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Mischblut

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    • Danke für dein Kommentar, Dusk! ^^ Schön, dass du die Geschichte auch weiterhin verfolgst.
      Das "dunkelbraun" war ein Hinweis auf Rindfleisch. Letztendlich sind die meisten Pokemon nur magische Tiere - es ist für mich realistischer, dass sich die Pokemon aus Tieren entwickelt haben, nicht alle Pokemon aus Mew. Die nächsten Verwandten von Glumanda zB wären Elezard, Arbok, Vipitis, Hornvipern und Komodowarane, nicht erst alle anderen Pokemon, die absolut gar nichts damit zu tun haben.
      "Hebte" ist mir gar nicht aufgefallen, ich habe diesmal hauptsächlich nach den berüchtigten Buchstabendrehern und Kommafails gesucht.
      Die Legendären sollten extra noch nicht ganz am Anfang kommen, das würde alles zurücknehmen. Ich weiss ganz genau, wo (in der realen Welt) Latios erscheinen wird, das steht schon mal fest und wird noch eine Weile dauern, genau wie die Antagonisten. Ich fand Latios und Latias schon immer klasse, auch aufgrund des Filmes. :D
      Der Lavados-Orden basiert übrigens auf dem Templerorden, der 1312 durch den französischen König und den Papst aufgelöst wurde. ^^ Deswegen auch ein Vogel, aufgrund der Kreuzform.
      Ich habe übrigens inzwischen einen Betaleser gefunden, vielleicht sollte ich mal den post in der Suchstelle überarbeiten... ^^" Part #10 kommt vielleicht in einer/anderthalb Wochen, denn der Wettbewerb kam ja noch dazwischen.

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    • Kapitel X: Anachorisi

      Anachorisi = griechisch "Aufbruch"

      Vokabeln:
      Vous êtes arrivez! = Ihr seid angekommen!
      Écoutez. = Hört zu.
      vrai = richtig
      pour les criminels = für die Kriminellen
      C'est l'été! = Es ist Sommer!
      visite = Besuch
      Le tailleur est ici. = Hier ist der Schneider.


      Städte:
      Charou = Châteauroux
      Ceranfol = Clermont-Ferrand


      Grelle Sonnenstrahlen blendeten mich, als ich endlich erwachte. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Angestrengt versuchte ich, meine Augen so weit wie möglich zu öffnen, aber es dauerte einige Sekunden, bis sie sich an das intensive Licht gewöhnt hatten. Die Sonne stand bereits im Zenit, klar, denn aufgrund des ungebetenen Besuchs der letzten Nacht war ich genauso müde wie am vorigen Abend, als ich zum ersten Mal schlafen gegangen war. Was Kagayaku nicht weiter zu stören schien, die sich in ihre Bettdecke gekuschelt hatte.
      Ich machte mich etwas frisch und ging in den Hauptraum, in der Hoffnung, Yomi hätte uns ein Frühstück vorbereitet. Doch das einzige, was ich vernehmen konnte, war mein knurrender Magen. Von Yomi und ihrem Ampharos fehlten jede Spur, genauso von Marie und ihrem Dedenne, die zum Glück mehr oder weniger freiwillig das Haus verlassen hatten. Eine kleine Notiz auf dem Tisch sollte meine Fragen beantworten:
      "Bonjour, Ihr beiden, ich bin bereits außer Haus, ohne Euch bescheid zu sagen, pardon. Jedoch hatte ich noch einige Sachen zu erledigen. Da Ihr die letze Nacht kaum Schlaf bekommen habt, habe ich mich dazu entschlossen, Euch noch liegen zu lassen ... und ich wollte es nicht riskieren, Dich zu wecken, Kagayaku. Oh je, ich rede wieder viel zu viel. Alors, kommt mich und Marc doch einfach im Geselligkeitshaus besuchen. Wie es heißt, fragt Ihr Euch? Naja, es hat noch keinen Namen, aber Ihr könnt es sehr gut an seiner smaragdgrünen Fassade erkennen! Übrigens ist es auch das einzige Geselligkeitshaus, welches bisher fertig geworden ist, und zwar heute morgen. Bis heute Mittag, - Yomi."
      Ich schätze, das war das Sinnvollste, was wir machen konnten. Kagayaku war wirklich noch nicht wach, aber was meinte Yomi damit, dass sie bloß nicht das Risiko eingehen wollte, die Sphinx aufzuwecken? Ich erinnerte mich an ihren Wutausbruch zurück, als ich versehentlich durch meinen Sturz den Flügel gebrochen hatte. Angeblich sollte er ja in nicht mal mehr zwei Wochen verheilt sein. Ich kehrte zurück zum Gästezimmer, drückte wuchtig die Tür weg und war schon im Begriff, ein lautes "Aufgestanden und ab dafür" zu schreien, als mich Kagayaku mit zusammengekniffenen Augen feindselig anfunkelte:
      "Ich wäre dir das nächste mal sehr verbunden, wenn du mir nicht fast die Tür ins Gesicht knallen würdest ..." Sie hat bis vor wenigen Minuten tief und fest geschlafen, wie hätte ich denn ahnen können, dass sie ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt das Zimmer verlassen wollte?
      "Tu-tut mir leid. Das war nicht meine Absicht, wirklich! Ich dachte du schläfst noch und ... naja, Yomi und Marc sind in einem dieser sogenannten Geselligkeitshäuser und wünschen uns zu treffen. Es soll angeblich in der Farbe eines Smaragdes glänzen. Ich wäre bereit, du auch?", erklärte ich hastig. Die geflügelte Dame rieb sich müde die Augen, als hätte sie immer noch nicht genug Schlaf bekommen.
      "Gib mir wenigstens Zeit, mein Gesicht zu waschen. Dann können wir gehen."

      So sehr ich Lumyaons Außenring bewundert hatte, fiel mir auf unserem Weg gen Innenstadt immer mehr ins Auge, dass die Stadt zum Zentrum hin einer riesigen Baustelle glich. Jetzt im Tageslicht wurde es ganz deutlich, ich hatte mehrmals Glück, nicht mit einem Strepoli oder einem Maschock zusammenzustoßen. Es war schwerer als gedacht, unter all diesen braunen, beige- und ockerfarbenen Gebäuden eine smargdgrüne Fassade zu entdecken, da diese Stadt so gewaltig groß war. Zum Glück hatte sich unter der Bevölkerung schnell herumgesprochen, wo das Geselligkeitshaus zu finden war. Yomi hatte recht, die Fassade glänzte, als ob sei sie mit Smaragdstaub überpudert.
      "Sheila! Kaga! Vous êtes arrivez! Kommt her, setzt euch!", rief Yomi von hinten, die auf einem Baumstumpfhocker an einem Tisch in einer der hinteren Ecken saß, Marc stand daneben. Ich war beeindruckt, dass das Geselligkeitshaus nicht nur außen in dieser prächtigen Farbe erstrahlte, sondern innen genauso! Der Boden, die Theke, der Tisch und sogar die Baumstümpfe, sie alle hatten ihr Allerweltsbraun gegen ein edles Grün eingetauscht.
      "Das sieht sehr schick aus. Hast du vor, noch weitere dieser Häuser zu bauen?", fragte Kagayaku, die ebenfalls gefallen an diesem Ort gefunden hatte. Yomi winkte erst Henri, das Ampharos, her und flüsterte ihm etwas ins Ohr, bevor sie sich wieder uns zuwandte:
      "Écoutez. Genau das wollte ich mit euch besprechen. Wie euch sicher aufgefallen ist, bin ich noch lange nicht so weit, als dass man Lumyaon als eine lebenswerte Stadt bezeichnen könnte. Klar, sie ist anderen Städten schon Welten voraus, aber noch nicht perfekt. Du, Sheila, hast sicher ein vollendetes Paradies im Kopf gehabt, als du dich entschlossen hattest, dein Leben hier fortzusetzen." Ich erschauderte, als Yomi quasi genau das sprach, was ich auf dem Weg hierhin gedacht hatte. Selbst das wunderschönste Smettbo war vor seiner finalen Entwicklung zum Imago lediglich ein unscheinbares Safcon. Diese Stadt war wie ein Kokon - stets im Wandel und von daher immer unvollendet. Ich hatte vergessen, dass mir Yomi den Abend zuvor von ihren Guardevoir-Vorfahren berichtet hatte, Pokemon, die in der Lage waren, Emotionen und Gefühlsschwankungen zu registrieren und zu interpretieren. Yomi kramte in ihrem Beutel und legte den Stein auf den Tisch, den Kagayaku gefunden hatte. "Sheila. Nun, da du vorhast, dich dauerhaft hier niederzulassen, kannst du es dir unmöglich erlauben, die Bürger dieser Stadt zu bestehlen", begann das gehörnte Mädchen zu sprechen. Was sollte das denn? Ich habe hier bis dato keinen einzigen Bewohner beklaut, was sollte dieser Vorwurf? Völlig erzürnt fuhr ich sie an:
      "Ich habe niemanden bestohlen! Was willst du mir damit sagen?" Ich sah, wie Yomis Augen groß vor Schreck wurden, als sie völlig erschrocken zusammenzuckte. Marc, der das Geschehen aufmerksam beobachtete, blickte mich an wie ein Vater, der seine ungezogene Tochter zurechtstutzte:
      "Schrei hier nicht durch den ganzen Raum, Sheila, deine Aufregung ist absolut unbegründet. Hör ihr einfach zu ... und noch viel wichtiger ... schrei sie nicht an."
      "Entschuldigung ... ich hatte wohl einen kleinen Kurzschluss. Wird nicht wieder vorkommen, rede ruhig weiter, Yomi", entschuldigte mich. Ich erinnerte mich an das Gespräch des vorigen Abends. Yomi hatte berichtet, wie sie von diesen Ordensrittern dazu gezwungen worden war, immer fortschrittlichere Gegenstände zu entwerfen, sicher hatten diese sie bei jedem Fehler zusammengeschrieen. Glücklicherweise schien wieder alles in Ordnung zu sein, als die kleine Forscherin fortfuhr:
      "De facto, Sheila, hast du keine Arbeit und kannst somit auch kein Geld verdienen. Ich würde dir vorschlagen, dass du für mich arbeitest. Es läuft so ab: nimm dir den Stein hier und reise zu Latios. Ich möche überprüfen, ob Latios wirklich an dem Ort lebt, wie ich es vermute. Der Ort, an dem ich einst die Feder fand, nennt sich Drachenkliff. Weit östlich von hier, im Ausland, gibt es einen sehr langen Fluss, noch viel länger als die Sinou, die durch Lumyaon fließt. Jedoch gibt es einen Ort, an dem in diesen großen Fluss ein Weiterer fließt. Du hast ja sicher etwas von Messu an der Morasse gehört, vrai?"
      Bevor ich meine Gedanken richtig sortieren konnte, klärte Yomi das Ganze auf: "In Messu steht eine größere Kapelle. Das war der Ort, an dem ich einst festgehalten wurde. Die geheimen Kammern wurden zwar allesamt zugeschüttet, aber von außen ist sie noch nahezu vollständig erhalten. Diese Routen führen auch einige der wichtigsten Handelswege zwischen unseren Städten entlang sowie all denen, die östlich liegen. Weißt du, was wichtige Handelsrouten noch sind?"
      Wichtige Handelsrouten waren für mich wichtige Handelsrouten. Ich war völlig perplex und wusste gar nicht, was sie von mir wollte.
      Ich sah, wie neben mir Kagayaku nervös den Kopf hin und her neigte, als wäre sie genauso im Ungewissen wie ich. Ganz im Gegensatz dazu war Marc. Das Chevrumm betrachtete uns seelenruhig und wusste vermutlich schon von all den Dingen, die Yomi für uns vorbereitet hatte.
      "Wichtige Handelsrouten sind stets gleichzusetzen mit Banditenlagern. Was ist reichhaltiger pour les criminels als ein frisch gedeckter Tisch, der immer wieder aufgefüllt wird? All die Händler, die dort entlangreisen, haben alleine oder auch zu zweit nicht den Hauch einer Chance gegen Banditengruppen. Du kannst unmöglich alleine losgehen, denn das ist nicht der verträumte Pfad von Charou nach Ceranfol, der vielleicht alle vier Tage mal ein paar neue Besucher sieht. Daher wird dich neben Marc auch deine allerbeste Freundin Kagayaku begleiten!", machte Yomi uns grinsend klar. Als ich sah, wie sich Kagayakus Miene zunehmend verfinsterte, konnte ich verstehen, wie sehr es Yomi Spaß gemacht hatte, sie zu ärgern. Ich war enorm überrascht, denn so einem zarten, liebevollen Wesen wie ihr hätte ich sowas gar nicht zugetraut. Schnell zeigte sich aber, dass sie es mit den goldenen Mandelaugen doch nur gut meinte:
      "Aber Kagayaku, denk doch mal nach! Du würdest doch nur hier rumsitzen und warten, bis du wieder fliegen kannst! So hast du eine realistische Chance fündig zu werden!"
      Fündig werden? Was wollte sie finden? Stimmt, ich hatte bis jetzt nicht die geringste Ahnung, welches Ziel die Sphinx eigentlich verfolgte.
      "Ja, genau, Yomi! Diese Person wird sich natürlich den kältesten Fleck aller versammelter Westreiche aufsuchen, um mir zufällig über den Weg zu laufen! Du solltest wissen, dass das nie der Fall sein wird!", fauchte Kagayaku. Yomi kicherte nur, als sie das Argument "des kältesten Flecks" vernahm: "Aber Kagayaku, c'est l'été! Du brauchst wirklich nicht zu befürchten, dass dort ein Blizzard über dich hineinbricht. Gut, zugegeben, selbst im Juni kann es auf dem Weg zum Drachenkliff noch ziemlich kalt sein, aber nichtsdestotrotz..."
      Kagayaku machte sich gar nicht die Mühe, Yomi ausreden zu lassen:
      "Das dachte ich auch Ende April, als es tatsächlich begann zu schneien! Ich kann nicht nur Schnee und Eis nicht ausstehen, sondern genausowenig niedrige Temperaturen und Sprühregen. Ich bin bei weitem eher eine Sphinx als ein Flunkifer, denen solche Unannehmlichkeiten weniger ausmacht. Oder bist du jemals da oben einem Vibrava oder einem Libelldra begegnet? Sogar das Drachenkliff selber ist für diese noch zu kalt. Von dem Mittelgebirge westlich davon ganz zu schweigen ..." Ich hatte die ganze Zeit auf meiner Reise überlegt, ob Kagayaku eher ein Gestein-Flug-Typ oder ein Boden-Flug-Typ wäre. So, wie sie sich hier gab, war wohl eher Zweiteres der Fall. Jedenfalls war sie auf Eis ganz und gar nicht gut zu sprechen. Bevor das Gespräch aber komplett ins Unproduktive fortschritt, wollte ich noch einige praktische Fragen von Yomi beantwortet bekommen: "Yomi, wie lange müssen wir überhaupt reisen? Es scheint weiter weg zu sein als meine Heimat, oder?"
      Yomi nickte zustimmend und erklärte: "Es ist schon ein kleines Stück mehr als die Strecke von hier bis nach Occilas. Ich denke, drei Wochen sind realistisch, zumindest was eine Strecke betrifft. An der Grenze leben Pokémon, die euch als Übersetzer dienen können, sobald ihr das Kaiserreich im Osten betretet. Denn deren Sprache unterscheidet sich enorm von der unseren. Auf jeden Fall solltet ihr dem Schneider eine visite abstatten, weil ich befürchte, dass.. ."
      "Ja, ja ... ich weiß doch, dass meine Klamotten etwas mitgenommen aussehen. Wir haben noch etwas Gold übrig, um uns ordentlich auszustatten, aber danke für den Hinweis."
      Plötzlich kehrte Henri mit einer Schüssel Salat zurück. Wir saßen schon recht lange und ich fragte mich, wieso er so lange dafür gebraucht hatte.
      Ganz verlegen tapste er an den Tisch und stellte die Schüssel ab, kaum in der Lage, irgendjemandem ins Gesicht zu schauen: "Yomi, pardon! Ich wollte mich beeilen, aber ... aber du weißt schon, diese wunderschöne Ampharosdame war da und sie ... wir ... wir hatten uns in ein Gespräch vertieft und ich vergaß völlig die Zeit und ..."
      "D'accord, ich bin ja froh, dass du den Salat nicht an sie verfüttert hast", lächelte das gehörnte Mädchen nachsichtig. Auch ich hatte ganz vergessen, dass mein Magen wieder eine Mahlzeit nötig hatte. Ich befürchtete nur, dass so ein Salat nicht allzu lange satt machen würde.

      "Le tailleur est ici. Im Gegensatz zu den meisten anderen hat er bereits vorgefertige Stücke auf Lager. Bitte, bitte passt gut auf euch auf. Ich zweifele nicht an euren Kräften, keineswegs, aber eins habe ich gelernt. Der Zufall lässt sich nie über mathematische Formeln exakt bestimmen. Vergesst diesen Faktor nicht. Ich wünsche euch viel Glück. Und du, Marc, du bekommst von mir das Recht, die beiden Mädels zu rüffeln, wenn sie Unsinn machen", sagte Yomi, als sie meine zwei Begleiter und mich noch einmal zum Abschied umarmte.
      Wir waren bereit - bereit, nach einer Legende Ausschau zu halten. Ich war so aufgeregt, obwohl es doch noch Wochen dauern würde, bis wir unser Ziel erreichen würden. Latios, mach dich gefasst - jetzt kommt Sheila!

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    • Kapitel XI: Berdema

      Berdema = griechisch "Verwechslung"

      Vokabeln:
      effectivité = Effektivität
      progrès = Fortschritt
      Continuons! (continuer) = Lasst uns weitermachen!

      Städte:
      Ginsa = Genua
      Binazza = Venezia
      Touray = Troyes


      Kagayaku befand es nicht für notwendig, sich neue Kleidung zu kaufen, da sie sogar tatsächlich noch in einem ausgesprochen guten Zustand waren. Ich hingegen hatte mich vor unserem Aufbruch nach Raimis, dem nächsten Etappenziel, so gut wie möglich eingedeckt. Die wichtigste Neuerung war eine leichte Brustpanzerung aus Eisen und dunkelbraunen Leder. Da sie sogar die Schultern abdeckte, musste ich ständig auf der Hut sein, um nicht jemanden versehentlich die Kehle mit den spitzen Enden aufzuschlitzen. Mein neuer, scharlachroter Rock war ebenfalls mit beweglichen Ledereisenplatten ausgestattet und ähnelte laut Kagayaku der Uniform der östlichen Ritter, die angeblich viel wendiger als die des Westens waren. Darunter trug ich wie schon zuvor eine kurze, schwarze Hose, an die ein Knieschutz angebracht war. Zu guter Letzt gönnte ich mir geschlossene Schuhe aus zinnoberrot gefärbtem Leder, die in den heißen Sommermonaten Juli und August vielleicht etwas zu warm waren, aber immerhin robuster und dreckabweisender gegenüber den komplett abgelaufenen Sandalen.
      "Deine Kleidung bietet nicht besonders viel Verteidigung, Kagayaku. Kaufst du dir nichts dazu?", fragte ich die Sphinx, die gedankenverloren in das Weite starrte.
      "Was? Äh ... nein. Sollte der Notfall wirklich eintreten, dass mir jemand physisch zu gefährlich wird, wird der sein blaues Wunder erleben. Das kannst du mir glauben. So töricht bin ich nicht, dass ich völlig ungeschützt durch die Gegend fliege ... oder besser gesagt laufe. Naja, noch anderthalb Wochen und dann könnte es klappen!", antwortete sie mir. Ich verstand nicht genau, was sie mit diesem "Blauen Wunder" meinte. Zumindest schien sie sich ihrer Sache ziemlich sicher zu sein.
      "Haben die Damen ihre Einkaufstour endlich beendet, ja?", grummelte Marc, der es sich unter einem Baum so weit es ging gemütlich gemacht hatte. Was sollte das denn heißen? Die Aussage konnte ich so keineswegs stehen lassen: "Entschuldigung, dass ich so lange gebraucht habe, aber die Kleidung muss die nächsten paar Wochen halten! Sowas sollte man sich gut überlegen."
      "Ich hoffe du bist dir bewusst, dass die Etappen zwischen den größeren Städten jetzt länger werden. Deswegen wollte ich so früh wie möglich aufbrechen. Lasst uns keine Zeit verlieren!", erklärte Marc, der sich einmal ausgiebig streckte und sofort die Spitze übernahm.

      Die Strecke von Lumyaon und Raimis war übersät von üppigen Weinbergen, die dieser Region ihren besonderen Reiz verliehen. Mittlerweile war es Mitte Juni und dementsprechend angenehm war das Wetter. Nicht zu heiß und nicht zu kalt, genau richtig. So warm war es in meiner Heimat nie im Frühsommer. Zwischen den Rebstöcken tollten wilde Irrbis umher, doch obwohl die Kürbis-Pokémon zu den Geist-Pokémon gehörten, fand ich sie überhaupt nicht bedrohlich, sondern viel eher süß. Am liebsten hätte ich mir ein Irrbis genommen und es fest geknuddelt, aber sicher wären sie vorher verschwunden. In der Luft waren es die Kramurx, die die Route beherrschten. Die meisten trugen ein ultramarines Gefieder, während einige durch ihre pechschwarzen Federn so herausstachen, dass sie sich problemlos in Kagayakus Haaren hätten verstecken können, wäre da nur nicht der gelbe Schnabel.
      Doch eine Sache passte ganz und gar nicht in die malerische Szenerie. Ein Mann mittleren Alters mit mittellangen, zersausten Haaren und Dreitagebart werkelte an einer kleinen Kutsche herum, die scheinbar lediglich für den Gütertransport gedacht war. An den Karren war ein blassgrünes, vierbeiniges Pokémon mit einem von einer roten Blume umschlossenen, langen Hals, gespannt. Neben diesem mir komplett unbekannten Pokémon saß ein winizger, bunter Vogel auf den Schultern des Mannes. Es war ein Natu, dessen Gefieder in den Farben Rot, Gelb, Grün und Schwarz strahlte.
      "Ist alles in Ordnung, Monsieur? Können wir Euch irgendwie behilflich sein?", fragte ich spontan und ungewöhnlich höflich. Wann hatte ich das letzte Mal jemanden geihrzt? Es war sicher schon Jahre her, dass ich die Anrede des Adels benutzt hatte. Bei normalen Menschen hätte ich wohl nie meine Hilfe angeboten, aber die beiden Pokémon schienen sich bei ihm wohlzufühlen. War die Welt auf dem Weg, sich endlich zu bessern? Immer mehr Pokémon schienen das Vertrauen zu den Menschen zurückgewonnen zu haben.
      "Ich glaube, ich bin fertig, junge Dame. Es gibt nichts mehr zu tun. Gleich kann es weitergehen, aber vielen Dank der Nachfrage", entgegnete der Mann, der seine Hockposition nun verließ.
      Kagayaku, die momentan die Glückliche war, die auf Marc reiten durfte, stieg von unserem Chevrumm ab und verneigte sich kurz vor dem Händler. Sie kannte ihn?
      "Sei gegüßt, Étienne. Was lieferst du denn heute wieder für Yomi an?", fragte sie ihn neugierig.
      "Neue Gerätschaften aus Ginsa und Binazza. Einige kluge Köpfe dort unten sind ein ganzes Stück weiter als wir. Nicht zu vergessen ist, dass sie über die Meere wichtige Handelsrouten erschließen können", antwortete Étienne. Ich ging hinüber zu dem Langhals, denn ich wollte unbedingt erfahren, was er für ein Pokémon war. Ganz offensichtlich ein Pflanzenpokémon, wie die Blume um den Hals bereits verriet.
      "Hey, du. Entschuldige, dass ich einfach so aus dem heiteren Himmel frage, aber ... zu welcher Spezies von Pokémon gehörst du eigentlich?", wollte ich von ihm wissen.
      Der Langhals senkte seinen Kopf auf meine Augenhöhe, um mich aufzuklären: "Es wundert mich nicht, dass du das fragst, Mädchen. Ich bin Michel, ein Meganie. Die vollentwickelte Form der Endivie-Reihe. Ich weiß, meine Artgenossen sind generell selten anzutreffen. Das ist eigentlich schade, denn das Aroma unserer Blüten vermag es, aufgewühlte Seelen zu beruhigen und abgestorbene Vegetation wiederzubeleben." Der große Vierbeiner musterte mich mit seinen warmen, goldenen Augen. Er sah viel zu lieb aus, als dass er auch nur ansatzweise gefährlich wirkte. Aber sich nur auf das Aussehen zu verlassen, wäre sicher ein Fehler. Jedes vollends entwickelte Pokémon war auf seine individuelle Art gefährlich, auch wenn es beispielsweise nur ein Smettbo war.
      Als ich mich zurück zur Gruppe drehte, bekam ich mit, wie Étienne mit Kagayaku über Yomi redete: "Den Eifer der Kleinen in allen Ehren, aber diese Neuerungen sind ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es vorteilhaft, seine Technologien immer weiterzuentwickeln, um mit ihnen die bestmöglichste Effectivité zu erreichen. Doch solche gravierenden Veränderungen wecken Begehrlichkeiten. Haben die Leute erst einmal Blut geleckt, wollen sie immer schnellere und bessere Produkte erschaffen. Der Prozess des Schaffens ist grundsätzlich etwas Gutes, doch nicht, wenn man sein ganzes Leben dafür und für den Progrès gibt - und vom Rest der Gesellschaft erwartet, dass er es gleichtut. Sollte dies tatsächlich irgendwann eintreffen, wird die Welt nur noch ein Ort sein, an dem Rauch in den Himmel steigt, nur um als Asche auf die gezeichneten Häupter der Menschen hinabzuregnen."
      "Ach, ist das so? Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Rauch entsteht doch nur bei Feuer ... die Schmieden arbeiten ja mit Feuer! Du glaubst also, dass man auf Basis der Schmieden noch viel mehr machen kann, richtig? Soweit ich weiß, hat Yomi diesen Zweig der Forschung noch nicht für sich entdeckt", entgegnete Kagayaku, die weitaus weniger besorgt schien. Mir fiel auf, wie das Natu missmutig sein Gefieder schüttelte. Dem kleinen Vogel behagte etwas ganz und gar nicht, als er wieder gen Sonne schaute.
      "Ich mache mir nicht um Yomi sorgen. Sie ist eine gewissenhafte, junge Forscherin, Ingenieurin und Architektin. Viel mehr befürchte ich, dass diejenigen, die die Früchte der Forschung ernten, Verwerfliches damit tun", schnaubte Étienne, der sich mittlerweile wieder in seine kleine Kutsche gesetzt hatte. "Alors, Michel, continuons! Wir haben über den Weg von Touray genug Zeit verloren. Kagayaku! Du und deine Freunde, passt bitte gut auf euch auf. Je weiter ihr euch von der Hauptstadt entfernt, desto schlechter werden Infrastruktur, Versorgung und Sicherheit. Au revoir!"
      Auch wir sagten Lebwohl. Auch wenn wir bereits wussten, dass es in den abgelegenen Gebieten gefährlicher sein sollte, hinterließ die letzte Aussage nochmal ein flaues Gefühl in meinem Magen. Zumindest auf dieser Route konnte ich nichts Erschreckendes feststellen.

      Raimis war die Stadt, in der die Könige dieses Landes gekrönt wurden. Langsam schien es fast schon ein Kult zu sein, dass jede große Stadt, die auch nur etwas von sich hielt, eine gewaltige Kathedrale besitzen musste. Doch diese hier war die Königskathedrale, auch wenn sie sehr große Ähnlichkeiten mit den beiden Meisterwerken in Ruucon und Lumyaon aufwies.
      "Kagayaku, gibt es solche beeindruckenden Monumente auch im Heiligen Kaiserreich? Du warst schließlich schon einmal da, sonst wüsstest du nicht, dass es dort angeblich kalt sei", fragte ich aus reinem Interesse.
      "Nein, jedenfalls nicht dort, wo ich gewesen bin. Bis zu unserem Ziel werden wir genau zwei große Städte kennenlernen, die es mit denen hier aufnehmen könnten. Vor allem die Erstgenannte beherbergt viele Bauwerke aus der antiken Ära und gibt sich redlich viel Mühe, um über das klägliche Bild ihres Hinterlandes hinwegzutäuschen. So schlecht ich auch eben geredet habe, ein Gutes hat es ja. Die hügeligen und stark bewaldeten Landschaften bieten wilden Pokémon viel Rückzugsraum", klärte mich meine schwarzhaarige Begleiterin auf.
      Die Häuser hier in Raimis sahen außergewöhnlich aus. Während die blassbeige untere Hälfte an das Gros der Gebäude in Lumyaon erinnerte, waren die oberen Stockwerke sowie das Dach Fachwerkhäusern nachempfunden. Auch wenn dies die zweitgrößte Stadt war, die ich in letzter Zeit besucht hatte, schien sie doch winzig im Vergleich zur alles übertrumpfenden Hauptstadt. Der Platz unmittelbar vor der großen, weißen Kathedrale war sehr belebt und wie dafür geschaffen, um unseren Proviant auf dem Markt aufzustocken.
      "Hast du schon die Abtei St. Remilia gesehen? Obwohl sie von Ungläubigen erbaut wurde, ist sie ziemlich hübsch. Die Abtei liegt genau in Richtung des südöstlichen Stadtausgangs, der nach Messu führt", merkte Kagayaku an.
      "Ich hoffe, du hast denen nicht unter die Nase gerieben, dass du ihre Religion nicht teilst, oder?", fragte Marc stirnrunzelnd nach. Die Geflügelte konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie die Frage des Geißbocks vernahm.
      "Aber Marc, denk doch mal logisch nach. Wäre ich dann noch am Leben? Obwohl ... ja doch ... als ob ICH mich von denen umbringen ließe! Darauf können die lange warten!", schnaubte Kagayaku halb selbstsicher, halb verächtlich. Sie mochte sehr wohl stark sein, aber Religionsfanatiker gab es viele. Viel mehr, als sie womöglich in den Griff bekommen würde.
      Die Abtei war der Kathedrale auch von der Größe her sehr ähnlich, auch wenn sie weitaus schlichter dekoriert als ihre prunkvolle, etwa zehn Minuten entfernte Nachbarin war. Anders als die aus der Ferne quaderförmig aussehenden Seitentürme dieser ähnelten die Seitentürme der Abtei gewöhnlich nach obenhin spitz zulaufenden, mit grauen Dächern versehenen Kirchtürmen. Wir waren nicht die einzigen, die Sehenswürdigkeiten der Stadt bestaunten.
      Die Leute, die dort standen, waren mitunter die Ungewöhnlichsten, denen ich bisher begegnet war. Alle fünf der Männer hatten dunkle, mandelförmige Augen, die allerdings nicht ganz so schön wie die von Kagayaku aussahen. Einer von ihnen stach mit Abstand am meisten heraus. Zum einen war er der einzige ohne Helm, der seine kurzen, schwarzen Haare bedecken könnte. Das wohl eindringlichste Merkmal war allerdings die smaragdgrün schimmernde Kleidung, die aus einem langärmligen Hemd und einer eher lockeren Hose bestand. Auf dem rechten Ärmel prangte ein großes Auge, während die linke Brustseite mit einer Art Blume versehen war, deren Blütenblätter orange und dann rosa endeten. Das dritte auffällige Merkmal stellte das Hirschpokémon mit der braunen Knubbelnase, ein Damhirplex, das links von seinem Meister stand. Die anderen vier Männer konnte ich nicht voneinander unterscheiden. Neben den langen, bedrohlich wirkenden Schnurrbärten zeichneten sie sich unter anderem durch einen seltsam anmutenden, spitzen Helm aus, der oben in einer Art Haarbüschel endete. Seitlich des Helmes hingen zwei gepanzerte Lappen ähnlich wie zu breit geratene Coiffwaffohren herab. Auch die Art ihrer Uniform war mir bis dato komplett unbekannt. Es schien fast so, als hätten sie eine bis zu den Oberschenkeln reichende Panzerung über eine antike Tunika gezogen, jedenfalls wirkte es sehr grotesk in meinen Augen.
      "Kagayaku, verstehst du, was diese Leute da reden?", fragte ich flüsternd, in der Hoffnung, dass zumindest sie eine ungefähre Ahnung davon hatte, wer diese Menschen waren.
      Kagayaku hielt mir ihren Zeigefinger vor den Mund und wies mich somit an, zu schweigen. Nach einigen Sekunden durchbrach sie das Schweigen unsererseits, während die Männergruppe ungestört weitermurmelte.
      "Die vier Soldaten sind Steppenkrieger. Ich verstehe ihre Sprache kein bisschen, aber ich kann sie identifizieren. Aber unser Möchtegern-Rayquaza dort hinten, den verstehe ich! Er stammt von den Inseln des fernsten Ostens. Das merkst du daran, dass er mit seinem Pokémon seine Muttersprache spricht, während die Untergebenen nur ihre eigene verstehen. Lass mich weiter zuhören", sprach die Sphinx, die vorallem den Anführer stets im Auge behielt. Der Bitte, mehr Gesprächsmaterial zu bieten, kamen die fünf Krieger allerdings nicht nach ... im Gegenteil. Von allen machte der in grün gekleidete Anführer die mit Abstand energischsten Schritte nach vorne, genau auf uns zu!
      Ich ging ein paar Schritte zurück, da ich das Gefühl hatte, er würde fast durch uns durchlaufen, bis er abrupt genau vor Kagayaku stoppte: "Seid Ihr die gesuchte junge Dame? Obwohl ... diese Augen ... das könnte passen, aber ... nein, ich darf mich nicht auf vage Beschreibungen verlassen, dafür waren sie zu ungenau. Ich könnte sie zweifelsfrei identifizieren, wenn ich selbst wüsste, wie unsere ... ach, vergesst es. Ich entschuldige mich für die Störung, auf Wiedersehen."
      "Wenn Ihr was wüsstet? Wie Eure Irgendwas ... aussieht? Was sollte das denn? Hey, stehengeblieben!" rief Kagayaku der den Platz verlassenden Truppe erfolglos nach. Marc und ich waren schon perplex genug, aber ihr als direkt Betroffene musste diese Sache noch viel mehr Fragen aufwerfen als uns. Diese ganze Situation war doch einfach nur grotesk!

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    • Kapitel XII: Pagokristallos

      Pagokristallos = griechisch "Eiskristall"

      Vokabeln:
      Nord-Ouest = Nordwesten
      Herbivore = Pflanzenfresser
      Carnivore = Fleischfresser
      Domestication = Domestizierung/Zähmung

      Städte/Flüsse:
      Bâton = Verdun
      Mounard = Meuse (Maas)

      *Logik > Pokémon-Logik. Männliche Chevrumm lernen in dieser Geschichte kein Milchgetränk. Basta.


      "Ich bin schlichtweg verwirrt. Du hast keine Ahnung, was diese Leute wollten, oder? Es ging um eine junge Dame ... und um deine Augen", schlussfolgerte ich, als wir uns auf dem Weg zum Gasthaus am Stadtrand von Raimis machten, um genug Kraft für die nächste Etappe nach Messu zu tanken. Kagayaku starrte geradeaus und schien unfähig, mir direkt zu antworten.
      "Kaga? Du weißt etwas, oder?", fragte ich vorsichtig. Ich wollte nicht riskieren, dass diese Situation aus mir unbekannten Gründen die Stimmung herunterdrückte, aber ich ertrug es andererseits auch nicht, unwissend zu bleiben.
      "Es gibt tatsächlich ... noch eine Person, die exakt die gleichen Augen wie ich besitzt. Ich bin vierundzwanzig Jahre alt, demnach eine junge Dame im wahren Sinne, doch im übertragenen Sinne kann damit auch ein Mädchen gemeint sein. Ich habe eine Vermutung, aber sie ergibt keinen Sinn", fauchte Kagayaku, der die Situation gewaltig unangenehm zu werden schien. Die Sphinx lief immer schneller, sodass sie weiteren Fragen aus dem Weg gehen konnte.
      "Ich glaube, sie ist viel zu stolz, als dass sie erzählen würde, was sie bedrückt. Genau dieser Stolz steht ihr eigentlich im Weg, um sich besser zu fühlen. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, warum sie so reagiert, aber es scheint sich um ein einschneidendes Ereignis zu handeln. Ich sag dir mal was, Sheila. Auch ich habe einen Grund, wieso ich getrennt von meiner Familie lebe. Du musst mich nur anschauen. Los, schau mich genau an. Ich bin ein Chevrumm, ein Nutzpokémon. Im Nord-Ouest, meiner Heimat, ist überall Flachland. Wir werden nur in bergigen Gegenden als Lastenträger benutzt. Was bleibt dann noch übrig, um genutzt zu werden?", sprach Marc.
      "Naja, die Chevrumm-Milch ist über Ländergrenzen hinweg bekannt! Vergiss nicht den sagenhaften Käse. Die Waren sind zwar teurer als Erzeugnisse von Miltank, aber sie schmecken mir persönlich besser", antwortete ich. Marc nickte zustimmend, selbstverständlich waren Chevrumm und Miltank die wohl wichtigsten Milchproduzenten neben den Voltilamm, die aber in erster Linie wegen der Wolle gezüchtet wurden.
      "Aber ich bin ein Geißbock. Ich gebe keine Milch.* Die Männchen sind höchstens für die Zucht wertvoll, doch nicht jedes stellt das größte, vitalste und kräftigste Exemplar da, das die Welt je gesehen hat. Es gibt Hauspokémon wie Psiau oder Coiffwaff, für die ein ungeschriebenes Gesetz im Unterschied zu anderen eng an den Menschen gebundenen Pokémon gilt. Der einzige Zweck eines männlichen Chevrumm im Flachland, die Zucht mal ausgenommen - ist die Fleischproduktion", erläuterte der Bock. Wir waren bereits vor dem Gasthaus angekommen, in das Kagayaku schon verschwunden war, doch ich blieb mit Marc vor dem Gebäude stehen, um mir seine Geschichte anzuhören. Während er seine Umstände erklärte, war das logische Ende der Geschichte immer mehr abzusehen.
      "Ich bin weggelaufen, als ich alt genug war. Mir war klar, dass ich meine Familie nie wieder sehen würde, doch ich war nicht bereit, mein Leben jetzt schon wegzuwerfen. Ich weiß, dass es der natürlichen Nahrungskette entspricht, dass die Herbivores von den Carnivores gejagt werden. Doch neben der Option, zu sterben, gibt es auch die Option der Flucht. Genau diese habe ich ergriffen und deshalb stehe ich hier an diesem Ort. Nicht alle Chevrumm leben bei Menschen, ganz gewiss nicht, denn vor der Zeit der Domestication war unser Zuhause die Wildnis. Stell dir vor, dass ein Leben in Wildnis als verbliebene Option nicht mehr möglich wäre. Es wäre ein Albtraum, nicht wahr? Aber glücklicherweise ist es anders. Lass uns jetzt reingehen", erklärte Marc, dessen trauriges und nachdenkliches Gesicht sich erst gen Ende in ein Lächeln verwandelte. Der Bereich vor dem Gasthaus bot lediglich einen mit Kopfsteinpflaster bedeckten Bereich an, der selbst für Marc einen viel zu unbequemen Schlafplatz darstellte. Ich benötigte einige Sekunden, um meine Konzentration wieder auf das Hier und Jetzt zu richten, bevor ich in die Lobby schlenderte. Ich wusste nicht ganz, ob ich jetzt eher bedrückt aufgrund dieser Geschichte sein sollte oder eher zufrieden, dass sie doch eine andere Wendung genommen hatte, doch ich tat es Marc gleich und entschied mich für Letzteres.

      Satt vom ausgiebigen Abendessen, welches ich mir mit Marc gestern noch gegönnt hatte, waren wir bereit, weiterzureisen. Oder zumindest gaben wir vor, fit genug zu sein. Im Speziellen bezog ich mich auf Kagayaku, die, als ich tatsächlich mal den Schlafraum aufgesucht hatte, nicht dort war. Ich hatte keine Ahnung, wann sie zurück kam und ob sie überhaupt geschlafen hatte. Sie wirkte müde und erschöpft, als fielen ihr jeden Moment die Augen zu. Normalerweise war ich wieder an der Reihe, auf Marc zu reiten, aber ich wollte ihr die Möglichkeit geben, sich wenigstens etwas auszuruhen. Ganz einschlafen durfte sie nicht, um nicht herunterzufallen.
      Weite Teile des ersten Abschnitts erschienen mir fast monoton, es fühlte sich für mich an, als würden wir nie vorankommen. Bauernhöfe hier, Bauernhöfe dort, alles schien absolut identisch zu sein. Ich vermisste die größeren Flüsse, die ich so gerne entlang gereist war, doch bis auf vereinzelte Waldabschnitte mit den mittlerweile vollständig von dunkelgrünem Sommerlaub bedeckten Bäumen bot die Strecke kaum Abwechslung. Klar, die Taubsi, Scoppel, Wiesor oder Zigzachs waren auf den jungen Feldern relativ zahlreich vertreten, doch das war auch schon alles, was der Abschnitt zu bieten hatte. Keine Hügel, keine Flüsse, nicht mal größere Wälder, die zu durchqueren wenigstens eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nahmen, gab es zu bestaunen. Aber dies gehörte eben auch zum Reisen dazu. Neben spannenden und beeindruckenden Landschaften gab es immer die, die sich nicht so abhoben und einfach nur durchquert werden wollten.
      Auf der Höhe der Kleinstadt Bâton jedoch wurde die Monotoniekette durchbrochen, denn Flussauen , gespeist mit grünblauem Wasser, säumten den Weg nach Norden. Zu schade, dass unser Ziel im Osten lag.
      "War es die ganze Route über so schön?", fragte Kagayaku, die offenbar halbwegs ausgeschlafen war.
      "Nein, du hast nichts verpasst. Das ist der erste erfrischende Anblick seit langem. Ich habe selten eine solch langweilige Route gesehen wie heute", antwortete ich ehrlich.
      Kagayaku sprang von Marcs Rücken und bot mir ihren Platz an: "Los, du bist an der Reihe, Sheila. Noch eine Woche, dann könnte es wieder funktionieren, das Fliegen. Dann werde ich endlich wieder ansatzweise zu alter Stärke zurückgefunden haben. Zur Zeit kann ich weder luftbasierte Angriffe noch Erdbeben einsetzen. Für Marc wäre das Erdbeben eher kein Problem, aber dich würde es ernsthaft verletzen."
      Ich schaute auf die Karte, um unseren Aufenthaltsort zu lokalisieren: "Nach der Karte müsste das der Fluss Mounard sein, richtig? Etwas südlich von hier liegt Bâton."
      "Da der Mounard der einzige größere Fluss zwischen Raimis und Messu selbst ist, ist es ziemlich sicher so. Ich kenne diese Stelle nicht, da ich Flüsse der Einfachheit halber aus der Luft überquert habe", erläuterte Kagayaku.

      Auf der anderen Seite des Flusses, in dem Lombrero und Bamelin die Sonnenstrahlen genossen und sich zugleich abkühlten, begann ein lichtes Waldgebiet. Meine Ohren zuckten schon nach den ersten Minuten, nachdem wir den Wald betreten hatten. Es waren nicht die Staravia oder die Moterpel, die meine besondere Aufmerksamkeit erregten. Der moosige Boden und die kleinen Bäche standen in kompletten Kontrast zu den rauen, tiefen Männerstimmen, die ich bereits vor allen anderen vernahm.
      "Passt auf, dort hinten ist ein Männertrupp, womöglich Banditen. Wir könnten umdrehen oder entlang des Mooses schleichen. Das Unterholz selbst ist zu laut. Da der Wald aber nicht dicht genug ist, werden sie uns mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit entdecken", warnte ich.
      "Was soll wohl passieren? Diese Idioten werden schon nach dem ersten Donnerblitz das Weite suchen. Eine Umkehr wäre für mich nicht mehr als unnötige Zeitverschwendung. Die Angriffe, die ich momentan nicht einsetzen kann, könnte ich hier ohne schlechtes Gewissen sowieso nicht anwenden", antwortete Kagayaku, die auch Marc davon überzeugen konnte.
      Selbstverständlich erblickten uns die insgesamt sechs Männer und begannen, zu uns aufzuschließen und sich in einer mir unbekannten Sprache zu unterhalten, uns fest im Blick. Es waren ebenfalls Westler, die fast so ungepflegt aussah wie die Banditen, denen wir bereits mit Claude und Paul begegnet waren. Diese hier allerdings trugen Rüstungen und Helme, jedoch sah alles ziemlich uneinheitlich aus - Söldner. Sie waren, wie man es bei Söldnern erwartete, bewaffnet, einer mit einem Kurzschwert, ein anderer beispielsweise mit einer Axt, der dritte mit einem Streitkolben.
      Das war an sich nicht das Problem. Ich sah neben mich und sah Kagayaku, die mit großen, weiten, verängstigten Augen das Pokémon in der Gruppe anstarrte. Das borstige, hellbraune Fell, das sogar die Augen bedeckte und die rosafarbene Schweinsnase waren nicht gerade körperliche Merkmale, die jemanden erschaudern ließen. Doch Keifel war ein Eispokémon, mit denen die Sphinx ihre Probleme hatte. Die Männer rieben sich schon die Hände und sahen in uns Frauen eine wehrlose Beute, aber so weit würde ich es gar nicht kommen lassen. Im Meinungskanon der unkritischen Dummschwätzer waren Frauen schwach, dumm, unfähig und nutzlos, das war mir alles schon bekannt. Ich hasste dieses unsinnige Vorurteil abgrundtief, doch im Kampf kam es gar nicht so gelegen, da Mann generell dazu neigte, die Damenschaft zu unterschätzen.
      "Ich kann das Keifel nicht übernehmen, ich kümmere mich um die sechs anderen Trottel. Sheila, lenke es ab, damit Marc aus dem Hinterhalt mit Pflanzen-Attacken zuschlagen kann!", rief Kagayaku, die bereits auf die Banditen zu rannte. Aber Keifel war auch ein Boden-Pokémon!
      "Ich kann gegen Keifel keine Stiche mit Blitzen setzen! Wie stellst du dir das vor?", schrie ich, als ich mich planlos einem für mich mindestens genauso ungünstigen Kontrahenten entgegen sah. Natürlich sollte dieser ursprünglich so einfach funktionierende Plan nicht in der Realität Früchte tragen. Gerade einmal drei der Söldner wandten sich Kagayaku zu, die bereits ihr Schwert abwehrbereit vor sich hielt. Logischerweise sah ich mich mit den übrigen drei konfrontiert, die ich mit Blitzen auf Distanz halten wollte, doch ich erreichte meine Gegner nicht. Es war das Keifel, welches sich mir in den Weg stellte, um die Blitze zu absorbieren. Das Wildschwein-Pokémon nahm unbeeindruckt Anlauf, während ich mich mit meinem Schwert schützte. Einen Bodycheck von diesem robusten Pokémon wollte ich ganz sicher nicht an meinem eigenen Leib erfahren. Marc tat alles, um die drei anderen Söldner von mir fernzuhalten und wählte die Attacke Samenbomben, die aufgrund der Rüstung nur begrenzt Wirkung zeigten. Ich sah, wie alle sechs - so verteilt im Raum sie auch standen - schlagartig auf den Boden kippten, als aus allen möglichen Richtungen schimmernde Felsen durch das Gebiet geschleudert wurden, scheinbar setzte Kagayaku gerade Antik-Kraft ein, eine seltene Attacke, die in alten Mythen unverwechselbar beschrieben wurde. Das Nächste, was ich beobachten konnte, waren Unmengen an scharfen, dunkelbraunen Steinen, die urplötzlich aus dem Erdboden ihren Weg zu den drei umgeworfenen Körpern in der Nähe von Kagayaku bahnten, um sich im effektivsten Fall durch ihre Rüstungen zu bohren.
      Während Marc das zweite Trio mit Dampfwalze bearbeitete, stand ich dem Keifel gegenüber, das abrupt bremste und einen hellblauen Lichtstrahl auf meine Beine feuerte. Ich spürte, wie ich unmittelbar danach zu frösteln begann, als der Eisstrahl mir durch das Einfrieren meiner Füße und Unterschenkel jegliche Bewegungsmöglichkeit nahm. Mit leuchtenden Hörnern rammte Marc das Keifel weg, das sich sofort seiner neuen Bedrohung zuwandte. Ich griff in eine Tasche, um das aggressive Pokémon mit Dolchen zu bewerfen. Ich musste um jeden Preis seine Aufmerksamkeit erlangen, bevor das Keifel einen erneuten Eisstrahl abschießen konnte. Einer der Dolche blieb im Rücken des Pokémons stecken, das zwar vor Schmerz quiekte, sich allerdings von seiner Entscheidung, anzugreifen, nicht abhalten ließ. Das Keifel drehte sich und ich spürte, wie der zweite Eisstrahl seinen Weg entlang meines Körpers bahnte, sodass ich auch meine Arme nicht mehr einsetzen konnte. Als wäre das nicht genug gewesen, standen die drei Söldner, die von Steinkante verschont wurden, bereit, mir den Gnadenstoß zu verpassen. Einer dieser Widerlinge verpasste Marc einen brutalen Streitkolbenhieb in seine Seite, doch ich konnte ihm nicht helfen, da Keifel jeglichen Angriff von mir abfangen würde. Am liebsten hätte ich diesen Bestien in Menschenform in diesem Moment den Kopf abgerissen, nur um zu verhindern, dass sie das Chevrumm noch weiter schwer verletzten.
      "SHEILA, AUGEN ZU!", schrie Kagayaku, die von hinten mit wütenden, zornerfüllten orangenen Augen, brandheiß wie Feuer, auf unsere Angreifer zurannte.
      "AUGEN ZU, SAGTE ICH!", kreischte sie weiter und erhaschte die Aufmerksamkeit der drei Männer. Ich schloss schnellstmöglich meine Augen und spürte in diesen Sekunden, wie kalt und starr ich mich fühlte, so hilflos und wehrlos wie lange nicht mehr.
      "Augen auf", schnaubte die Sphinx, deren Augen wieder die normale goldene Farbe angenommen hatten. Als ich vor mir drei zu Stein erstarrte Körper sah, wusste ich, zu was ihre schönen und zugleich gefährlichen Augen in der Lage waren. Einer des von der Steinkante niedergeschlagenen Trios hatte sich ebenfalls wieder aufgerichtet und verwickelte die Schwarzhaarige in einen Zweikampf, doch das Keifel war immer noch aktiv und bereit, mir die Wunde in seinem Rücken mit einem dritten Angriff heimzuzahlen. Instinktiv versuchte ich, mich irgendwie zu befreien, doch es war absolut unmöglich, da ich nur noch meinen Kopf bewegen konnte. Wie ein ängstliches Scoppel starrte ich auf die eisige Energiekugel, die stetig wuchs und vor der es kein Entkommen mehr gab.
      Das Letzte, was ich sah, war Marcs grün leuchtendes Holzgeweih, das von hinten dem wie am Spieß quiekenden Keifel den Gar aus machte, während der frostige Eisstrahl mich endgültig in einen Eisblock einschloss und mich innerlich wie äußerlich erstarren ließ.

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    • Kapitel XIII: Prostasia

      Prostasia = griechisch "Schutz"


      Merkwürdig. Es war brüllend heiß, doch ich schaffte es, meine Umgebung einzuordnen. Der pechschwarze Himmel stand in krassem Kontrast zu den weißen Felsen, die sich unter meinen Füßen befanden. Vor mir ragte ein riesiger Berg aus dem gleichen Gestein in den Himmel, jederzeit bereit, mit der Finsternis zu kollidieren. Plötzlich merkte ich, wie ein weiß leuchtendes Wesen, dass sich nur durch eine dunkelgrün leuchtende Aura von den Felsen abheben konnte, mit seinen großen Schwingen über mich hinweg flog. Als das schon fast geisterhaft scheinende Wesen in meine Richtung blickte, erkannte ich nichts, außer den langen Haaren, die im heißen Wind wehten. Ich machte weder Augen, noch einen Mund aus, lediglich der vom weißen Licht zur Silhouette verwandelte Körper war sichtbar. Offensichtlich handelte es sich bei dem Geschöpf um eine Frau, die nun mit ihren engelsgleichen Flügeln weiterflog. Ich lief ihr nach und merkte sofort, wie anstrengend es war, bei einer solchen Lufttemperatur einen Bergpfad hinauf zu rennen, der sich wie eine Schlange um das Felsmassiv wickelte. Je mehr ich außer Atem kam, nur um dem Lichterwesen zu folgen, desto mehr zog sich der Himmel zusammen. Dunkelrote Wolken begannen, den schwarzen Himmel abzudecken. Es dauerte nicht mehr lange, bis ich die ersten warmen Tropfen auf meiner Haut verspürte, doch dieser Regen fühlte sich anders an. Eine rote , warme Flüssigkeit durchnässte mich für jeweils nur wenige Sekunden, bevor sie zu Rauch verdampfte. War es Blut? War es Feuer? War es beides?
      Völlig erschöpft erreichte ich das Gipfelplateau, an dem die Frau auf mich wartete. So unmittelbar vor mir stehend erinnerte sie mich stark an Kagayaku. Die leuchtende Gestalt packte meinen Arm und führte mich an einem Loch vorbei, das mit roter Flüssigkeit gefüllt war. Je näher ich dem mit Feuersuppe gefüllten Krater kam, desto mehr Schweiß tropfte von meinen blond-schwarzen Haarsträhnen, doch die Dame führte mich weg von der Gefahr. Nun stand ich mit ihr am Rande eines kleinen Klippenplateaus, weiß wie Kreidefelsen und hatte freie Sicht auf das Meer und die gegenüberliegende Küste. Das Meer erstrahlte und ermattete im regelmäßigen Rhythmus in hellrot und dunkelrot, während die Landmasse jenseits dieser Insel schwarz war. Erst erkannte ich rote Striche, doch dann näherte sich die fremde Küste meinem Standort, sodass ich bald menschliche Silhouetten ausmachen konnte. Manche waren zu Fuß unterwegs, andere ritten, während dritte neben größeren glühend roten Schatten marschierten. Es waren große Pokémon, ähnlich wie Despotar oder Rizeros, doch die Armee war zu weit entfernt, um irgendetwas einwandfrei zu identifizieren. Die immer näher kommende Landmasse beschleunigte, doch auf einmal verschwamm das Bild vor meinen Augen, sodass ich gar glaubte, meine Balance zu verlieren. Nein, das bildete ich mir doch nur ein! Die drückende Hitze veranlasste mich, auf die Knie zu sinken, während das leuchtende Geschöpf mit verschränkten Armen die Situation beobachtete. Was war das für ein Lärm? Alles erschütterte in einer apokalyptischen Art und Weise, als ob zwei Kontinente miteinander kollidiert hätten! Doch von all dem Weiß, Rot und Schwarz verblieb nur noch die letztgenannte Farbe, nachdem ich mein Bewusstsein komplett verlor.

      Alles ruckelte und bebte in meinem Kopf, als ich aus meinem Traum gerissen wurde. Ich öffnete meine Augen und blickte in die gleißend helle Sonne, doch ich musste sie in sekundenschnelle wieder schließen. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und versuchte, mit zusammengekniffenen Augen etwas zu erkennen. Hufgeklapper dröhnte gleichmäßig durch meine Ohren, was darauf schließen ließ, dass ich mich in einer Kutsche befand. Zu meiner rechten Seite schlief Marc, der einen Verband um den Bauch gewickelt hatte, während sich vor uns ein offenes Kutscherhäuschen befand, vor das zwei Tauros gespannt waren.
      "Sheila, ich bin hier. Links von dir", sprach Kagayaku, als sie ihre Hand auf meine linke Schulter legte: "Wir sind fast in Messu, siehst du die Mauern dort hinten?"
      "Was ist denn passiert? Das Letzte, an das ich mich erinnern konnte, war der dritte und letzte Angriff des Keifels!", fragte ich.
      "Ach, das Keifel ist eigentlich direkt danach geflohen, als Marc ihm mit dem Holzgeweih den Rest gegeben hat. Zum Glück war das Dorf Bâton nicht sehr weit, denn es war ziemlich anstrengend, dich dorthin zu transportieren. Jedes mal, als ich den Eisblock berührt hatte, fuhr dieses schreckliche, kalte Gefühl über meine Finger durch den ganzen Körper", klärte sie mich auf. Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr kalt oder steif gefroren, stattdessen ertastete ich meinen Arm, der glühend heiß war. Ein Sonnenbrand war wirklich das Letzte, das ich jetzt gebrauchen konnte, obwohl ich gegenüber meinen Landsleuten einen leicht dunkleren Teint hatte, der der Sache zumindest etwas vorbeugen konnte.
      Ich fragte mich, ob Kagayaku überhaupt Sonnenbrand bekommen konnte, doch sie durchtrennte meine Gedankenwelt mit weiteren Informationen: "Als wir dann endlich angekommen waren, habe ich Marc zu einem Arzt gebracht. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, habe ich von unserem mühsam ersparten Geld eine Kutsche gemietet, die uns nach Messu bringen sollte. Naja, da es so warm war, bist du relativ schnell aufgetaut, aber ich habe dich dann schlafen lassen. Feuer-Pokémon waren leider keine in der Nähe."
      "Endstation!", rief der Kutscher, als wir vor den ockerfarbenen Stadtmauern Messus standen. Ich sah, dass hinter den Tauros eine Art kleiner Weihrauchbehälter angebracht war, aus dem ein wohlriechender Geruch strömte. Ich verstand jetzt, wieso diese Tauros, die allgemein als wilde, unzähmbare Pokémon galten, problemlos als Zugtiere arbeiten konnten. Das angenehme Aroma dieses Rauchs schien eine stark beruhigende Wirkung zu haben, genau wie das bei Michel, dem Meganie, der Fall gewesen war.
      "Komm, das Geld ist schon bezahlt. Durchschreite die Tore dieser geschichtsträchtigen Stadt!", sagte Kagayaku, nachdem sie sich bei dem Kutscher bedankt und den benommenen Marc auf alle vier Beine gestellt hatte. Es sah nicht so aus, als wäre er wach, vital oder zumindest gesprächsbereit. Auf der anderen Seite des Tores wandte sich die Sphinx erneut mir zu und fixierte mich mit den goldenen Augen, die wieder völlig normal schienen, im Vergleich zu den Vorkommnissen gestern: "Marc wird nicht mit uns losziehen, da er sich lieber weiter ausruhen möchte. Er hat vor, sich an das Flussufer oder auf eine Wiese zu legen, aber wir hatten uns schließlich etwas vorgenommen, nicht wahr?"
      Ich befand dies für logisch, aber ich wollte lieber über etwas Anderes sprechen. Es ließ mich einfach nicht los, ich wollte unbedingt wissen, was Kagayaku mit diesen Menschen angestellt hatte: "Kagayaku ... wieso sind deine Augen auf einmal so gefährlich? Wieso haben sie sich verfärbt? Sind diese Menschen tot? Ich habe so viele Fragen...", flüsterte ich, um zu verhindern, dass Passanten Teile des Gesprächs aufschnappen konnten. Kagayaku drehte ihren Kopf zur Seite weg, als würde sie sich durch meine Fragerei gekränkt fühlen.
      "Es ist mir absolut gleichgültig, ob die sterben oder nicht. Glaubst du ernsthaft, dass ich die Versteinerung rückgängig mache? Das einzige Heilmittel, das ich kenne, ist der Speichel einer Sphinx. Wieso sollte ich diesen Leuten, die uns für Geld liebend gerne abgeschlachtet hätten, auch noch helfen? Ist dir nicht klar, dass ihnen vielleicht sogar noch ganz andere Sachen im Sinn standen? Näher werde ich darauf nicht eingehen. Du musst nur wissen, dass die goldenen Augen zur Warnung einen orangefarbigen Ton annehmen, denn wenn das Orange ins blutige Rot wechselt, ist Schluss mit lustig. Deswegen hatte ich darauf bestanden, dass du deine Augen geschlossen hieltst", sprach sie verächtlich, als würde sie den Söldnern in Gedanken den Kopf abreißen, abschlagen oder irgendeine andere grausame Hinrichtungsart vollziehen.
      Aus eigener Erfahrung war mir ja bekannt, wie böse manche Menschen waren, aber hatten sie deswegen gleich den Tod verdient, um unschädlich gemacht zu werden? Die nicht so schlaue Sheila in mir kam auf die glorreiche Idee, mit Kagayaku darüber zu diskutieren: "Ich kann dich verstehen, aber wäre es nicht besser, ihnen eine Lektion zu erteilen? Eine, die so abschreckend ist, dass sie diese auf Lebzeiten nicht mehr vergessen würden? Mir kommt es irgendwie abschreckend vor, andere Menschen zu töten, lediglich im Notfall..."
      "IM NOTFALL! Ja, im NOTFALL! War das gestern etwa keiner? Willst du mir weismachen, dass wir zahlenmäßig und in punkto Elementklasse hoch überlegen waren? Du bist nichts weiteres als eine Närrin, unfähig, eine Situation als gefährlich einzustufen, du hältst dich für absolut unbesiegbar, ist es nicht so?", keifte Kagayaku im Stile eines beißwütigen Hundemon zurück. Sie fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht und blickte auf den Boden, während ihr schwarzes Pony, insbesondere die lange Strähne über der linken Gesichtshälfte, wie ein schwarzes Totengewand sich langsam über ihr Gesicht legte. So sehr sie sich bemühte, kein Leid zu offenbaren, trat dieses in jenem Moment deutlicher denn je in Erscheinung.
      "Genau wie ich damals. Aber ich habe gelernt. Ich werde es nicht zulassen, den gleichen Fehler ein zweites Mal zu begehen. Niemals. Wir treffen uns an der alten Kapelle des Lavados-Ordens, aber ich möchte jetzt ein paar Minuten für mich alleine haben", flüsterte sie, bevor sie aufbrach, bereit, die gaffenden Menschenmassen mit der bloßen Hand zu zerteilen, wenn es sein musste. Nun richtete sich auch der gesunde Flügel aus, der in seiner grotesken Haltung bis vor kurzem nicht von dem verletzten zu unterscheiden war. Mit knapp acht Fuß im voll aufgerichteten Zustand brauchte sie lediglich die Flügel frontal nach oben zu klappen, sodass die Menschenmenge sich aus eigenem Antrieb zerteilte, wie es laut der Heiligen Schrift des Westens einst mit dem Meer geschah. Kagayaku selbst erreichte selbst nur etwa zwei Drittel der Gesamthöhe mit Flügeln, die aber immerhin so biegsam waren, sodass es keine ernsteren Probleme gab, durch eine Tür zu gehen.

      Auch in Messu war eine beeindruckende Kathedrale vorzufinden, diese jedoch unterschied sich gewaltig von allen anderen, die ich bisher auf meiner Reise gesehen hatte. Wie die meisten anderen Gebäude hier erstrahlte sie in dem gleichen ockerfarbenen Farbton, den man erhielt, wenn man hellen Sand durchnässte. Der höchste Turm flankierte die Mitte der Längsseite, über die man ebenfalls Zugang zum Inneren hatte. Alle anderen großen Kathedralen waren weiß und besaßen zwei größere Türme, die die schmalere Seite und damit den Haupteingang einklammerten. Diese Kathedrale gehörte zu den wenigen Gebäuden, deren Dach eine grünliche Farbe besaß. Ich beschloss, entlang des Kanals in Richtung Kapelle zu laufen, denn glücklicherweise war ich im Besitz der Stadtkarten.

      Das Hauptgebäude der Kapelle war ein sechseckiges Bauwerk in hellbeige, das im Vergleich zu den extravagant verzierten Kathedralen ein eher schlichtes Erscheinungsbild besaß. Ein nach oben spitz zulaufendes Dach aus roten Ziegeln bedeckte das Hexagon wie ein Spitzhut, während auf der linken Seite zwei kleinere Gebäude angeschlossen waren, nämlich ein rechteckiges, das sich zwischen dem Sechseck und einem kleinen, halbkreisartigen Teil befand. Die schwarze Tür des Haupteinganges war angelehnt. Ich drückte sie auf und entdeckte Kagayaku, die mit den Händen auf ihrem Rücken einen riesigen Trümmerhaufen betrachtete. Die zerbrochenen Felsen bedeckten eine ganze Seite des Sechsecks und machten diesen Bereich unerreichbar.
      "Ist das der Ort, an dem Yomi gefangen gehalten wurde?", fragte ich, als ich mich der Stelle langsam näherte.
      "Nein, der liegt wahrscheinlich ein Stockwerk tiefer. Scheinbar wurde er zugeschüttet, damit sich solch schreckliche Ereignisse niemals wiederholen werden. Habe ich mich bei dir übrigens entschuldigt? Normalerweise mache ich das nicht gerne, weil ich zu stolz bin", entgegnete Kagayaku, die immer noch den Rücken zu mir gewandt hatte.
      "Dafür, dass du mich eben angebrüllt hast? Ach, das ist nicht weiter schlimm", sprach ich, doch nun drehte sich die Sphinx um.
      Wie gebannt starrte sie in meine Augen, während sie damit begann, mich zu korrigieren und aufzuklären: "Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich Recht habe. Alles, was ich vorhin zu dir gesagt hatte, war richtig. Viel mehr ärgert es mich, dass ich beinahe versagt hätte, dich zu beschützen. Ha! Und du kommst mir dann damit, dass ich bloß aufpassen soll, da diese lieben, lieben Leute rein zufällig sterben könnten!"
      "Ich bin eine erwachsene Frau, ich konnte bisher immer gut auf mich selbst aufpassen!", rief ich. Sie war gerade einmal drei Jahre älter als ich, von daher empfand ich dieses Verhalten als unnötig.
      Kagayaku sah dies anders. Sie kniff die Augen zusammen, sodass ich nicht ganz erkennen konnte, ob sich dahinter Ärger oder Trauer verbarg. Vermutlich beides.
      "Ich habe bereits meine kleine Schwester Bara nicht schützen können. Nie könnte ich mir verzeihen, auf die gleiche Art und Weise erneut eine der wenigen Personen zu verlieren, die mich tatsächlich mögen."

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    • Nach über drei Wochen steht endlich mal Kapitel #14 in Aussicht, leider ging es vorher nicht. Wettbewerbsreicher März eben. Wahrscheinlich noch diese Woche. Wer schon mal in Trier war, wird an Traianis seinen Spaß haben. :hihi:

      Wuuunderbar~

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    • Kapitel XIV: Phtaiximo

      Phtaiximo [Ftäximo] = griechisch "Schuld"

      Vokabeln:
      la basilisque = Basilikia
      important = wichtig
      le rivière = Fluss

      Städte/Regionen:
      Aviaalar = Avignon
      Tian = Thionville
      Sircou = Sierck-les-Bains
      Apyal = Apach
      Laranne = Lorraine/Lothringen
      Traianis = Trier



      "Du ... du hattest eine kleine Schwester? Das tut mir leid! Ich wusste das nicht!", sagte ich zu Kagayaku. Meine Worte hörten sich schon fast so an, als wären sie tief von eigener Schuld durchzogen, doch dem war nicht so. Das Einzige, das ich mir vorwerfen konnte, war die Tatsache, dass ich ihre gelegentlichen Anfälle von Zynismus, Sarkasmus und Dummschwätzerei nicht weiter hinterfragt, sondern viel mehr als eine charakterliche Schwäche angesehen hatte.
      "Das soll auch eigentlich niemand wissen. Ich bin eine Sphinx, verstehst du? An meiner Stelle würdest du ebenfalls irgendwann lernen müssen, dass man nicht jedem trauen kann. Vor allem würdest du erkennen, dass Gerechtigkeit und Fairness nichts als heiße Luft sind. Bara ist ... nein, wahrscheinlich eher war ... vierzehn Jahre alt, also zehn Jahre jünger. Selbstverständlich ist das alles lange vor deiner Zeit passiert. Drei, vier ... oder fünf Monate", erklärte sie mir ruhig. Ich fand nicht gerade, dass fünf Monate ein langer Zeitraum waren. Was veränderte sich schon in fünf Monaten, außer dem Laub der Bäume, den Blumen und aus dem Boden sprießenden Mauern, die noch lange keine bewohnbaren Häuser waren.
      "Eine junge Sphinx unterscheidet sich maßgeblich von einer Erwachsenen. Bara hatte weder die Chance, sich mit vernünftigen Attacken zu wehren, noch konnte sie problemlos fliehen. Du musst wissen, dass ihre Flügel nicht vollständig ausgebildet waren. Innerhalb der letzten paar Jahre verdoppelt sich deren Länge und sie erhalten die typische Krümmung", fuhr Kagayaku fort, während sie sich die ganze Zeit nervös im Gesicht rieb, vermutlich aus Angst, ich könnte ihre Augen sehen. Es fiel ihr offensichtlich schwer, über diese Vorfälle zu reden, doch nun begann ich langsam zu verstehen.
      Kagayaku enthüllte weitere Umstände, die sich unmittelbar auf die Situation auswirkten: "Wir befanden uns auf einem Berg im Süden des Landes. Du kannst dir ja sicherlich denken, dass ich in den kalten Monaten unseren jetzigen Aufenthaltsort meide wie der Teufel das Weihwasser. Wobei sich das erst seit Baras Tod richtig negativ entwickelt hat. Kennst du Jäger oder Trophäensammler? Nicht alle sind ausschließlich auf das Geweih eines Damhirplex oder eines Kronjuwild aus. Diese Jäger wollten mehr haben, etwas Besonderes, womit sich sonst niemand schmücken konnte. Unglücklicherweise blieb unsere Präsenz in der Region kein Geheimnis mehr. Schon bald diskutierten die dort ansässigen Kleriker, ob ihr Gebiet von gefallenen Engeln heimgesucht wurde. Ich meine, es passt doch alles zusammen, zumindest für einen Gläubigen, der seine Autoritäten nicht hinterfragt. Schwarze Haare, ungewöhnliche Augen, dunklere Haut, übernatürliche Kräfte und zu guter Letzt die großen, hellen Engelsflügel, all das spricht aus Sicht eines solchen Naivlings Bände. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass meine Flügel beige und nicht weiß sind. Inspiriert durch die Gerüchte und angestachelt durch die Eliten kamen einige ... nein, eher zahlreiche Narren auf die Idee, uns aufzusuchen. Nichts, was mich abschrecken konnte, mit Bara den Standort zu wechseln, da diese Kreaturen keine Gegner für mich waren. Es war überhaupt nicht notwendig ..."
      "Entschuldige, wenn ich dich unterbreche, aber sitzen in Aviaalar, im Süden des Landes, nicht seit geraumer Zeit die Päpste?", fragte ich, um mich zu vergewissern. Die höchste kirchliche Autorität saß nicht mehr im Zentrum der antiken Welt. Nicht ohne Grund breitete sich auch der Lavados-Orden in diesem Lande aus, bevor er im Konflikt mit dem Papst sein Ende fand.
      "Du hast mich überhaupt nicht zu unterbrechen ... aber ja", knurrte die Sphinx, die meine Frage scheinbar als unnötig oder selbsterklärend empfand.
      "Wir wohnten in einer eher gebirgigen Region, in der man niemals Erdbeben, Erdkräfte, Intensität oder sonstige Attacken unbedacht einsetzen sollte. Schließlich siehst du es dem Gestein nicht direkt an, wie porös es ist oder ob der gesamte Berg von Stalobor, Pupitar oder Stollrak ausgehöhlt wurde. Es sind doch letztendlich nur schnöde Menschen gewesen, das wäre ja ein Jammer, wenn ich mich gegen diese nicht wehren könnte! Eines Tags kamen sie leider auf die Idee, gleich mehrere Gelatwino mitzubringen. Mir war schon vorher bewusst, dass wir gegen Eis-Pokémon nicht die besten Karten hatten, doch mit diesen Gegner kam ich überhaupt nicht zurecht, weil ich noch nie gegen sie gekämpft habe. Ich gab mein Bestes, um die bis auf die Zähne bewaffneten Menschen und ihre frostigen Lakaien zu vertreiben, doch dann machte ich einen gewaltigen Fehler. Ich versuchte, mit Luftstoß und Hyperstrahl die Eis-Pokémon schnell aus der Distanz zu erledigen, ohne den Berg größer zu beschädigen. Das ganze resultierte schlussendlich darin, dass ich die ganze Salve mit meiner doppelten Kraft völlig unerwartet zu spüren bekam - Spiegelcape. Ich stieß Bara zur Seite und wurde gegen einen Felsen geschleudert, doch ich gab nicht auf. Die Gelatwino wendeten sich weiterhin ausschließlich mir zu und meißelten meine Flügel mithilfe von Eisspeer tief in den harten Boden. Weiter, immer weiter, bis ich beinahe kraftlos am Boden lag. Wie eiskalte Nägel im Kreuz durchbohrten sie meine Flügel, doch mir gelang es nicht, mich zu befreien, zu stabil waren sie", erläuterte Kagayaku, bevor sie, das Gesicht vollständig verdeckt, tief Luft holte. Daher stammte also ihre fast schon krankhafte Angst gegenüber allem Kalten.
      "Bara ging es ähnlich, jedoch wurde sie Opfer eines Pfeilhagels. Selbst, als sie nicht getroffen wurde, verharrte sie bewegungslos auf der Stelle, anstatt zu fliehen. Ich rief es ihr immer wieder zu, aber sie schaute entsetzt zu mir hinüber, wie ein Sesokitz, das gelähmt vor Angst war. Gelähmt, gefroren, erstarrt, alles der gleiche Mist! Seit Anbeginn der Zeit sind Sphinxen Raubtiere, keine Gejagten. Bara kannte keine Flucht, woher denn auch? Ich musste mitansehen, wie meine kleine Schwester zu Boden ging, ihr Körper übersät von Pfeilen und deren Wunden. Mein eigener Zorn hatte mich zu Boden gehauen, letztendlich war es meine eigene Kraft, die mich in diese Situation gebracht hatte. Anstatt sich mir zu widmen, konzentrieren diese Dreckskerle sich ganz auf Bara. Ich besaß doch die wertvollen Flügel, wegen denen sie gekommen waren! Mir blieb nur noch eine Wahl - es ging um das Leben meines geliebten Schwesterchens - Erdkräfte und Steinkante, selbst wenn der Berg bis in seine Grundfesten erschüttert würde. Genau so kam es. Selbst wenn ... selbst wenn die Angriffe der Pfeile nicht ausreichend gewesen wäre, so hätte wohl ... mein Handeln ... letztendlich ... ihr Leben beendet. Teile des Berges zerbarsten, begruben sowohl einige Feinde, meine kleine Bara und mich selbst. Es war der letzte, blinde Versuch, sie zu schützen, obwohl ich in meiner Aufgabe schon lange zuvor gescheitert war!"
      ...
      Ich nahm Kagayaku in den Arm. Sie weinte, aber sie drehte energisch den Kopf weg. Je mehr ich versuchte, sie zu trösten, desto mehr wehrte sie sich. Dabei konnte sie gar nichts dafür. Lediglich eine unglückliche Verkettung der Umstände und die Boshaftigkeit und Gier in der Welt führten zu dieser Tragödie: "Das ist nicht deine Schuld! Du konntest nie im Leben damit rechnen!", sprach ich mit sanfter Stimme, aber scheinbar vergeblich.
      "Ich habe versagt! Natürlich bin ich Schuld an ihrem Tod! Jetzt lass mich los! Nie wieder! Nie wieder werde ich schwach sein! Nie wieder werde ich wehrlos sein, hilflos sein, ausgeliefert sein, bewegungsunfähig sein! Nie wieder wird das passieren! Ich werde stark sein, weil ich stark sein muss! Wer sich mir in den Weg stellt, wird ohne Gnade und ohne Mitleid ... ", Kagayaku redete sich dermaßen in Rage, dass ihre Stimme der Belastung nicht länger standhielt. Sie hustete kräftig, bevor sie gen Ausgang der kleinen Kapelle schritt. Auch hier war schließlich etwas unter Felsen begraben, nämlich die dunkle Vergangenheit, die Yomi widerfahren war.
      "Ich will hier raus, hier drinnen ist es kalt. Das bleibt übrigens unter uns", sagte Kagayaku, die die robuste Tür öffnete.
      Ich verstand nicht, wieso Marc davon ausgeschlossen werden sollte: "Was wäre denn schlimm daran, wenn Marc darüber Bescheid wüsste? Er ist doch unser Freund. Ansonsten ist weit und breit niemand, dem ich das erzählen könnte."
      "Es geht darum, dass ich mich so schwach benommen habe", zischte sie. Ganz teilen konnte ich diese Auffassung mit ihr nicht: "Wieso schwach? Eine solche Reaktion ist doch nur menschlich!"
      "Ach was du nicht sagst. Ist es nicht ein und das Selbe? Nein, antworte mir bloß nicht. Das macht alles nur noch schlimmer", entgegnete Kagayaku, bevor wir in ein tiefes Schweigen versanken.

      Da in Messu nichts mehr zu tun war, setzten wir unseren Weg gen Osten fort, immer dem sich stetig verbreiternden Fluss nach. Von Messu über Tian nach Sircou war es quasi ein Katzensprung, sodass die Grenze jetzt maximal ein oder zwei Stunden entfernt lag. Im Gegensatz zu Kagayaku, die wehleidig zurück auf die beige-braunen Fassaden der Häuser schaute, als wir das Tor des Tour de L'Horloge von Sircou passierten, freute ich mich auf das neue Abenteuer. Auf dem Dach des vielleicht maximal fünf Menschen hohen Uhrenturms wehte die gelb-rote Flagge der Region Laranne als letzte Bastion eines Kulturraumes, in dem wir uns verständigen konnten. Dass unmittelbar vor dem Grenzübergang das Dörfchen Apyal seinen Friedhof angelegt hatte, hätte bei einem dunklen Wolkenhimmel, der sogleich seine Fluten entleeren wollte, vielleicht symbolische Wirkung entfacht, doch uns lachte auch jenseits des Ortes die Sonne entgegen. Falls wir auf die Schnelle etwas zu essen besorgen wollten, reichte im Normalfall ein simpler Fingerzeig, wodurch Wörter der uns fremden Sprache nicht notwendig gewesen waren. Kagayaku konnte in Grenznähe die westliche Währung in die Östliche umtauschen, denn ansonsten wäre es tiefer im Landesinneren wohl schlecht um uns bestellt gewesen.

      "Was soll dieses Gebäude dort hinten denn darstellen? Etwas dieser Art habe ich bisher noch nie gesehen", sagte ich beim Anblick eines stark verblassten, rötlich-gelben Bauwerkes. Kleinere Mauern wechselten sich mit größeren, die zweistöckigen, mit Fensterlöchern versehenen Halbkreisen ähnelten, ab.
      "Das, meine liebe Sheila, war früher ein Bäderhaus. Also vor eintausend Jahren vielleicht. Oder noch mehr. Allerdings wurde es nie beendet. Gleichzeitig befinden wir uns genau jetzt in einer der wichtigsten Städte, die das antike Imperium je hervorgebracht hat: Traianis", stellte Marc klar. Er bemühte sich, mit uns mitzuhalten, doch vollständig verheilt waren seine Wunden nicht. Nichtsdestotrotz ließ er sich nicht den Spaß nehmen, uns "Faulpelze" voranzutreiben. Gerade die letzten Stunden vor der Grenze waren aufgrund der immensen Steigung ziemlich anstrengend, obwohl ich das Umherreisen doch schon lange gewohnt war.
      "Wenn ihr mit dem Erzbischof sprechen wollt, ist die fuchsrote Basilique dort hinten für Belang von euch. Aber da sowieso niemand von uns Latein beherrscht, ist das nicht weiter important", fuhr er weiter fort. Dieses sakrale Gebäude ähnelte durchaus etwas einer Burg, die mit einer großen Turmspitze und vier kleineren an jeder Ecke versehen war. Doch sowohl die Farbwahl als auch die Form bestätigten uns ganz klar, dass ab hier andere Gesetze galten. Selbst mit einer Höhe von knapp zwanzig Männern wurde diese Kirche von einer weiteren, mindestens dreimal größeren in den Schatten gestellt. Das Braun des größeren Bauwerks, verwelktem Laub ähnelnd, mutete zwar weniger anmutig an als seine in den Farben eines Vulpix strahlende Nachbarin, allerdings war es mit zwei frontalen Seitentürmen, die wiederum von kleineren Rundtürmen flankiert waren und dem mit einem Halbkreis abgerundeten Mittelbau deutlich komplexer erbaut. Der Unterschied zu den vorherigen Kirchen war jedoch ihr momentaner Zustand - diese hier sahen schon aus, als ob sie seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten vollendet waren.
      "Nachdem du dir den Dom jetzt lange genug angesehen hast, können wir jetzt endlich zur Hauptattraktion der Stadt ausbrechen: dem Aschetor! Oder Porta Fraxina, wenn du es kompliziert haben möchtest. Genau wie die anderen großen Gebäude dieser Stadt stammt es aus der Zeit des antiken Westimperiums, daher hat es etwas an Farbe bereits eingebüßt", erklärte mit Kagayaku, die mich vorwärts drängte. Tatsächlich erblickte ich einen gigantischen Torkomplex hinter dem städtischen Marktplatz. Ich stellte mir viele Fragen. Nahmen die Menschen beim Bau solcher großartiger Gebäude schon damals die Hilfe der Pokémon in Anspruch? Erstrahlte das Aschetor zum Zeitpunkt seiner Konstruktion im gleichen Nachtschwarz wie Kagayakus Haare? Vermutlich traf beides zu.
      "Hier stehen wir. Weiter bin ich bis jetzt noch nie gereist. Ab hier betreten wir komplettes Neuland. Nach Yomis Information müssen wir dem Rivière solange folgen, bis er in einen größeren mündet. Sollte doch kein Problem sein, oder?", sprach Marc optimistisch.
      Grundsätzlich hatte er recht, wir hatten bereits einen großen Teil der Strecke absolviert. Nicht mehr lange und wir würden vielleicht Latios Auge in Auge gegenüberstehen. Doch als ich bedachte, was in diesem Wald passierte, fühlte ich mich mulmig. Was war, wenn uns so etwas noch einmal passieren würde?

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    • Ein kleiner Reiseführer

      #04 Kayan: Église St. Pierre de Caen
      [IMG:http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/10/FranceNormandieCaenEgliseStPierre.jpg/280px-FranceNormandieCaenEgliseStPierre.jpg]
      - erbaut zwischen 1308 und 1518

      #05 Ruucon: Notre-Dame de Rouen
      [IMG:http://www.umdiewelt.de/photos/4760/4618/4/351643.jpg]
      - im 11. Jahrhundert erbaut

      #06 Ruucon: Mittelalterliche Häuser in Rouen
      [IMG:http://94.23.8.188/~datavip/medias/0509/Soledad-vip-blog-com-39347209-weekend-magazine-251296.jpg]
      - im 15. Jahrhundert erbaut

      #08 Lumyaon: Notre Dame de Paris
      [IMG:http://www.paris.citysam.de/fotos-paris-i/ile-de-la-cite-1/notre-dame-36.jpg]
      - erbaut zwischen 1163 und 1345

      #11 Raimis: Notre-Dame de Reims; Basilique St. Remi de Reims
      [IMG:http://en.infotourisme.net/uploads/annonces/reims/4906/85854534.jpg]
      - erbaut zwischen 1211 und 1275
      [IMG:http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c3/West_Fa%C3%A7ade_of_Basilique_Saint-R%C3%A9mi,_Reims_140306_1.jpg/300px-West_Fa%C3%A7ade_of_Basilique_Saint-R%C3%A9mi,_Reims_140306_1.jpg]
      - erbaut zwischen 11. und 13. Jahrhundert

      #13 Messu: Chapelle de Templiers Metz (Templerkapelle Metz)
      [IMG:http://www.routard.com/images_contenu/communaute/Photos/publi/040/pt39393.jpg]
      - erbaut zwischen 1180 und 1220

      #14 Sircou: Tour de l'Horloge Sierck
      [IMG:http://mw2.google.com/mw-panoramio/photos/medium/77056569.jpg]
      - 1294 erbaut
      - Blick aus Richtung Thionville/Metz in Richtung Trier/Luxembourg

      #14 Traianis: Kaiserthermen Trier; Trierer Dom; Konstantinbasilika; Porta Nigra
      [IMG:http://stadt.cityreview.de/images/fotos/d2/d2343d.jpg]
      - im 4. Jahrhundert erbaut
      [IMG:http://www.welterbe-trier.de/typo3temp/pics/5289a046ef.jpg]
      - im 4. Jahrhundert erbaut
      [IMG:http://www.deutschland-deluxe.de/images/archiv/Trier_Konstantin_Basilika1.jpg]
      - im 4. Jahrhundert erbaut
      [IMG:http://www.vdpn.de/newsite/Porta1.jpg]
      - 180 n. Chr. erbaut

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    • Ich habe mal wieder viel zu lange nicht kommentiert :oldno: Aber das folgt jetzt, schließlich schreibst du sonst wohl nicht weiter, dein letztes Kapitel ist so lange her (für deine Verhältnisse).

      [hr]#336699[/hr][INDENT]_Kapitel X: Anachorisi______
      [/INDENT]Ich kann mich nicht mit den ersten beiden Sätzen anfreunden, beide sind einander zwar so nah, doch eigentlich ist dazwischen sicherlich viel passiert. Streckt sich nicht so gut wie jeder nach dem Schlafen? Für mich ist sie genau die Person, die sich streckt und dann erst aufsteht. Ist sie nicht? Wirst du mich wohl eines Besseren belehren müssen. :(
      Oder die Decke umschlagen und aufstehen. Keine Ahnung. Geht mir zu schnell, zu hastig, gerade bei der Langsamkeit des Aufstehens sollte man nicht zu sparsam sein; natürlich nicht zu ausfüllend.

      Jedoch in Kombination mit einem parataktischen Satzbau ist nicht schön, das wirkt abgehackt und ist an vielen Stellen nicht so schön. Ich denke, da wäre ein normaler Hauptsatz ausreichend gewesen.[INDENT]Ich schätze, das war das Sinnvollste, was wir machen konnten. [/INDENT]Schätzt sie das im Nachhinein, also während sie die Geschichte erzählt? Oder hat sie es in diesem Moment geschätzt? Wenn ich auch auf das Erste hoffe, ist es beim Zweiten ein Tempusfehler - das gab es des Längeren nicht mehr bei dir![INDENT]Sie hat bis vor wenigen Minuten tief und fest geschlafen[/INDENT]:O.O: Noch einer! D:[INDENT]als ob sei sie mit Smaragdstaub überpudert.[/INDENT]Ein Fehler und eine Frage: ist es also nur grünlich glänzend und nicht so strahlend wie ein echter Smaragd? Irgendwie hatte ich von Yomi mehr erwartet als einfach grünen Lack auf die Fassaden zu schmieren. :(
      Ich war ja vor kurzem in einer der größten Edelsteinsammlungen der Welt (im Museum of Natural History!) und da gab es einmal Smaragde, die noch nicht geschliffen waren, und jene, die schon vollkommen bearbeitet worden waren, und ich hab Bilder gesehen, wie Smaragdstaub aussieht - für eine Fassade favorisiere ich ja die ungeschliffenen, die noch etwas matter sind, aber dennoch strahlen. Das wäre auch für so eine Häuserwand cool gewesen. Aber das ist Geschmacksfrage.

      Typischer Vergleich einer Sache mit einer Metamorphose, aber endlich jemand, der Imago einschließt. :xheul: Biologische Begriffe gekonnt einbringen :bew1:[INDENT]Ich habe hier bis dato keinen einzigen Bewohner beklaut, was sollte dieser Vorwurf?[/INDENT]Tempus-Fehler #3 :([INDENT]Ich möche überprüfen, ob Latios wirklich an dem Ort lebt, wie ich es vermute.[/INDENT]Ich möchte überprüfen(...), wo ich es vermute
      Müsste es hier sein, denke ich. Die Art und Weise eines Lebens an einem Ort ist irgendwie unpassend. Oder was meintest du damit? Ich erwarte Erklärungen![INDENT] Ich war enorm überrascht, denn so einem zarten, liebevollen Wesen wie ihr hätte ich sowas gar nicht zugetraut.[/INDENT]Konjunktiv II wirkt hier eher so wie etwas Präsentes. Hier würde genauso gut Plusquamperfekt passen, hätte die gleiche Bedeutung und ist dennoch vom Eindruck her richtiger.[INDENT]Latios, mach dich gefasst - jetzt kommt Sheila! [/INDENT]Sollte seine eigene Zeile bekommen, weil es ein Fazit des Kapitels ist. Und ich mag den Satz. I like Sheila!

      Das klingt irgendwie negativer als erhofft, weil ich beim lesen nur Fehler und Fragen rausgesucht habe xD Also jetzt der Gesamteindruck des Kapitels:

      Während ich an einigen Stellen nicht ganz so sicher bin, ob es nicht ein wenig zu schnell geht, besonders am Anfang, sind die meisten Stellen des Kapitels wie immer sehr gelungen, du beschreibst gut, du stellst die Dialoge in ein gutes Licht und machst sie realistisch. Ich finde es krass, dass Kagayaku so auf Yomi hört, selbst wenn sie murrt, aber irgendwie ist es nach der Geschichte bisher auch verständlich. Denke ich.
      Es ist eines jener Übergangskapitel, also ist klar, dass es nicht so unglaublich aktionsgeladen ist wie viele andere Kapitel hier, aber das ist ja klar. Dennoch glaube ich nicht, dass die Geschichte so leicht sein wird, wie Yomi es darstellt (und sie nennt schon die Banditen) - also was erwartet uns noch auf der Reise der drei tapferen Krieger?

      [hr]#336699[/hr][INDENT]_Kapitel XI: Berdemi______
      [/INDENT]

      [INDENT]da sie sogar tatsächlich noch in einem ausgesprochen guten Zustand waren[/INDENT]

      Nimm hier lieber ein Possessivpronomen, also ihre, da das sie irgendwie unschön klingt. Oh, und Singular!
      Was ist das für ein Leder? :achja:

      [INDENT]Das ist eigentlich schade, denn das Aroma unserer Blüten vermag es, aufgewühlte Seelen zu beruhigen und abgestorbene Vegetation wiederzubeleben.[/INDENT]

      Genau deswegen ist das schade für das Meganie? Es ist so altruistisch, dass es nur an die Anderen denkt und nicht daran, dass es eine/n Gefährtin/Gefährten finden könnte? Und es sagt wirklich seinen Pokédex-Text auf, um andere zu informieren, wer es ist? xD Das ist...speziell.

      Das Kapitel war irgendwie sehr viel kürzer als das davor - oder ich habe einfach weniger Pausen gemacht. Was gut ist. Das Kapitel war gut. Und zum Ende hin natürlich die Möglichkeit für dich, mehr einzubauen. Der Mann wird noch interessant sein, nicht wahr?
      Eines hat mich jedoch gestört: ich wollte wissen, wie die Abtei aussieht, nicht nur, dass die Türme eckig sind. ):

      [hr]#336699[/hr][INDENT]_Kapitel XII: Pagokristallos______
      [/INDENT]

      Irgendwie finde ich es eigenartig, dass Pokémon geschlachtet werden. Natürlich basieren sie auf Tieren und die Tiere werden bei uns auch geschlachtet, aber dadurch, dass Menschen mit Pokémon trainieren und das auf eine Weise, die nicht den Tieren entspricht, erschien mir das immer unlogisch. Natürlich dachte ich nicht, dass alle Menschen dort Vegetarier sind, aber ich wollte mir auch nie Gedanken darüber machen. :(
      Armer Marc! :(

      [INDENT] Ich hasste dieses unsinnige Vorurteil abgrundtief, doch im Kampf kam es gar nicht so gelegen, da Mann generell dazu neigte, die Damenschaft zu unterschätzen.[/INDENT]

      Kam es ihr dann nicht eigentlich gar nicht so ungelegen?

      [INDENT](...) während der frostige Eisstrahl mich endgültig in einen Eisblock einschloss und mich innerlich wie äußerlich erstarren ließ.[/INDENT]

      Bester Halbsatz :bew1:

      Wieder ein spannendes Kapitel, dessen Spannung aber ruhig früher hätte anfangen können. Denn auch wenn es nicht langweilig war, fand ich den Kontrast der langweiligen Route und des spannenden Kampfes irgendwie nicht stark genug, um es als besonders cool zu empfinden. Dafür aber war der spannende Kampf dennoch spannend!

      [hr]#336699[/hr][INDENT]_Kapitel XIII: Prostasia______
      [/INDENT]
      Ich lobe den ersten Abschnitt. Die Sicht auf die Frau, die Kagayaku ähnlich ist, die Frage nach der Art des roten Regens. Wundervoll!
      Aber ich dachte, Bâton wäre eine Kleinstadt und kein Dorf :(

      Kagayaku mag Sheila ja doch! :O

      Und nun wissen wir auch, dass das Mädchen, das Kagayaku meinte, ihre kleine Schwester ist. Womöglich auch die junge Frau aus Sheilas Traum?
      Wann werden wir es herausfinden? D:

      [hr]#336699[/hr][INDENT]_Kapitel XIV: Phtaiximo______
      [/INDENT]

      [INDENT]Nicht ohne Grund breitete sich auch der Lavados-Orden in diesem Lande aus, bevor er im Konflikt mit dem Papst sein Ende fand.[/INDENT]

      Du drückst Vorzeitigkeit aus, nutzt aber kein Plusquamperfekt. Erneut rüge ich deinen Korrekturleser und dich. :( Der Lavados-Orden hatte sich in diesem Gebiet ausgebreitet, bevor er im Konflikt sein Ende fand.

      Schönes Kapitel, guter Übergang - ich erwarte jetzt umso mehr von dir!
    • Hallo Dusk, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, hier ein Kommentar zu schreiben. Das freut mich wirklich sehr. :)

      Zugegebenermaßen, DREI (!) Monate ohne Kommentar haben mir ziemlich die Lust am Schreiben genommen, daher sind bei Yamihonou in der selben zeit auch gleich drei Kapitel erschienen. Der zweite Grund war einfach die Ideen, da ist mir bei der 2. Geschichte mehr eingefallen. Seit einer Woche weiß ich auch, wie es hier weitergehen wird (ungefähr), aber da haben eben aus terminlichen Gründen der Wettbewerb 09, der Schlechteste-Sachen-Wettbewerb, Feuer über Filb und eben eine kommentierte Geschichte wie Yamihonou stets Vorrang. :( Und die Uni eben, das kommt noch erschwerend hinzu.

      X
      Da habe ich scheinbar nicht so viel Bedeutung dem Aufstehen beigemessen wie du. Ich konnte es eigentlich kaum erwarten, zur Handlung zu kommen. xD

      Zwei Tempusfehler, richtig. Irgendwann passiert so etwas immer wieder. ^^"

      Die Fassade ist in einer smaragdgrünen Farbe angemalt. Hast du schon einmal ein Haus gesehen, dessen Fassade leuchtet wie ein Edelstein? Das erschien mir da noch ein bisschen zu weit. Yomi kann zwar viele Sachen, aber nicht zaubern. xD Dieses Café wird auch später relevant sein. Smaragde sind ziemlich selten und teuer, gerade in der Vergangenheit. Vielleicht wird das Café ja in der Zukunft noch weiter geschmückt. :)

      Sie wollte überprüfen, ob Latios tatsächlich an genau diesem Ort zu finden ist, wie sie es gehört hatte. Ich sehe darin keinen Fehler. :oldno: Ob es stimmt, dass Latios dort existiert oder sich aufhält.

      Yomi ist eine der wenigen Personen, die Kagayaku überhaupt respektiert/mag. Ferner kann ich aber nicht weiter darauf eingehen, da ich sonst spoilern würde. :)


      XI
      Ich bin extra nicht näher darauf eingegangen, welche Art von Leder das war, aber irgendwie war klar dass du das fragst. xD
      Aber jetzt mal ehrlich - wie sollen die Kleidung herstellen, ohne Leder von Tauros/Miltank/was auch immer oder die Baumwolle von Elfun? Die können ja nicht alle nackt sein und nur in eisernen Kettenhemden herumlaufen. Deswegen überlasse ich es hierbei dem Leser und seiner Phantasie, sich das zu erklären. :)

      Das Meganie findet es schade, dass es so wenige gibt, da Meganie an sich nützliche Pokemon sind, die aufgrund ihrer Fähigkeiten alle profitieren. Für ihr Aroma müssen die Meganie keinen Aufwand betreiben.

      Wenn du wissen willst, wie die Abtei aussieht, schau in die Bildersammlung, die ich hereingestellt habe. Aber richtig, ich habe sie wohl etwas zu knapp beschrieben. Normalerweise liegen meine Kapitel alle bei ca. 2000 Wörtern, manche aber auch bei 2200, wenn es nicht anders geht. Der Mann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch wichtig sein.


      XII
      Früher war das Band zwischen Pokemon und Trainern nicht überall so groß. Erinnerst du dich an die Miltank-Farm und die Chevrumm-Farm? In erster Linie dienen diese der Milchproduktion. :) Die Leute haben sicher nicht genug Zeit, um ALLE Pokemon zu trainieren und mit ihnen zu kämpfen.

      gelegen - ungelegen -> Oh je, du hast Recht. xD Da habe ich mich irgendwie verhaspelt.


      XIII
      Bâton liegt irgendwo zwischen Kleinstadt und Dorf. Jedenfalls wesentlich kleiner als alle zuvor bereisten Städte. Was meinst du, wie viele Einwohner das echte Verdun (heute nur 18.000) gehabt haben könnte? Metz (120.000), Caen (90.000), Reims (180.000) und natürlich Paris sind ganz andere Welten. Da ist eindrucksvoll genug, Bâton als "viel kleiner" zu kennzeichnen, finde ich. :)
      Der Traum war elementar wichtig, genauso die darin erhaltenen Details. :)

      XIV
      Oh, stimmt. PQ-Perfekt. Aber mein Korrekturleser hat schon so viel Wahnsinniges aufgedeckt, der darf dann auch ruhig mal etwas übersehen, das ich selbst nicht hinbekommen habe. :D
      Kapitel 15 und 16 werden wahrscheinlich ziemlich wichtig werden, also freu dich darauf. Denn irgendwann muss der Plot ja starten. :sonne:

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Uiuiui, ist denn das die Möglichkeit? Ein neues Kapitel in Aussicht? Mit Plot? Richtig...relevantem...Plot? Oh ja, ungelogen! In den nächsten Minuten verschicke ich #15 an meinen Beta-Leser, diesmal sage ich aber nicht, wann es tatsächlich kommt. Das ging bisher nämlich immer schief. :lol:
      #16 sollte relativ zeitnah hintendran kommen, da die beiden eigentlich zusammengehörig sind. Hohoho, Vorfreude wie auf den Nikolaus! #i-botogel#

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    • Kapitel XV: Perikyklosi

      Perikyklosi = griechisch "Umzingelung"

      Vokabeln:
      Attention à la derrière! = Pass auf hinten auf!/Achtung, da hinten!
      Tout d'accord? = Alles okay?

      Orte:
      Rinyu = der Rhein
      Conflan = Koblenz
      Drachenkliff = Rittersturz gegenüber von Koblenz-Oberwerth



      "Glaub mir, wenn ich noch einen einzigen Hügel gesehen hätte, dann ... ach, egal. Es lohnt sich sowieso nicht mehr, sich darüber aufzuregen", schnaubte Kagayaku, als sie sich seufzend ins Gras legte. Wir waren die ganze Zeit dem Fluss gefolgt, hatten eine Gegend voller Hügel passiert, von denen einige sogar eher Klippen ähnelten. Die Hänge strotzten nur so von Weinbergen, die langsam von den grünen Ranken umschlungen wurden. Einige Abkürzungen erforderten es, mit der Route zu brechen und in die höheren Lagen auszuweichen, in denen es merklich kühler war. Ja, es kam mir nicht leicht über die Lippen, aber Kagayaku hatte mir wirklich kein Ursaring aufgebunden. Gerade nachts ließ die Temperatur sehr zu wünschen übrig. Es regnete sogar, was die Sache nicht unbedingt einfacher machte. Schlussendlich ließ Marc uns bergauf beide laufen, da er sich noch nicht ganz fit fühlte. Obwohl es anstrengend war, hatte die Reise doch Spaß gemacht. Ich würde sie im Winter nicht noch einmal machen wollen, denn es erschienen zwar keine wilden Schneppke oder Arktip, sondern übliche Pokémon wie Dartiri, Kramurx, Sesokitz, Haspiror, Samurzel oder Yanma, doch ich wusste, was die kalten Monate in meinem alten Zuhause anrichten konnte. Hungersnot gab es überall, doch hier sicher am meisten. Die Dörfer, die wir durchquerten, ließen wir in allerkürzester Zeit hinter uns. Glücklicherweise akzeptierten die Nahrungshändler jegliches Gold und begriffen sofort, was wir erwerben wollten.
      Ich atmete tief durch. Hatte ich schon erwähnt, dass diese Reise anstrengend war? Ich empfand sie um einiges anstrengender als den Weg nach Lumyaon. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass wir in Bâton Opfer dieses Überfalls geworden waren, nicht nur an dem relativ schwer zu durchquerenden Gelände, welches wir in den letzten paar Tagen seit der Ankunft in Traianis bereist hatten. Ehrfürchtig schaute ich hoch gen Himmel. Der Ahornhain, in dem wir uns befanden, war von zwei der schönsten Flecken Erde eingekesselt, die ich bis dato gesehen hatte, was Landschaften betraf. Zum einen lag östlich von uns der große Drachenfluss Rinyu, der der Legende nach große Mengen Gold an seinem Grund verborgen hielt. Er war mächtiger und eindrucksvoller als jeder andere Strom, den ich bislang gesehen hatte. Doch er war nicht unser Ziel, denn dieses lautete Drachenkliff. Gen Westen ragte das gewaltige Felsplateau empor, dass es als Letztes zu besteigen galt. Von dort oben musste man eine hervorragende Aussicht haben, zudem war der Ort dicht bewaldet, alles andere als karg und langweilig!
      Plötzlich erhob sich hinter mir ein Schatten ... ein riesiger Schatten, links und rechts, nur um in Sekundenschnelle wieder zu verschwinden und dann erneut wiederzukehren. Als ich mich umdrehte, sah ich, wie Kagayaku etwas hektisch mit ihren Flügeln schlug und sich sogar einige Momente in der Luft halten konnte. Die Zeit, die sie zur Heilung beansprucht hatten, war vergangen!
      "So ein Jammer, dass ich den Wald nicht hochfliegen kann. Die Bäume stehen zu dicht beieinander. Ich könnte natürlich auch über den Baumkronen fliegen, aber wer passt denn dann auf dich auf? Außer Marc", sagte die Sphinx, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte und bereits begann, in Richtung des Hochplateaus zu laufen. Die hiesigen Drachenpokémon staunten nicht schlecht, als sie solch einen exklusiven Besuch bekamen. Einige wirkten fast schon hibbelig und nervös, doch wenn man bedachte, dass das Drachenkliff eine gute Stunde Fußmarsch von der Stadt Conflan entfernt lag, war ihre Reaktion gar nicht mal so außergewöhnlich. Einige Pokémon erkannte ich, unter anderem Milza, Wablu oder Kindwurm. In der Nähe einer kleinen Einkerbung lag eine Gruppe von vierbeinigen, blauen Drachen mit gestreckten Hälsen, die unter ihrer schwarzen Haarpracht fast nichts mehr sahen. Überhaupt wirkten Drachen mit Fell auf mich befremdlich, denn das war nicht das, was man sich unter einem typischen Drachen vorstellte. Weiter oben starrte uns eine dunkelweiße Kugel mit galliggelben Augen durchdringend an. Lediglich die vier schwarzen Füßchen mit ihren weinroten Waden verrieten, dass es sich hierbei um ein Tier handelte, das sich tatsächlich fortbewegen konnte. Da hier also auch Draschel hausten, fragte ich mich, ob wir auch einem Brutalanda begegnen würden. Seine edle blaue und rote Färbung ließ es mir vor meinen Augen als den Königsdrachen erscheinen. Stark, eindrucksvoll, mächtig und schön. Ich war froh, das nicht laut ausgesprochen zu haben, sonst hätte mir Kagayaku mit aller Macht bewiesen, dass sie all diese Merkmale bereits verkörperte.

      "Lasst mich los? Was fällt euch überhaupt ein? Ihr ... boah, lasst eure blöden Griffel von mir! Daniel, Donnerwelle!", tönte ein hysterisches Kreischen durch den lichter gewordenen Wald der oberen Ebene. Tatsächlich, nicht unweit von uns, an einem Übergang zwischen Bäumen und einer Wiese standen fünf in ein dunkleres Grün gekleidete Kerle, die Kleidung des Mittleren glänzte im Gegensatz zu der der Anderen. Es waren Leute aus den Ostreichen, drei von ihnen eher schmächtig von Statur. Doch die Stimme stammte nicht von ihnen. Es war die kleine Nervensäge Marie, die vom scheinbaren Anführer an einen Baum gedrückt wurde. Zwei Frizelbliz kümmerten sich um etwas kleineres, knurrend und grollend konnte man die beiden hellgrünen Donnerhunde beim Festhalten ihrer "Beute" beobachten. Die blonde Göre starrte den Kommandeur verärgert mit ihren eisblauen Augen an, doch dieser hielt sie an ihrer Kehle gepackt und presste sie weiterhin gegen den Stamm, sodass ihr langsam die Luft ausging! Er würde sie noch erdrosseln!
      "Meint ihr, ihr schafft das nach der letzten Aktion mit mehreren Gegnern? Dann lasst uns keine Zeit verlieren!", flüsterte Marc, der als Erster das Schweigen durchbrach. Fast zeitgleich allerdings feuerte Kagayaku den ersten Angriff ab: sie erhob sich etwa in zwei Ellen Höhe und schlug geschwind mit den Flügeln und feuerte einen gewaltigen Strahl von komprimierter Luft ab, der mitten in die Menge traf. Die vier Krieger wurden über den ganzen, kreisförmigen Platz geschleudert, bis sie selbst Bekanntschaft mit den robusten Eichenstämmen machten, auf die schmerzhafte Art und Weise, das sei angemerkt. Einer rutschte sogar beinahe die Klippe hinunter, nur mühevoll konnte er sich vor dem wohl sicheren Tod bewahren. Die beiden Frizelbliz jaulten aufgeschreckt, sprangen zur Seite und offenbarten somit den Blick auf Daniel, Maries Dedenne, der unter einigen Bisswunden litt. Doch die kleine Haselmaus war nicht die Einzige, die ihr Bewusstsein verloren hatte. Marie, das Gesicht blau angelaufen vor Atemmangel, sank regungslos zu Boden, als der widerwärtige Kerl die Finger von ihrem Hals genommen hatte. Ich konnte diese verzogene Göre partout nicht ausstehen.
      "Doch warum in aller Welt will dieser Typ sie außer Gefecht setzen?", fragte ich in die nicht mehr existente Runde, da auch Marc begann, den Frizelbliz mit Dampfwalze einzuheizen. Verärgert blaffte uns der Anführer der grünen Bande irgendwelche östlichen Worte entgegen, die Kagayaku schulterzuckend zur Kenntnis nahm. Mittlerweile waren seine vier Kumpanen wieder auf den Beinen, nun bewaffnet bis an die Zähne mit Dolchen und einer Art Messern. Einer von ihnen hielt kleine schwarze Kreuze in der Hand, die komplett symmetrisch und aus Metall waren. Als zwei von ihnen sich nahe genug an mich heranwagten, verpasste ich ihnen den Schock ihres Lebens, ein mächtiger Blitzschlag fuhr durch ihre Glieder, kraftvoller als der ihrer beiden Donnerhunde je hätte sein können.
      "Was habt ihr eigentlich vor? Was sucht ihr hier?", rief ich den Männern zu, obwohl die Antwort bereits auf der Hand lag. Selbstverständlich waren sowohl Marie als auch diese Menschen nur gekommen, um Latios höchstpersönlich zu finden. Kagayaku ließ sich derweil auf einem Baum nieder, um die Situation von oben im Griff zu behalten. Eine kurze Weile schwiegen unsere Gegner, doch schon bald darauf wurde die Stille durch ein leises, aber stetig näher rückendes Rascheln unterbrochen.
      Vermutlich hörte ich die Geräusche als Erste, bevor mich der Kommandant hämisch grinsend bestätigte: "Erst einmal suchen wir Verstärkung, die meines Erachtens gleich hier eintreffen wird!" Ich tat mich etwas schwer, seine merkwürdige Aussprache, die mit dem reinen Lumyaon-Dialekt so viel zu tun hatte wie ein Raupy mit Stärke, zu verstehen. Auch Marc schien anfangs zu rätseln, was er da soeben vernommen hatte. Plötzlich feuerte Kagayaku einen weiteren Luftstoß ab und ließ wie schon bei unserem Kampf bei Bâton spitze Steine aus dem Erdboden brechen, die eine ganze Schar von heimlichen Verfolgern entblößte! Diese waren nicht grün gekleidet wie die anderen Männer, ihre braune und beige Ledermontur mit den seltsamen Helmen, an denen Coiffwaff-Ohren ähnelnde Lappen befestigt waren, wirkte weniger spektakulär als das kräftige Grün ihrer Verbündeten. Sie waren scheinbar lediglich das Fußvolk, dass zur Absicherung unterhalb des Kliffs warten sollte. Äste stürzten auf einige der Soldaten ab und begruben sie, sogar junge Bäume wurden von der gewaltvollen Attacke fatal getroffen und zerbarsten vollends.
      "Diese Narren hatten sicher unten gewartet, aber nicht reagiert, damit sie uns oben einkesseln konnten! Da muss aber jemand ganz schön heiß auf etwas sein! Erfolgreich waren sie aber wohl nicht", rief Kagayaku, die mittlerweile wieder gen Erdboden gesegelt war. Mit schmerzverzerrten Gesichtern versuchten die zehn, fünfzehn Infanteristen wieder auf die Beine zu kommen, sofern sie nicht gebrochen waren.
      "Attention à la derrière! Habt eure Augen überall, die umzingeln uns von beiden Seiten!", schrie ein aufgebrachter Marc, der in letzter Not einem der Wurfgeschosse ausgewichen war. Tatsächlich, ich drehte meinen Kopf nach hinten und sah diese sternförmigen Messer auf mich zufliegen! Beherzt sprang ich zur Seite, feuerte blind einen Donnerblitz in die Richtung unserer Feinde und blickte zu der größeren Gruppe, die gerade im Begriff waren, Pfeile abzufeuern. Kagayaku hatte sich vorgenommen, die aufdringlichen Leute anders kleinzukriegen. Mit ihren großen Flügeln, die unglücklicherweise eine große Angriffsoberfläche für die Pfeile boten, wirbelte sie sämtlichen Sand und leichtes Geröll auf und schickte sie in Form einer zwei bis drei Menschenlängen hohen Windhose auf die Soldaten. Auch sie schienen alle ausnahmslos aus den östlichen Reichen zu stammen. Gerade ihre eindrucksvollen Fertigkeiten mit dem Bogen waren auch im Westen in aller Munde gewesen.
      Der Wirbelsturm erwischte einige, deren Stimmen in einem kläglichen Gegurgel verendeten, doch einige waren der Attacke rechtzeitig ausgewichen und konnten sich somit komplett kreisförmig um uns positionieren. Die Bögen gespannt, die Messer und Dolche wurfbereit. Wir konnten uns unmöglich um alle gleichzeitig kümmern, außerdem war der Radius für meinen Donnerblitz zu groß, als dass ich alle hätte treffen können! Wenigstens den Anführer, ja, wenigstens ihn wollte ich noch einmal mit voller Wucht treffen! Ich spürte, wie alle meine Haare zu spitzen Nadeln erstarrten, so scharf, dass sie Fleisch und sogar Metall durchbohren würden, auch wenn Letzteres vielleicht etwas zu utopisch schien. Plötzlich gab Kagayaku Marc ein Zeichen, der mich aus dem Nichts wie ein Verrückter umstieß, auf mir landete und zu Boden drückte!
      "MARC! WAS SOLL DAS?"
      Die elektrische Energie, die in meinen Haaren gespeichert war, entlud sich in jenem Moment völlig, so groß war der Schreck, der mir durch die Glieder fuhr - doch wie schmerzhaft waren die Blitze, die durch Marcs Körper fuhren? Plötzlich bebte die Erde, als sei Groudon höchstpersönlich erwacht. Es rüttelte so fürchterlich, dass ich dachte, das Hochplateau würde bald entzwei brechen! Was ich hörte, war in erster Linie das Beben selbst, das Knacksen der Erde und des Gesteins, als würde jeden Moment die Hölle aus der Unterwelt hervorbrechen!
      Das Jaulen verklang. Ja, mein eigenes Jaulen erlosch, als der Schrecken vorüber war. Auf einmal spürte ich im wahrsten Sinne des Wortes eine immense Erleichterung, als Marc aufhörte, mich mit seiner Körpermasse zu Boden zudrücken.
      "Tout d'accord? Schau sie dir an, die liegen dort wie Ledyba nach einer Frostnacht. Mon Dieu, deine Elektro-Angriffe sind ziemlich stark, denn normalerweise macht mir das gar nichts. Deine Blitze allerdings habe ich etwas mehr gespürt als ein bloßes Kitzeln", brummte Marc, der sich gehörig schüttelte. Auch ich hob jetzt langsam meinen Kopf und sah mich um. In der Mitte stand, mit Armen verschränkt und stolz ihr Werk begutachtend, Kagayaku. Rund um uns herum allerdings begannen sich die Körper wieder zu regen, und das nach einem solch kräftigen Beben! Sie murmelten irgendetwas in ihrer Sprache, was Kagayaku abschätzig kommentierte:
      "Soso, wenn ihr nicht von eurem Meister bestraft werden wollt, dann kann ich das ruhig übernehmen. Ich habe nichts dagegen." Wir alle starrten auf den Anführer, der ebenfalls nicht klein bei gab. Plötzlich erhoben sich erneut die Waffen, doch leider hatten wir die Rechnung ohne die hinteren Feindesreihen gemacht. Plötzlich weiteten sich Kagayakus Augen schmerzverzerrt, und sie stieß einen Laut zwischen Jaulen, Knurren, Fauchen, Schreien und Seufzen aus, ein kurzes "Gyaa" würde den Ton wohl am besten beschreiben. Mit gefletschten Zähne sah sie herunter zu ihrem rechten Bein, in dessen Hinterseite eines dieser Wurfmesser steckte. Die verbliebenen Soldaten, noch knapp zehn kampffähige Männer, waren bereits in Angriffsstellung, sehnsüchtig auf den Moment wartend, um der Sphinx ihren brutalen Angriff heimzuzahlen.
      Völlig unvorhergesehen begannen einige Soldaten aus der hinteren Reihe, lichterloh zu brennen, genau wie die von Kagayaku erschaffenen Baumleichen! Sie fielen zu Boden, versuchten sich im von dem Wirbelsturm verteilten Sand zu wälzen und zu löschen, doch immer wieder schossen neue Gluten aus dem Wald hervor. Ich nutzte die Gelegenheit, um der erstaunten Gruppe um den Kommandanten mit meinen Blitzen einzuheizen, doch leider war das feurige Spektakel relativ schnell vorüber. Ich vernahm eine männliche Stimme, die einen der zwei erscheinenden Schatten zuzuordnen war:
      "Ruhig Blut, Moira, ich denke, jetzt sollten wir alles im Griff haben."

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    • Das nächste Kapitel direkt hinterher, das gibts doch nicht! Ab jetzt kann übrigens auch in der neuen Umfrage abgestimmt werden! :)


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      Kapitel XVI: Agapimeni pou Aderphi

      Agapimeni pou Aderphi = griechisch "Schwesterherz"

      Vokabeln:
      Chapeau! = Hut ab!/Chapeau!
      Qu'est-ce qu'il faut faire? = Was soll man machen?
      la falaise = das Kliff



      Zitternd und hechelnd, mühevoll nach Luft schnappend, lagen die meisten der feindlichen Soldaten am Boden, auf den Knien versuchten sie, irgendwie wegzurobben. Eigentlich sträubte ich mich dagegen, dieses Pack einfach so entkommen zu lassen, aber schließlich konnten wir kaum zwanzig Leute festnehmen und zur nächsten Wache tragen - wo auch immer die sein sollte. Davon abgesehen, dass die Menschen uns hier sowieso nicht verstanden hätten.
      "Mach, dass du wegkommst, und zwar hurtig!", fuhr eine weibliche Stimme einen der flüchtenden Krieger an, während sie im mit einer kleinen Flamme noch das Hinterteil versengte.
      "Muss das sein? Ernsthaft. Die haben ihre Lektion sicher gelernt. So wird man schließlich nicht alle Tage verprügelt. Dafür, dass ihr klar in Unterzahl wart, habt ihr echt gute Arbeit geleistet, Chapouw!", lobte uns der Mann des Duos, dass gerade rechtzeitig gekommen war.
      "Chapouw! Chapouw, Chapouw, Chapouw. Hahaha, dieser Akzent. Kennst du die zufällig, Sheila?", fragte mich Kagayaku, die kräftig ihre gewaltigen Flügel ausschüttelte. Nein, ich kannte sie nicht, auch wenn der junge Mann einen ähnlichen Akzent hatte wie ich. Als die letzten Soldaten wie geprügelte Hunde das Plateau verließen und der Rauch vollständig abgezogen war, schaute ich mir die beiden genau an. Der durchschnittlich große Mann trug ein dunkelblaues, leichtes Hemd mit kurzen Ärmeln und eine schwarze Hose, an deren Seite zwei sehr schmale, weinrote Ellipsen verliefen, wie ein ganz schmales, fast zusammengekniffenes Auge. Das Außergewöhnliche jedoch war der Körper. Einige Stellen in seinem mittellangen, braunen Haar schienen wesentlich heller zu sein, eher in Richtung beige. Aus ihnen lugten zwei kurze, spitze Öhrchen heraus! Sein Gesicht war generell unrasiert oder zumindest unsauber rasiert, einen richtigen Bart hatte er allerdings auch nicht. Vielmehr erinnerten mich die langen, braunen Haare an Tasthaare eines Raubtiers. Besonders auffällig waren seine unregelmäßig behaarten Arme, doch wobei ... sie waren doch durchgehend behaart, allerdings wechselten sich die dunklen Teile mit den helleren ab! Erst braun, dann wieder beige und zu guter Letzt wieder braun!
      Die Dame war vielleicht ein paar Jahre älter als ich und ein bisschen jünger als ihr männlicher Kollege, doch auch bei ihr stachen vor allem die außergewöhnlichen Ohren heraus! Aus ihrer dichten, gewellten Mähne in einem etwas rötlicherem Blond ragten zwei bemerkenswert lange Hörorgane heraus, die den meinen verblüffend ähnlich sahen. Doch an ihren Ohren verfärbten sich die Haare in ein kräftiges Orangerot, heiß wie Feuer! Trotz ihrer hellen Haare und den faszinierenden grünen, fast katzengleichen Augen besaß sie einen deutlich dunkleren Teint als ihr braunäugiger Freund. Die junge Frau trug zwar weniger eindrucksvoll gefärbte Klamotten, doch dafür empfand ich die aus schwarzem und braunen Leder angefertigte Montur im Gefecht praktischer. Unter dem rostbraunen Rock, der knapp bis an die Knie reichte, konnte man zudem eine hochgekrempelte, beige Hose erkennen, doch im Allgemeinen sah ihre Kleidung nicht ganz so gepflegt aus, wie das bei dem Mann der Fall war.
      "Wir haben uns noch nicht vorgestellt, richtig? Gut. Seid gegrüßt, wir sind Freunde von Latios und Latias. Mein Name ist Richard, allerdings werde ich meistens einfach nur Rick genannt. Wie man vielleicht erkennt, bin ich ein Mischling. Halb Wiesenior - halb Mensch. Aber das muss ich Euch sicher nicht sagen, oder? Die reizende Dame neben mir ist Moira, meine Gefährtin. Ihres Zeichens Flamara-Mischling und Meisterin des Elements Feuer.", begrüßte uns das Humano-Wiesel.
      "Richtig. Schön, Euch kennen zu lernen. Ich denke mal nicht, dass Ihr Latios etwas Böses wollt, nein, das würde nicht zu euch passen. Wir haben ihn in Sicherheit gebracht, damit er vor solchen Leuten wie denen geschützt wird", erläuterte Moira.
      Plötzlich zuckten meine Ohren vor Schreck auf und standen steif wie ein Wiesor auf Wache, als von hinten die Stimme der wiedererwachten Marie schrill über das Plateau hinwegfegte: "Es gibt Latios? Es gibt ihn doch? Er existiert? Leibhaftig? Ja? Zeigt ihn mir! Bringt mich zu ihm!" Eigentlich hatte sie nur genau das gesagt, was ich auch dachte, aber SIE sollte Latios doch nicht finden! Was wollte sie überhaupt von ihm, einen feuchten Händedruck?
      "Ihr nehmt bestimmt an, dass dieser Schreihals zu uns gehört", sagte Marc, als er vortrat und noch einmal nach hinten zu dem Baum schaute, an dessen Fuß die junge Abenteurerin immer noch relativ kraftlos saß: "Non. ... Non. Tut sie nicht. Allerdings, Sheila, Kagayaku, schaut mal in eurem Beutel, ob ihr ihr einige Kräuter mitgeben könnt."
      "Sheila, schau mal in deinem Beutel. Du bist hier unsere barmherzige Samariterin, danke.", antwortete Kagayaku mit geschlossenen Augen, als sie mit verschränkten Armen auf einem Bein balancierte, stets mit den Flügeln so agierend, dass sie nicht umkippte.
      Auf einmal trat Moira vor und inspizierte mich und Kagayaku haargenau. Es schien fast so, als würde sie mir direkt in die Seele starren! Ihre beiden Augen, funkelnd und wunderschön wie grüne Smaragde sahen den meinen gar nicht mal so unähnlich.
      Dieses permanente Anstarren machte mich etwas nervös, sodass ich versuchte, etwas Smalltalk zu führen - oh Sheila, was hattest du dir denn dabei wieder gedacht?: "Mir gefallen Eure Augen. Echte Flamara-Augen. Na ja, Ihr müsst wissen, in mir steckt Blitza-Blut! Habt Ihr meine Blitzangriffe gesehen? Sie waren stark, nicht wahr? Allerdings noch lange nicht so stark wie Eure Feu-"
      "Ach, du bist andersherum?"
      WAS?
      "Na, du hattest mir nie gesagt, dass du andersherum bist! Deswegen hattest du mich immer mit diesem bewundernden Blick angeschaut!", rief Kagayaku, immer noch ihren Balanceakt praktizierend.
      "Das heißt nicht andersherum, das heißt lesbisch! Und nein, ich bin nicht lesbisch, wenn ich lesbisch wäre, würde ich es stolz zugeben, aber du! Ja, du! Du wärst die letzte Person, mit der ich eine Beziehung eingehen würde!", fuhr ich meine arrogante, selbstverliebte, alles überstrahlende Partnerin an. Ich war nicht lesbisch. Von daher war diese ganze Diskussion unsinnig.
      Kagayaku verstand allerdings immer noch nicht, was Sache war: "Das schließt allerdings nicht aus, dass du halb-andersher-... halb-lesbisch bist. Deswegen möchtest du dich vor diesem jungen Herrn ni-..."
      Ich fasste meinen Mut und setzte zu einem beherzten Sprungkick an, genau auf ihr Schienbein! Wenn sie einmal den Boden geküsst hatte, würde sie vielleicht endlich mal aufhören. So zumindest spielte es sich in meinem Kopf ab. In der Realität packte sie mein Bein im Sprung und schmetterte mich mit einem kräftigen Hieb ihrer Flügel zu Boden: "In unserer Sprache heißt das, was du meinst, wörtlich andersherum und halb-andersherum. Ich kannte einfach den richtigen Begriff nicht, ist das jetzt ein Problem?", sagte Kagayaku relativ gelassen, während sie mich von oben mit ihren genervt funkelnden, goldenen Augen fixierte und von oben mit gespreizten Flügel auf mich hinabstarrte: "Glaub' mir, ich gehöre zu den fünf Prozent der Menschheit, die dich nicht dafür umbringen, ob du lesbisch oder halb-lesbisch bist. Ich verstehe nicht, wieso du so durchgedreht bist. Moment nein ... ich gehöre überhaupt nicht zur Menschheit! Gut, vergiss, was ich gesagt habe."
      "Seid Ihr ein Engel?", fragte Moira, Kagayaku, deren Augen sich verdutzt weiteten, bevor sie in Augen verwandelten, die offensichtlich geschmeichelt und beweihräuchert wurden.
      "Eigentlich bin ich eine Sphinx. Wenn Ihr es wollt, kann ich aber auch ein Engel sein. Vielleicht ist es auch einfach das Gleiche. Ein höheres Wesen als der Mensch bin ich schließlich allemal, wie ich soeben eindrucksvoll unter Beweis gestellt habe", antwortete das geflügelte Wesen.
      Auch, wen Marie bisher nur Ärger gemacht hatte, brachte sie uns allen wieder den Grund in Erinnerung, weshalb wir diese ganzen Strapazen überhaupt auf uns genommen hatten: "Was ist jetzt mit Latios? Gehen wir da nun hin? Ist er nicht derjenige, der das Gold im Rinyu bewacht?"

      Plötzlich flog ein Schatten über das Hochplateau, doch leider verhinderte die grelle Mittagssonne, dass ich diesen näher identifizieren konnte. Er mutete viel eleganter und schlanker als der eines Drachen an, erst dachte ich sogar, es könnte sich gar um Latios oder Latias handeln, doch die Flugbewegung passte nicht zu der pfeilförmigen Flugkurve, die uns Yomi in den Legenden gezeigt hatte. Ein einziges mal schlug das seltsame Wesen mit seinen majestätischen Schwingen, die noch am ehesten denen von Fledermäusen, Teufeln oder Engeln ähnelten. Wie gesagt, ich konnte nicht viel erkennen. Auch Kagayaku beobachtete das mysteriöse Geschöpf, begab sich in die Luft und setzte nach. Wie auch der Schatten war sie bald in den dichten Bäumen des Drachenkliffs verschwunden!
      Auch Rick wunderte sich über den plötzlichen Abflug der Sphinx. "Was hat sie denn? Das war sicher nur ein UHaFnir oder ein Glurak. Keine Ahnung. Das ist hier nichts Ungewöhnliches. Moira weiß über die Legenden der Menschen besonders gut Bescheid, während ich mich eher auf die Mythen der Pokémon spezialisiert habe. Angeblich handelt eine Legende von humanoiden Wesen, die ihre Heimat exodusartig verlassen mussten und fortan als Engel ihr Dasein fristeten. War es nicht so, Darling?"
      "Ja, genau. Wie bei vielen anderen Legenden hat allerdings noch niemand Beweismaterial vorlegen können. Man sagt sogar, dass die Menschen denen anderer Kulturen in Reichweite ziemlich ähnelten. Außerdem heißt es, dass man die geflohenen Menschen deswegen nicht zu Gesicht bekommt, weil sie gezwungen sind, unter der Erde zu leben. Nachdem der Kontinent versunken war, gruben sie einen Tunnel, indem sie je nach Überlieferung Wochen oder gar Monate ausharrten. Durch die geringe Lichtzufuhr verfärbten sich ihre Haut und ihre Haare zu einer helleren Version, wie es sie in den Westreichen gibt", lehrte mich Moira.
      "Aber Kagayaku hat schwarze Haare und dunkle Haut. Das würde nicht passen. Außerdem ist sie kein normaler Mensch, sondern eine Sphinx", erklärte ich.
      Moira schien kurz nachzudenken, versuchte irgendwie das Paradoxon in ihrem Kopf zu entwirren: "Richtig. Das passt nicht zueinander. Deswegen bleiben die meisten Mythen ja auch Mythen. Wir sollten das Kliff auf mittlere Höhe absteigen, deine Freundin findet uns sicher noch. Dort leben einige Brutalanda, die uns zu Latios bringen werden. Du hast keine Flugangst, oder?"
      Ich schüttelte den Kopf, obwohl ich schon etwas Angst hatte. Ich war noch nie geflogen, wie auch? Und dann auch noch auf einem Drachen!
      "Bedenke, dass Latios noch einen Gast mehr bekommt. Ich meine ... qu'est-ce qu'il faut faire? Sie die Falaise hinunterwerfen? Das geht ja nicht." Rein theoretisch ging das schon. Aber es war scheinbar wirklich zwecklos, Marie, die ihr geschwächtes Dedenne in der Hand hielt, einfach abzuschütteln. Da fiel mir ein, dass ich ihr noch keine Kräuter gegeben hatte! Wenn Kagayaku das nicht machte, musste ich es eben tun. Mehr als ein grimmiges "Merci" war von der ansonsten so vorlauten Göre nicht zu vernehmen. Ziemlich undankbar für jemanden, der fast entweder erstickt oder eine Klippe heruntergeworfen worden wäre.

      Schlagartig verdunkelte sich der Waldboden vor meinen Augen, jedoch war dieser Moment nach wenigen Sekunden wieder vorüber. Zwei engelsgleiche Gestalten landeten sanft vor uns auf dem Boden und klappten ihre Flügel in die frontale Ruheposition ein. Ich dachte, ich sah nicht recht. ZWEI Kagayakus standen plötzlich vor uns. Gleich groß, relativ ähnlich angezogen, auch wenn die Andere mehrere rote, grüne und blaue Anteile in ihrer schwarzgoldenen Kleidung trug, zudem war ihr Rock wesentlich länger als der Minirock der strahlend funkelnden Kagayaku, die aus ihrer Freude keinen Hehl machte. Die zweite Sphinx besaß zwar genau den gleichen Teint und das dichte, lange Rabenhaar meiner Begleiterin, allerdings schaute sie etwa zwei bis drei Jahre älter aus und wesentlich ernster in die Runde. Sonderlich begeistert schien sie nicht zu sein, ganz im Gegensatz zu Kagayaku. Moment ... das fiel mir erst jetzt auf! Sie besaß zweifarbige Augen! Das linke, von den Haaren halb verdeckt, unterschied sich nicht von denen der anderen Sphinx, doch das rechte glänzte, als hätte sie es Moira höchstpersönlich aus den Augenhöhlen entnommen! Kannte ich sie? Nein, sie erinnerte mich wohl zu sehr an Kagayaku.
      "Das ist meinte große Schwester Setsuna! Endlich ... endlich habe ich sie gefunden, nach all den Monaten! Meine Setsuna! Setsuuuuu!", rief Kagayaku, die ihre Schwester in ihrer Umarmung fast erdrückte. Diese versuchte, ihre wesentlich dunkler gesprenkelten Flügel, die im Grundton allerdings auch beige waren, abzuspreizen.
      "Kagayaku. Ich habe dir vor fünf Minuten gesagt, wie unendlich froh ich bin, dich gefunden zu haben, kleines Schwesterchen. Aber wieso musst du mich denn unbedingt zu diesen fremden Leuten mitschleppen? Ich würde lieber Zeit mit dir verbringen, mein kleiner Schatz", antwortete Setsuna mit einer Stimme voller Wärme und Güte gegenüber ihrer Schwester. Sanft löste sie sich aus dem Klammergriff, sodass sie ihrer Schwester ja nicht versehentlich den Flügel brach: "Kaga-chan hat mich also schon vorgestellt? Und Ihr seid also ihre Freunde. Schön. Dann hoffe ich mal, dass das gut geht. Wir brauchen mehr solche aufrichtigen Leute, die unsere Welt in eine Schönere verwandeln. Wenn Ihr zu diesen zählt, bin ich zufrieden. Nicht wahr, Kagayaku?" Allerdings fand ich, dass sie mit Kagayaku wie mit einem Kind sprach. Ihre vor Bewunderung fast überschäumende Schwester war immerhin vierundzwanzig Jahre alt und konnte sich gut alleine wehren.
      Ein Schrei, bis ins Mark erschütternd, durchdrang alle Glieder der Beteiligten. Ein Schrei, als wäre Krieg. Ein Schrei, der unendlichen Schmerz repräsentierte.
      "MOIRA!"
      Ich blickte zu Moira, die mit einem dieser Metallsterne tief in der Brust steckend, zu Boden sank. Eine Kaskade aus Blut verschlang die Hand, die hilflos nach der Wunde griff, während ich in meinem Augenwinkel den Krieger sah, den sie als letztes vertrieben hatte. Ich beobachtete, wie Setsuna einen goldenen Strahl immenser, noch nie dagewesener Ausmaße erschuf und auf den Attentäter abfeuerte, seine Existenz innerhalb von Sekunden auslöschte. Erstarrt und hilflos sah ich zu, zu perplex, um zu handeln!
      "SHEILA! Hilf deiner Schwester! Wir brauchen jetzt alle!"
      Was ... was hatte Rick da gerufen? Moira ... meine Schwester?

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Es wird kein so langer Kommentar, wie ich am Anfang gehofft habe, aber das liegt auch eher daran, dass ich gebannt gelesen habe. Also nimm es mir nicht übel!

      Ich mochte beide Kapitel. Das eine war cool, weil du damit Moira und Ricky etabliert hast, das zweite wegen Setsuna.
      Aber wieso wurde sie bisher nicht erwähnt? Ich wusste zwar von der jüngeren Schwester, aber nicht von der älteren.
      Ist die ältere Schwester nicht jene Figur, die im Prolog aufgetaucht ist?
      Ist sie auch jene, die in Sheilas Traum erschien?
      Ich habe irgendwie nicht so mitbekommen, dass Kagayaku weggeflogen ist, aber das passiert wohl, wenn man gebannt liest und irgendwie mal Zeilen doppelt und andere nur teilweise liest. Passiert aber nur, wenn ich ein Kapitel mag!

      Ich bin auf jeden Fall gespannt, was so im nächsten Kapitel passiert. Wann kann ich es erwarten? Bald? Sehr bald? Ich hoffe. Bin gespannt!
    • Weiß nicht, wann das nächste Kapitel kommt. Feuer über Filb, die Fanart-WM und Yamihonou gibts ja auch noch, dazwischen das RPG. Kann ich also noch nicht sagen. War mir auch sehr lange unsicher über den Verlauf von Kapitel #17.

      Wieso Setsuna nicht von Anfang an erwähnt wurde, liegt ja eigentlich auf der Hand. Es ist doch langweilig, alle von Anfang an vorzustellen. :lol: Das ziemt sich einfach nicht. :(
      Deine Spekulationen lasse ich mal in Ruhe, immerhin sind sie Ergebnisse der von mir erwünschten Effekte. :)
      Dass Kagayaku weggeflogen ist, wurde auch nur in einem Satz kurz ausgedrückt, aber niemanden in der Gruppe hatte das besonders gestört und niemand hatte das angesprochen bzw. im Falle von Sheila in der Erzählung angedacht:
      Ein einziges mal schlug das seltsame Wesen mit seinen majestätischen Schwingen, die noch am ehesten denen von Fledermäusen, Teufeln oder Engeln ähnelten. Wie gesagt, ich konnte nicht viel erkennen. Auch Kagayaku beobachtete das mysteriöse Geschöpf, begab sich in die Luft und setzte nach. Wie auch der Schatten war sie bald in den dichten Bäumen des Drachenkliffs verschwunden!

      Es gibt noch mehrere Sachen, die ich schon längst oder spätestens in #16 hätte ansprechen können, allerdings würde es sehr viele Sachen vorweg nehmen. Das muss ja nicht sein, dann wundert sich niemand und spekulieren tut auch keiner. Immerhin habe ich es mal wieder geschafft, zwei (starke) Cliffhanger einzubauen, dass ist bei den letzten Kapiteln beider Geschichten etwas abgeflacht.
      Spätestens jetzt wissen wir auch, dass es weitere Mischlinge gibt. Wer in #17 dann auf jeden Fall kommen wird, dürfte dann wohl klar sein. Ist aber nicht der Einzige. ^^

      PS: Vielen Dank für deine treuen Kommentare :D (vielleicht willst du ja noch abstimmen?)

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Kapitel XVII: Enigma

      Enigma (eigentlich Ainigma) = griechisch "Rätsel"

      Vokabeln:
      le poids = das Gewicht
      le reptile = das Reptil
      la haine = der Hass
      l'injustice = die Ungerechtigkeit
      la loi = das Gesetz



      "Geht beiseite! Ich werde versuchen, die Wunde zu stillen ... auf eine eher unkonventionelle Art und Weise, aber ansonsten wird sie hier wohl oder übel verbluten. So viele Verbände kann keiner dabei haben, als dass es reicht!", sagte Setsuna als sie plötzlich einen eisig kalten Strahl abfeuerte. Aus ihrem Mund? Aus ihren Haaren? Ich konnte es nicht genau erkennen, doch jedenfalls wusste ich ganz genau, um welche Energie es sich handelte. Kagayaku schaute nervös zu uns rüber als der Eisstrahl genau Moiras Wunde traf.
      "Eine tödliche Wunde", resümierte Kagayakus Schwester, "die sie so ohne weiteres nicht überlebt hätte. Jetzt besteht zumindest die Chance dafür." Die Eiskristalle, die sich schon bald auf Moiras Brust bildeten, füllten sich sofort mit Blut, sodass sie sich in wunderschöne Rubine verwandelten. Irgendwann würde die Flüssigkeit endgültig erstarren und der Blutverlust war zumindest eingedämmt. Aber was hatte Rick einen Moment zuvor gerufen? Moira sei meine Schwester? Ich schaute zu dem mittlerweile in die Bewusstlosigkeit versunkenen Körper herüber. Die Augen, der Mund, die Nase ... all diese sahen meinem Gesicht schon ähnlich, wie es mir auch zuvor aufgefallen war. Allerdings hielt ich das angesichts ihrer Spezies für normal, schließlich war ich eine Blitzadame, sie eine Flamaralady.
      Wenn jemand genaustens darüber bescheid wusste, dann anscheinend Rick: "Rick, stimmt es, dass Moira meine ..."
      "Ja, ich bin mir sicher, dass sie es dir noch am heutigen Tage gesagt hätte. Ihr wurdet schon ziemlich früh von einander getrennt, deswegen hast du keine Erinnerungen an sie. Wenn man dann in vollkommen unterschiedlichen Landesteilen aufwächst, kann man nicht einfach mal den anderen treffen. Solche Reisen dauern Tage, Wochen, wenn nicht sogar Monate", sagte der Wieselmann, der sich besorgt über seine Freundin beugte und ihre Hand hielt: "Bitte passt kurz auf sie auf, ich werde die Brutalanda holen. Mithilfe der Drachen können wir dann in Latios' Versteck aufbrechen." Sofort begannen Maries Augen zu glitzern. Die war ja immer noch hier. Allerdings fragte ich mich, wie wir Moira transportieren sollten. Das war nicht unser einziges Problem, denn Marc konnte sich ebenfalls nicht einfach so an den Rücken eines Brutalanda krallen.

      Kagayaku hatte an einem nahegelegenen Bach Moos getränkt und legte es auf Moiras Stirn. Dazwischen hatte Setsuna den eisigen Verband erneuert, sodass die Wunde bloß nicht wieder auf eines neues zu bluten begann.
      "Wieso beherrschst du diese schauerhafte Attacke?", fragte Kagayaku ihre Schwester, deren Mund sich in ein selbstbewusstes Grinsen verbog.
      "Weißt du, ich habe gelernt, unsere größte Schwäche in eine Stärke umzuwandeln. Du solltest das auch lernen. Ich kann es dir beibringen, allerdings brauchst du hier etwas länger als bei anderer Magie, die unserer Rasse vielleicht eher liegt. Wer stark sein will, darf nicht nur keine Schwäche zeigen, er darf auch keine haben. Sonst ist er schwach. Und wer schwach ist, der wird von den Unwissenden und Ignoranten dieser Welt zertrampelt und zerstampft. Wenn du deine Träume und Wünsche durchsetzen willst, musst du stark sein, hörst du?", predigte die ältere der beiden Sphinxschwestern. Doch bevor es überhaupt dazu kam, dass das Gespräch fortgesetzt wurde, blendete uns ein gleißendes Licht. Ein grüner Vogel, langgestreckt wie ein Glockenturm, allerdings etwas kleiner als ich, starrte uns tief in die Augen, als wolle er in das Innerste unserer Seele blicken. Die weißen Flügel waren extravagant verziert und trugen ein Augenmuster, das fast so eindringlich wie die schwarzen Mandelaugen waren, die vor allem Setsuna und Kagayaku fixierten. Selbst auf seiner Brust prangte ein scharlachrotes Augenpaar, solch ein kurioser Vogel war mir noch nie begegnet!
      "Bonjour, ich hoffe, wir sind rechtzeitig", sprach eine der beiden Figuren, die neben dem Vogel aus dem Nichts erschienen war. Als das stechend weiße Licht endlich abgeklungen war, erkannte ich ein rosahaariges Mädchen mit kleinen Hörnchen und einem neugierig umherschlagenden Schweif, das auf uns zuging. Neben Yomi war auch Étienne, der gutaussehende Reisende, mitgekommen, Michel, das Meganie, allerdings fehlte. Natürlich! Der Vogel musste der kleine gefiederte Freund sein, der damals auf seinen Schultern saß!
      "Ich weiß, dass wir mit einer Schwerverletzten nicht gerade in der optimalsten Situation stecken, aber wir haben alles im Griff, Yomi. Ich denke, sie wird es überleben", sagte plötzlich Setsuna, um Yomi die aktuelle Lage zu erklären. Sie kannten sich? Ich musste gar nicht nachhaken, denn als Kagayakus Schwester fortfuhr, klärte sich die Situation auf: "Ich habe ja schon viele Sachen von dir bewundern dürfen, aber verrate mir bitte, wie du das gemacht hast. Das war ja sagenhaft!"
      "Das liegt nicht an ihr, sondern an diesem Vogel hier. Inti, dieses Xatu hier, behält sich alle Orte, an denen er schon mal gewesen war, im Gedächtnis und kann in seiner entwickelten Form jeden Tag einmal eine gewisse Anzahl anderer Wesen mit sich zu bekannten Orten teleportieren. Für unbekannte Orte ist dies allerdings unmöglich. Allerdings hatten wir Glück, dass Mademoiselle Yomis Berechnungen bezüglich eurer Ankunft genau aufgegangen sind!", erläuterte Étienne, als er seinem Pokémon kumpelhaft auf die Schultern klopfte. Doch irgendwie schien das Xatu komplett abwesend zu sein, starr behielt es Setsuna und Kagayaku im Blick.
      "Naturellement habe ich auch miteinbezogen, dass Kagayaku gerne mal verschläft. Mon Dieu, wenigstens kann man sich auf euch da verlassen!", sagte Yomi schelmisch, die den unregelmäßig atmenden Körper Moiras inspizierte. Setsuna stellte das ganze als harmlos dar, doch ich hatte ernsthafte Bedenken um ihren Gesundheitszustand. Wahrscheinlich, weil ich in meinem Leben noch nicht allzu viele schwerwiegende Verletzungen oder Krankheiten gesehen hatte.
      "Bei mir macht der Schönheitsschlaf wenigstens Sinn!", entgegnete Kagayaku, die mich scharf anstarrte. Gut. Dann eben so. Mit einem enormen Tritt auf ihren Fuß brachte ich ihr bei, dass ich solche Sprüche alles andere als witzig fand. Ich war trotzdem hübsch, daran würde ihr "Spaß" ja nichts ändern, allerdings durfte ich mich auch in meinem Stolz verletzt fühlen. Sie war dies ja ständig. Leider hatte ich nicht miteinbezogen, dass fast zeitgleich nach ihrem theatralischen Schmerzensschrei Setsuna mir unverhohlen bedrohlich in die Augen starrte, als ob sie mich bei der nächsten falschen Bewegung versteinern und im Fluss versenken würde.
      Plötzlich füllte sich unsere kleine Versammlung mit immer mehr Teilnehmern. Zwei für Drachenverhältnisse mittelgroße, blaurote Brutalanda marschierten an Ricks Seite in die kleine Lichtung ein. Moiras Gefährte gab uns von vornherein zu verstehen, dass seine oberste Priorität bei der Gesundheit meiner Schwester lag: "Also, hört genau zu. Maximal ... oh, wo kommen denn die Neuankömmlinge her? Freunde von euch? Nun gut. Maximal vier Personen können mit den Brutalanda zu Latios' Versteck fliegen. Die anderen bleiben bitte bei Moira und passen gut auf sie auf. Ich selbst werde einen der vier Plätze besetzen müssen, da sich Latios sonst von Fremden bedroht fühlt. Also, wer wäre das dann?"
      "Ich scheide schon einmal aus. Nicht nur, dass ich mich nicht festhalten kann, sondern auch mein Poids würde diesen fragilen Reptiles arg zu schaffen machen, fürchte ich!", lachte Marc, der aus offensichtlichen Gründen ausschied. Letztlich waren es Rick, Yomi, Kagayaku, ich und ... dank Yomis in jenem Moment einfach nur ekelerregend nerviger Gutherzigkeit Marie, die "ihr" Latios bald höchstpersönlich treffen durfte. Wir waren zu fünft, allerdings fühlte Kagayaku sich stark genug, um die laut Rick relativ kurze Strecke selbst zu fliegen.
      "Erzähl mir bitte alles, ich wäre ja selbst gerne dabei gewesen. Allerdings brauchen wir auch Leute, die diese Frau dort pflegen und bewachen. Nicht nur ihres Gesundheitszustandes wegen, sondern auch wegen dieser Wahnsinnigen, die hier scheinbar ihr Unwesen treiben", teilte Setsuna, die zusammen mit Marc, Étienne und Inti dem Xatu Moira bewachte, Kagayaku mit.

      Inmitten erfrischend grüner Wälder befand sich also Latios' provisorisches Geheimversteck. Es war nicht so, dass ich seit Ewigkeiten keine Wälder mehr gesehen hatte, schließlich kamen wir soeben aus einem, allerdings waren diese hier vom Menschen komplett unberührt! Ich hatte zugegebenermaßen schon ein bisschen Angst gehabt, als die Drachen uns über den gewaltigen Fluss flogen. Schon bald nahm unser Flug an Höhe zu und und offenbarte eine stark bewaldete Hügellandschaft, die scheinbar als Refugium für scheue Pokémon diente.
      "Die Menschen hier nennen diesen Wald 'Wald des Westens'. Leider kann ich dir nicht genau sagen, warum dies so ist. Wahrscheinlich stellte der Fluss im Westen eine Grenze dar", erklärte uns Rick, nachdem die grimmig schauenden, aber scheinbar handzahmen Reptilien abgesetzt hatten. Das Brutalanda, das Yomi und mich transportierte, hieß Bert. Er hatte uns erzählt, dass erst vor kurzem Menschen am Drachenkliff aufgetaucht waren. Vorher kannte er sie nur aus Legenden und Vertrauen zu Rick und Moira hatte er nur, weil sie gemischten Blutes waren. Bis auf Marie, Marc und Étienne waren wir das alle in unserer jetzigen Konstellation.
      Rick führte uns in eine kleine Grotte, die nach oben hin teilweise offen war. So konnte relativ viel Licht die ansonsten mausgraue Höhle erhellen und die kargen Wände zumindest in meiner Vorstellungskraft mit edlem Silber besprühen.
      "Latios? Hier ist Rick! Ich habe ein paar Freunde mit gebracht, die dich besuchen möchten!", rief der Wiesenior-Mann in einen noch helleren Raum, aus dem ich das Rauschen eines kleinen Wasserfalls vernehmen konnte.
      Erst schien es so, als ob niemand reagieren würde, doch dann ertönte eine entschlossene, aber gleichzeitig auch alarmbereite Stimme: "Du kannst mir viel über deine Freunde erzählen. Sie könnten dich auch täuschen. Sind sie reinen Herzens? Das muss ich erst überprüfen. Ich stelle euch eine Frage."
      "Schon wieder? Na komm, schieß' los. Meine Gefährtin ist schwer verletzt. Wir wollen bei dir keinen Urlaub verbringen, sondern uns nur etwas unterhalten. Eine junge Forscherin ist unter anderem dabei", drängelte Rick, dem dieses Unterfangen offensichtlich bekannt war.
      "Stopp. Das letzte Mal, als ich die Fragen ausgelassen hatte, wurde meine Schwester Latias schwer verletzt. Ich wollte eigentlich auch keinen Urlaub in ihrem Lazarettnest machen, sondern mich nur etwas mit ihr unterhalten. Also, Fremdlinge, unter denen dem Geruch nach zufolge auch Menschen sind: Worin liegt die Wurzel des Bösen in dieser Welt? Was ist das Böse? Wieso existiert das Böse? Sprecht", verlangte die Legende. Selbstverständlich waren wir alle erst einmal sprachlos. Wir waren noch viel länger sprachlos. Der erste, der das Schweigen durchbrach, war Latios selbst: "Vielleicht sollte ich die Frage etwas einfacher stellen. Was meint ihr, muss verschwinden, damit das Böse verschwindet?"
      "Ich bin mir sicher, dass la Haine aus den Köpfen der Wesen verschwinden muss!", rief Yomi, die mit jeder Sekunde des Schweigens seitens Latios etwas unsicherer dreinblickte, aus Angst, womöglich etwas falsches gesagt zu haben.
      Das legendäre Wesen schien nichtsdestotrotz die Antwort zu bejahen, doch komplett zufrieden zeigte er sich nicht: "Ja, ohne Hass ist die Welt viel friedlicher, da gebe ich dir vollkommen recht. Aber was ist mit den Leuten, die in einer Zwangssituation stecken? Warum rauben Menschen? Aus Hass ganz sicher nicht, aber diese Verbrechen würden schließlich weiter existieren."
      "Hass, Gier und Unwissenheit. Vipitis, Flambirex und Lohgock. Gift und Feuer für die Seele. Selbstverständlich müssen die drei buddhistischen Grundübel ausgelöscht werden", erklärte Kagayaku. Als Begriffe schien ihre Erläuterung bei allen Zustimmung zu erwecken, doch es war letztlich keine Erläuterung.
      Yomi versuchte, den Zusammenhang zu finden und brachte noch einen vierten Begriff ins Spiel: "L'injustice! Wenn es keine Ungerechtigkeit gäbe, hätten alle Leute genug zu essen und würden la Loi nie brechen! Da diese Leute aufgrund der Gier mancher anderer viel weniger haben, sind sie dazu genötigt, sich zumindest den Teil zu sichern, den sie zum Überleben benötigen!"
      "Gut gesprochen. Die Unwissenheit hatte ich jetzt nicht auf dem Zettel, aber Wissen ist in der Tat der Zustand, der dem anderen vorzuziehen ist. Ich denke, das reicht", sprach der Drache, dessen Geheimversteck wir nun endlich betreten konnten. Wieso mir keine Antwort einfiel? Ich hatte mir noch nie darüber Gedanken gemacht, warum Menschen eigentlich böse waren. Unmittelbar vor dem Wasserfall schwebte ein schlanker, silbriger Drache, dessen hinterer Teil mitsamt den hellebardenförmigen Flügeln in einem kräftigen Blauton gefärbt war. Latios erinnerte überhaupt nicht an eines dieser typischen Urreptilien, sondern wie ein ganz eigenes Wesen aus einer komplett anderen Welt.
      "So, du Genie, verrate mir bitte, wie du reagiert hättest, wenn wir trotzdem böse wären. Oder wenn nur ein paar von uns böse wären, das reicht ja schließlich schon", sagte Kagayaku, als sie Latios höhnisch applaudierte.
      Die Mundwinkel der Legende verzogen sich etwas schräg nach unten, allerdings wurde der Tonfall seiner Stimme nicht barscher, als er ihr süffisant entgegnete: "Ich hatte genug Zeit, um eure Aura zu prüfen. Hätte etwas nicht gestimmt, wäre ich sofort geflohen. Oder ich hätte euch einfach bewusstlos geschlagen - selbst in deutlicher Unterzahl. Ich habe da so meine Tricks, deine Sorge ist von daher absolut unberechtigt."
      "LATIOS! Jetzt habe ich dich gefunden!"
      Nein, Marie, du hattest ihn nicht gefunden! Du wurdest zu ihm hingebracht, und das auch noch gegen meinen Willen! Sie konnte den guten Eindruck, den wir bei dem legendären Drachen hinterlassen hatten, innerhalb von Augenblicken ruinieren!

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Zu Kapitel 17:

      La langue français (je aime la beaucoup ;) ): oui!
      Latios: oui!
      Erwähnung von Latias: oui!

      Daraus folgt: ich find's gut :bew1: :)

      Besteht denn, wenn die Frage erlaubt ist, auch die Chance dass Latias tatsächlich später noch auftaucht? ;)

      (Excuse-moi, mais je crois que ma français est trés mauvaise :lol:)
    • Hey, vielen Dank für dein Kommentar! :D

      Kapitel 18 solltest du dir dann natürlich auch gönnen, weil es mit Latios weitergeht. Da Latias zu meinen Lieblingslegenden gehört, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auftauchen wird. Wann das passieren wird, kann ich nicht sagen. Zwei weitere Legenden, die ich im Kopf habe und die zu 100% vorkommen werden, werden erst gegen Ende der Story erscheinen. Sehr spät. Sehr, sehr spät. Das wird bei Latias nicht der Fall sein, immerhin. ^^

      Aber schön, dass dir das Kapitel gefallen hat, très bien! :)

      Merci beaucoup! Je te souhaite beaucoup de plaisir avec les chapitres suivants! ^^

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Meowstic wrote:

      Hey, vielen Dank für dein Kommentar! :D

      Kapitel 18 solltest du dir dann natürlich auch gönnen, weil es mit Latios weitergeht. Da Latias zu meinen Lieblingslegenden gehört, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auftauchen wird. Wann das passieren wird, kann ich nicht sagen. Zwei weitere Legenden, die ich im Kopf habe und die zu 100% vorkommen werden, werden erst gegen Ende der Story erscheinen. Sehr spät. Sehr, sehr spät. Das wird bei Latias nicht der Fall sein, immerhin. ^^

      Aber schön, dass dir das Kapitel gefallen hat, très bien! :)

      Merci beaucoup! Je te souhaite beaucoup de plaisir avec les chapitres suivants! ^^


      Merci pour ta réponse. Ça me plait beaucoup ;)
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