blackbeard, den wir aber sicherlich nicht vor uns haben. :D

      Brüderz confirmed? o.O

      Wer weiß, wer weiß... :shihi:

      Oha, noch mehr Franzosen! *:O Wenn du das Circonflexe- Dach (^) über das I setzt, wird es noch besser!

      Oh, ich wusste nicht, dass es Benoît geschrieben wird. :O Aber auf jeden Fall hoffe ich, die Crew vor ihrem Abgang noch besser vorstellen zu können, da ich mir vorgestellt habe, dass da alle gleich aussehen. xD 2 matsch Black Flag eben... :Ka:

      Diese verrückten Imbéciles. :) Schönes Kapitel, weiter so! xD

      Merci! :)


      @Curiosity:

      Erinnert mich irgendwie sehr an Jack Sparrow. Auch von der Art her! :tlol:

      Ja, der gute Jack hat so seinen Einfluss auf die Entwicklung vom guten Ed gehabt. Thatch ist einfach der Coolste. :cool:

      Blackbeard! *:O
      Zumindest der von One Piece.

      Alle heißen sie da "Teach", dabei sollte es doch Thatch heißen! xD

      Ich wusste es!
      Na ja, solange er sich nicht benimmt wie sein werter Herr Opa, ist doch alles gut. War aber irgendwie klar, dass auch Blackbeards Nachfahren Piraten werden. :hihi:

      Wie der Vater, so der Sohn, so der Enkel! :D Wobei, den Vater kennen wir ja noch nicht. :ups:

      Jedes Mal, wenn das jemand zu mir sagt, bedeutet das so viel wie "du bist ja wirklich völlig bekloppt". :was:
      Thompson wird das, schätze ich mal, auch nicht anders meinen. :(

      Da hast du vollkommen recht, er ist ein abscheulicher Mann! :!!!: :hihi:

      Bei solchen Vorfahren wird er wohl alles andere als ein Narr sein! Ich wette, der hat noch die eine oder andere Überraschung auf Lager...

      Ach ja, was ich gerade auf Wikipedia.de gefunden habe:
      "Blackbeard hatte seine Hauptquartiere auf den Bahamas und dem Gebiet der britischen Kolonie Carolina."

      Nette Anspielung! :)

      Er steckt voller Überraschungen, der Gute. :fies: Und die Anspielung war mir gar nicht so 100%ig bewusst. :lol: Aber schön, solch aufmerksame Leser zu haben!

      Ein wesentlich interessanterer und mir mehr sympahtischer Charakter als Jolly!
      Wenn's hochkommt ist er gar noch Blackbeard selbst? *:O

      Edward Teach Thatch ist der König. :sebi: Deshalb umgeben ihn noch erheblich mehr Geheimnisse als den alten Jolly, der natürlich auch noch seinen wahren Teil zur Geschichte beitragen muss. Die meisten dieser Geheimnisse wird Ed Carolina aber nicht so schnell anvertrauen, um ein bisschen Spannung vorzubereiten. :hihi:

      Diesem Sonderling ein ganzes Kapitel zu widmen fand ich sehr verdient. Ein wirklich faszinierender Mann, ich bin gespannt, für was für Überraschungen er noch so gut ist! Und direkt feindselig scheint er ja nicht zu sein.

      Tolles Kapitel mit hochgradig informativen Dialogen! Weiter so! :)

      Dankeschön, ich fand auch, dass sein Charakter ein bisschen mehr als nur das bisschen verdient, was er noch heute früh hatte. :hihi: Wie gesagt, man darf sich schon auf mehr von ihm freuen, aber das erst, wenn ich MnN und Völuspá um ein Kapitel erweitert habe! :D

      Vielen Dank für eure Kommentare! o/


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.
    • Knapp drei Monate kein At Wit's End, das geht ja mal gar nicht! :oldno: Dafür werdet ihr jetzt mit Kapitel XVI abgeworfen; viel Spaß!
      ____________________


      KAPITEL SECHZEHN:
      "Willkommen auf St. Theodore"



      St. Theodore, 09. September 1761

      Endlich. Es war so weit. Ich machte den ersten Schritt auf festen Boden seit Monaten und ausnahmsweise war es ein mir vertrauter Boden, den ich zum ersten Mal im Leben schätzen konnte. Die gesamte Mannschaft folgte mir vom Schiff: zuerst ich, dann Thompson und Ravenau und dann der Rest. Ich hatte sie noch immer nicht gezählt, aber es war ein bunter Haufen von sicherlich über zwanzig Seemännern, überwiegend aus Frankreich und der Karibik, aber es waren auch einige aus Neufrankreich, sicherlich aus ihrer Heimat geflüchtet. Wie sagte Ravenau noch gleich? "Eschte Nantais*, diese Seemänner, chère Caroline, aus meiner 'eimatstadt, und auch einige Brüder aus Nouvelle France, vier Quebécoises, vertrieben eusch Engländern." Wie konnte er es eigentlich wagen? Auch wenn ich in London geboren war, fühlte ich mich nicht als Engländerin. Mich interessierte dieses Fleckchen Erde einfach nicht, weil es dort auch nichts gab, was es für mich interessant machen konnte. Außer London natürlich, schließlich handelte es sich hier um eine Millionenstadt.
      Und so spazierten wir gemächlich den Pier entlang, wobei wir von den Blicken neugieriger Bürger nicht verschont blieben. Einige rannten sogar schreiend in ihr Haus, als sie bemerkten, dass die bewaffneten Matrosen allesamt Franzosen waren. Einer der britischen Soldaten von St. Theodore, dem größten Ort der Insel, hielten uns mitten in der kaum bepflasterten Straße, wohl als Gasse zu bezeichnen, auf, und wollte mich auf Französisch mit diesem teuflischen englischen Akzent ansprechen, doch Thompson im kam ihm zuvor:
      "Soldat, lasst uns passieren. Diese Franzosen sind Verbündete und halfen der Tochter von Sir Dunkin bei ihrer Flucht aus den Händen von ... Vagabunden."
      Der junge Soldat musterte mich ausführlich und argwöhnisch, schien dann etwas an mir zu erkennen, was der Tochter von Sir Theodore Arthur Dunkin, häufig auch einfach nur unter dem Namen Sir Arthur Dunkin bekannt, ähnelt, schüttelte den Kopf, um mich dann erneut anzusehen, diesmal erstaunlicherweise mit Erfolg.
      "Nun, dann ... passiert, Sir. Und bringt demnächst weniger bewaffnete Franzosen mit. Ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt im Krieg erlaubt ist", sagte der Soldat zunehmlich unsicher.
      "Ich danke Euch", bedankte sich Thompson weiterhin höflich und wollte gerade die Truppe weiterleiten, als der Soldat plötzlich den Arm von seine Brust hob.
      "Halt, nicht so schnell", rief er scheinbar ungewollt laut, da er selbst zusammenzuckte. "Sagt vorher alle: "Für England". Dann kann ich wenigstens mit beruhigtem Gewissen schlafen, sollte ich ein Kriegsverbrechen begangen haben, indem ich euch durchlasse."
      "Für Schottland", murmelte Thompson unbehelligt.
      Auf ihn folgten ungefähr zwanzigmal "Vive la France**" und ungefähr zwanzig Franzosen, die ihren Weg fortsetzten. Nach einem nicht allzu langen Marsch kamen wir auch schließlich an das Anwesen der Dunkins: eine quaderförmige Villa mit mehreren Säulen, unzähligen Fenstern und einer großen Terrasse an der linken Seite des Hauses, die von einem großen Balkon mit Blick auf das Meer überdacht wird. Mein Zuhause, in dem ich zwanzig Jahre nur so gefangen gehalten wurde, wie es sich für eine junge Lady eben geziemte. Selbst das Baden im Meer war mir untersagt geblieben, weshalb ich besonders in meinen rebellischen Jahren als Heranwachsende oft des Nachts aus dem Haus geflüchtet war, um ein entspannendes Bad im Salzwasser zu nehmen, was weder meiner Haut noch meinen Eltern geschadet hatte, denn sie hatten mich nicht einmal erwischt. Selbst die Zofen nicht, die sich morgens stets gewundert hatten, wieso meine Nachthemden im Schrank klitschnass gewesen waren.
      "So, Carolina." Thompson und Ravenau blieben stehen und mit ihnen die gesamte Crew. Es waren noch mindestens zehn Meter bis zum Haus, es schien fast, als wäre eine unsichtbare Wand zwischen dem Anwesen und ihnen. "Es ist an der Zeit, Abschied zu nehmen."
      "Ich dachte, Ihr wolltet Euch noch meinem Vater vorstellen?", fragte ich nach, weniger erstaunt als ich sein sollte.
      "Unsere französischen Freunde werden unruhig, Carolina, und mit Ravenau halte ich es auch nicht mehr länger aus", gestand der Schotte und lächelte seinen französischen Kollegen kurz an. "Wenn es dir nichts ausmacht, übergebe ich den Franzosen die Rapid Rescue. Thatch treibt gerade Crewmitglieder an, damit ich mit der Amitié zurück in die Kolonien*** segeln kann. Von dort aus wird es mich wahrscheinlich zurück nach Europa treiben, um dort im Krieg zu kämpfen."
      Ich nickte.
      "Es war mir eine Ehre, dich kennengelernt zu haben, Carolina Dunkin."
      Damit, einem Luftkuss und einem "Adieu, ma chérie" von Ravenaus Seite aus, kehrte die Kolonne um und marschierte schnurstracks zurück nach St. Theodore. Ich wartete noch, bis die letzten Matrosen im Dickicht verschwanden, bis ich die letzten Schritte zur Haustür wagte. Ich klopfte, wartete einige Sekunden, und klopfte erneut, bis die zwei Türen aufgerissen wurden.
      Vor mir stand ein alt aussehender Mann mit braunem Haar, zunehmenden von grauen Strähnen übersät, sodass man die eigentliche Haarfarbe kaum mehr erkennen konnte, einem schiefem Dreispitz auf dem Kopf und tiefen Augenringen, die die wässrigen Augen zierten. Mein Vater schien um Jahre gealtert zu sein, obwohl er sich vor meiner Entführung sehr gut gehalten hatte. Wie der Soldat musterte er mich genauestens: Er hatte eine junge Dame mit dunkelblondem Haar vor sich, sonnengebräunt und in schäbigen Klamotten, die zudem noch nach Alkohol und Schweiß rochen. Tatsächlich konnte ich es ihm nicht übel nehmen, dass er mich nicht erkannte.
      "Vater", sagte ich kurz und fiel ihm in die Arme.
      Er stolperte zurück, wollte sich für einen Moment aus meiner Umarmung befreien, realisierte dann aber, was geschehen war, und drückte mich fester und immer fester, bis ich mich selbst schließlich von der Umarmung lösen musste. Tränen sammelten sich in seinen blau-grauen Augen, während er meine nicht mehr allzu zarten Wangen mit zittrigen und alten Händen berührte.
      "Der Kummer hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, Carolina", stammelte er, bevor seine Stimme schließlich versagte.
      Er weinte. Mein Vater weinte bitterliche Tränen, salzig, und mit so gemischten Gefühlen, dass ich kaum deuten konnte, ob er nun fröhlich, zornig oder einfach nur traurig war. Ich schlang meine Arme erneut um ihn, wie ein Vater, der sein weinendes Kind, dessen Haustier gerade gestorben war, umarmte. Meine Augen waren starr, ich war kaum sicher, was ich nun denken sollte. Traurig sein? Glücklich sein? Beides konnte meine Stimmung nicht ausdrücken. Ich war wohl eher erleichtert. Er war noch da. Wann ich Mutter wohl wiedersehen würde?

      Und so saßen wir zu dritt im Salon: Mein Vater, nun wieder ganz der Alte, Astor und ich. Gegen den Willen meines Vaters hatte ich mich nur in einen Bademantel gehüllt. Meine Haare hatten seit Monaten keine Reinigung gesehen. Es war eine Qual gewesen, die verfilzten Strähnen voneinander zu trennen, aber wenigstens waren sie nun wieder weich und geschmeidig, allem voran aber gebleicht, sodass sich mein schönes dunkelblond in ein ungesund aussehendes dunkleres blond verwandelte.
      "Das darf doch wohl nicht wahr sein!"
      Ich wollte direkt wieder in meinem Zimmer verschwinden, bis ich bemerkte, dass sich Vater nicht über mein Auftreten aufregte. Dabei regte er sich nicht einmal auf. Er strahlte vor Freude und zeigte Astor, der tiefenentspannt auf seinem Sessel saß, direkt, was los war. Und mich ignorierte er völlig. Ja, nun sogar mehr als je zuvor. Eigentlich erst seitdem Astor herkam, dieser schreckliche Kerl.
      Es war vor einem Jahr, ungefähr im Juli wenn ich mich recht entsinnte. Ich war achtzehn Jahre alt und hatte bis dato ein glückliches Leben geführt. Mein Vater war ebenfalls recht zufrieden gewesen, doch er hatte sich schon immer einen Sohn gewünscht. Nein, ich war im definitiv nicht genug, auch wenn er immer beschwor, dass es nicht so sei. Im Hafen von St. Theodore war ein Schiff aus den nördlichen Kolonien eingelaufen, dass einige britische Soldaten aus Neufrankreich gebracht hatte. Unter ihnen war auch ein aufstrebender Offizier gewesen, auf den Vater ein Auge geworfen hatte. Der Soldat hatte bei der Belagerung von Quebéc**** ein Jahr zuvor mitgewirkt und war ebenfalls am Gefecht auf dem Restigouche-Fluss***** beteiligt. Vater hatte ihn kurzerhand bei uns aufgenommen und nach nur ein paar Tagen der Heuchelei zu seinem Erbe erklärt, sollte ich keinen "tauglichen" Ehemann finden, was sich bei mir bekanntlich als sehr schwer herausstellte. Man hatte Astor, der sowieso keine Eltern mehr besaß, also adoptiert und mich damit zur Nebenrolle degradiert. Und nun war ich nicht mehr als ein Statist.
      "Ist das denn zu glauben, Astor, König George hat geheiratet!"
      Die Begeisterung von Astors Seiten aus hielt sich in Grenzen. Ich schnappte mir die Zeitung und las laut vor: "Seine Majestät, George William Frederick, König von Großbritannien und Irland und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, hat am heutrigen Tage, dem 8. September im Jahre 1761 des Herrn, im Chapel Royal des St. James's Palace die deutsche Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz vor den Augen Gottes zu seiner rechtmäßigen Frau genommen. Die Krönung wird in absehbarer Zeit stattfinden."
      Halt. Dieser Taugenichts von König war gerade einmal drei Jahre älter als ich und nun schon König? Ich lernte ihn als Prinz von Wales und Herzog von Edinburgh 1757 kennen, als ich siebzehn und er zwanzig gewesen war. Es war ein Ball in London gewesen und er hatte mich die ganze Zeit über beäugt, doch nie genug Mut aufgebracht, um mich zum Tanz aufzufordern. Stattdessen hatte es sein Großvater getan, König George II., der mich darum gebeten hatte, mit seinem Enkel zu tanzen. Natürlich hatte ich seine Bitte angenommen, hatte mich aber wie eine Prostituierte gefühlt. Wenn ein zukünftiger König es nicht vermochte, eine gewöhnliche Adlige zum Tanz aufzufordern, sondern bei jeglichem Blickkontakt sofort errötete, dann war er es nicht würdig, eines Tages König zu sein. So hatte ich damals gedacht, so dachte ich heute. Und nun war er verheiratet. Dieser Gedanke gefiel gleich doppelt nicht, denn George II., so freundlich er auch gewesen sein mochte, hatte einen fürchterlichen deutschen Akzent.
      "So, Georgylein ist also verheiratet, wie schön", stellte ich sarkastisch fest. "Sonst noch irgendwelche Neuigkeiten, die mich in Angst und Schrecken versetzen werden? Wie hat es ein solcher Nichtsnutz auf den Thron geschafft?"
      "Indem sein Großvater vor knapp einem Jahr gestorben ist, falls du das vergessen haben solltest, Liebes", antwortete Vater strenger als gewohnt.
      "Genau, Carolina, hör' auf was dein Vater sagt", stimmte Astor desinteressiert zu, sein kalter Blick auf die Teetasse auf dem Beistelltisch gerichtet.
      "Wenn du etwas mehr Mut gehabt hättest, wärst du zu hoher Wahrscheinlichkeit selbst zur Kandidatin als Frau in Frage gekommen", schimpfte mein Vater herum, doch ich konnte nur die Augen rollen.
      "Ich? Ich war diejenige, die das Prinzchen dazu auffordern musste, zu tanzen! Ich war diejenige, die versucht hat, ein Gespräch mit ihm aufrecht zu halten! Und selbst wenn nur ein Fünkchen Mumm in ihm gesteckt hätte; ich wäre auf keinen Fall eine Kandidatin gewesen. Ich bin weder eine Prinzessin noch aus einem solch edlen Geschlecht."
      "Genug! Du sollst nicht so über deinen König reden und schon erst recht nicht über deine ehrbaren Vorfahren."
      Ich wendete mich ab und schaute aus den großen Fenstern. Ich hörte, wie jemand die Treppe hinaufkam. Es waren vier Füße, die im Gleichschritt marschierten und zwei, die vollkommen aus dem Takt gerieten. Die Salontür vor mir knallte auf und herein kamen zwei britische Soldaten in roter Uniform, die gemeinsam einen Mann mit dunklem Haar festhielten. Sie salutierten vor meinem Vater und zwangen den Gefangen auf die Knie.
      "Sir, wir haben hier einen gesuchten Piraten unter den Franzosen gefunden", meldete einer der beiden Soldaten, beide vielleicht Anfang dreißig und mit weißen, definitiv schon lange verwendeten Perücken.
      "Und wofür bringt ihr ihn hierher", fragte mein Vater. "Ein solcher jemand gehört entweder gehängt oder ins Gefängnis, aber bitte nicht in mein Haus."
      "Aber Sir", erwiderte der Soldat. "dieser Mann hier sagte, Eure Tochter würde für ihn bürgen!"
      Vater verstummte. Er sah mich nicht an, aber ich wäre seinem Blick sowieso ausgewichen. Stattdessen sah ich den Gefangenen genau an. Thatch. Lächelnd riss er sich von den Soldaten los und ging langsam auf mich zu, den Kopf gesenkt. Dann traf mich sein Blick, er musste lachen. Edward klopfte mir kurz auf die Schulter, ging an mir vorbei und nahm sich eine Porzelantasse vom Teetisch zwischen den zwei gegenüber stehenden Chaiselongues, dem Sofa und dem Sessel in der Mitte des Raums. Er goss sich etwas Tee ein, inhalierte den Duft und schlürfte das teure Getränk im Nu hinunter. Vater sah ihn teils angewidert, teils verblüfft und empört an. Für diesen Blick hätte ich Thatch küssen können.
      "Eine schicke Insel habt Ihr hier, Sir Carolinas Vater. Sprießen einfach so aus dem Boden, was?", säuselte der Mann. "Wollt ihr mir vielleicht verraten, wie man sich auch so etwas zulegt? Hätte doch so seinen Charme, nicht, eine eigene Insel in der Ka ...-" Er rülpste leise und wischte sich unverfroren den Mund mit seinem Ärmel ab. "Karibik. Ja ja, das wäre etwas für mich."
      "Was bist du denn für eine Kreatur", fragte Astor missbilligend. Er starrte nun Thatch an, welcher sich davon aber nicht beirren ließ.
      "Dann frage ich zurück, was für eine Ihr seid", konterte dieser mit Leichtigkeit. "Ich zumindest höre auf den Namen Edward Teach, manchmal aber auch Thatch, Thack, Tack oder Thatche. Ihr dürft Euch von mir aus aussuchen, wie ihr mich nennt."
      "Macht euch nicht lächerlich", war das einzige, was Vater dem entgegen zu setzen hatte. "Wie wir alle wissen, ist Blackbeard kinderlos gestorben. Oder sollte ich besser sagen ermordet worden?"
      Thatch begann aus vollem Halse zu lachen. "Sie scheinen ja nicht gerade viel von Piraten zu wissen, Sir Dunkin. Was man nämlich eigentlich wissen sollte, ist, dass Piraten eine Vorliebe für nächtliche Kuscheleien mit vielen vielen Frauen haben." Er stellte seine Teetasse zurück auf den Holztisch, den schon mein Urgroßvater benutzt haben soll. "Und aus solchen Kuscheleien kann schnell etwas Ernstes werden, wenn man nicht aufpasst."
      "Ich darf ja wohl sehr bitten!"
      "Bittet ruhig. Was ich sagen möchte ist, dass Blackbeard nicht wenige Nachfahren hat, auch wenn die meisten nur einfach Zivilisten in irgendwelchen Städten in ganz Mittelamerika sind, von Carolina bis nach Jamaica, wenn nicht sogar bis hin nach Neuspanien, aye?"
      "Das reicht!"
      Stille. Thatch zuckte vor Schreck zusammen, nicht recht glaubend, dass mein Vater so zornig werden konnte. Dann drehte er sich jedoch mit dem Rücken zu diesem und sagte mir mit verzogenen Augenbrauen: "Ich bin nicht erwünscht hier, nehme ich an."
      Mit diesen Worten marschierte Thatch schnurstracks aus dem Salon heraus und hinterließ meinen Vater verwirrt zurück. Ich konnte nur schmunzeln und letztendlich sogar bei dem Anblick Astors kichern, der jedoch nach hysterischen Kreischereien meines alten Herrns Thatch hinterherhechtete. Dafür, dass er ein hochrangiges Mitglied der Armee gewesen sein sollte, war er aber nicht sonderlich schnell.
      "Wer zum Teufel war das, Carolina?"
      Erneut huschte mir ein Lächeln über die Wangen: "Dieser Teufel war Edward II. Thatch, seines Zeichens Sohn von Edward "Blackbeard" Thatch, Kapitän der Vengeance - mehr oder minder zumindest - und mir ein treuer Freund." Ich verließ den Salon ebenfalls, blieb dann aber mit dem Rücken zu meinem Vater im Türrahmen kurz stehen. "Wenn du mich entschuldigen würdest? Ich muss verhindern, dass mein geliebten Stiefbruder Astor von einem Piraten zerstückelt wird."
      ____________________

      Anhang:

      * Nantais (fr.) = Einwohner von Nantes (vielen Dank an Meow, dass er das für mich übersetzt hat, Google hat es irgendwie nicht geschafft, auch wenn man auf Französisch fragt :???2:)

      ** Vive la France (fr.) = Hoch lebe Frankreich

      *** Hiermit sind natürlich die Dreizehn Kolonien gemeint, auch wenn Neufrankreich bereits von den Engländern besetzt und eine militärische Regierung gebildet worden ist. Der Krieg in Nordamerika war um 1761 tatsächlich schon weitestgehend vorüber, wovon man in Europa natürlich nur träumen konnte.

      **** Die Belagerung von Québec dauerte vom 26. Juni 1759 bis zum 18. September desselben Jahres und endete schließlich mit der Schlacht auf der Abraham-Ebene, in der sich 4.400 Briten und 3.400 Franzosen und Indianer gegenüberstanden. Sie endete mit dem Sieg der Briten und führte zur Besetzung von Québec, was den Triumphzug der Briten einleitete.

      ***** Das Gefecht auf dem Restigouche-Fluss war der letzte Versuch der Franzosen, seine Besitzungen in Neufrankreich (Kanada) zu retten. Die Schlacht endete mit den Sieg der zahlenmäßig hoch überlegenen Briten.


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      The post was edited 7 times, last by Rai ().

    • Oh, es geht weiter. :D

      Eschte Nantaises*, diese Seemänner, chère Caroline, aus meiner 'eimatstadt, und auch einige Brüder aus Nouvelle France, vier Quebécoises, vertrieben eusch Engländern.

      Eschte Nantaises sind die Seemänner nur, wenn sie eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben, denn so bezeichnet man ausschließlich die weibliche Einwohner. Sobald schon ein einziger Mann darunter ist, wird daraus "Nantais" :tlol:

      Ja, viele französische Siedler entstammten aus den großen Hafenstädten des Westens, seltener auch des Nordens. :D

      Wie konnte er es eigentlich wagen? Auch wenn ich in London geboren war, fühlte ich mich nicht als Engländerin.

      Hm, Sheila hat darüber nie so wirklich nachgedacht. Aber als was fühlt Carolina sich dann? "Karibik"? *:O

      "Für Schottland", murmelte Thompson unbehelligt.

      :tlol: Da war ja aerst vor kurzem etwas. Naja, die mussten sich auch erstmal daran gewöhnen, denn wann wurde Schottland mit England zusammengenommen? 1703? Nicht so lange her jedenfalls. xD

      Auf ihn folgten ungefähr zwanzigmal "[I]Vive la France
      **" und ungefähr zwanzig Franzosen, die ihren Weg fortsetzten.

      Ja, da ist der Franzose viel zu stolz. xD

      Vor mir stand ein alt aussehender Mann mit braunem Haar, zunehmenden von grauen Strähnen übersät, sodass man die eigentliche Haarfarbe kaum mehr erkennen konnte, einem schiefem Dreispitz auf dem Kopf und tiefen Augenringen, die die wässrigen Augen zierten. Mein Vater schien um Jahre gealtert zu sein, obwohl er sich vor meiner Entführung sehr gut gehalten hatte.

      Ich hätte ehrlich gesagt zuerst mit einem Butler mit dem überhaupt nicht stereotypischen, aber weil auch edlem Namen "James" gerechnet. :tlmao:

      Wie der Soldat musterte er mich genauestens: Er hatte eine junge Dame mit dunkelblondem Haar vor sich, sonnengebräunt und in schäbigen Klamotten, die zudem noch nach Alkohol und Schweiß rochen.

      Fast schon wie Sheila damals. Ja, mein guter Curiosity, bestaune die Wirkung des Alkohols! >:

      Traurig sein? Glücklich sein? Beides konnte meine Stimmung nicht ausdrücken. Ich war wohl eher erleichtert. Er war noch da. Wann ich Mutter wohl wiedersehen würde?

      Einerseits war er offensichtlich mit seiner Überfürsorglichkeit ziemlich nervig, aber wenn man den Vater nach so langer Zeit dann wieder sieht, und zwar gesund, ist das doch toll. ^^

      sodass sich mein schönes dunkelblond in ein ungesund aussehendes dunkleres blond verwandelte.

      Meinst du Helleres Blond? Ich verstehe den Unterschied nicht so wirklich. :lol: Aber bei Bleichen würde doch das Hellere schon Sinn machen, oder?

      Ja, nun sogar mehr als je zuvor. Eigentlich erst seitdem Astor herkam, dieser schreckliche Kerl.

      Es ist schon ein bisschen her, von Astor ist mir nicht viel im Gedächtnis geblieben. :<

      Restigouche-Fluss-Schlacht, wieder etwas neues dazu gelernt. Das gefällt mir richtig klasse, wenn du solche historischen Ereignisse aus der gleichen Zeit unterzubringen versuchst! :D

      Vater hatte ihn kurzerhand bei uns aufgenommen und nach nur ein paar Tagen der Heuchelei zu seinem Erbe erklärt, sollte ich keinen "tauglichen" Ehemann finden, was sich bei mir bekanntlich als sehr schwer herausstellte. Man hatte Astor, der sowieso keine Eltern mehr besaß, also adoptiert und mich damit zur Nebenrolle degradiert. Und nun war ich nicht mehr als ein Statist.

      Das würde mich so aufregen. :( Aber ja, alle wünschten sich immer mehr einen Sohn, nur damit das Erbe weiterleben konnte. Diese dümmlichen Erbschaftsregeln, man hätte es stets dem oder der Ältesten geben sollen, dann hätten sich viele Probleme erledigt ...

      "Seine Majestät, George William Frederick, König von Großbritannien und Irland und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, hat am heutrigen Tage, dem 8. September im Jahre 1761 des Herrn, im Chapel Royal des St. James's Palace die deutsche Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz vor den Augen Gottes zu seiner rechtmäßigen Frau genommen. Die Krönung wird in absehbarer Zeit stattfinden."

      Oha Deutsche :tlol:
      Der Louis XVI. war zu dieser Zeit gerade erst 7, wurde aber auch schon mit 19 oder 20 König!

      Und nun war er verheiratet. Dieser Gedanke gefiel gleich doppelt nicht, denn George II., so freundlich er auch gewesen sein mochte, hatte einen fürchterlichen deutschen Akzent.

      Hällo! Ei emm a tschörmen Kraut! :tlol: Deutscher Akzent in Englisch, so großartig! :tlmao:

      "So, Georgylein ist also verheiratet, wie schön", stellte ich sarkastisch fest.
      "
      Georgylein x3 Fast so süß wie "Kagy-Schätzchen" :tlol:

      "Wenn du etwas mehr Mut gehabt hättest, wärst du zu hoher Wahrscheinlichkeit selbst zur Kandidatin als Frau in Frage gekommen", schimpfte mein Vater herum, doch ich konnte nur die Augen rollen.

      War so klar iksde xD Aber Carolina als Königin wäre schon eine spannende Vorstellung. Auch wenn es irgendwie so gar nicht zu ihr passen würde. :D

      "Ein solcher jemand gehört entweder gehängt oder ins Gefängnis, aber bitte nicht in mein Haus."

      Zu köstlich, einfach mal so einen mitzubringen. xD

      Edward klopfte mir kurz auf die Schulter, ging an mir vorbei und nahm sich eine Porzelantasse vom Teetisch zwischen den zwei gegenüber stehenden Chaiselongues, dem Sofa und dem Sessel in der Mitte des Raums. Er goss sich etwas Tee ein, inhalierte den Duft und schlürfte das teure Getränk im Nu hinunter. Vater sah ihn teils angewidert, teils verblüfft und empört an. Für diesen Blick hätte ich Thatch küssen können.

      Ja, so geht Höflichkeit, Junge! Mina;v; wäre stolz auf dich!

      "Was bist du denn für eine Kreatur", fragte Astor missbilligend. Er starrte nun Thatch an, welcher sich davon aber nicht beirren ließ.

      Kreatur! xD Die ganze Szene ist einfach so genial gelungen, wie hier diese zwei "Welten" von Landsleuten aufeinanderprallen. :D

      Ich konnte nur schmunzeln und letztendlich sogar bei dem Anblick Astors kichern, der jedoch nach hysterischen Kreischereien meines alten Herrns Thatch hinterherhechtete. Dafür, dass er ein hochrangiges Mitglied der Armee gewesen sein sollte, war er aber nicht sonderlich schnell.

      Zu Hüüüülfe, eine schäbige Kreatur! xD Ich kann mir diese Hysterie richtig gut vorstellen. (:

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Piraten yo ho!

      "Eschte Nantais*


      Das wird Monsieur Meow aber freuen!
      Dass "Nantaises" Frauen aus Nantes bezeichnete wäre mir aber auch nicht aufgefallen xD

      Ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt im Krieg erlaubt ist"


      Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt! o/
      Nein, eigentlich ja nicht, aber es hält sich eh keiner an irgendwelche Regeln :$

      "Für Schottland", murmelte Thompson unbehelligt.
      Auf ihn folgten ungefähr zwanzigmal "Vive la France**" und ungefähr zwanzig Franzosen


      Autsch, da haben sie ihn aber hart getrollt. :tlol:

      einem Luftkuss und einem "Adieu, ma chérie" von Ravenaus Seite aus


      Der klischeehafte französische Charmeur wieder. :lol:
      Aber immerhin weiß er, was sich einer Dame gegenüber geziemt!

      Und mich ignorierte er völlig. Ja, nun sogar mehr als je zuvor.


      Was für ein Arsch. Anstatt sich zu freuen! :mad:

      Vater hatte ihn kurzerhand bei uns aufgenommen und nach nur ein paar Tagen der Heuchelei zu seinem Erbe erklärt,


      Wie würde der Admiral aus Star Wars: Episode 6 sagen:
      "Es ist eine Falle!" *:O
      Der will doch eh nur an die Kohle.

      denn George II., so freundlich er auch gewesen sein mochte, hatte einen fürchterlichen deutschen Akzent.


      Ist das etwa ein Problem, Carolina? :achja:
      Wobei, von Adligen halte ich ja eh nichts :tlol:

      "Aber Sir", erwiderte der Soldat. "dieser Mann hier sagte, Eure Tochter würde für ihn bürgen!"


      Thatch, nutzlos und verschlagen wie immer. :tlol:

      eine eigene Insel in der Ka ...-" Er rülpste leise und wischte sich unverfroren den Mund mit seinem Ärmel ab. "Karibik. Ja ja, das wäre etwas für mich."


      Diese Tischmanieren! Herrlich! Er sollte auch mal an so einem Bankett teilnehmen. :lol:

      Was man nämlich eigentlich wissen sollte, ist, dass Piraten eine Vorliebe für nächtliche Kuscheleien mit vielen vielen Frauen haben."


      Neeeeein, aaaach, damit konnte ja nun wirklich niemand rechnen! :tlmao:

      Was ich sagen möchte ist, dass Blackbeard nicht wenige Nachfahren hat, auch wenn die meisten nur einfach Zivilisten in irgendwelchen Städten in ganz Mittelamerika sind, von Carolina bis nach Jamaica, wenn nicht sogar bis hin nach Neuspanien, aye?"


      Hahaha, man könnte also sagen, Blackbeard ist ganz schön...
      herumgekommen. :hehe: :hihi:

      "Wenn du mich entschuldigen würdest? Ich muss verhindern, dass mein geliebten Stiefbruder Astor von einem Piraten zerstückelt wird."


      Oh, zu gütig von ihr. :hihi:

      Epischer Kampf zwischen Astor und Thatch confirmed! *:O
      Oder auch nicht, wir werden sehen.
    • Kommentar, zwei Kommentare! :run2:

      @Meow:

      Eschte Nantaises sind die Seemänner nur, wenn sie eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben, denn so bezeichnet man ausschließlich die weibliche Einwohner. Sobald schon ein einziger Mann darunter ist, wird daraus "Nantais" :tlol:

      Ups, vielen Dank für die Korrektur, wurde sofort verbessert. :tlol:

      Ja, viele französische Siedler entstammten aus den großen Hafenstädten des Westens, seltener auch des Nordens. :D

      So wie Brest? Jedenfalls sollte Raveneau ursprünglich ein Bretone aus Brest sein, aber das habe ich dann doch noch geändert. Pays de la Loire halt. :ka:

      Hm, Sheila hat darüber nie so wirklich nachgedacht. Aber als was fühlt Carolina sich dann? "Karibik"? *:O

      Sie fühlt sich einfach auf ihrer "Heimat"insel am heimischsten, warum auch immer. Ziemlich anti-national. :was:

      Da war ja aerst vor kurzem etwas. Naja, die mussten sich auch erstmal daran gewöhnen, denn wann wurde Schottland mit England zusammengenommen? 1703? Nicht so lange her jedenfalls. xD

      Schade für die Schotten! Die Bretonen sollten es auch einmal mit Unabhängigkeit versuchen! Aber ja, mit dem Act of Union haben sich England und Schottland 1707 zusammengeschlossen. Das dürfte Thompsons Vater noch miterlebt haben. :)

      Ja, da ist der Franzose viel zu stolz. xD

      Da sagst du wahre Worte. >______>:v:

      Meinst du Helleres Blond? Ich verstehe den Unterschied nicht so wirklich. :lol: Aber bei Bleichen würde doch das Hellere schon Sinn machen, oder?

      Oh ja, du hast recht. Wird auch ausgebessert. Vielen Dank!

      Es ist schon ein bisschen her, von Astor ist mir nicht viel im Gedächtnis geblieben. :<

      Aber Astor ist so fabulous! Nein, Scherz beiseite, der Pokémon-Astor und dieser hier unterscheiden sich schon. ^^

      Hällo! Ei emm a tschörmen Kraut! :tlol: Deutscher Akzent in Englisch, so großartig! :tlmao:

      Ja, die Deutschen halt. :tlmao: Aber gut, es gab ja ein paar englische Könige, die aus Deutschland stammten. George I. und George II. wurden ja beide in Deutschland geboren und der I. sprach sogar kaum Englisch. :hihi:

      War so klar iksde xD Aber Carolina als Königin wäre schon eine spannende Vorstellung. Auch wenn es irgendwie so gar nicht zu ihr passen würde. :D

      Das wäre eine Terrorherrschaft. :sebi:

      Kreatur! xD Die ganze Szene ist einfach so genial gelungen, wie hier diese zwei "Welten" von Landsleuten aufeinanderprallen. :D

      Musste ja früher oder später auch geschehen! :( Wobei, mit Carolina ging das schon die ganze Zeit so. :was:


      @Curiosity:

      Dass "Nantaises" Frauen aus Nantes bezeichnete wäre mir aber auch nicht aufgefallen xD

      Französisch halt. :ups: Bei denen wird eine Gruppe, die aus Frauen und Männern besteht, als Gruppe bezeichnet, die nur aus Männern besteht! :run2:

      Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt! o/

      Ja, leider! o/ Leider?

      Der klischeehafte französische Charmeur wieder. :lol:
      Aber immerhin weiß er, was sich einer Dame gegenüber geziemt!

      Aber er ignoriert es einfach, dass sie mal gar nicht so wie andere Damen ist. :tihi:

      Wie würde der Admiral aus Star Wars: Episode 6 sagen:
      "Es ist eine Falle!" *:O
      Der will doch eh nur an die Kohle.

      Tja, aber wenn man unbedingt einen männlichen Erben haben will und es davor nicht geschafft hat, einen zu kriegen, muss man halt zu drastischen Mitteln greifen. YOLO :run2:

      Ist das etwa ein Problem, Carolina? :achja:

      Nein, ist es nicht! :(

      Diese Tischmanieren! Herrlich! Er sollte auch mal an so einem Bankett teilnehmen. :lol:

      Das sollten wir wohl alle. :tlol:

      Hahaha, man könnte also sagen, Blackbeard ist ganz schön...
      herumgekommen. :hehe: :hihi:

      Das ist er wohl. :hihi:

      Epischer Kampf zwischen Astor und Thatch confirmed! *:O
      Oder auch nicht, wir werden sehen.

      Ja, wir werden sehen!

      Vielen Dank euch beiden für die Kommentare! o/


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.
    • KAPITEL SIEBZEHN:
      "Entschlossenheit"



      St. Theodore, 09. September 1761

      "Na los, zeig dich, du elender Köter!"
      Astors Rufe konnte man in ganz St. Theodore und darüber hinaus hören, womöglich bis nach Florida. Dank der Nähe zu der Halbinsel Florida, unter demselben Namen als Kolonie des reichen Spaniens bekannt, konnte meine Familie letztendlich seinen Reichtum erlangen. St. Theodore lebte vom Handel mit den Spaniern, vor dem Krieg auch überwiegend mit den anderen britischen Kolonien oder französischen Handelsschiffen. Diese Insel war ein Kleinod inmitten der turbulenten Karibik, die selbst heute - Jahrzehnte nach dem großen Zeitalter der Piraten - für jegliche Kolonialreiche eine Herausforderung darstellte und nun mehr denn je. Doch von Halsey und seinen Machenschaften wollte ich nun nichts wissen.
      "Ich glaube nicht, dass er sich hier noch irgendwo aufhält, liebster Astor", versuchte ich meinen aufgebrachten Stiefbruder zu beruhigen.
      "Nichts da!!", kläffte dieser jedoch zurück. "Ich werde nicht ruhen, bis ich diesen vermaledeiten Piraten gefunden habe! Hängen soll er! Hängen, bis ihm der Hals durchbricht!"
      Ich seufzte und drehte ab. Astor und ich befanden uns im Zentrum des Ortes St. Theodore, das nicht mehr als ein paar mehrere hundert Einwohner zählte. Die weißgestrichenen Holzhäuser, aus denen das Städtchen bestand, stammten ungefähr aus der Zeit von 1721, dem Jahr, in dem mein Großvater auf dieser Insel landete. Zu der Zeit war der Hauptort Nuevo Toledo, heute entweder nur "Toledo" oder "New Toledo" genannt, in dem mittlerweile nur noch ein paar Familien wohnten. Das Fischerdörfchen Porrins war zu der Zeit noch nicht gegründet, hatte sich jedoch im Laufe der Zeit von selbst herausgebildet, nachdem in dieser Umgebung ursprünglich Piraten aus Nassau, damals schon längst nicht mehr die groß gefeierte "Piratenrepublik", gehaust hatten.
      "Wenn du fertig bist, kannst du ja nachkommen."
      Ich schlenderte durch staubigen Straßen von St. Theodore, die in ihrem Leben wahrscheinlich keine Pflasterung erleben werden. Es trieben sich kaum Menschen in der Stadt herum; das Zentrum war wie leergefegt. Obwohl es gerade einmal mittags sein konnte, schienen alle Bewohner in ihren Häusern oder sonst wo zu sein. Auf meinem Weg zurück zum Anwesen traf ich gerade einmal eine ältere Dame, die sich scheinbar verirrt hatte und ziellos hin- und herrannte. Aber wer konnte es den ganzen Bürgern verübeln? Ein Schar von Franzosen war vor wenigen Stunden durch die Stadt marschiert, da durfte man angesichts des Kriegszustandes - auch wenn dieser wohl kaum diese Insel hier betraf - ruhig in Angst und Schrecken versetzt sein.
      In der Villa zumindest schien mich niemand empfangen zu wollen, nicht umsonst waren sämtliche Türen und Fenster trotz der eher unangenehmen Spätsommerhitze geschlossen. Zumindest Jacques, der Führer unserer Dienerschaft, öffnete mir die Tür. Er war ungefähr so alt wie mein Vater, besaß weder ein Haar auf dem Kopf noch im Gesicht, weshalb er stets und selbst beim Schlafen eine braune Perücke trug, und war zuletzt auch stumm. Er wurde während meiner frühen Kindheit eingestellt und da er nie redete, vermutete ich immer, seine Zunge sei ihm herausgeschnitten worden. Nun glaubte ich aber eher, dass er so geboren wurde, schließlich konnte nicht jede Eigenschaft einer Person eine spannende Geschichte bergen, was mich damals aber nicht davon abgehalten hatte, mir eine solche auszudenken.
      "Guten Tag", begrüßte ich den Butler, dessen wahren Namen niemand kannte und man ihn deshalb einfach "Jacques" getauft hatte.
      Er schien etwas verwundert darüber zu sein, dass ich plötzlich wieder da war, doch da er seine Emotionen sehr gut hinter einem stillen Gesicht verbergen konnte, ging ich einfach weiter. Ich war also in der großen Eingangshalle der Villa. Betrat man diese, befanden sich vor einem die zwei ineinanderübergehende Treppen, die in den ersten Stock führten. Ich lief sie hinauf. Rechts von mir befand sich nun mein Zimmer, links der Salon, den ich umgehend betrat. Ich setzte mich auf das einzige Sofa, während es sich mein Vater auf dem gegenüberstehenden Sessel, der normalerweise Astor vorbehalten war, gemütlich gemacht hatte.
      "Gibt es schon irgendwelche Neuigkeiten aus New York", fragte ich, nachdem ich erklärt hatte, dass Astors Suche nach Thatch zum Scheitern verurteilt war. "
      "Wieso New York", fragte mein Vater geistesabwesend zurück.
      "Ich dachte, Mutter sei immer noch auf der Geschäftsreise. Sollte sie nicht bald zurückkehren, immerhin haben wir nun schon September."
      "Nein, sie wird wohl noch länger wegbleiben, mein Goldstück. Wegen des Krieges hat sie New York sicherheitshalber Richtung Carolina verlassen. Das vor einigen Wochen. Das letzte, was ich dann von ihr hörte, war, dass sie auf Geheiß des Königs nach London kommen sollte."
      "London?! Aber das bedeutet doch ...-"
      Er seufzte. "Richtig, das bedeutet, dass sie wohl noch längere Zeit weg bleiben wird. Ich werde St. Theodore in absehbarer Zeit ebenfalls verlassen."
      Ich verstummte. Das war das erste Mal, dass Vater mich verließ und besonders jetzt, wo ich gerade erst wieder zu Hause war und sich mein Leben erst wieder normalisieren musste, konnte er nicht einfach verschwinden. Wer sollte sich während seiner Abwesenheit um die Insel kümmern? Als Gouverneur von St. Theodore hatte man zu viele Aufgaben zu bewältigen, als dass man diesen Posten einfach für einige Zeit aufgeben konnte. Aber wenn die Pflicht rief, tat sie das.
      "Und wer wird währenddessen deinen Posten einnehmen?", rief ich, obwohl ich ganz genau wusste, was die Antwort sein würde.
      "Ich habe sämtliche Aufgaben Astor anvertraut. Fortan werden er und die Besatzung von Fort Anne die Führung von St. Theodore übernehmen. Zudem habe ich den Bewohnern von New Toledo angeboten, während der meiner Abwesenheit in den leerstehenden Häusern von St. Theodore oder im Fort zu wohnen, da ich fürchte, dass die Spanier das Eiland in nächster Zeit beäugen werden."
      "Wieso sollten sie das tun? Es herrscht ein Handelsabkommen mit Florida und Havanna, wieso sollte man dann St. Theodore ...-"
      Vater sah mich mit versteinerter Miene an: "Man hat uns vorgeworfen, ein spanisches Schiff versenkt zu haben. Zuerst hat Havanna den Handel abgebrochen, dann auch Florida. Die Spanier haben nur einen einzigen Grund gesucht, uns eines vertragswidrigen Verbrechens zu beschuldigen, da sie schon längst keinen Vorteil mehr im Handel mit England gesehen haben. Ich habe die Spanish Lady* zurück nach St. Theodore beordert, aus Angst, die Spanier könnten sie versenken."
      War es wirklich so schlimm? Auch wenn Krieg herrschte - sowohl Spanien als auch St. Theodore hatten ursprünglich von dem Handel profitiert: Während man wertvolle Materialien wie Erze aus den Bartholomew Hills, einem niedrigen Gebirge im Süd-Westen der Insel, und Zucker von der kleinen Plantage bei New Toledo nach Florida und ab und an nach Kuba verschiffte, erhielt St. Theodore unter anderem das Geld, um die florierende Wirtschaft der Insel im Gang zu halten. Da man hier beinahe alles fand, was man zum Leben brauchte, Holz, Baumwolle, Vieh und dergleichen, musste man auch kaum nach solch wichtigen Ressourcen fragen. Und durch all diesen Reichtum, der sich aber nicht durch Geld definierte, war St. Theodore der Handelspartner schlechthin und durch komplexe Handelsabkommen mit Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark - also sämtlichen Mächten, die hauptsächlich Besitzungen in der Neuen Welt besaßen -, war die Sicherheit der Insel gewährleistet.
      "Und nun?"
      "Nun will ich hoffen, dass Spanien im Krieg neutral bleibt", antwortete Vater mit einer heraushörbaren Hoffnungslosigkeit in der Stimme. "Die Verträge mit uns sind noch nicht gänzlich aufgelöst, daher erbitte ich um eine Audienz beim Gouverneur von Kuba in Havanna. Wie hieß er noch gleich? Juan de Prado ... und dann? Porto ... Porto ... Portokarriere?**. Wie dem auch sei." Er räusperte sich. "Jedenfalls erwartet man mich am dreizehnten diesen Monats in Havanna."
      "Aber das ist schon diese Woche!"
      "Diese Woche Sonntag."
      Ich stand auf und verließ den Salon. Wutentbrannt und mit Tränen in den Augen riss ich die Tür zu meinem Zimmer auf und warf mich auf mein Bett, dessen Decke scheinbar seit Tagen unberührt dagelegen hatte, da sie schon Staub fing. Ich schleuderte meine Pantoffeln durch den Raum und vergrub mein Gesicht in dem federweichen Kissen. Wie konnte es nur so weit kommen? Das einzige, was ich wollte, war ein glückliches Leben. Zuerst zerstört von Piraten, nun zerstört vom Krieg. Ich verfluchte die Menschheit doppelt und dreifach dafür, dass sie sich nicht mit den Flecken Erde zufrieden geben konnte, die man ihr gegeben hatte. Wieso erhob sich niemand dagegen? Wieso tat niemand etwas gegen die Unterdrückung von Königen, so fähig sie auch sein mochten? Sie alle waren verschwenderisch und allesamt ein Haufen Taugenichtse und brachten dem Volk außer Territorien, die im nächsten Krieg so oder so nicht gegen den nächstbesten Rivalen verteidigt werden konnten, absolut nichts. Zudem mussten die Großmächte nun zunehmend auch noch unverschämt hohe Steuern gegen ihre Kolonien erheben, da ein Krieg Unmengen an Geld forderte.***

      Und nun lag ich da, schweigend und enttäuscht. Wie viel Uhr es wohl war? Ich hörte nur das Ticken Uhr, die über meinem Bett hing und das ruhiges Schnurren von Nidinia, die es sich in ihrem "Körbchen" in der Ecke des Raumes gemütlich gemacht hatte. Ich erhob mich vom Bett und hockte mich neben sie auf den Boden, links neben mir einen hohen Hofen, der selbst im Winter eher selten benutzt wurde, da es auf St. Theodore im Dezember duchrschnittlich nicht viel kälter als dreizehn Grad Celsius wurde. Trotzdem war es nachts im Winter schon recht frisch, was zur Folge hatte, dass ein Ofen definitiv nicht schaden konnte.
      "Ach, Nidinia", flüsterte ich vor mich hin, während ich den Kopf des schlafenden Kleopardas streichelte.
      Vater hatte das Katzen-Pokémon recht herzlich aufgenommen, dafür, dass er seine Liebe sonst ausschließlich dem Familienhund Hephaistos schenkte, was Haustiere anbelangte. Erstaunlicherweise hatten sich das Fukano und Kleoparda zumindest so gut verstanden, dass Hephaistos Nidinia nicht terrorisierte und sie ihm dafür nicht die Augen auskratzte.
      Aber schon wieder ... schon wieder ließ ich es auf mir sitzen. Ich war wie ein Kind, ein Kind, das sich einfach in seinem Zimmer verbarrikadierte und nicht wieder herauskam, bis es keine Lust mehr darauf hatte, zornig zu sein. Ich benahm mich nicht anders. Und das galt es zu ändern. Ich stand auf, weckte dabei versehentlich Nidinia auf, die mir von nun an an den Fersen klebte und und riss die Tür auf. Ich wirbelte an Jacques vorbei, der erschrocken sein Silbertablett fallen ließ und damit irgendein dampfendes Getränk auf den Boden vergoss, und steuerte auf das Musikzimmer des Hauses zu, das man mittlerweile zu Astors persönlicher Stube umgebaut hatte. Sein Zimmer lag zwar im ersten Stock, konnte aber nur durch eine Wendeltreppe im Erdgeschoss erreicht werden, da man es für unangebracht gehalten hatte, das Gemach meiner Eltern zu einem Durchgangszimmer werden zu lassen. Ich stürmte durch Küche und Esszimmer, bis ich Astors Einliegerwohnung erreichte. Der Raum, der sich in diesem Stock befand, war ursprünglich Jacques' Heim, bevor man diesem ein eigenes Häuschen hinter der Villa überließ. Ich rannte die Wendeltreppe hinauf - zumindest so gut, wie es sich mit einem bodenlangen Kleid eben rennen ließ - und öffnete den Kleiderschrank meines Stiefbruders.
      Es war erschreckend und faszinierend, wie eintönig die Kleidung des Army-Generals war. Das meiste waren Uniformen, von denen die meisten staubig waren oder vor Dreck standen, und abgesehen von diesen bestand der Rest des Kleiderschranks aus unmodischen Jacken. Ich schloss die Türen wieder und öffnete ein paar Schubladen: Strümpfe und Kniehosen, alles, was ich nicht brauchte. Trotzdem nahm ich mir ein Paar der weißen, bis zu den Knien reichenden Pantalons mit. Nun brauchte ich nur noch Schuhe und ein Hemd, im besten Fall fand ich auch noch ein Jackett oder dergleichen. Ich durchwühlte also Astors gesamten Besitz, bis ich schließlich fündig wurde: Ein Paar schwarze Stiefeletten der British Army und dazugehörige Gamaschen in weiß, aber beide abgetragen und diesem Eindringling wohl viel zu klein, sodass sie mir nun passen mussten. Letztendlich stahl ich noch ausreichend Proviant aus der Küche und, da ich gerade dort war, nahm ich mir ein großes Messer, säbelte mit diesem die zu langen Enden der Kniestrümpfe ab, sodass sie sie nur noch vielleicht fünfzehn Zentimeter über die Knöchel ragten. Die Gamaschen durften dasselbe Schicksal erleiden; ich schneiderte sie so zurecht, dass sie knapp bis unter die Knie reichten und zog schließlich die gesamten ergaunerten Kleidungsstücke an.
      "Nun fehlen nur noch ... Waffen", erinnerte ich mich, nachdem ich den Proviant in einem großen Beutel verpackt hatte, den ich locker auf dem Rücken tragen konnte.
      Und ich wusste genau wo ich diese finden konnte. In der Mitte der Eingangshalle der Villa, hinter dem Miniaturspringbrunnen, der sich zwischen den beiden Treppen befand, über die man in den ersten Stock gelangte, waren zwei Rapiere an der Wand befestigt. Ich eignete mir beide Klingen an und steckte sie in das Halfter, das ich ebenfalls aus Astors Zimmer hatte mitgehen lassen. Das Halfter bot noch Platz für ein bis zwei Pistolen, die sich als sehr nützlich erweisen würden, wenn ich welche finden könnte. Zu meinem Glück wusste ich auch diesmal, wo ich zu suchen hatte: In Vaters Büro, in das ich trotz einer laut maunzenden Nidinia ohne dessen Kenntnisnahme eindringen konnte, war eine einfache Steinschlosspistole in einer Schublade des großen Bürotischs, auf dem sich sämtliche Bücher befanden, mit welchen man die Trading Company meiner Familie steuerte. Ich öffnete die Schublade und fand die Pistole nach einer kurzen und möglichst leisen Wühlerei unter etlichen wertlosen und wertvollen Dokumenten. Auch diese Waffe wurde meinem Halfter hinzugefügt. Nun würde ich nur noch ...-
      Ich hörte, wie sich die Salontür öffnete. Astor musste wieder da sein. Ich sah auf die vergoldete Taschenuhr, die auf Vaters Tisch lag. So spät schon? Es würde bald dämmern, was bedeutete, dass es nicht lange dauern würde, bis Vater die Mägde mobilisierte, um das Essen herzurichten. Ich musste schnell sein, sonst würde ich eine einmalige Chance verpassen. Ich sackte sie Taschenuhr ein und griff einen von Vaters Jacketts, der in dunkelblau und mit möglichst wenig goldenen Verzierungen von allen wohl am schlichtesten aussah. Zu guter Letzt fehlte mir nur noch ein einziges Utensil: "Haarband?"
      Ich packte eines der Messer, die ich aus der Küche hatte, aus und schnitt von einem zinnoberroten Samtmantel ein Stück ab, mit welchem ich meine Haare zu einem praktischen Pferdeschwanz zusammenbinden könnte. Ich war also fertig und bereit, meinen Plan in die Tatsache umzusetzen. Nur wo sollte ich anfangen? Es dauerte noch vier Tage, bis Vater nach Kuba reisen würde und dieser Zeit musste ich in Erfahrung bringen, mit welchem Schiff er fahren würde, wann es wo anlegt und wann es ablegt. Und am wichtigsten war, dass ich meine Ausrüstung zu sichern hatte, da die vielen fehlenden Objekte sicher bald auffallen würden. Bis dahin musste ich mich vollkommen gewöhnlich verhalten, damit niemand Verdacht schöpfen würde. Ich musste die Rolle als beleidigte und enttäuschte Carolina gut verkörpern. Sehr gut sogar. Und am besten dachte ich mir möglichst schnell aus, mit welcher Ausrede ich meine zukünftigen Ausflüge zur Informationsbeschaffung überschatten würde, sonst würde schnell verdacht aufkommen.
      "Carolina, kommst du mal?", ertönte es gedämpft aus dem Salon.
      Ich huschte geschwind zurück in mein Zimmer, warf meine Ausrüstung in den Kleiderschrank, den ich sofort verschloss, nachdem ich ein beiges Kleid übergeworfen hatte, und lief im selben Tempo zu Vater, der gemeinsam mit Astor schon auf mich wartete. Mein alter Herr sah mich vorwurfsvoll an: "Was hast du solange gemacht?"
      "Ich habe nur kurz das Kleid hier angezogen", antwortete ich schon beinahe zu schlagfertig. "Es gefällt mir doch so gut."
      "Hm, seltsam", erwiderte Vater. "Als ich es dir kaufte, sagtest du, es sähe grässlich aus. Aber Geschmäcke ändern sich." Astor, der mich nicht eines Blickes würdigte, räusperte. "Wie dem auch sei. Wie ich gehört habe, ist dieser räudige Hund von vorhin entkommen. Stimmte, was er da sagte? Dass du für ihn bürgen würdest?"
      "Ja, das würde ich wohl. Der Mann hat erheblich dazu beigetragen, dass ich zurück hierher gelangen konnte. Würdest du ihn denn begnadigen, wenn er gefasst wird?"
      Auch wenn ich das genau Gegenteil aussprach, wusste ich, dass Thatch nicht gefasst werden würde, dafür war er zu gewieft. Sicherlich hatte er sich schon auf ein Schiff gestohlen, das sich mittlerweile auf offener See befand, oder er hatte sich unter die Matrosen unter Thompson und Ravenau gemischt. Zumindest letzterer schien dem offensichtlichen Piraten nicht abgeneigt zu sein. Bis morgen würde er über alle Berge sein und Astor dafür ein erstes Mal Enttäuschung in meinem Vater hervorrufen. Es mochte unrealistisch klingen, aber mit der fehlgeschlagenen Suche nach Thatch, hat Astor ins Schwarze getroffen. Ins Schwarze, um Vater zu verärgern.
      "Es freut mich zwar, Schatz, wenn du einem Mann gewisse Zuneigung entgegenbringst, aber ein solcher Schuft muss es nun nich wirklich sein, oder? Du ... du lie ...-" Er machte eine Pause. "... ihn nicht etwa?"
      "Nicht doch!" Wer weiß, vielleicht doch? Mein Interesse hatte dieser "Schuft" jedenfalls geweckt. "Aber sag, gibt es bald etwas zu essen? Ich verhungere!"
      "Ja, ja, du hast ja recht! Astor, würdest du die Mägde zusammenrufen?"
      Mein Stiefbruder, dem die ganze Situation scheinbar sehr unangenehm war, verließ das Zimmer umgehend und ließ Vater und mich allein. Es war wieder eine unangenehme Stille eingetreten, die es zu beenden galt. Auch ich verließ das Zimmer und betrat meines, in dem Nidinia schon auf mich wartete. Ich hockte mich auf mein Bett und starrte das Katzen-Pokémon an. Sollte ich sie mitnehmen? Immerhin, sie hatte sich bereits an Bord der Rapid Rescue mehr als nur bewehrt, aber ich wusste nicht, ob ein solches Abenteuer etwas für Kleoparda war. Die belebten Straßen Havannas waren nicht gerade der Ort, an dem Pokémon dieser Größenordnung etwas zu suchen hatten. Die meisten Menschen würden wohl die Flucht ergreifen, wenn sie bemerken würden, dass sie da kein süßes Felilou vor sich haben. Aber das machte es auch wieder interessant. Ja, Nidinia sollte mitkommen. Am besten nahm ich auch noch Hephaistos mit, dann würde ich nichts mehr zu fürchten haben. Obwohl, ein Wachhund ist das Fukano absolut nicht. Wohl eher ein Schoßhündchen, aber beißen konnte der Köter trotzdem und das nicht zu knapp.
      "So", sprach ich zu dem Kleoparda. "Du und ich, wir werden meinen Vater nach Kuba begleiten, in Ordnung? Wir werden dafür sorgen, dass St. Theodore wieder seinen Handel treiben kann und dann leben wir ein glückliches Leben. Wer weiß, vielleicht findest du noch einen reizenden Kater?" Nidinia schnurrte und für einen Moment erschien es mir so als würde sie nicken. Wir beide waren bereit und ich vor allem voller Tatendrang. "Havanna, wir kommen!"
      ____________________

      Anhang:

      * Handelsfregatte der Dunkin Trading Company (DTC) und Flaggschiff der Flotte; wurde ursprünglich im War of Jenkins' Ear als Kriegsschiff im Dienste Englands verwendet, nach der Ernennung von Carolinas Vater zum Gouverneur von St. Theodore dann aber an diesen abgetreten

      ** Juan de Prado Mayera Portocarrero y Luna (1716 - 1770) war von Februar 1761 bis August 1762 Gouverneur von Kuba und verlor Havanna gegen die Briten am 13. August 1762

      *** Ich glaube, jedem sollte klar sein worauf Carolinas rebellische Gedanken anspielen. Zweifelsohne kritisiert sie die Politik ihrer Zeit und hat einen Grundgedanken vorgeführt, aus dem unter anderem schließlich die Boston Tea Party resultierte und im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775 - 1783) gipfelte.


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

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    • "Ich werde nicht ruhen, bis ich diesen vermaledeiten Piraten gefunden habe! Hängen soll er! Hängen, bis ihm der Hals durchbricht!"

      Solch ein heißblütiges Blaublut! *:O

      Zu der Zeit war der Hauptort Nuevo Toledo, heute entweder nur "Toledo" oder "New Toledo" genannt, in dem mittlerweile nur noch ein paar Familien wohnten.

      Oha, Ex-Spanisch! *:O Ein großer Name, obwohl die Stadt mit 84.000 nicht so wahnsinnig groß ist!

      Ein Schar von Franzosen war vor wenigen Stunden durch die Stadt marschiert, da durfte man angesichts des Kriegszustandes - auch wenn dieser wohl kaum diese Insel hier betraf - ruhig in Angst und Schrecken versetzt sein.

      Selbst wenn es hier nur "Touristen" sind. :tlol:

      Nun glaubte ich aber eher, dass er so geboren wurde, schließlich konnte nicht jede Eigenschaft einer Person eine spannende Geschichte bergen, was mich damals aber nicht davon abgehalten hatte, mir eine solche auszudenken.

      Ja, schade. :( Aber bei Geschichten besitzen mehr leute diese als im Weltdurchschnitt. :szwink:

      Aber "Jacques" war schon auch Engländer, oder? :tlol:

      "Wieso New York", fragte mein Vater geistesabwesend zurück.

      Die komplett emotionslose Frage ohne Fragezeichen, die benutze ich privat ja auch sehr gerne, wenn auch nicht in den FFs. Aber hier passt es trotzdem sehr gut. :tlol:

      Das war das erste Mal, dass Vater mich verließ und besonders jetzt, wo ich gerade erst wieder zu Hause war und sich mein Leben erst wieder normalisieren musste, konnte er nicht einfach verschwinden.

      Ja, Junge! Das geeeeyht nicht! Der kann doch nicht einfach gehen! ;v;

      Wer sollte sich während seiner Abwesenheit um die Insel kümmern?

      Immer der, der fragt. :lol:

      Dänemark? Also damit hätte ich jetzt nicht gerechnet! *:O
      Aber so sind die eben, wenn etwas nicht mehr lukrativ ist. Da kennen die nichts, schon gar nicht der Spanier der Neuen Welt!

      Ich verfluchte die Menschheit doppelt und dreifach dafür, dass sie sich nicht mit den Flecken Erde zufrieden geben konnte, die man ihr gegeben hatte.

      Luxembourg hat eindeutig zu wenig Landmasse! :@

      Wieso erhob sich niemand dagegen? Wieso tat niemand etwas gegen die Unterdrückung von Königen, so fähig sie auch sein mochten? Sie alle waren verschwenderisch und allesamt ein Haufen Taugenichtse und brachten dem Volk außer Territorien, die im nächsten Krieg so oder so nicht gegen den nächstbesten Rivalen verteidigt werden konnten, absolut nichts.
      Setsuna würde alles anders machen. :sonne: Ein Herz für Setsu: :ws:

      Ich erhob mich vom Bett und hockte mich neben sie auf den Boden, links neben mir einen hohen Hofen, der selbst im Winter eher selten benutzt wurde, da es auf St. Theodore im Dezember duchrschnittlich nicht viel kälter als dreizehn Grad Celsius wurde. Trotzdem war es nachts im Winter schon recht frisch, was zur Folge hatte, dass ein Ofen definitiv nicht schaden konnte.

      Dreizehn Grad sind Kranwasser-Temperaturen, baden lässt sich da nicht mehr! Aber wer macht sowas schon im Dezember, außer Wahnsinnigen.

      Vater hatte das Katzen-Pokémon recht herzlich aufgenommen, dafür, dass er seine Liebe sonst ausschließlich dem Familienhund Hephaistos schenkte, was Haustiere anbelangte.

      Hephaistos der griechische Feuergott! :tlol: Klasse!

      Es war erschreckend und faszinierend, wie eintönig die Kleidung des Army-Generals war. Das meiste waren Uniformen, von denen die meisten staubig waren oder vor Dreck standen, und abgesehen von diesen bestand der Rest des Kleiderschranks aus unmodischen Jacken.

      Willkommen im Kleiderschrank von Adrian Monk, nur dass dort die Polizeiuniform die Minderheit ausmacht. Und Staub gibt es dort auch nicht! :@

      Ich musste die Rolle als beleidigte und enttäuschte Carolina gut verkörpern. Sehr gut sogar. Und am besten dachte ich mir möglichst schnell aus, mit welcher Ausrede ich meine zukünftigen Ausflüge zur Informationsbeschaffung überschatten würde, sonst würde schnell verdacht aufkommen.

      Diese Rolle kann ja wohl nicht so schwer sein. :tlol: Was sie wohl vorhat? *:O

      "Hm, seltsam", erwiderte Vater. "Als ich es dir kaufte, sagtest du, es sähe grässlich aus. Aber Geschmäcke ändern sich."

      Oder manche sind einfach immer so drauf! :@ Das kann für die Umwelt sehr anstrengend sein. :lol:

      "Nicht doch!" Wer weiß, vielleicht doch? Mein Interesse hatte dieser "Schuft" jedenfalls geweckt.

      Der Papi macht sich also Sorgen ... :szwink:

      Obwohl, ein Wachhund ist das Fukano absolut nicht. Wohl eher ein Schoßhündchen, aber beißen konnte der Köter trotzdem und das nicht zu knapp.

      Wuff Wuff Wuff. Kommentar vergessen.

      Ja, ist schon spät! Da passiert das schon mal! Ob auf Kuba wohl andere Pokemon leben als an den bisherigen Orten? Da bin ich mal gespannt!

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Kann ja nicht jeder so spät wie Meowstic ins Bett gehen, es muss auch Leute geben, die lieber die ganze Nacht durch Dubstep hören. ;)

      Wubwubwub.

      "Ich werde nicht ruhen, bis ich diesen vermaledeiten Piraten gefunden habe! Hängen soll er! Hängen, bis ihm der Hals durchbricht!"


      Thatch bricht vorher eher ihm das Genick wie ein Streichholz. :hihi:

      die in ihrem Leben wahrscheinlich keine Pflasterung erleben werden.


      Die Hitze in der Karibik macht halt faul! Die Jamaikaner haben's da am Chilligsten gelöst. :tlol:

      dessen wahren Namen niemand kannte und man ihn deshalb einfach "Jacques" getauft hatte.


      Ha, das mache ich auch immer, mir Namen für Leute ausdenken, deren Namen ich nicht kenne...frag Meowstic, mit dem hab ich da schon eine ganze Reihe von Namen durch. :tlol:

      "Man hat uns vorgeworfen, ein spanisches Schiff versenkt zu haben.


      Aber...das ist doch ein abgekartertes Spiel! *:O

      "Jedenfalls erwartet man mich am dreizehnten diesen Monats in Havanna."


      Da kann er ein paar exzellente Zigarren mitbringen! *(H)

      Wieso tat niemand etwas gegen die Unterdrückung von Königen


      Ach, also Könige unterdrücken fände ich total gut! :hihi:

      Sie alle waren verschwenderisch und allesamt ein Haufen Taugenichtse und brachten dem Volk außer Territorien, die im nächsten Krieg so oder so nicht gegen den nächstbesten Rivalen verteidigt werden konnten, absolut nichts.


      So ist es, nieder mit dem nutzlosen Pack! Nieder mit der Monarchie (und Setsuna)! :@
      Proletarier aller Länder, vereinigt euch! :noldcool:

      Die Gamaschen durften dasselbe Schicksal erleiden; ich schneiderte sie so zurecht, dass sie knapp bis unter die Knie reichten und zog schließlich die gesamten ergaunerten Kleidungsstücke an.


      Oh, ich könnte mir vorstellen, der werte Herr General ist davon gar nicht begeistert! :tlol:

      Mein alter Herr sah mich vorwurfsvoll an: "Was hast du solange gemacht?"


      Sie ist trotz allem noch eine Frau und bleibt langsam beim Ankleiden. :hihi:

      aber mit der fehlgeschlagenen Suche nach Thatch, hat Astor ins Schwarze getroffen. Ins Schwarze, um Vater zu verärgern.


      Vielleicht kann sie ihn jetzt, wo der Anfang gemacht ist, langsam davon überzeugen, dass Astor alles, nur nicht fähig ist? :)

      Wohl eher ein Schoßhündchen, aber beißen konnte der Köter trotzdem und das nicht zu knapp


      Am besten noch, wenn er gestreichelt wird? Das wäre ja dann eine sehr katzige Eigenschaft! :tlol:

      Auf nach Havanna mit euch, genau! Grüßt mir Fidels Urahnen und bringt mir Rum samt Zigarren mit! *(H)
    • @Meow:

      Oha, Ex-Spanisch! *:O Ein großer Name, obwohl die Stadt mit 84.000 nicht so wahnsinnig groß ist!

      Bekannt für seine Schmiedearbeiten eben. :D

      Aber "Jacques" war schon auch Engländer, oder? *:O

      Ja, ist er. :hihi: Ich habe den Namen eiskalt von dem Theaterstück stibitzt, das wir gerade spielen.

      Dänemark? Also damit hätte ich jetzt nicht gerechnet! *:O

      Ja, Dänemark hatte tatsächlich Kolonien in der Karibik. :run2:

      @Curiosity:

      Die Hitze in der Karibik macht halt faul! Die Jamaikaner haben's da am Chilligsten gelöst. :tlol:

      Jamaika. *-*

      Ha, das mache ich auch immer, mir Namen für Leute ausdenken, deren Namen ich nicht kenne...frag Meowstic, mit dem hab ich da schon eine ganze Reihe von Namen durch. :tlol:

      So wie Setsuna!

      So ist es, nieder mit dem nutzlosen Pack! Nieder mit der Monarchie (und Setsuna)! *:@

      Revolution! Eine zweite! Eine zweite gegen Setsuna! :gogi:

      Sooo, vielen lieben Dank für die Kommentare, jetzt geht es weiter mit Kapitel Achtzehn! :) Da die nächsten Kapitel dank Spanisch und so etwas mehr Vokabeln enthalten werden, werde ich jetzt auch für diese Geschichte hier eine kleine Vokabelliste anlegen, ganze Sätze werden dann übersetzt ist den Anhang geschickt.

      ______________________________________


      KAPITEL ACHTZEHN:
      "Havanna, wie es leibt und lebt"


      Vokabeln:

      Inglaterra (span.) = England
      no (span.) = nicht
      bueno (span.) = gut
      vale (span.) = in Ordnung
      perdón (span.) = Entschuldigung
      ¡Oye! (span.) = Hör mal!
      chica (span.) = Mädchen, auch: Mädel (ugs.)
      ¿Entiendes? (span.) = Verstehst du?
      señorita (span.) = Fräulein
      leopardo (span.) = Leopard
      no sé (span.) = ich weiß nicht



      Karibisches Meer, 14. September 1761

      Ungefähr dreihundertsiebzig Meilen lagen zwischen St. Theodore und Havanna und wir waren mittlerweile den zweiten Tag auf See. Das Schiff, eine mir unbekannte spanische Fregatte aus Barcelona, trug den Namen Jorge de Capadocia und schien bereits einige Dienstjahre hinter sich zu haben, zumindest war das Schiff in einem nicht allzu guten Zustand. Da auch nur wenige Soldaten an Bord waren, hatte ich mich relativ problemlos einschleichen können und saß nun mit Nidinia im Unterdeck, hinter ein paar Holzfässern, die scheinbar mit Rum gefüllt waren.
      In voller Montur kauerte ich auf dem ungemütlichen Holzboden und beobachtete jede Regung in meiner Nähe. Es war ätzend langweilig und ich war hundemüde, da ich nun eine Nacht nicht geschlafen hatte. Zwar nickte ich deshalb des öfteren ein, doch Nidinia weckte mich rechtzeitig, sodass ich nicht wirklich einschlafen konnte. Trotzdem hoffte ich immer, dass das Schiff bald den Hafen anlief.
      "Capitán", ertönte es plötzlich in meiner Nähe.
      Ich sah auf und erblickte einen jungen Mann in weißer Uniform und einem Dreispitz auf seinem dunkelhaarigen Kopf. Der Kapitän, ein braungebrannter Mann mittleren Alters mit einem großen schwarzen Hut mit hoher Krempe, an dem eine herumflatternde Feder befestigt war, eilte herbei. Beide sprachen Spanisch, was ich natürlich nicht verstand, doch ich kannte einige Wörter aufschnappen, die mir bekannt waren. Der junge Soldat schien Óscar zu heißen und vom Kapitän wusste ich nur, dass man ihn 'Capitán Vela de Porto' nannte. Und dann erwähnten sie noch irgendetwas von einem Passagier oder was auch immer pasajero heißen mochte. Hatte man etwa Verdacht geschöpft?
      Ich wandte meinen Kopf ab und presste meinen Rücken an die Fässer, hinter denen ich mich versteckte. Sicher, es würde mir nicht das Leben kosten, wenn man mich entdecken würde, aber es würde meinen Vater dazu bringen, dass er mich mit dem nächsten Schiff direkt zurück nach Hause schicken würde und meine Aktionen völlig umsonst gewesen waren. Ich hatte Kopf und Kragen riskiert, um die nötigen Informationen für diese Schifffahrt zu erlangen, und ich wollte diese Anstrengungen nicht umsonst gewesen lassen sein.
      "Capitán!"
      Wenn ich dieses Wort noch einmal hörte, würde der nächstbeste Hals umgedreht werden. Dieser Óscar war nervtötender als ein Fünfjähriger und diese Meinung schien der Kapitän zu teilen. Er ratterte in einem solchen Höllentempo irgendwelche Beleidigungen, Befehle oder dergleichen runter, dass mir danach die Ohren dröhnten. Dafür hatte sich der junge Soldat nun zurückgezogen und ich konnte wieder aufatmen.
      Ich öffnete den Beutel, in dem sich der Proviant befand und packte etwas Brot für mich und rohes Fleisch für Nidinia aus. Ich warf ihr die Fleischwürfel auf den Boden, die das Kleoparda gierig verschlang, und biss kräftig in das trockene Brot hinein. Es schmeckte erträglich, jedoch hing mir diese Art von Nahrung zum Halse heraus. Zudem war mein Hals trocken und es dürstete mich nach Wasser. Vor der Abreise hatte ich irgendwie versucht, ausreichend Wasser zu verstauen, war aber kläglich gescheitert. Dafür konnte ich aus einem der Fässer durch einen kleinen Schlitz eine Flüssigkeit entziehen, die sich jedoch schnell als alkoholisches Getränk herausstellte: Rum. Und Rum schmeckte ekelerregend. Nidinia schien mit der momentan Situation gut auszukommen, doch ich tat es nicht. Es musste etwas getan werden.
      Ich stand langsam auf, richtete mich aber nicht vollständig auf, sodass ich immer noch gut hinter den Fässern geschützt war. Meines Wissens nach gab es auf diesem Deck keine großartige Patrouille und es schien hier irgendwo auch Süßwasser zu geben, zumindest hatten das gestern zwei spanische Soldaten gemeint. Ich schlich also durch das Schiff und konnte schließlich wirklich ein offenes Fass entdecken, das sich nicht unweit von meinem Versteck befand. Ich nahm einen Eimer, der neben dem Fass stand und füllte ihn so, dass er nicht zu schwer war, aber genug Wasser barg, um Nidinia und mich für heute am Leben zu halten.
      "El puerto, el puerto de La Habana, Capitán, mira! Allí!*"
      Das Blut schoss mir für den Moment durch den Körper, in dem ich dachte, ich sei aufgeflogen. Erst einige Sekunden später merkte ich, dass wir da waren. Zuerst wollte ich mich freuen, musste mir aber wieder schnell klar werden, dass ich nun so schnell wie möglich vom Schiff zu kommen hatte. Die Soldaten und Matrosen würden in kürzester Zeit an Deck rennen und, wenn wir angelegt hatten, die Fracht vom Schiff laden.
      Glücklicherweise war Nidinia noch an Ort und Stelle. Ich packte sämtliche Utensilien ein, die ich während der Überfahrt auf dem Boden verbreitet hatte und setzte den Beutel auf. Nun musste alles sehr schnell gehen. Während der gesamten Überfahrt hatte ich mir einen Plan ausgedacht, den ich jetzt in die Tat umsetzen musste, sonst würde ich nicht von Bord kommen. Wenn ich es irgendwie schaffte, mich unter die Spanier zu mischen, würde ich möglicherweise in dem Trubel Havannas entkommen können. Tatsächlich schnappte ich mir einen spanischen Dreispitz und versteckte darunter meine zu einem Haarknoten gebunden Haare. Auch wenn ich durch das weite Hemd, die schwere Bewaffnung und den großen runden Beutel auf meinem Rücken auffiel, gelang es mir, mich mit Crew in irgendeiner Art und Weise mehr oder weniger unbemerkt zusammen zu tun, indem ich wie die meisten der spanischen Soldaten und Matrosen das Oberdeck betrat und mir den Hafen Havannas anzuschauen. Schlecht geschauspielert jubelte ich und wuselte zwischen den übel richenden Männern umher. Was ich jedoch nicht verleugnen konnte, war, dass der Anblick von Havanna atemberaubend war.



      Nicht umsonst nannte man Havanna eine Metropole der Karibik. Der Hafen bat ein wunderschönes Panorama, selbst wenn man karibische Hafenstädte bereits gewohnt war. Nein, diese Stadt war etwas vollends anderes. Unzählige Schiffe lagen hier vor Anker und prägten mit ihren Masten das Stadtbild - von der spanischen Galeone bis hin zum niederländischen Handelskutter. Hinter dem Hafen ragten die Türme der großen Kirchen der Stadt in den Himmel, allem voran die berüchtigte Kirche gleich neben uns, die dem Heiligen San Francisco de Asis, Franz von Assisi, gewidmet war, mit ihrem knapp vierzig Meter hohen Turm, und nicht allzu weit davon entfernt im Osten eine ebenso große Kirche, die sich scheinbar noch im Bau befand.** Dahinter befand sich ein mir unbekanntes Gebirge, das die Stadt seltsam groß erschienen ließ. Trotzdem wurde sie ihrem Ruf aber gerecht: Neben den vielen Schiffen, die sich im Hafen tummelten, war dieser selbst überfüllt mit Menschen, die handelten, Waren herumtrugen oder einfach nur miteinander plauderten.
      "Eh, muchacho, vuelve al trabajo!***", raunte mich plötzlich einer der Matrosen von der Seite an, bevor ich mich langsam von der Crew distanzieren konnte.
      "Si, señor."
      Anscheinend war meine Aussprache dieser zwei einfachen Wörter, die wohl in dem Wortschatz eines jeden Menschen sein mussten, so schrecklich, dass der Spanier weiter in meiner Muttersprache mit mir redete: "Ah, du bist aus Inglaterra, no? Bueno, dann hilf mir mal mit diesen Fassern, vale?"
      Auch wenn der Mann mir einen sympathische Eindruck machte, konnte ich kaum ja sagen. Trotzdem war es ein verlockendes "Angebot": Ich würde unbemerkt vom Schiff kommen und dafür musste ich nur ein Fass tragen.
      "Ah, jawohl, Sir",
      "Sir ... son locos, estos Ingleses****", murmelte der Matrose vor sich hin, während er ein Fass vom Boden hob, merkte dann aber, dass ich ihm genau zugehört hatte. "Oi, perdón, aber diese Fässer hier tragen sich nicht von alleine."
      Ich missachtete einfach diese "Beleidigung" und steuerte auf ein Fass zu. Bevor ich dieses jedoch hochnehmen konnte, fiel mir plötzlich wieder Nidinia ein. Sie war mir auf das Deck gefolgt, danach hatte ich sie jedoch völlig vergessen. Nun, da die Jorge de Capadocia bereits angelegt hatte, war das Deck zwar leerer, von dem Katzen-Pokémon jedoch keine Spur. Zuerst wollte ich zwar rastlos auf dem Deck umherwuseln, bis ich entschied, dass es keinen Sinn machen würde. Stattdessen packte ich das meines Erachtens nach viel zu schwere Fass, stolperte damit von Bord und ließ mich von dem Stadtbild Havannas berauschen. Gaffend lief ich über die hölzernen Stege des Hafens und rempelte dabei ein paar Seemänner und sonstige Menschen an, ließ mich aber nicht davon abbringen, so schnell wie möglich aus dem Sichtfeld des Matrosen zu entkommen, der für mich zuständig war.
      Als der Spanier hinter einer Gruppe Händler verschwand, stellte ich das hölzerne Fass ab und suchte ein Versteck. Leider gab es davon nicht gerade reichlich, also musste ich mich wohl oder übel unter die Menschen mischen. Ich gesellte mich also zu ein paar Fremden, bevor ich mich durch durch den Hafen schlängelte, um endlich die Stadt zu betreten. Das stellte sich als recht schwierig heraus, da immer mehr Leute herumliefen - ob sie nun ein Schiff verließen oder eins betraten. Letztendlich konnte ich aber endlich Fuß auf echter Erde fassen.
      So drängelig der Hafen Havannas gewesen war, so angenehmer war es, sich in der Stadt zu bewegen. Hier hielten sich neben Sklaven und Kleinbürgerlichen auch sichtbar reichere Bürger auf, von denen es immer mehr gab, umso näher man in die Innenstadt gelangte, auch wenn diese nicht mein Ziel war. Ich stellte mich unter einen Stand, dessen palmenblattbesetzte Überdachung Schutz vor der unseglichen karibischen Hitze bot. Dank des angenehmen Schattens setze ich den gestohlen Dreispitz ab und durfte mir direkt das erstaunte Meckern des Händlers anhören, der den Stand betrieb: "Oye, chica, willst du nun etwas kaufen oder nicht?"
      "Sie ... ich ... Englisch?", kam es nur aus mir heraus, was mich zunehmend erröten ließ.
      "Ihr Engländer seid leicht zu erkennen, so bleich wie ihr seid", erklärte der Mann. "Aber gut, darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Salvador Vilaró, meines Zeichens Händler auf See und Mann für alles, was man mit Geld kaufen kann, entiendes?"
      "Ich denke schon", antwortete ich schüchtern.
      Die Frage die ich mir dabei in Gedanken stellte, was er nun von mir wollte, beantwortete mir der Händler sofort: "Nun, eine so hübsche Señorita - auch wenn sie bis an die Zähne bewaffnet ist - kann man nicht so einfach durch die Straßen La Habanas streunen lassen, findet ihr nicht?"
      Vilaró verbeugte sich schwungvoll. Damit konnte ich mich zufrieden geben. Ich kennzeichnete ihm, dass ich einverstanden war. Eine Begleitung durch die Straßen einer der größten Städte, die ich jemals besucht hatte? Wieso nicht? Doch das alles sah nicht davon, aber dass Nidinia noch immer verschwunden war.
      "Sagen sie mir, Señor Vilaró, möchten sie vielleicht nach einem Kleoparda Ausschau halten?", bat ich den charmanten Spanier, der jedoch überhaupt nicht mein Fall war.
      "Ein Kleoparda? Ein echter leopardo also? Hier in La Habana?"
      "Richtig. Ein echtes Kleoparda. Er ... Sie ist meine Reisebegleitung."
      Zuerst wollte sich Vilaró lustig machen, merkte dann aber, dass dies mein völliger Ernst war. Waren Kleoparda hier in Havanna und Umgebung etwa so selten? Oder verließ dieser Herr hier die Stadt nie? Ich war mir absolut sicher, dass Kleoparda hier in der Karibik äußerst vertreten waren. Sicher, "Kleoparda" war ein sehr allgemeiner Begriff, da sie in verschiedensten Größen und mit unterschiedlichsten Fellmustern auftraten, aber auf einer solch großen Insel wie Kuba musste es da doch welche geben. Oder verwechselte ich da etwas?
      "Hm, no sé, Snobilikat sind hier wahrscheinlich häufiger. Aber schön, ich will ihnen helfen. Seht dort, da läuft gerade ein Kleoparda auf uns zu."
      Señor Vilaró deutete auf die Menschenmassen auf den Stegen des Hafens, die Platz für ein Kleoparda mit durchweichtem Fell machten, welches seelenruhig durch die gebildete Gasse trottete. Ich erkannte das Pokémon sofort als Nidinia und hätte das wahrscheinlich auch getan, wenn es hunderte Kleoparda hier in Havanna gegeben hätte. Glücklich schlechte mich das Katzen-Pokémon ab, nachdem sich die Aufregung gelegt hatte. Vilaró sah mich etwas ablehnend an, doch ich ließ mich nicht beirren: "Und nun? Was ist?"
      "Nun ... eh ... ich glaube, ich muss noch einige Kunden bedienen", stammelte mein Gegenüber. "Außerdem seht ihr beiden nicht so aus, als bräuchtet ihr noch in irgendeiner Art und Weise Hilfe, no?"
      Mit diesen Worten verschwand Vilaró wieder hinter dem hölzernen Tresen und schenkte mir fortan entweder wenig oder gar keine Aufmerksamkeit, was mich jedoch in keinster Weise enttäuschte. Nidinia war im Endeffekt die bessere Begleitung und außerdem wusste ich, dass sie mich nicht hinter die nächste Ecke führen würde, um mich zu belästigen. Nicht, dass ich das von Vilaró dachte oder gar erwartet hatte, nein, es war nur eine Ahnung. Aber wofür verschwendete ich noch weitere Gedanken an diesen Mann? Ich musste meinen Vater unbemerkt ausfindig machen, das war der Plan.
      Der Plan, wiederholte ich in Gedanken. Ja, was ist denn der Plan? Ich bin von Bord dieses Schiffes gekommen, das stimmt, und nun? Wie soll ich Vater denn unterstützen? Ihm unbemerkt zu folgen ist schon das Maximum, mehr werde ich kaum schaffen. Trotzdem, irgendwie geht das. Irgendwie hast du es immerhin bis hier hin geschafft, Carolina.
      Ich wartete noch ein ganze Weile an Vilarós Stand, bis ich zum Entschluss kam, dass das ermüdende Beobachten der Menschen am Hafen sinnlos war. Vater musste schon längst in der Stadt sein, daran bestand kein Zweifel. Wahrscheinlich war er auf dem Weg zur Villa des Gouverneurs, dessen Name ich mir auf der Fahrt hier her eingeprägt hatte: Juan de Prado Mayera Portocarrero y Luna. Nur wie kam ich dorthin? Das Anwesen befand sich im Süd-Westen der Stadt, am südlichen Ende der Stadtmauer, und erschien mir schon fast als eigenes Stadtviertel.
      Ich entschloss mich also dazu - ohne Geld und ohne Mittel, wie ich nun einmal war - in der Nähe der Villa zu nächtigen, um den Eingang Tag und Nacht zu überwachen. Dazu musste ich jedoch schnell sein, also achtete ich nicht sehr auf Höflichkeit und bahnte mir mit Nidinia einen Weg durch die Straßen Havannas. Die Häuser der Stadt, die in verschiedenen Gelb-, Orange- und Rottönen angestrichen und mit scheinbar losen Ziegeln überdacht waren, rauschten an mir vorbei. Die Bauweise erinnerte sofort an ihre Herkunft, die man neben Spanien auch beispielsweise in Portugal und Italien vorfand, dafür enthielten die einfachen Häuser aber auch Elemente, die hier, in der Neuen Welt, ihren Ursprung gefunden hatten. Und dann entdeckte ich ihn plötzlich: Völlig altmodisch in Allongeperücke und violetten Jackett mit überweiten Manschetten schritt mein Vater durch Havanna. Ich konnte mich gerade so hinter einer Hauswand verstecken, bevor er sich urplötzlich umdrehte, um dann mit ein paar spanischen Soldaten zu plaudern.
      Die beiden Soldaten führten meinen alten Herrn nach dem Gespräch weiter. Mir blieb keine andere Wahl, als ihnen unbemerkt zu folgen, auch wenn ich liebend gerne gemütlich durch die Straßen spaziert wäre. Im Grunde genommen musste ich mich nicht sonderlich anstrengen, da das Trio nach kürzester Zeit bei der Villa ankam.
      Das blassorangene Anwesend war von einer dünnen, aber hohen, schützenden Mauer umgeben, wobei ein rostiges Tor wohl den einzigen Eingang darstellte. Die beiden Soldaten führten Vater hinein, ließen das hohe Tor jedoch offen, so dass zwei weitere Soldaten hervorkamen, um sich davor zu positionieren und mit verschränkten Armen, versteinerter Miene und jeweils einer Muskete in der Hand zu kennzeichnen, dass es hier nicht weiterging. Zumindest hatte ich aber so viel Glück, dass das Tor selbst nach einigen Minuten noch immer offen stand. Nun musste ich nur überlegen, wie ich hindurch kam.
      "Hola, chicos", sprach ich die beiden in meinem besten Spanisch an.
      Mit elegenanten und möglichst aufreizenden Bewegungen näherte ich mich den Soldaten, die mich zuerst etwas verdutzt anschauten, dann aber schnell merkten, was ich von ihnen wollte. Sie ließen sich das Schauspiel gefallen, auch wenn meine Schritte, die an einen der rhythmischen spanischen Tänze erinnern sollten, den ich 1749 auf Puerto Rico kennenlernte und stets den höfischen Tänzen Europas bevorzugte, da für mich schon immer wesentlich emotionaler und ausdrucksstärker war. Tatsächlich hatte ich das meiste dieses Tanzes, den man hier 'Flamenco' nannte, verlernt, konnte mich jedoch noch an einige Bewegungen erinnern. Ich mochte in meiner modifizierten britischen Uniform lächerlich aussehen, aber die kreisförmigen Bewegungen, die ich mit Handgelenk und Arm ausführte, verfehlten ihre Wirkung nicht: Langsam sammelte sich eine Menschenmenge um mich und die zwei Soldaten, die ihrerseits ihr Können zum besten gaben und schon bald stimmte ein Gitarrenspieler mit einem dazugehörigen Sänger ein, die das Spektakel musikalisch begleiteten.



      Mittlerweile war aus meinem Versuch, die beiden Wachen abzulenken, ein wahres Fest geworden. Mehrere Frauen und Männer gesellten sich zu mir, während der um uns gebildete Kreis immer mehr anwuchs, dass ich meinte, ganz Havanna würde mir beim Tanzen zusehen. Es war gleichzeitig etwas unangenehm, von den vielen Menschen beobachtet zu werden, verlieh mir aber auch gleichzeitig ein Gefühl der Freiheit. Ich steckte all mein Herzblut in den Tanz, stampfte zu dem Gesang und Gitarrenspiel rhythmisch auf den staubigen Boden. Meine Kleidung war zwar für solche Zwecke ganz und gar nicht geeignet, so dass ich mich nach den weiten Kleidern sehnte, die die tanzenden Frauen neben mir trugen, doch trugen die Schwerter und Pistolen in ihren Halftern mit ihrem Geklapper dazu bei, dass ich eine angemessene Vorstellung liefern konnte. Der Spaß endete für mich jedoch abrupt, als ich mir klar werden musste, dass ich die Villa des Gouverneurs zu betreten hatte.
      Ich bahnte mir einen Weg durch die Menschenmenge, ließ meinen Blick aber niemals von den Wachen ab, die sich noch immer gefährlich nah am Tor zu dem Anwesen befanden. Immerhin fiel ich trotz Nidinia nicht auf und war schließlich so nah an meinem Ziel, dass nun scheinbar nichts mehr schieflaufen konnte. Ich hatte recht. Ich behielt recht. Trotz meiner Unkenntnis, was sich hinter den bröckligen Mauern befand, gelangte ich auf das Grundstück. Glücklicherweise marschierten keine Wachen umher, gefährlich war mein Unternehmen aber nicht zu knapp. Um meine Lage erst einmal zu sichern, verschwand ich so hinter einem dichten Busch, dass ich mit dem Rücken zur Mauer von vorne, links und rechts praktisch unsichtbar war. Ich atmete tief aus und tätschelte Nidinias Kopf.
      Doch es blieb nicht viel Zeit, um sich auszuruhen. Anscheinend hatte man von dem Spektakel vor den Toren der Villa Wind bekommen, so dass sich ein Trupp Soldaten dorthin bewegte, um dem Spaß ein Ende zu bereiten. Gefolgt wurden die fünf Männer von einem Mann Mitte vierzig, dessen gräuliche dunkelbraune Haare während seines zügigen Schritts im Wind wehten, und meinem Vater, der sich dank seiner weder modernen noch für das hiesige Klima akkuraten Perücke ständig mit einem Stofftuch den Schweiß von der Stirn wischen musste. So hasteten sie an mir vorbei und ließen mir eine Chance, in die Villa einzudringen.
      "Jetzt oder nie", flüsterte ich zu Nidina, so leise wie nur irgend möglich.
      Gebeugt hastete ich auf das Haus des Gouverneurs von Kuba zu, lief über die große Terrasse vor dem Gebäude, bis ich in einen quaderförmigen Innenhof landete, in dessen Zentrum sich ein länglicher Brunnen befand. Ich kostete von dem guttuenden Wasser, bevor ich nach rechts in die Villa selbst eindrang. Heilfroh, dass sich außer Nidinia und mir in dem durch Jalousien abgedunkelten Raum niemand befand, blickte ich auf den kreisförmigen Tisch vor mir, auf dem sich hunderte Papiere ungeordnet stapelten. Es genügte nur ein einziger Blick auf ein zufälliges Blatt und mir wurde bewusst, in was für einer Lage sich Vater und damit auch St. Theodore befand. Anscheinend verantwortete man Großbritannien für Überfälle auf spanische Schiffe, die von einem Mann namens Halsey angeführt worden waren. Dieser elendige Pirat. Wegen ihm stand Spanien kurz vor einem Kriegseintritt.
      ____________________

      Anhang:

      * "Der Hafen, der Hafen von Havanna, Käpt'n, seht! Dort!"

      ** Mit dieser "Kirche" ist die Catedral de la Virgen María de la Concepción Inmaculada de La Habana gemeint, deren Bau 1748 begonnen wurde und 1777 abschloss. Diese barocke Kathedrale ist das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt Havanna und zeichnet sich durch ihre einzigartige Fassade und die asymetrischen Türme (von 1789) aus (upload.wikimedia.org/wikipedia…6/6b/Havana_Cathedral.JPG).

      *** "Ey, Bursche, zurück an die Arbeit!"

      **** "Die sind verrückt, diese Engländer."


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

      The post was edited 3 times, last by Rai ().

    • Havanna! Ich hatte erst gestern eine wirklich exzellente Zigarre von dort. :sebi:

      und saß nun mit Nidinia im Unterdeck, hinter ein paar Holzfässern, die scheinbar mit Rum gefüllt waren.


      Dann ist die Versorgung ja gesichert! :lol:

      die sich jedoch schnell als alkoholisches Getränk herausstellte: Rum. Und Rum schmeckte ekelerregend.


      Ach Caro, du hast doch keine Ahnung. :oldno:

      "Ah, du bist aus Inglaterra, no? Bueno, dann hilf mir mal mit diesen Fassern, vale?"


      Haha, da hast du den spanischen Akzent aber gut getroffen! :hihi:

      Sie ist ja mittlerweile eine echte Infiltrationsspezialistin geworden. Oder sie hat einfach nur immer einen Riesenhaufen Glück. :tlol:

      "Ihr Engländer seid leicht zu erkennen, so bleich wie ihr seid"


      Da hat er einen Punkt. :tlol:
      Englische Touristen sind ja noch leichter zu erkennen: die lautesten, rötesten und schon am Morgen besoffensten. :tlmao:

      Ich erkannte das Pokémon sofort als Nidinia und hätte das wahrscheinlich auch getan, wenn es hunderte Kleoparda hier in Havanna gegeben hätte.


      Katzen sind eben intelligent und finden sich zurück. :stolz:

      Der Plan, wiederholte ich in Gedanken. Ja, was ist denn der Plan?


      Ist ja nicht so, dass sie an Bord genug Zeit gehabt hätte sich einen auszudenken. :lol:

      h mochte in meiner modifizierten britischen Uniform lächerlich aussehen, aber die kreisförmigen Bewegungen, die ich mit Handgelenk und Arm ausführte, verfehlten ihre Wirkung nicht: Langsam sammelte sich eine Menschenmenge um mich und die zwei Soldaten, die ihrerseits ihr Können zum besten gaben und schon bald stimmte ein Gitarrenspieler mit einem dazugehörigen Sänger ein, die das Spektakel musikalisch begleiteten.


      Das ist mal ein originelles Ablenkungsmanöver! Aber ob es auch klappt? *:O

      Und so hat sie also eine Bürgersteigsparty ausgelöst? Haha, das ist das feurige, spanische Temperament in vollster Güte! :hihi:

      Anscheinend verantwortete man Großbritannien für Überfälle auf spanische Schiffe, die von einem Mann namens Halsey angeführt worden waren. Dieser elendige Pirat. Wegen ihm stand Spanien kurz vor einem Kriegseintritt


      Ui. Gehen jetzt in der Karibik die Lichter aus? Wir werden es hoffentlich schon bald erfahren, spannend wie immer! :run2:
    • Es war ätzend langweilig und ich war hundemüde, da ich nun eine Nacht nicht geschlafen hatte. Zwar nickte ich deshalb des öfteren ein, doch Nidinia weckte mich rechtzeitig, sodass ich nicht wirklich einschlafen konnte. Trotzdem hoffte ich immer, dass das Schiff bald den Hafen anlief.
      "Capitán", ertönte es plötzlich in meiner Nähe.

      Kann ich glauben, stundenlang in solchen Verstecken auszuharren. :(

      "Capitán!"
      Wenn ich dieses Wort noch einmal hörte, würde der nächstbeste Hals umgedreht werden. Dieser Óscar war nervtötender als ein Fünfjähriger und diese Meinung schien der Kapitän zu teilen. Er ratterte in einem solchen Höllentempo irgendwelche Beleidigungen, Befehle oder dergleichen runter, dass mir danach die Ohren dröhnten.

      Bestimmt so ein hibbeliger Zappelphilipp. :lol: Si, Capitán, si, si!

      Es schmeckte erträglich, jedoch hing mir diese Art von Nahrung zum Halse heraus. Zudem war mein Hals trocken und es dürstete mich nach Wasser.

      Ich bin eh kein Riesen-Brot-Fan. Das wäre echt nix für mich, und dann noch ohne Wasser.

      Ich habe Rum nie getrunken, also gut zu wissen! :lol:

      Havanna klingt ja wirklich nach einer Stadt, die es sich lohnt, zu besuchen. ^^ Die meisten spanischen Wörter habe ich allerdings problemlos verstanden, lediglich der aufgeregte Tonfall der Matrosen hätten mir Angst eingejagt. Aber Carolina kann hervorrgend sneaken. xD

      Der Hafen bat ein wunderschönes Panorama, selbst wenn man karibische Hafenstädte bereits gewohnt war.

      bieten -> bot; beten -> bat :D

      Anscheinend war meine Aussprache dieser zwei einfachen Wörter, die wohl in dem Wortschatz eines jeden Menschen sein mussten, so schrecklich, dass der Spanier weiter in meiner Muttersprache mit mir redete: "Ah, du bist aus Inglaterra, no? Bueno, dann hilf mir mal mit diesen Fassern, vale?"

      British accent to strong. Aber so viele Ähnlichkeiten mit Mischblut #45, quasi nur mit Spaniern statt Italienern. Das hatt mich wirklich umgehauen. :tlol:

      "Oye, chica, willst du nun etwas kaufen oder nicht?"

      !Hola chica, ich bin Jorgeeeee! :tlol: Ich habe mich schon vorher gewundert, wieso solch ein buntes Geschöpf wie Kleoparda den Leuten nicht auffällt. Sieht man ja nicht alle Tage. :D
      Loco finde ich eigentlich gar nicht sooo schlimm als Beleidigung, es ist doch nur "mad". xD Auch wenn "mad" ein amerikanischer Begriff ist. *:O

      Nidinia war im Endeffekt die bessere Begleitung und außerdem wusste ich, dass sie mich nicht hinter die nächste Ecke führen würde, um mich zu belästigen. Nicht, dass ich das von Vilaró dachte oder gar erwartet hatte, nein, es war nur eine Ahnung.

      Auch wenn Hunde wohl die treuren Begleiter sind. Von Nidinia lässt Carolina sich doch gerne abschlecken, oder? O: Oder ist ihr das hygienisch zu heikel?

      Irgendwie hast du es immerhin bis hier hin geschafft, Carolina.

      Ja, das ist wirklich eine tolle Sache, bei der viele Andere gescheitert wären! :bew1:

      Die Häuser der Stadt, die in verschiedenen Gelb-, Orange- und Rottönen angestrichen und mit scheinbar losen Ziegeln überdacht waren, rauschten an mir vorbei. Die Bauweise erinnerte sofort an ihre Herkunft, die man neben Spanien auch beispielsweise in Portugal und Italien vorfand, dafür enthielten die einfachen Häuser aber auch Elemente, die hier, in der Neuen Welt, ihren Ursprung gefunden hatten.

      Die Engländer hatten in der Karibik weniger spektakuläre Häuser, aber die der Holländer waren sogar noch bunter: blau, rosa, orange ... xD

      Oha, Carolina muss den Flamenco ja ganz ordentlich beherrschen, wenn sie eine solche Menschentraube anzieht. Mal sehen, ob sie ihrem Baba jetzt die Meinung geigen wird! :D

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Zwei Kommentare! :bg:

      @Curiosity:

      Sie ist ja mittlerweile eine echte Infiltrationsspezialistin geworden. Oder sie hat einfach nur immer einen Riesenhaufen Glück. :tlol:

      Ja, Glück trifft es wohl eher. :tlol::v:

      Englische Touristen sind ja noch leichter zu erkennen: die lautesten, rötesten und schon am Morgen besoffensten. :tlmao:

      Die deutschen Touris sind ja auch nicht viel besser mit ihren Strümpfen und Sandalen! :blah: :hihi:

      Katzen sind eben intelligent und finden sich zurück. :stolz:

      Das hast du aber schön gesagt. :s:

      Und so hat sie also eine Bürgersteigsparty ausgelöst? Haha, das ist das feurige, spanische Temperament in vollster Güte! :hihi:

      Spanier halt! Zettel einfach mal so eine Straßenparty an, aber warum nicht? :tihi:

      @Meow:

      Bestimmt so ein hibbeliger Zappelphilipp. :lol: Si, Capitán, si, si!

      Ein Philipp vielleicht, immerhin ist der Name Felipe in der spanischen Königsfamilie mit sechs königlichen Namensträgern in 500 Jahren nicht unhäufig! :tlol:

      Ich habe Rum nie getrunken, also gut zu wissen! :lol:

      Ganz ehrlich? Ich auch nicht. :flüster:

      Havanna klingt ja wirklich nach einer Stadt, die es sich lohnt, zu besuchen. ^^ Die meisten spanischen Wörter habe ich allerdings problemlos verstanden, lediglich der aufgeregte Tonfall der Matrosen hätten mir Angst eingejagt.

      Ja, auf jeden Fall besuchenswert! :) Aber es gibt ja auch welche, die noch nie im Leben Spanisch hatten bzw. irgendetwas davon wissen. Vielleicht wird das Vokabular auch anspruchsvoller. :hi:

      bieten -> bot; beten -> bat :D

      Vielen Dank, wird sofort ausgebessert! :)

      British accent to strong. Aber so viele Ähnlichkeiten mit Mischblut #45, quasi nur mit Spaniern statt Italienern. Das hatt mich wirklich umgehauen. :tlol:

      :tlmao: Ich habe dich ja gewarnt!

      Loco finde ich eigentlich gar nicht sooo schlimm als Beleidigung, es ist doch nur "mad". xD Auch wenn "mad" ein amerikanischer Begriff ist. *:O

      Kommt drauf an, welches "mad" du meinst. Kann man ja auch mit wütend übersetzen. :hihi:

      Auch wenn Hunde wohl die treuren Begleiter sind. Von Nidinia lässt Carolina sich doch gerne abschlecken, oder? O: Oder ist ihr das hygienisch zu heikel?

      In der Zeit! :tlmao: Na ja, sie ist ja Adlige, aber immerhin ist es ihr Lieblingsputzihaustier.

      Oha, Carolina muss den Flamenco ja ganz ordentlich beherrschen, wenn sie eine solche Menschentraube anzieht. Mal sehen, ob sie ihrem Baba jetzt die Meinung geigen wird! :D

      Flamenco! *-* Aber wir werden es sehen! >:D

      Vielen Dank euch beiden! o/


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.
    • KAPITEL NEUNZEHN:
      "Der Pirat, der nicht sein sollte"


      Vokabeln:

      ¡firmes! (span.) = Stillgestanden!
      entiendo (span.) = ich verstehe
      perdóname (span.) = Entschuldigen Sie. / Entschuldige.



      Havanna, 14. September 1761

      Ich musste von hier verschwinden. Nicht nur, weil ich etwas gesehen hatte, das ich nicht hätte sehen sollen und was ich auch nicht sehen wollte, sondern auch, weil man Verdacht geschöpft hatte. Hatte man mich etwa gesehen? Schuhe klapperten über Fliesen über mir, es würde nicht lange dauern, bis die Soldaten hier ankommen würden. Trotzdem blieb mir wohl noch genug Zeit, wenn ich mich gut anstellte. Für die ersten paar Sekunden suchte ich nach einem Ausgang in Form eines Fensters, den es jedoch nicht zu geben schien, weshalb ich denselben Weg zurückgehen musste, den ich gekommen war. So sprintete ich aus dem stickigen Raum heraus, hatte aber zu viel Tempo aufgenommen, so dass ich unweigerlich in den Brunnen im Innenhof fiel. Das Wasser mochte zwar angenehm sein, änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich nun aufgeflogen war. Man hatte mich gesehen. Vier Soldaten, jeweils zwei auf jeder Seite, luden ihre Musketen.
      "Chica, firmes!", brüllte ein dazukommender Offizier hinunter.
      Man richtete eine Waffe auf mich. Noch nie zuvor hatte mich ein solches Gefühl durchdrungen, eine solche Angst. Ich zitterte fürchterlich und wusste überhaupt nicht, was zu tun. Ich blickte auf den Balkon, auf welchem die Soldaten zu beiden Seiten standen. Ich war umzingelt und aufgeflogen. Die Männer würden schießen, sobald ich auch nur einen Finger bewegen würde. Nun konnte mich nichts und niemand mehr beschützen, nicht Nidinia, die fauchend neben mir stand, und auch nicht Vater.
      Ein Schuss fiel. Ich kniffte die Augen zusammen, sicher, dass man entweder mich oder Nidinia getroffen hatte. Doch da war kein Schmerz. Ich riss die Augen wieder auf und sah zu meiner Rechten. Nidinia stand wohlbehalten da. Noch ein Schuss. Ich erkannte nicht die Richtung, aus der das Geräusch kam, doch der Auslöser musste sich in unmittelbarer Nähe befinden. Ich sah zurück zu den Soldaten. Zwei fehlten, während die anderen zwei ihre Musketen fallengelassen hatten und zu Boden knieten, um ihren gefallenen Kameraden zu bestaunen. Und der Offizier? Ich sah dem Mann direkt in die Augen. Blut spritzte aus seinem Mund, während ein großes dunkles Loch auf seiner Stirn prangte. Ich wandte mich ab und hörte, wie der leblose Körper zu Boden fiel.
      Und da war er. Mittlerweile hatten die zwei übrig gebliebenen Wachen ihre Waffen wieder aufgenommen und legten an, um mich in das Reich der Toten zu befördern, doch stattdessen ereilte sie das Schicksal, das sie für mich abgesehen hatten. Mein Retter drückte ab. Die Kugeln flogen und trafen die Soldaten gleichzeitig zwischen den Augen. Nach dieser Tat landeten die Pistolen auf dem Boden und der Mann, der sich kurzerhand zweier Soldaten entledigt hatte, sah mir tief in die Augen:
      "Hallo, Carolina."

      Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Das dunkelbraune Haar war mittlerweile zu einem Zopf gebunden, einige lose Strähnen hingen dem Mann jedoch im vernarbten Gesicht. Thatch setzte seinen Hut ab, verneigte sich und zeigte mir, wie sehr er sich verändert hatte. Statt einem sonnengebleichten grünen Stirnband, trug er nun ein wesentlich breiteres Modell in rot, das weiße Hemd mit weiten Ärmel hatte sich von der Weste unabhängig erklärt und wurde von einem langen, offen getragenen Mantel überdeckt. Der Kleidungswandel ließ Thatch nicht nur edler, sondern auch reifer wirken und gab ihm einen gewissen Hauch von Geheimnis und Mysterium.
      "Edward Thatch. Sollte ich nun glücklich oder verwirrt sein?"
      "Nun, ich rettete euch das Leben, von daher würde ich erwarten, dass ihr mir dankend um die Arm fallt, meine Liebste."
      Mit fragendem Blick ließ ich mir von dem Piraten auf die Beine helfen und wrang meine Haare aus. Während Thatch seine Pistolen, die er vorhin noch so elegant durch die Luft geschleudert hatte, vom Boden aufsammelte, sah ich mich um, ob noch irgendwo Wachen umherliefen. Negativ. Trotzdem blieb uns keine Zeit, hier zu verweilen. Ich hatte zu viele Fragen und wollte so schnell wie möglich meinem Vater begegnen - bestenfalls ohne zu erfahren, dass man meinetwegen ein kleines Massaker angerichtet hatte.
      "Wir müssen fort, Edward", rief ich, während ich noch ein paar der Dokumente stahl, um sie später zu verbrennen oder auf sonstige Art und Weise zu vernichten.
      "Mittlerweile sogar Captain Edward, aye?", erwiderte Thatch und folgte mir in den Raum, in dem ich mich befand, um mir staunend dabei zuzusehen, wie ich massenhaft Papier in meine Taschen stopfte. "Oi, Mädchen, halt." In meiner Hand befand sich ein Papier edlerer Art, welches am unteren rechten Ende mit einem roten Siegel versehen war, das die Insignien der spanischen Krone zeigte. Thatchs Augen blitzten auf, als er das Dokument sah. "Dieses Papierchen werde ich mir nicht entgehen lassen. Wenn ich bitten darf?"
      Der Pirat nahm mir den Brief, dessen Inhalt mir unbekannt war, ab, doch momentan interessierte mich mehr, was er damit meinte, dass er nun Captain sei: "Captain? Wie bist du denn Captain geworden? Ich dachte, du hättest bei Thompson oder Ravenau angeheuert und seist in die Kolonien abgereist?"
      "Wäre ich auch", erklärte Thatch geduldig. "Doch glücklicherweise habe ich schnell genug davon Wind bekommen, dass in St. Theodore bald ein spanisches Schiffchen einlaufen würde, das den Gouverneur nach Havanna bringt. Ich ließ mir die Chance also nicht entgehen und versuchte, beim Kapitän dieses Schiffes anzuheuern. War wohl nichts. Abgesehen davon, dass ich als gebürtiger Jamaikaner 'Engländer' bin, wie sie es so schön ausgedrückt haben, brauchte man keine Matrosen. Also erleichterte ich den Kapitän um ein paar schöne Real, um mir mein eigenes Schiffchen zu kaufen. Na ja, 'kaufen' ist vielleicht etwas weit ausgeholt, aber trotzdem ist nun eins in meinem Besitz."
      "Du bist uns also gefolgt?", fragte ich nach.
      "Euch?", fragte Thatch verwirrt zurück.
      "Ich bin an Bord der Jorge de Capadocia hierhergekommen!"
      "Sag bloß. Aber wie dem auch sei. Letztendlich bin ich also mit meinem eigenen Schoner hierhergekommen und warte darauf, dass sich eine Gelegenheit bieten, einen besonders großen Fang zu machen, wenn du verstehst, was ich meine."
      "Das erklärt aber nicht, warum du hier bist. Also hier. Du weißt schon. Vor mir."
      "Natürlich nicht, Schätzchen. Aber da du durch deinen kleinen Auftritt vorhin mehr als nur etwas Aufmerksamkeit erregt hast, dachte ich mir, ich folge dir. Um genau zu sein, hatte ich einmal die Chance gehabt, dir den Schreck deines Lebens zu verpassen, aber ich bin ja kein Sadist.* Und tja, nun stehe ich hier."
      Ich nickte dankend. "Und wie kommen wir hier wieder hinaus?"
      Schweigend zeigte mir Thatch, dass ich ihm folgen sollte. Gemeinsam schlichen wir uns über den Innenhof hinaus, wählten aber nicht denselben Weg, über welchen ich eingedrungen war, sondern liefen in die entgegengesetzte Richtung. Unser Weg führte uns an einem länglichen Pavillon vorbei, in dem ich nur allzu gerne verweilt hätte, da er mit Chaiselongues und Diwanen regelrecht dazu einlud, sich hinzulegen und zu entspannen. Thatch ignorierte die Verführung jedoch und führte uns geradeaus zu einer abgerundeten Terrasse, deren Abgrenzung ein Teil der Mauer war, die das Anwesend des Gouverneurs umgab. Von hier aus hatte man einen guten Blick über Havanna, da die Fläche wesentlich höher lag als die Straßen und Häuser der Stadt, doch genießen konnte ich erneut nichts. Stattdessen sprang Thatch kurzerhand über das sandbraune Geländer und ließ mich allein. Zuerst wollte ich mich beschweren, hatte aber letztendlich keine andere Wahl, als ihm zu folgen, da mich nun auch Nidinia verließ, indem sie mit hohem Bogen zurück auf dem staubigen Boden Havannas landete.
      "Ich fange dich auf, bevor du dir etwas brichst", rief Thatch entnervt zu mir hoch.
      Sicher fühlte ich mich zwar immer noch nicht, doch zurückbleiben oder einen anderen Weg nehmen wollte ich nicht. So setzte ich mich unbeholfen auf das Geländer und ließ mich fallen. Schmerz. Durch die Geschwindigkeit, die ich während des Falls aus geschätzt drei Metern Höhe aufgenommen hatte, wurde ich so zu Boden gedrückt, dass meine Knie nachgaben und ich einknickte. Ich hatte es überlebt und das ohne gebrochene oder verstauchte Knochen, Gott sei Dank. Meine Kniescheiben würden trotzdem klagen.
      "Das werde ich nicht noch einmal machen", fauchte ich Thatch an, den mein zorniges Gejammer jedoch herzlich wenig interessierte:
      "Wir sind doch erfolgreich entkommen. Du hast deine Zerstörungswut an irgendwelchen Dokumenten ausgelassen und ich habe mein eigenes Papierchen."
      "Aha! Du warst also nur auf irgendeinen Brief aus!"
      "Nicht wirklich, Liebstes. Er ist mir nur in die Hände gefallen, mehr nicht." Auch wenn ich mir sicher war, konnte ich Thatchs Zwinkern nicht deuten. Und was geschah nun? Würde er nun wieder verschwinden? Die Antwort für diese Frage kam schnell. "Wie wäre es mit einem Drink? Am Hafen befindet sich eine ausgezeichnete Taverne."
      So führte mich Thatch erneut und zeigte mir die Taverne, von der er sprach. Es war ein schnuckliges Plätzchen im Nord-Osten der Stadt, nicht unweit des Forts, welches sich direkt in der Bucht von Havanna, dem natürlichen Hafen der Stadt, befand. An sich bestand die Schenke aus einem Innenhof, in dem man Tische und Stühle platziert hatte. Rechts war in eine Hauswand ein Tresen eingebaut, an welchem sich Thatch mit dem Inhaber der Taverne unterhielt. Ich reservierte uns einen runden Tisch mit zwei Stühlen und genoss das Gitarrenspiel, das den angenehmen Gesang einer spanischen Sängerin begleitete.
      "Gefällt es dir hier?", fragte Thatch, nachdem er sich mit zwei Krügen zu mir gesellt hatte.
      "Ja", antwortete ich knapp und ließ mir einen der Behälter reichen. "Ist das etwa ...-"
      "Nein, keine Sorge", unterbrach man mich. "Ich habe dir schon kein Rum bestellt." Ed nahm einen kräftigen Schluck. "Wasser."
      "Stößt man nicht an?", erkundigte ich mich.
      "Ich hatte nur einen furchtbar trockenen Mund", stellte Thatch fest. "Aber das kümmert momentan keinen. Ich würde lieber allzu gerne erfahren, was du in Havanna zu suchen hast, und vor allem, warum du dich dann auch noch in die Villa des Gouverneurs schleichst.
      "Natürlich hat das alles seinen Grund", erklärte ich. "Ich bin hier, um die Fehler des Gouverneurs dieser wundervollen Stadt zu tilgen."
      "Na, dann hast du dir aber etwas vorgenommen."
      "Wenn sich die Chance ergibt, werde ich meinem Vater alles erklären. Aber bis dahin werde ich verdeckt arbeiten. Vielleicht mag es etwas über das Ziel hinausschießen, aber mein Wille ist es, John Halsey unschädlich zu machen."
      Thatch, der gerade an sein Krug nippte, blieb der Rum im Halse stecken. Er hatte richtig gehört, auch wenn er dafür noch einmal nachfragen musste:
      "John Halsey? Dieser räudige Köter, der mir mein Schiff geschnappt hat und eine gesamte Flotte in Nassau unterhält?"
      Ich nicke. "Ihm verdanke ich nur ein paar turbulente Wochen. Er ist drauf und dran, meine Zukunft und Gegenwart zu zerstören."
      "Und wie willst du das anstellen? Er hat eine Flotte, du nicht. Er hat Erfahrung und ist ein teuflischer Kämpfer, du nicht. Der Mann ist den großen Imperien von heute mehr als nur einmal in seiner "glorreichen" Vergangenheit auf der Nase herumgetanzt."
      Ich sah Thatch fragend an. "Erzähl mir mehr."
      "Wie du willst. Das könnte aber ein wenig dauern." Der Pirat lehnte sich zurück und stellte seinen Rum auf den Tisch. "Also, wo soll man anfangen? John Halsey wurde 1711 irgendwo in Wales geboren. Lass mich kurz nachdenken ... irgendeine Hafenstadt ... Cardiff vielleicht? Oder doch eher Swansea ... ? Das ist für den Moment aber völlig irrelevant. Was ich sagen möchte, ist, dass Halsey als gebürtiger Waliser, der zudem noch am wunderschönen Atlantik aufgewachsen ist, natürlich nur eine einzige Bestimmung in seinem Leben hatte: Die See. Und so war es auch. Von ärmlicher Abstammung machte sich der kleine Halsey schon mit zehn Jahren in die Karibik, die damals noch einigermaßen piratenverseucht war. Er trat der Navy als Schiffsjunge bei und sein erstes Schiff, auf dem er arbeitete, war die HMS Swallow, die bald nach Sierra Leone aufbrechen würde. Siebzehnzweiundzwanzig kam sie dort auch an und fand die Royal Fortune vor - Bartholomew Roberts Flaggschiff." Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Thatch hob den Finger und ich schwieg. "Jedenfalls war die Fortune nicht allein. Roberts Flotte bestand aus zwei weiteren Schiffen, die den Namen Little Ranger und einfach nur Ranger. Letztere wurde von der Swallow bombardiert und die Crew so zum Ergeben gezwungen. Was dann geschah, weiß man nicht. Berichtet ist nur, dass man die Royal Fortune später an derselben Stelle wieder vorfand und diesmal war die Swallow gerüstet, um Roberts zu stellen. Dieser zog wie bei jedem Kampf seine besten Kleider an und starb im Gefecht. Es war ein Schock für alle - selbst für die Könige Spaniens, Englands und Frankreichs -, denn wann kam es schon vor, dass der gefürchtetste Pirat seiner Zeit im Kampf starb?"
      "Black ...-"
      "Das ist eine ganz andere Sache. Mein werter Vater wurde von seinem Gegner vollkommen überrascht, während Roberts sich dem Gegner stellte und starb. Aber was hat das jetzt alles mit Halsey zu tun, fragst du dich?"
      Ich schmunzelte. "Eigentlich nicht. Ich weiß es. Er hat sich inspirieren lassen."
      "Wenn du es so sagen willst ... Jedenfalls hatte die Piraterie für John Halsey einen ganz besonderen Charme. Er verachtete Könige und deren Unterdrückung und lebte für die Freiheit. So desertierte er nach siebzehn Jahren braver Arbeit bei der Royal Navy und kaufte sich von seinem ersparten Geld ein Brigg. Eine Crew war auch einigermaßen schnell angeheuert und so kam es, dass Halsey seine erste Kaperfahrt aus See begann. Dieses Jahr, 1739, war auch ein strategisch gut gewähltes Jahr, um mit der Piraterie zu beginnen, denn schon war der nächste Krieg ausgebrochen. Und jeder weiß, dass Kriege für Piraten ein besonders lukratives Geschäft sind. So machte unser lieber Kapitän bereits zwei Jahre nach Kriegsausbruch die größte Beute seines Lebens, in Form eines spanischen Kriegschiffes namens Alcotán, das man heute besser unter dem Namen Distress kennt. Dazu ist anzumerken, dass die Alcotán ursprünglich in Willsey unbenannt wurde."
      "Was ist das denn für ein Name?"
      "Ts. Also. Halsey war nicht immer ein solcher Griesgram wie heute. In seinen Zwanzigern war er ein stattlicher und freundlicher Mann. Und da er höflich und gutaussehend war, hatte er auch einige Affären, von denen sich eine zu einer Ehe entwickelte. Halseys Weib war eine Frau aus Hannover** englischer und deutscher Abstammung. Und da sie als Willhelmine von ihrem Ehemann nicht ungern "Will" oder "Willy" genannt wurde, wurde daraus der Name für Halseys Schiff. Zu der Zeit hatte er sich von seiner Frau übrigens schon längst getrennt."
      "Gab es Kinder?"
      "Ja. Zumindest hat Willy eine Tochter, die irgendwann um 1740 geboren sein muss. Aber ich schweife wieder ab. Hm. Halsey und sein Schiff, genau. Also, unser Piratenkapitän wurde im Krieg zu einem reichen Mann und das ohne die Aufmerksamkeit von Imperien auf sich zu ziehen. Er hatte seine Vorgänger studiert und wusste genau, wie er mit seiner Berufung umzugehen hatte. Verstehst du, was ich meine? Er war der perfekte Pirat. Sein Versteck hat bis heute noch niemand gefunden. Aber das war damals, als er noch jung war. Nach dem War of Jenkins' Ear war es mit dem Märchen vorbei. Halsey war ein Pirat des Krieges, er kannte den Frieden nicht. So schlau er auch gewesen sein mochte, so war er töricht genug, seine Strategien, die sich im Krieg bewährt hatten, auch später einzusetzen. Und nun komme ich ins Spiel."
      "... was erklärt, dass du so viel über Halsey weißt."
      "Genau. Eigentlich komme ich in dieser Geschichte schon viel früher vor, doch ich habe es mir gespart, zu viel über mich zu erzählen. Jedenfalls war ich damals schon Captain der Vengeance, mein eigenes Fregattchen, das ich gekapert hatte, nachdem ich unter Halsey als erster Maat arbeitete. Er war damals so freundlich und überließ mir das Schiff - unter der Bedingung, dass ich fünfzig Prozent meiner Beute an ihn übergebe. Da ich das aber nicht tat, segelte ich 1747, also drei Jahre nach meiner Hinrichtung, von London nach Afrika. Ein Jahr darauf führte es mich zurück in hierher, in die Karibik, da ich meine Schulden an Halsey abzahlen wollte. Er nahm sich das Geld sofort, da dank gescheiterter Kaperversuche und einem Viertel seiner ursprünglichen Crew arm und ohne Mittel war. Letztendlich stahl er mir jedoch mein sämtliches Geld und baute sich damit eine Flotte auf. Diese machte die nördliche Karibik um Florida und Havanna unsicher. An einen Angriff an St. Theodore kann ich mich ebenfalls erinnern."
      Ein Angriff auf St. Theodore? Langsam fiel es mir alles wieder ein. Ich hatte am Strand gespielt, während ein schreckliches Unwetter aufzog, das ein riesiges Piratenschiff mit sich brachte. Meine Mutter hatte immer und immer wieder meinen Namen gerufen, da sie sehr wohl wusste, was auf sie zukommen würde, und war mit mir durch den Dschungel nach Fort Anne geflohen. Den Rest hatte ich nicht mitbekommen, da man mich in irgendeinen Keller gebracht hatte. Es waren zwar nur Erinnerungsfetzen, da ich damals noch sehr klein war, doch nun machte es alles Sinn. Es war als hätte man die Teile eines Mosaiks zusammengefügt.
      "Ich erinnere mich ebenfalls. Warst du daran beteiligt?"
      "Nein, keinesfalls. Halsey und ich hatten die Rollen getauscht. Nun war ich arm, aber ein Schiff besaß ich, doch die Crew konnte ich nicht bezahlen. Es wäre beinahe zu einer Meuterei gekommen, doch ich konnte ein solches Ende rechtzeitig abwenden und verkaufte Halseys Schatz. So waren wir beide gleichauf, auch wenn ich nur liebend gerne ans Ende der Welt geflohen wäre, um seinem Zorn zu entkommen. Er jagte mich tatsächlich ans Ende der Welt. Er jagte mich durch die Hölle und wieder hinaus, doch ich entkam. Ich war für elf Jahre der Angst und Furcht vor dem Zorn meines ehemaligen Captains entkommen und so schnappte er mich nahe den Abaco-Inseln, schlitzte beinahe den Bauch auf und machte sich mit meiner Vengeance davon. Was hätte ich tun sollen? Er war in der Übermacht. Mit fünf Schiffen gleichzeitig hat er mich bekämpft, während ich nur fliehen konnte. Aber was beklage ich mich? Ich wurde gerettet und kann nun einen Plan schmieden, um mir die Vengeance zurückzuholen."
      Das war meine Chance. Ich durfte nun nicht zögern, sonst wäre sie vertan. Ich muss ihn nur fragen, nur kurz fragen, solange er schweigt.
      "Würdest du dich mit mir zusammentun?"
      Thatch schwieg. Er hob seinen Rum und trank. Auch nachdem der Krug geleert war, antwortete er nicht. Stattdessen weiteten sich seine Mundwinkel. Nach ein paar Sekunden waren seine Zähne zu sehen, bis mir Thatch mitten ins Gesicht grinste. Verspottete er mich? Oder war er einfach nur höchst erfreut? Aus diesem Gesicht konnte ich absolut nichts lesen. So offen dieser mysteriöse Pirat auch sein mochte, umso verschlossener war er. Das einzige, das ich sah, waren gelbliche Zähne.
      "Bist du dir da sicher?", erkundigte sich Thatch. Ich nickte. "Das sagst du jetzt. Aber was ist, wenn du ungeahnten Gefahren ausgesetzt wirst? Wenn du von deinem Vater wegen unehrenvollen Taten verbannt wirst? Willst du dieses Risiko eingehen, um dein Ziel zu erreichen?"
      "Was muss ich dafür tun?", fragte ich zurück.
      "Das wirst du wohl oder übel selbst herausfinden müssen, liebste Carolina", sagte Thatch und erhob sich von seinem Stuhl.
      "Du gehst?"
      "Ich muss. Ich bin hier nämlich vielleicht etwas unrechtmäßig mit meinem Schoner eingetrudelt, daher muss ich den Hafen so schnell wie möglich verlassen. Also dann, vielleicht treffen wir uns eines Tages wieder, wenn derselbe Wind in unsere Segel bläst."
      Bevor ich auch nur ein Wort sprechen konnte, marschierte Thatch nach einer Verbeugung davon und ließ mich sitzen. Ich sah ihm nach, bis er hinter der nächsten Häuserecke verschwand und sich mein Blick in meinem Getränk verlor. Ich streckte meine Beine durch und rutschte meinen Stuhl so hinunter, dass mein Rücken, die Sitzfläche und Lehne ein rechtwinkliges Dreieck bildeten. Nun musste ich nur noch eine Bleibe für die Nacht finden, was sich nicht unbedingt als besonders schwierig darstellen sollte, da ich vor meiner Reise einiges an Geld hatte mitgehen lassen, worunter die Brieftasche meines Vaters nicht zwingend litt.
      Ich stand auf, schob den wackeligen Stuhl aus Gewohnheit an den Tisch und begab mich zu dem Tresen der Schenke. Dort putzte ein Mann mit braunschwarzem Haar und auffälligen eisblauen Augen, wie man sie hier kaum antraf, mit einem mehr oder weniger sauberen Tuch einen Holzkrug. Ich räusperte mich, woraufhin der Mann mich mit seinen durchdringenden Augen ansah. Ich spürte, wie ich etwa errötete, da ich es nicht gewöhnt war, dass ich jemandem in die Augen sah, der mich so anstarrte.
      "Was ist?", fragte der offensichtliche Schankkellner mürrisch.
      "Ich suche nach einem Zimmer für die Nacht", antwortete ich leise.
      "Ah, entiendo. Also, ich kann Euch eine behagliches Zimmer im ersten Stock anbieten ... für ... sagen wir fünf Reales pro Nacht?***"
      Auch wenn ich kaum wusste, ob dies nun ein hoher oder ein niedriger Preis war, hielt ich ihn doch für gerecht und nickte. Ich holte den Beutel hervor, der sich an meinem Gürtel befand und legte die Münzen auf den Tresen. Ich sah dem mir gegenüber stehenden Mann in die Augen, verbarg den Geldbeutel wieder und ließ mich zu meinem Zimmer führen. Es ging einigen Treppen hinauf, die zwar wie eine Wendeltreppe angelegt waren, aber sich dennoch nicht bogen, bis man in einem kühlen Korridor ankam, der an der rechten Seite mit Fenstern versehen war, von welchen man aus auf den biergartenähnlichen Hof sah. Auf der linken Seite befanden sich drei Türen, bis der Gang rechts abbog. Der Schankkellner, der wohl gleichzeitig auch der Wirt der Schenke sein musste, öffnete die hölzerne Tür und überreichte mir den Schlüssel. Bevor er jedoch verschwand, drehte er sich noch einmal um:
      "Perdóname, aber darf ich fragen, was Ihr mit Edward Thatch zu tun habt?"
      "Er ist ein guter Bekannter von mir."
      Der Wirt nickte und begab sich wieder nach unten. Gerade wollte ich mich in mein Zimmer begeben, als der erschrockene Schrei des Mannes ertönte. Da mir anschließend Nidinia entgegengetrottet kam, wusste ich sofort, was geschehen war, und rief:
      "Verzeiht, das ist mein Haustier!"
      Nachdem ich eine Antwort in Form von unverständlichen spanischen Wörtern erhalten hatte, begab ich mich mit Nidinia in mein Zimmer. Es war ein einfach gehaltener Raum, der nicht mehr als ein Bett, einen Schrank und einen Tisch bot, aber dank des relativ eng gestellten Mobiliars tatsächlich eine gemütliche Atmosphäre verbreitete, ganz wie man es mir beschrieben hatte. Zwar schien das Kissen des wohl etwa in die Jahre gekommene Bett mit Stroh gefüllt zu sein, doch die Matratze war weich und vor allem sauber. Zu meinem Erstaunen gab es auch eine dünne Decke, die ich zusammengefaltet auf dem Holzboden ausbreitete, um Nidinia einen Schlafplatz zu gewähren. Anschließend legte ich all mein Hab und Gut in Form von Waffen und Beuteln auf den Tisch und setzte mich auf das Bett. Auch Nidinia machte es sich auf ihrem Schlafplatz bequem und sah mich mit ihren smaragdgrünen Augen an.
      Ob ich nun schlafen sollte? Es gab nichts zu tun und ich war müde, also würde ein kleines Mittagsschläfchen nicht schaden. Es genügte, sich hinzulegen und die Augen zu schließen, und schon war ich in das Reich der Träume übergegangen.
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      Anhang:

      * Ohohohoho, historische Ungenauigkeit! Den Begriff "Sadismus" und alle damit verbindlichen Wörter dürfte es zu der Zeit gar nicht geben, da diese vom Marquis de Sade abgeleitet sind, welcher sich durch pornographische und kirchenfeindliche Romane und haufenweise Skandale einen Namen machte. Ich kann zwar nichts zur Geschichte dieser Wortfamilie sagen, aber sie sollte sich allerfrühestens nach 1787 (zu der Zeit schrieb de Sade in der Bastille den Roman Justine ou les Malheurs de la vertu) ethabliert haben, nachdem die Franzosen zuerst mit dem sadisme kamen.

      ** Wen es interessiert: An der Stelle ist mit "Hannover" das Kurfürstentum Hannover gemeint.

      *** Übrigens habe ich absolut keine Ahnung vom Wert des Geldes aus dieser Zeit, weshalb es möglich sein kann, dass die Preise in dieser Geschichte totaler Quatsch sind. :hihi:


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

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