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Yami no Honou - Flammen der Finsternis

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    • Hallo Meowstic!


      Zuerst möchte ich klar stellen, dass ich nur den Prolog und die ersten beiden Kapitel gelesen habe. Aber ich werde auch die weiteren definitiv noch lesen, da es mich wirklich interessiert wie es weiter geht! Du hast einen schönen, packenden Schreibstil und als ich gestern hierhin geklickt habe, war mein Ziel eigentlich nur der Prolog... aber das hat mich dann doch so sehr gefesselt, dass ich, trotz einer unpassenden Urzeit von halb elf, noch zwei Kapitel förmlich verschlungen habe! Also, nur selten packen mich Geschichten derartig. Und um dem ganzen auch die Nötige Ehre zu zollen, will ich nun auf jedes Kapitel, inklusive Prolog, einzeln eingehen.


      Prolog:
      An sich ein sehr schöner Prolog, ist das eine offizielle japanische Legende? Ich liebe ja die Namen die du für die einzelnen Charaktere gewählt hast, wenn du sie (zumindest teilweise) selbst ausgesucht hast. Vor allem Amaterasu, wobei ich glaube das der Name tatsächlich der Sonnengöttin gehört... Mh. War die nicht in Okami dabei? Wie dem auch sei, der Prolog an sich war spannend geschrieben, was allerdings ein wenig nervt ist, dass du den gesamten Text nur mit sehr wenigen Absätzen geschrieben hast, was den Lesefluss ein klein wenig stört. Vielleicht sehe auch nur ich das so, ich weiß es nicht. Ebenso ist mir deine nahezu perfekte Rechtschreibung aufgefallen. Bis auf den Fehler 'gebor', was eigentlich 'gebar' heißt, habe ich keinen entdecken können. Wirklich sehr gut, da kennt man anderes und ich bin mir sicher das der, den ich gesehen habe, auch nur ein Flüchtigkeitsfehler war. Zu der Legende selbst... ich meine das mit dem 'schau mich nicht an' war auch Teil einer griechischen Mythologie? Und die einzeln geborenen Götter auch? Ich bin mir da wirklich nicht sicher, was ein bisschen blöd ist...


      Kapitel 1:
      Oh. Mein. Gott. Ich liebe es einfach, wie du die Umgebung und die Charaktere einzeln beschreibst! Und vor allem finde ich es toll, dass du die japanischen Wörter so gut einbeziehst. Mit dem Kursiv-schreiben und so. Ein paar davon kannte ich auch schon, aber sicher reichten meine Kenntnisse nicht bis zur Hälfte der Anzahl. Aber vor allem gefällt mir wie du die dann auch ausreichend beschreibst, so dass man sich selbst ohne die Hauptkenntnisse der japanischen Kultur genügend vorstellen kann. Daumen hoch! Zu Touka... ein sehr interessanter Hauptcharakter. Kann man diese Tokunara in etwa so als zweite Persönlichkeit ansehen? Sie kommt wenn Touka ohnmächtig wird und stiftet halt Chaos? Wirklich sehr interessant, darüber möchte ich nur zu gerne mehr erfahren, zumal ich es liebe wenn Charaktere shizophrene Züge haben. Sollen die beiden Hörner Katzenohren darstellen? Mir fällt leider gerade auch kein Pokemon ein zu wem das passt... Schade, mal sehen was die Geschichte noch bringt.


      Kapitel 2:
      Wieder ein super Kapitel! Vor allem gefällt mir hier Tokunara, ich finde sie ist ein sehr toller Charakter ^-^ Schade das sie bisher nur so einen kurzen Auftritt hatte... aber bei ihr ist mir gleich ein Pokemon eingefallen das sie sein könnte! Würde auch dem Namen der Geschichte entsprechen. Ist aber auch ein tolles Pokemon, ich liebe es X3 Naja, finde auch gut das du die Leute aus ihrer Sicht nicht mit ihren Namen angesprochen hast, da sie sie ja gar nicht kennen konnte. Manche Autoren beachten das ja gar nicht. Hier aber sehr schön gemacht. Auch wie die Wirkung von Hypnose beschrieben wurde, fand ich sehr gut. Leider war am Ende nicht der passende Cliffhanger, da ich dann schließlich doch eingeschlafen bin v.v


      Hab mich aber schon mit dem Namen gespoilert X3 Und ich hatte auch vor ein paar davon zu benutzen XD Vor allem der Name Akira gefällt mir, auch wenn er hier einem männlichen gehört ^-^ (ist ja offiziell auch männlich glaub ich xD)
      Naja, hoffe ich kann das heute Abend weiter lesen X3 Sorry für den mickrigen Kommentar D:

      "Obscuritemon!"
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    • Wow, vielen Dank für dein ganz und gar nicht mickriges Kommentar, Feather! O_O

      Erst einmal freue ich mich, dass dir die Geschichte gefällt und sie dich fesselt. Ja, meine Geschichte hat auch einen Charakter namens Akira. Der Name ist zwar nicht ausschließlich, aber zum Großteil von Männern benutzt. Es gibt aber auch genug weibliche Charaktere mit diesem Namen. :)

      Der Prolog ist an für sich gar nicht mein Werk, sondern fast eins zu eins die japanische Legende, die ich eben nur ausformuliert habe. Charaktere und Namen sind exakt die Gleichen, und du hast Recht, die griechische Mythologie kennt ebenfalls die Szene mit Orpheus, der in die Unterwelt steigt, um nach seiner Gattin Eurydike zu suchen. Naja, es war eben auch eine Geschichte, was will man da auch groß Absätze setzen. xD
      Amaterasu ist auch die Protagonistin von Okami, richtig. Dieser Wolf soll genau diese Göttin verkörpern. Der Prolog und der Titel sind allerdings nicht zufällig gewählt. :)

      Ich brauche gerade bei einer statischen Geschichte wie dieser besonders viele Beschreibungen, um das Setting und die Atmosphäre gut rüberkommen zu lassen, da Kyoto fast ausschließlich der einzige Handlungsort sein wird. Andererseits möchte ich euch in die für viele so fremdartig scheinende Welt der Geishas einführen. Die Autobiografie von Mineko Iwasaki, der berühmtesten Geisha der 70er, spielt in der Art der Beschreibung und der Umgebung selbst eine gewaltige Rolle. ^^

      Die Hörnchen sehen zwar etwas wie Katzenohren aus, bestehen aber aus Knochen/Horn. Allerdings wird sie schon bald mit mehreren Pokemon viel zu tun haben (ab 5 glaube ich). :3
      Tokunara existiert in Touka/mit Touka. Das ist rätselhaft. Scheinbar bekommt Touka nichts von dem Bewusstsein Tokunaras mit, während Tokunara zumindest bruchstückhaft Teile erinnern kann. Sehr bruchstückhaft.
      Die japanischen Wörter werden in manchen Kapiteln weniger werden, je nach dem, wie kulturintensiv das Kapitel wird. xD

      Es wird immer vorkommen, dass es Storystücke ohne Tokunara gibt. Falls du sie nach 3 schon vermisst, wird sie in einem späteren, schon hier existenten Kapitel wiederauftauchen. Zudem scheint sie von Erwachen zu Erwachen ausdauernder und stärker zu werden, man bedenke, wie schnell ihre Kräfte in Kapitel 1 nachgelassen hatten.

      Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, auch an dieser Stelle einen Cliffhanger einzubauen, aber irgendwie passte es wie auch bei anderen Kapiteln dann nicht so ganz mit der Länge. In den späteren Kapiteln gibt es mehr Cliffhanger. :)

      Team Scowzy - Shitposting is my kink

      The post was edited 2 times, last by Kitsuran ().

    • Das ist rekordverdächtig. Spätestes Kapitel aller Zeiten. :D Das folgende Bild (achtung, groß!) stellt den Nebenschrein des Fushimi-Inari dar, an dem Touka das Gespräch zwischen Inari und Khan belauscht hatte.




      Kapitel X: Bishamon


      Nach links ... und dann etwas nach hinten ... danach musste ich den Fächer um neunzig Grad drehen ... ja, das sah doch ganz gut aus. Wenigstens hatte ich in dieser Woche das Tanzen nicht verlernt. Zufrieden schaute ich in den Spiegel, der die ganze Fassade des großen, schwarzen Kleiderschrankes im Übungsraum einnahm. Anders als unsere anderen Schränke war dies ein eher modernerer nach europäischem Vorbild.
      "Was sagst du dazu, Fluffy? Das war doch ganz ordentlich, oder?", fragte ich den kleinen Chinchilla, der es sich auf einer Tatami-Matte in der Ecke gemütlich gemacht hatte. Das aschgraue Fellknäuel strahlte und wischte unbewusst mit seinem flauschigen Schweifchen umher. Erschöpft ließ ich mich auf den vollständig mit Matten ausgelegten Boden sinken und kuschelte mein Pokémon. Sie schien so glücklich. Ich wünschte, ich wäre es auch.

      Das Abendessen verlief relativ unspektakulär, scheinbar waren Satori die blöden Sprüche mittlerweile ausgegangen. Vielleicht hatte sie aber auch auch von Yukisango oder Urara einen Rüffel erteilt bekommen, sodass sie es für besser befand, mich eine Weile in Ruhe zu lassen. Ich weiß, das hatte ich schon oft gedacht - vergeblich. Ich verspürte Lust, mit meinem Picochilla etwas durch Gion zu flanieren. Wenn Amaterasu ihren warmen, orangenen Glanz über den Stadtteil warf, erstrahlte der in der Abenddämmerung in einem ganz besonderen Charme. Überall flackerten die runden Lampions, die Roten, die Weißen, ja sogar Gelbe und Orangene gab es. Man konnte sorglos über die backsteinmauerartig angelegte Steinmuster der Straßen laufen, ohne in den Kot eines Fukano oder verabscheungswürdige Zigarettenstummel zu treten, so sauber waren sie. Als hätte Fluffy sie persönlich sauber gemacht. Maikos und Geikos sah man um diese Uhrzeit nur selten, denn sie standen kurz vor dem Beginn ihrer Arbeitszeit. Ich hatte mir immer vorgestellt, rein zufällig eine unserer älteren Geikos auf der Straße zu begegnen, doch aufgrund der geringen Fläche Gion Kobus war es doch nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick schien.
      Die belebten Straßen Kyotos waren so viel anders als die Abgeschiedenheit des Bergs Hiei-zan, die schon der Dichter Kamo no Chomei aufgesucht hatte. Generell war der Hiei-zan ein seltsamer Ort. Im Volksmund auch "Kesselberg" genannt, beherbergte der direkt östlich an Kyoto angrenzende Berg große buddhistische Klöster, wie beispielsweise den Enryaku-ji, der unter all den Klöstern in Japan eine Vorstandsstellung innehatte. Aber auch für Privatpersonen bot das verwirrende Tunnelsystem eine mehr oder wenige einmalige Atmosphäre, um fernab des großen Trubels in der Meditation zu seinem Seelenheil zu finden - oder auch den Bund mit seinen Pokémon zu stärken.
      Gion war ein recht grünes Viertel, denn falls Bäume nicht vor oder hinter den Häusern vorzufinden waren, dann versuchte man zumindest über alle möglichen traditionellen Topfpflanzen, oftmals Bambus, Kiefern, Ahorn oder verschiedene Koniferenarten eine historische Atmosphäre zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Es gab mehrere Brücken, die die verschiedenen Kanäle überspannten. Diese Kanäle, direkt hinter den Fassaden der Ochayas, also der Teehäuser, in denen die meisten der Geisha-Bankette stattfinden, waren indirekt mit dem Kamo-gawa, dem großen Fluss Kyotos verbunden. Außerdem trennten sie die Zivilisation von der Wildnis, da der Stadtteil Yamashina vom restlichen Osten durch ein enormes Stück Wald abgetrennt waren. Die wie der Schweif eines Glumandas flimmernden, kleinen Laternen versuchten, den vorderen Teil so gut wie möglich zu erhellen, doch der Unterschied war deutlich sichtbar.

      Doch dann - plötzlich - gänzlich unerwartet nahm ich Stimmen aus den Büschen wahr. Ich zitterte, denn es handelte sich ganz sicher nicht um das Schnauben eines vertrauten Damhirplex, dem Hecheln eines treuen Fukanos oder den hektischen Sprüngen eines Ariados. All dies hätte mich wohl kaum erzittern lassen, nein, nicht mal ein Ariados. Anders als viele andere Mädchen mochte ich die intelligenten Spinnen-Pokémon sogar sehr gerne. Fluffy sprang geschwind auf meine rechte Schulter, den Schweif an meine Brust gepresst. Zwei unterschiedliche, männliche Stimmen keiften, wenn auch recht leise, doch ihre Worte galten wohl einer dritten Person.
      "Mann, jetzt mach' keine Faxen! Du willst doch nicht, dass wir harte Geschütze auffahren müssen, oder? Takashi! Fessel' die Kleine doch endlich! Wie lahm bist du eigentlich? Geht das nicht schneller?", plerrte einer der beiden, dessen Kopf nun mehr oder weniger im schwachen Licht erkennbar war. Vom Gesicht konnte ich nicht besonders viel erkennen, weil die markante, schwarze Schirmmütze ihren Teil zur Tarnung beitrug.
      "Wat? Sach' mir nit, was ich zu tun hab, Aho! Darauf komm' ich schon selbst, Takeshi!", erwiderte der andere, der etwas deutlicher Dialekt sprach als sein Partner.
      Das dritte Wesen, was sich im von der Dunkelheit überschatteten Grün des Wacholderbusches verbarg, meldete sich ebenfalls mit einer weiblichen, aber trotz der Situation keinesfalls ängstlichen Stimme zu Wort: "Takashi und Takeshi? Ernsthaft? Ist es das, was ihr möchtet? Das kann man doch unmöglich ernst nehmen!" Perplex stand ich direkt neben der Straßenlaterne, völlig unschlüssig, wie ich nun handeln sollte. Am liebsten wäre ich umgekehrt, ganz weit weggerannt, sodass ich alles vergessen konnte!
      "Halt doch mal den Rand, sonst setzt es 'ne Schelle! Mein Gott, gib' uns einfach, was wir wollen, du Nervensäge! Mann, hab ich mir das leichter vorgestellt!", fluchte Takeshi, der seine Stimme bewusst versuchte zu dämpfen, um keinen Verdacht zu erregen. Ich spürte, wie sich meine rechte Schulter entspannte. Fluffy war es, die ihren bequemen Sitz aufgegeben hatte, um die Angelegenheit zu inspizieren. Als sie sich umdrehte und fast schon fordernd in meine Augen starrte, war mir klar, dass ich dieses Mal nicht kneifen konnte. Schließlich hatten Inari und Ran mir doch erst gelehrt, wie man mit solchen Situationen am besten umging!
      "Schluss jetzt! Lasst sie in Ruhe oder ich rufe die Polizei!", schrie ich so laut wie mit meiner nur Stimme möglich. Wir waren nicht all zu tief in den Waldpark eingedrungen, mit etwas Glück würden uns andere Personen hören. Normalerweise war die Sicherheit auf japanischen Straßen hervorragend, selbst nachts gab es eigentlich kaum Probleme, von Osaka oder Tokyo mal abgesehen.
      "Kuso, die Kleine da hat ja alles mitgekriegt! Na komm', Takeshi, der zeigen wir mal, was 'ne Harke ist! Schließlich sind wir ja wer!", jaulte Takashi panisch. Ich konnte sie aufgrund ihres Gesichtes nicht wirklich unterscheiden, jedoch war Takashi einen Kopf größer als sein mindestens genauso unaufmerksamer Kollege.
      Die junge Frau hatte sich mittlerweile aus dem Klammergriff der beiden schwarz uniformierten Gauner gelöst und stellte sich an meine Seite: "Na, ihr beiden Hampelmänner? Was macht ihr nun mit zwei Personen, die ihr aufhalten müsst, wenn ihr es nicht mal bei einer schafft?"
      "Spiel' dich hier bloß nit so uff, du olle Ziege! Wenn uns diese kleine Rotzgöre nicht in die ... ach egal, komm, die klatschen wir um! Hunduster, auf geht's!", kläffte Takashi, dessen Stimme fast schon der eines hysterischen Granbulls glich. Sein Genosse tat es ihm gleich und warf ebenfalls einen Pokéball in der Luft, der ein Fiffyen beherbergte. Die junge Frau neben mir strich sich mehrmals durch ihr schulterlanges, schokoladenbraunes Haar und betrachtete kurz die Moosfetzen, die sie danach von sich entfernte.
      Schließlich griff auch sie zu ihrem Pokéball, während sie sich leise über ihren eigenen Fehler ärgerte: "Eigentlich hätte ich dich ja auch sofort rufen können, aber egal. Bishamon, du bist dran!" Ein mit blutroten Narben übersätes, auf zwei Beinen stehendes Raubtier betrat das Kampffeld - einen staubigen, sandbraunen Pfad. Das Pokémon namens Sengo war zweifelohne nach dem buddhistischen Kriegergott Bishamon benannt worden, dessen heiliges Pokémon ebenfalls ein Sengo darstellte.
      "Kümmere du dich um das Hunduster ... obwohl ... nein ... wieso sage ich dir das überhaupt, du hast doch keine Wahl. Bishamon, zeig' dem Fiffyen mal, was du für schöne, zermalmende Klauen besitzt!", rief sie ihrem Pokémon zu, bevor die Schurken überhaupt reagieren konnten.
      "Nein, halt stopp! Steigerungshieb! Ist vielleicht besser so, sorry!", unterbrach die Trainerin ihr Pokémon, das kurz vor dem genauso verdutzten Hund abbremste. Doch das Fiffyen hatte dem nichts entgegenzusetzen, denn der von Takeshi geforderte Biss konnte gar nicht erst ansetzen, so flink boxte Bishamon seinen Kontrahenten gegen einen Ahornstamm.
      "Du Aho, wieso verlierst du denn gegen die hohle Nuss? Mann! Jetzt muss ich ja alles alleine machen!", schlussfolgerte Takashi, der ziemlich oft die typische Kansai-Bezeichnung für Baka, also einen Idioten oder einen Trottel benutzte: "Hunduster! Das Picochilla gehört dir alleine, wie wär's mit Glut? Frag es mal, wie's ihm schmeckt!"
      "Fluffy, wir können nur mit Angriffen zum Ziel gegen ein Pokémon mit Fernangriffen kommen, zumindest jetzt. Greife es mit deinem Pfund an!", rief ich entschlossen. Leider erfolgte nur wenige Sekunden später die Ernüchterung, als Fluffy schrill aufjaulte, als sich die brennenden Geschosse ihren Weg durch ihr Fell bohrten. Das kleine Chinchilla-Pokémon jedoch biss sich tapfer die Zähne zusammen und konnte ihrem Gegenüber einen nennenswerten Schlag verpassen. Mit einer ruhigen Handbewegung wies die junge Dame an meiner Seite ihr Sengo zum Ruhen an. Das war also mein Kampf!
      "Eigentlich ist es egal, ob du ein Hunduster oder ein Kanivanha vor dir hast. Auch wenn oft das Gerücht umgeht, dass sich niemand mit Kanivanhas stahlharter Defensive zu messen vermag", kommentierte sie süffisant, als Fluffy den nächsten Treffer einsteckte. Diesen hielt sie ebenfalls aus und konnte Hunduster somit einen weiteren Stoß verpassen. Der junge Hund kippte zur Seite hin um - der Sieg war unser! Sofort rannte ich zu meinem Pokémon, um ihre Wunden zu untersuchen. Fluffy sah schwerer verletzt aus als nach dem Kampf gegen Akira.
      "Mann, lass' uns die Düse machen! Aber hey! Glaubt bloß nicht, dass es das mit Team Rocket gewesen war, Fräulein! Niemals!", keuchte Takashi, der seinen besiegten Hund zurückrief und mindestens genauso hastig mit seinem Kameraden Reißaus nahm.
      "Hast du kein Wundspray dabei? Das ist aber fahrlässig. Fast schon hanebüchen. Hier, nimm es und pflege dein Pokémon", sprach die junge Frau, deren Kleidung durch einen langen, asphaltgrauen Mantel versteckt war, lediglich die schwarzen, halbhohen Stiefel waren erkennbar. Zugegebenermaßen war es abends in den ersten Frühlingswochen immer noch ziemlich frisch.
      "Bist du in Ordnung? Ich meine ... was wollten diese zwei Verrückten von dir? Takashi ... und Takeshi", fragte ich kichernd, nicht in der Lage, die unfreiwillige Komik der beiden erfolglosen Gangster auszublenden: "Wieso nicht gleich Tatsuya und Tetsuya mit ihren Cousinen Mika, Miko und Miku. Oder Aiko und Eiko."
      "Ich heiße Eiko", erwiderte die junge Frau ernst.
      Ich starrte ungläubig und verlegen zurück, lediglich ein scheues Stottern kam nun über meine Lippen: "D-das tut mir ... äh ... ich wollte dich nicht beleidi-..."
      "Ach, Quatsch! Woher sollst du das denn wissen? Nein. Vielmehr möchte ich dir für meine Hilfe danken. Diese beiden Irren. Ich hätte zwar immer noch meinen Bishamon gehabt, aber ... na ja ... Leute aufschlitzen käme jetzt sicher nicht so gut an", antwortete Eiko, während sie ihrem Sengo auf die Schulter klopfte.
      "Sollen wir die Polizei darüber informieren? Solche Menschen sind gefährlich", schlug ich vor. Just in diesem Moment lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Als ob ... nein ... das konnte nicht sein. Es kam mir vor, als hätte ich ein verächtliches Schnauben vernommen. Vermutlich lag es nur an dem kühlen Windzug, der durch meine Glieder fuhr. Genau, das musste es sein!
      "Also eigentlich ist das gar nicht notwendig. Sind die beiden nicht gestraft genug? Stell dir vor, sie kehren mit dieser Hiobsbotschaft zu ihrem Boss zurück. Da möchte man ja gar nicht hinsehen, die Ärmsten", antwortete die Frau lächelnd. Nun, da ich näher ihr Gesicht mustern konnte, datierte ich sie auf Anfang bis Mitte zwanzig. Am auffälligsten allerdings waren bei weitem die zwei länglichen Narben, eine die linke Wange entlanglaufend, während die zweite von der Stirn aus über die Nase hinweg bis unter das rechte Auge reichte. Sie könnte womöglich wirklich recht haben, dass diese Leute zu einer kriminellen Organisation gehörten, denn beide waren uniformiert. Nun erinnerte mich. Einst war in den Schlagzeilen zu sehen, wie eine Bande namens Team Rocket in Kanto, also in Ostjapan, für Furore sorgte. Später würden sie auch in Osaka, Wakayama und am Biwa-ko, unweit von Kyoto, wüten. In meiner Heimatstadt selbst waren sie allerdings noch nicht in aller Munde.
      Plötzlich raschelte das Gebüsch erneut. Nein, das war kein Windstoß, das würde ich spüren. Das einzige, was ich neben ungewisser Angst spürte, war Fluffy, die sich gegen meinen Unterschenkel presste. Bishamon verließ seine aufrechte Position und begann schnüffelnd, auf vier Pfoten Wache zu halten und die Umgebung im Auge zu behalten. Die freundlichen Laternen, die uns eben noch den dunklen Waldpfad erhellten, warfen einen immensen Schatten. Ein Schatten, der etwas Großes ankündigte. Etwas sehr Großes. Im selben Farbton wie diese Laternen offenbarte sich eine gestreifte, wuschige Gestalt, als ob sie der Herrscher ihrer metallenen Diener wäre. Ein von breiter Ablehnung und Feindlichkeit verzerrtes Gesicht ließ mein Blut fast in den Adern gefrieren - ich kannte dieses Wesen, einmal hatte ich es schon zu Gesicht bekommen - ein Arkani: KHAN.

      Team Scowzy - Shitposting is my kink

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    • So, hier mein lange versprochener Kommentar... sorry, aber die letzten Tage waren wirklich stressig q_q ich versuche das nun wieder gut zumachen, kann aber nichts versprechen, da mein Gedächtnis auch nicht das Beste ist.


      Kapitel 3:
      Oh. Mein. Gott. So viel Emotion, so viel Spannung, so viel purer Hass. Mir kam der Doktor schon mit der Kriegsflagge seltsam vor und ich fing da schon an ihn zu hassen. Als er sie dann auch noch als Experiment benutzen wollte, nur wegen Toukas Hörnern und dem Schweif... also ich wollte ihn einfach nur anspringen und erwürgen. Ich liebe solche Geschichten wo die Menschen als Experimente benutzt werden einfach, nicht weil ich das so toll finde, sondern weil das nochmal verdeutlicht wie die Tiere usw darüber denken würden. Wie sie leiden. Zeigt nochmal: Gegen Tierversuche! Finde das hier jedenfalls gut eingebaut und ich habe mich gefreut Tokunara wieder zu sehen. Sie ist wirklich sehr interessant und unglaublich schlagfertig, wie man hier nochmal sieht. So langsam habe ich echt das Gefühl das sie die Seele eines Hundemon darstellen soll... was sich aber widerspricht, weil sie sich in dem menschlichen Körper gut zurecht findet, obwohl er sich anatomisch enorm unterscheidet. Allerdings, egal wie cool ich sie auch finde, irgendwie war der Satz mit dem Spielen Fail und einfach nicht der Situation entsprechend D Bin da fast vom Schiff gefallen. Ja, ich habe die Geschichte auf nem Schiff gelesen. Und Inari scheint ein sehr interessanter Charakter zu sein, vor allem gut eingebaut. Und ich bin stolz darauf das ich den richtigen Gott auch kenne D Scheint auch ne coole Socke zu sein und ich habe mich sehr gefreut das er in den folgenden Kapiteln so wichtig geworden ist


      Kapitel 4:
      An sich ein sehr aufschlussreiches Kapitel was Toukas Vergangenheit angeht. Das ihre Mutter mit ihren Geschwistern, zumindest zwei davon, gestorben ist, ist einfach nur schrecklich und der Geisterfahrer verabscheuungswürdig. Hast leider nicht geschrieben ob er davon gekommen ist oder nicht, doch ich hoffe ganz ehrlich das er ebenfalls gestorben ist. Vor allem die nächsten Angehörigen... ich kann solche Geschichten wiederrum gar nicht ab, weil ich selbst bei der Stelle jetzt ein wenig weinen musste. Bin da sehr sensibel. Kann mir auch sehr gut vorstellen wie für den Vater, Touka und ihre Geschwister eine Welt zusammen gebrochen ist. Da musste ich gleich an das schreckliche Unglück in Nordkorea denken, auch wenn das Kapitel nun schon eine Weile weg liegt. Ansonsten war das Kapitel recht interessant, vor allem der 'Punkt von 2003'. Was ist da geschehen? Das plagt den Leser, man will unbedingt wissen was da passiert ist, warum es so schlecht und schrecklich war und vor allem: WIESO hat Touka davon NICHTS mitbekommen? Geht es um Tokunara? Bin ich mir fast schon sicher das es sich um sie dreht.


      Kapitel 5:
      Irgendwie gibt es hierzu so wenig zu sagen... aber an Toukas Stelle hätte ich ja das Haspiror genommen D: Als Schlapor wäre es doch der perfekte Tänzer! Also entschuldige mich bitte, ich muss in den Zoo, den Hasen adoptieren v.v Aber der Kampf gegen Akira war echt interessant xD Habe das Sniebel immer angefeuert, 1. weil Sniebel, 2. weil Akira D 3. Weil ich Sayuri einfach so hammermäßig dämlich finde das sie schon wieder cool ist ^-^ War irgendwie traurig als Fluffy Akira dann besiegt hat... warum eigentlich Fluffy? Also, englisch? Finde ich auch interessant, alles so japanisch und dann... FLUFFY


      Kapitel 6:
      Yay! Inari und Ran! Bei Ran muss ich immer an Conan denken, auch wenn die da das komplette Gegenteil ist... Naja, finde den Bitchfight zwischen den beiden sehr amüsant, auch wie sie sich fast um Touka zoffen, finde ich irgendwie putzig. Am besten wäre es wenn Touka zu ihm nach draußen zieht, wäre ja auch immer warm und kuschelig. Auch wenn es regnet, verdampft dann ja :D


      Kapitel 7:
      Uiuiui, ein Arenakampf mit Ran! Na das war schon leicht interessant, allerdings etwas unspektakulär... Naja, kann man nicht ändern, trotzdem ein nettes Kapitel. Und wieder einmal liebe ich es einfach wie du die Pokemon-Welt mit der unseren hier verbindest, ich habe das noch nie zuvor gesehen! Ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich liebe es :D


      Kapitel 8:
      Ach Ran, was hast du angestellt. Ich habe so das Gefühl das du versuchst Tokunara zu unterstützen, während Inari sich um Touka kümmern will... oh man, so kompliziert. Aber gerade das macht das ganze wieder so interessant. Und das Mädchen tut mir Leid, sie war zwar scheiße zu Touka, aber jetzt hat sie ein schmorendes Bein :( Naja, Tokunara halt. Sie ist toll, ihr kann man das verzeihen. Aber ich fange an Ran immer und immer weniger zu mögen... normalerweise finde ich die Bösen zwar immer besser, aber hier denke ich mir nur: Ran verschwinde endlich wo immer du auch her kamst!


      Kapitel 9:
      Oh. Ohhh. OHHHHH. Jetzt tut sie mir nur noch mehr Leid. Irgendwie möchte ich sie knuddeln. Also das Mädchen. Das hat sie echt nicht verdient. Und ich glaube Touka weiß wirklich nicht wie sie sich jetzt zu verhalten hat... Irgendwie wirkte sie ziemlich verwirrt als Inari sie bemängelt hat und sie sich mit mehr Selbstvertrauen dargestellt hat... irgendwie kann ich momentan nicht einen einzigen charakter außer Sayuri und Akira leiden, ich weiß es nicht, aber Touka wird mir auch unsymphatisch weil sie sich zu sehr auf Ran einlässt xD


      Kapitel 10:
      Irgendwie ist der Schrein hübsch, aber sieht aus als wäre er nicht echt D Naja, zum Kapitel: Aha, Team Rocket mischt also mit und ist genau so doof wie im Anime. Mal sehen ob wir Takashi und Takeshi jemals wieder begegnen, die haben sich nämlich nach ganz oben auf meiner Lieblings-Skala geschossen... naja, hinter Sayuri mit Akira D Aber das mit Eiko war... ein neuer Fail. Arme Touka. Naja, Bishamon ist ein ziemlich interessantes Pokemon und Eiko ebenfalls, sehr interessant. Woher kommt die Narbe? Was wollte Team Rocket von ihr?


      Und wirklich sorry das du so lange warten musstest und nun so einen Mist liest q_q sry, Stress... ich versuche mich zu bessern...

      "Obscuritemon!"
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    • Vielen Dank für dein riesiges Kommentar! :D Das ist doch kein Mist, das klasse, was du da schreibst! Das freut mich richtig! ^^ Auch wenn ich dir am Ende eine unlogische Frage stellen muss. :)

      3. Das war alles so geplant, sämtliche Andeutungen beziehen sich auf die Einheit 731 (hust: die Uhrzeit), die im 2. Weltkrieg unter der kaiserlich-japanischen Flagge Experimente an Leuten (OP ohne Narkose, Krankheitserreger testen, biologische Waffen) durchgeführt hat. Das war wirklich furchtbar. >.<

      4. Was 2003 passiert ist, wird noch eine Weile im Dunkeln bleiben. :) Touka war zu dieser Zeit allerdings 8. Mit 8 schaut man keine Nachrichten. :tlmao:
      Mit dem Geisterfahrer hast du recht, das habe ich scheinbar vergessen einzubringen. Halten wir uns aber mal an die Wahrscheinlichkeit - hiermit bestätige ich dir, dass er tot ist.

      5. Ich weiß nicht, der Name passte halt zu dem Tier. xD Außerdem leben die bislang nur in Einall (Amerika) wild. Das Floette z. B. trägt einen französischen Namen. Ich finde Chillabell süßer als Schlapor. Ein bisschen. Deshalb wohl. ^^"

      6. Die beiden werden noch viel Spaß/Anti-Spaß miteinanderhaben. Es sind zwei der wichtigsten Charaktere, nur mal so angemerkt. :)

      7. Ran ist zu stark für die Arena. :( Die kann Sondersensor.

      8. Ran ist einfach nur fies. xD

      9. Touka meint doch nur, dass beide ihr (mit unterschiedlichen Methoden) helfen wollen :( Sie hat zwar viele gemeine Menschen gesehen, aber noch keine gemeinen Pokemon. Sie ist gegenüber Ran etwas naiv eingestellt.

      10. Team Rocket soll wahrscheinlich noch einmal vorkommen, ich weiß aber nicht wann. Nicht so super-duper oft zumindest.
      Die Sachen mit Eiko sind bewusst ein Cliffhanger geworden. :)
      Satori heißt Satori, nicht Sayuri xD. Sayuri ist die Protagonistin aus "Die Geisha". Satori basiert eher auf der Bösen...Name vergessen...xD
      Wieso war das mit Eiko ein Fail? D:

      X: Du sagst, dass du die bis auf Satori und Akira alle nicht magst, aber davor sagtest du, dass du Tokunara magst -was denn jetzt? xD

      Team Scowzy - Shitposting is my kink

      The post was edited 2 times, last by Kitsuran ().

    • Denkt bitte dran, dass dieses Kapitel nach etwa zwei Dritteln von Musik unterbrochen wird, es ist dann noch nicht vorrüber!
      Willkommen zu Kapitel #11, viel Spaß! x3

      PS: Ich habe übrigens auch die Personen-/Pokémonliste überarbeitet; Pokémon, die für den weiteren verlauf definitiv unwichtig sind (z.B Jens Nebulak und Alpollo), werden nicht genannt. Allerdings bitte erst nach diesem Kapitel lesen, um sich nicht zu spoilern. ^^



      Kapitel XI: Geta


      Lauf, lauf, Touka, wie du noch nie zuvor gelaufen bist! Das Arkani fletschte mit den Zähnen, die plötzlich das Orange einer brandheißen Glut annahmen, setzte zum Sprung an und begann, uns zu verfolgen. Richtig, Eiko war ebenfalls noch an meiner Seite. Bishamon, das Sengo und Fluffy wurden von uns schnell in ihre Pokébälle zurückgerufen, denn dieses Arkani schien eine Nummer zu groß für uns zu sein. Was hatte es bloß? Wieso schaute es mich mit einem durchdringenden, entschlossenen und pure Ablehnung ausstrahlenden Blick an? Ich bekam nicht wirklich Zeit, über all dies nachzudenken. Im Wald und in der Nähe eines alten, historischen Viertels voller traditioneller Holzgebäude konnte Arkani zumindest nicht aus der Ferne mit Flammenwurf attackieren. Die Sorgen um nicht minder lebensgefährliche Angriffe wie Feuerzahn oder Knirscher waren weitaus berechtigter. Es würde mich töten wollen, ja, mit all diesem unverhohlenen Hass in den dunklen Augen. Arkani waren majestätische Hüter-Pokémon, die in den Legenden durchgängig positiv dargestellt wurden. Wieso schien dieser Khan bloß das komplette Gegenteil von den sanftmütigen Löwenhunden zu sein?
      In meinem Augenschatten nahm ich wahr, wie Eiko verzweifelt versuchte, einen Pokéball von ihrem Gürtel zu lösen, doch bei voller Fluchtgeschwindigkeit gestaltete sich die Aktion schwieriger als gedacht. In aller letzter Sekunde konnte ich eine quer über den Weg verlaufende Baumwurzel ausmachen und gerade rechtzeitig hinüberspringen. Jedoch hatte all dies keinen Zweck, Khan würde das Wettrennen gewinnen. Ein Wettrennen um Leben und Tod, so wie es in der Natur üblich war. Arkani besaßen durch ihre muskulösen Beine eine von Haus aus hohe Grundgeschwindigkeit, die sie in geradlinigen Sprints noch einmal intensivieren konnten. Mehrmals tauchte das Feuer-Pokémon an meiner Seite auf und versuchte nach mir zu schnappen - jetzt war es offensichtlich! Nur ich war sein Ziel, nicht Eiko! Sowohl ich als auch Arkani verloren durch die Ausweichmanöver, beziehungsweise die missglückten Angriffe, stetig an Geschwindigkeit und wurden abgebremst. Der Wald schien fast kein Ende zu nehmen. Meine Seiten schmerzten, als ob zehntausend Messer in ihnen vergraben waren, denn besonders athletisch war ich nie. Ständig schnappte ich nach Luft, die mir bald völlig abhanden war, meine Kehle war staubtrocken und langsam wurde mir wieder schwarz vor Augen.
      "Kazan, es liegt an dir! Rauchwolke! Und geh' sicher, dass du nur das Arkani triffst!", befahl Eiko, als sie endlich den Pokéball gefunden hatte, den sie suchte. Ein dachs- oder marderartiges Wesen, dessen dunkelgrüner Rücken in der Nacht kaum auffiel, sprang auf den Weg und begann plötzlich, in Flammen zu lodern. Das Igelavar spuckte eine gewaltige menge pechschwarzen Rauches in Khans Richtung, sodass sich eigentlich die perfekte Möglichkeit offenbarte, endgültig Reißaus zu nehmen, denn das Stadtviertel mit seinen scharlachroten Lampions lag nun direkt vor uns. So stellte ich mir die Situation zumindest vor, doch statt zu galoppieren, trabte ich vor Schmerzen mit letzter Kraft in Richtung Kyoto. Das Arkani konnte uns doch unmöglich bis in die Stadt folgen, oder? Die Leute würden dem Pokémon sicher seine Grenzen aufweisen!
      "Mach' schneller, komm! Gleich hast du es geschafft! Das sind höchstens noch zweihundertfünfzig Meter! Kazan, uns nach!", rief Eiko, die mich am Arm von dem schwarzen Dunst wegzog: "Feuer' besser noch eine ab, sicher ist sicher!" Das Igelavar machte noch ein letztes mal kurz kehrt, um das wütende Arkani weiter auf Distanz zu halten. Taufrisch und ausgeruht wie er war, hatte Kazan kein Problem, wieder zu uns aufzuschließen. Vorne erschien schon die Brücke und die wild durcheinander redenden Stimmen der Großstadt schlugen auf meine halb betäubte Wahrnehmung ein. Völlig außer Puste ließen wir uns vor einer Wohnhausfassade nieder: geschafft!

      "Wilde Arkani? Das glaube ich kaum! Ich würde gerne wissen, wer sein Arkani frei herumlaufen lässt, vor allem, wenn es wildfremde Leute angreift! Sonst habe ich nur Gutes über dieses Pokémon gehört, doch das ist ja der helle Wahnsinn! Alles in Ordnung bei dir, Mädchen?", fragte Eiko, die ebenfalls noch sowohl um Luft als auch um Fassung rang. Ich versuchte zu nicken, obwohl mein Gesicht sicher etwas Anderes sagte. Ich war sprachlos, kam nicht mehr dazu, mich zu artikulieren. Was hätte ich jetzt nicht alles für eine Flasche Wasser gegeben?
      "Wasser? Ka- ... äh ... hast du ...", stotterte ich so heiser, als ob ich selbst durch die Rauchwolke getroffen wurde, auch wenn dem glücklicherweise nicht so war. Eiko kramte eine Sprudelflasche aus ihrer Tasche und presste sie mir etwas grob in den Mund. Schon nach wenigen Sekunden hatte ich die Hälfte ihres Inhaltes ausgetrunken und schnappte jetzt nach Luft. Mir war einfach nur speiübel und ich befürchtete, dass ich mich jeden Moment übergeben könnte. Doch die beste Medizin dagegen hieß wohl einfach nur abzuwarten.

      "Wieso haben diese Gauner dich denn eigentlich verfolgt?", fragte ich Eiko neugierig, nachdem ich wieder einigermaßen zu Kräften gekommen war.
      "Ach, weißt du ... denen geht es eigentlich nur um Geld ... naja, wie soll ich das sagen, ohne zu viel zu verraten. Wobei, du bist eine Geiko. Die Okiya Aizaki zum Beispiel würde problemlos verstehen, was ich besitze. Des gleiche gilt für Jens. Solange das Geheimnis in vertrauenswürdigen Kreisen bleibt, ist es sicher. Jedenfalls besitze ich ein legendäres Artefakt, das dementsprechend wertvoll ist. Eigentlich hatte ich es vor, heute nacht den Aizakis vorbeizubringen, bis mir diese Ganoven auf die Schliche kamen. Wie immer sie dies auch geschafft haben, es bleibt mir ein Rätsel", erläuterte die junge Frau mit den Narben im Gesicht: "Es ist nicht das erste Mal, dass ich solche Gegenstände sammele und bewahre, gegebenenfalls an die weitergebe, die damit mehr anfangen können. Erinnerst du dich an die Kristallglocken, die einst den Kinkaku-ji, also den Goldenen Pavillon schmückten? Nach dem Großbrand waren sie angeblich verschwunden, doch in Wirklichkeit wurden sie über das ganze Land verteilt. Es sollte Jahrzehnte dauern, sie wieder zusammenzutragen. Ho-Oh, das diesen Turm eins bewohnte, kam nie wieder zurück. Als ob silberne Tränen in den Boden sickerten, schmolzen viele der mit Metall überzogenen Teile, logischerweise die aus Zinn zu erst, da sein Schmelzpunkt um das vierfache niedriger ist als der von Gold, auch wenn ich mich da nicht physikalisch korrekt geäüß-... ach, du verstehst doch sicher, was ich meine. Daher kommt der Name Zinnturm. Das Ornament, dass ich jetzt mit mir trage, gehört zu einem der drei Pokémon, die in dem von Hass, Missgunst und Neid befallenen Mönch verursachten Brand ihr Leben ließen."
      "Wow. Wenn das stimmen sollte ... also, ist es wirklich echt? Es klingt so unglaublich und geheimnisvoll!", zweifelte ich. Diese Pokémon waren schließlich so selten gesehen, dass sie als Legenden oder Hirngespinste galten. Diejenigen, die sie allerdings sahen, berichteten von einer schier unmöglichen Geschwindigkeit, die es unmöglich machte, ihre Präsenz auf einem Foto einzufangen.
      "Zu neunzig Prozent handelt es sich hierbei um ein Original. Wenn es dieses Original überhaupt gegeben hat, aber da bin ich mir ziemlich sicher. Team Rocket scheinbar auch. Ach ja, die Wasserflasche kannst du behalten. Die Aizakis erwarten mich schon und ich erzähle hier Märchenstunden, ich sollte wirklich gehen. Komm, Kazan! Ach ja ... wie heißt du denn überhaupt?", fragte Eiko, die ihre Sachen zusammengepackt hatte und schon im Zuge war, hinfortzugehen.
      Ich stand ebenfalls auf und verbeugte mich vor ihr. Schließlich hatte ich es zu verdanken, dass ich womöglich noch am Leben war und sprach: "Vielen Dank nochmal, Madame ... Eiko. Ich weiß nicht, was ich ohne dich gemacht hätte. Pass auf dich auf und leb wohl!"
      "Nur Eiko reicht. Außerdem bist du diejenige, die eher auf sich aufpassen müsste!", lachte die junge Frau, die mir bereits den Rücken zugewandt hatte.

      "Komm raus, Fluffy! Amida sei dank warst du in deinem Pokéball geschützt und hast diese grauenvolle Hetzjagd nicht mitbekommen. Es war so furchtbar! Lass uns schnell nach Hause gehen. Ich habe wirklich keinen Nerv mehr für diesen Tag", sagte ich zu meinem kleinen Picochilla, das ich meine von Eiko erhaltene Flasche leertrinken ließ. Nochmals beobachtete ich verträumt die ruhm- und traditionsreichen Gassen des alten Kyoto. Geikos huschten nun in ihren Kimonos gelegentlich über die Straßen, denn die ersten Bankette waren schon vorüber. Gerade die berühmte Matsumura-Ochaya mit ihrer zinnoberroten Fassade, die allen Gästen einen warmen Empfang bereiten sollte, wusste Einheimische und Touristen zu verzaubern. Plötzlich öffnete die sich mit zahlreichen vertikal angeordneten braunen Sprossen Tür und jemand empfing mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Wie bei allen erwachsenen Geikos enthielt die Frisur der Dame lediglich zwei Haarnadeln und einen rötlich-braunen Kamm aus Schildpatt, den Kushi. Der mittlere Teil der Geikofrisur glich drei breiteren Knubbeln, wobei der zweite, mittelgroße, auf dem Großen im Stirnbereich aufbaute, während der kleinste, Hintere auch nur von hinten sichtbar war. An den Seiten glich die Frisur zwei Nieren, die den Kopf einrahmten. Doch diese Geiko, die mir herausfordernd in die Augen blickte, war mir hinlänglich bekannt.

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      "Wie passend, dass du deinen Wischmopp schon draußen hast. Das kommt mir gerade recht. Ich werde nicht noch einmal zulassen, dass du mich so blamierst, wie du es bei unserem ersten Kampf getan hast. Na los, ich brenne auf eine Revanche!", rief Satori, die in ihrer vollen Geikomontur, die auch die Geta, also die Holzsandalen beinhaltete, langsam auf mich zutrippelte.
      Zum Rennen waren diese Schuhe ganz gewiss nicht geeignet. Nach alldem, was ich heute wieder durchgemacht hatte, hatte ich einfach keine Lust auf Satori, was ich ihr auch kurz und knapp zu verstehen gab: "Du nervst."
      "Ich habe dich nicht gefragt, ob du mit mir kämpfen willst, deine Meinung geht mir sowas von hinten vorbei. Ich zwinge dich, mit mir zu kämpfen. Nana, du machst den Anfang. Du bist neu und ich möchte sehen, was du so drauf hast!", keifte meine Erzrivalin, die ein kleines Eneco in den Kampf schickte: "Zeig' mir mal deinen Tackle!" Ich dachte, dass jede von uns doch nur ein Pokémon besitzen durfte.
      "Fluffy, du musst der Attacke schnell ausweichen und sie mit Pfund attackieren!", rief ich zu meinem Pokémon. Es schien so, als wollte mir alles gelingen - Fluffy sprang über Nana hinweg und stieß das kleine Kätzchen mir voller Kraft zu Boden, da sie es mit dem Schweif genau in den Rücken traf. Für das Eneco war der Kampf mit einer Attacke vorbei.
      "Das war ja überhaupt nichts. Entweder ist Touka zu stark oder du zu schwach, aber da ich ersteres ja vehement ausschließe ... zurück. Du warst eine Enttäuschung", zischte Satori, die einen weiteren Ball parat hielt: "Daigo, jetzt räumen wir mal gewaltig auf! Ich habe gar keine Lust auf solche Spielchen, also pack' direkt den Surfer aus!" Surfer? Ich rieb mir verwundert die Augen, als ich plötzlich einem hellblau-beige geflecktem Krokodil mit eine Art rotem Hahnenkamm gegenüberstand. Dieser Daigo war nichts Geringeres als die weiterentwickelte Form eines Karnimani, ein Tyracroc. Neben Karnimani konnten angehende Pokémontrainer aus der Großregion Erweitertes Kansai, also auch aus Nagoya und von der Insel Shikoku, zwischen dem Krokodil, Endivie und Feurigel, das sich scheinbar Eiko ausgesucht hatte wählen. Sie waren ziemlich exklusiv und selten, daher wunderte ich mich immens, wo Satori dieses Pokémon aufgetrieben haben könnte. Das Reptil gehorchte umgehend und begoss die Pflasterstraßen Gions mithilfe einer stürmischen Wasserwelle. Die anderen Geikos und die Besucher versuchten, sich schnell vor dem kühlen Nass in Sicherheit zu bringen, doch Fluffy, die in unmittelbarer Nähe als Ziel des Angriffs am härtesten getroffen wurde, wurde von der Attacken umgerissen. Sie spuckte und keuchte nach Luft, so wie während meiner Flucht vor Khan. Ich spürte, wie das kalte Wasser kurz meine Füße umschlang, nur um danach wieder abzufließen. Fluffy hatte nicht den hauch einer Chance gegen ein Tyracroc, dies wurde mir schnell klar - doch als ob Satori mich davonkommen ließe!
      "Siehst du, Nana, so geht das. Wenigstens du taugst etwas, Daigo, komm zurück! Akira, verpass' ihr den Gnadenstoß! Ruckzuckhieb!", rief Satori, als sie das Wasser-Pokémon gegen ihr Sniebel austauschte. Die Flammen der Revanche in den Augen des Stichklauen-Pokémon glühten auf tausend Grad, bereit, mir die Schmach der Niederlage zurückzuzahlen. Fluffy war völlig außer Kraft nach Daigos Attacke, sodass sie nicht in der Lage war, rechtzeitig davonzuspringen - immerhin hatten wir es immer noch mit Sniebel, einem der wendigsten Pokémon überhaupt zu tun. Schneller, als Satori ihr hämisches Grinsen aufsetzen konnte, ging mein Pokémon ohnmächtig zu Boden, das Fell ganz durchnässt. Ich war mit einem Pokémon klar im Nachteil, doch dass schien meine Konkurrentin nicht zu stören, kein bisschen. Dann schritt sie langsam trippelnd mit ihren Geta auf mich zu. Was war denn JETZT noch?

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    • So, sorry für spätes Kommentar, aber Arbeitsstress ist echt unglaublicher Mist. Naja, ich versuche einen relativ langen Kommentar zu schreiben, kann aber nichts versprechen ^.^

      Zuallererst: Wahnsinn, diese Jagdszene. Man konnte sich die Angst richtig vorstellen die Touka hatte, während sie von Khan verfolgt wurde und einfach toll fand ich, wie sie ihn abgehängt hat. Die Frage bleibt: Worauf hatte er es genau abgesehen? Höchstwahrscheinlich auf Tokunara, ansonsten könnte ich mir nichts anderes vorstellen. Mit Inari schien er immerhin befreundet zu sein, Ran kannte nicht einmal Inari und Fluffy ist diese Verfolgungsjagd wohl eher weniger wert... nichts gegen Fluffy, versteht sich. Allerdings kann ich mit ihrer Spezies ohnehin nicht viel anfangen ^.^"
      Nunja, dann eine kleine Erzählstunde mit der guten Eiko und ich konnte nur den Kopf schief legen, da ich kaum etwas von dem verstanden habe, was sie erzählt hat... vielleicht bin ich auch einfach nur doof xD Naja, vielleicht war das auch so von dir geplant um die Neugierde des Lesers zu halten, wenn ja ist dir das definitiv gelungen. Auch wenn ich das Gefühl habe, das dieses... Relikt etwas mit Ho-Oh, Lugia und den drei legendären Katzen zu tun hat.
      Und eine kleine Revanche für die gute Satori, mh? Aber wie sie ihr Eneco behandelt... Alter, da will man lieber das gute Daigo... auch wenn der Name meiner Meinung nach der größte Schrott ist, aber meh xD Und schön, sie hat gewonnen, auch wenn es mir für Fluffy leid tut... aber nun bin ich schon gespannt was sie von der armen Touka haben will... reicht ihr eine normale Niederlage nicht?

      Naja, morgen Arbeit, also muss das reichen... sorry ^-^"

      "Obscuritemon!"
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    • Das wurde aber auch höchste Zeit. Endlich sind mir bei beiden Geschichten die Ideen wiedergekommen! :D Feather, auf dein Kommentar gehe ich heute Abend etwas ein, zwingend wars ja nicht wirklich, sonst hätte ich es schon getan. ^^ Vielen Dank schon mal dafür. :) Ein würdiger 700. Post, nicht wahr?

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      Kapitel XII: Yasaka-jinja


      "Du siehst ganz schön mitgenommen aus - auch schon vor dem Kampf. Was ist los? Willst wohl nicht darüber reden. Dann halt nicht. Geh deine Füße abtrocknen, sonst wirst du noch ... ach nein, du bist ja schon ... oooh, nein, vergiss den Satz, ich möchte den Bogen ja nicht überspannen. Bis dann!", sagte Satori, als sie mir kurz nach Ende des Kampfes herausfordernd in die Augen starrte, obwohl die Herausforderung doch schon vorbei war. Ich wusste nicht so recht, ob sie diesen Satz geplant hatte, um mich am Ende doch wieder nur zu beleidigen oder ob vielleicht doch der Hauch von Sorge in ihren Worten verborgen war. An ihrer Stimme jedenfalls maßte ich es mir nicht an, irgendetwas Fürsorgliches dort zu erkennen. Weder für mich, noch für das arme, kleine Eneco. Je dunkler die Nacht wurde, desto kälter erschien mir auch der Rückweg. Natürlich hätte ich die pitschnasse Fluffy auch in den Pokéball schicken können, aber ich wollte nach ihrer ersten schweren Niederlage unmittelbar an ihrer Seite bleiben. Naoko, das Ohrdoch, würde sicher dafür sorgen, dass sie sich keine Erkältung einfing - und ich würde hoffentlich auch davon verschont bleiben.

      Dass ich das mal erleben durfte - ein Tag, der ganz normal begann, nach einer Woche ein gewöhnlicher Unterrichtstag! All das Unrealistische und Unglückliche, was mir in den letzten sieben Tagen widerfahren erschien mir gestern Abend noch so selbstverständlich. Ich fühlte mich wie neugeboren, als ich zusammen mit Madame Hatano weiter an meinem Flötenspiel feilte. Wie aus dem Winterschlaf erwacht, als ich bei Madame Tainaka das Zupfen der Shamisen und der Koto weiter vertiefte. Als ob ich in eine andere Welt eintreten würde, in der ich doch so lange gelebt hatte, in dem Moment, als ich wieder begann, zu tanzen. Besonders gefreut hatte ich mich, dass ich bei Meister Kanda die Schriftzeichen malen konnte, ohne mein Bewusstsein zu verlieren. Ehrlich gesagt hatte ich große Angst, dass es jederzeit wieder passieren könnte, aber dem war glücklicherweise nicht so. Die anderen Schülerinnen hatten Nachsehen gehabt, auch wenn sie mich etwas genauer im Auge behielten. Nach dem, was ich gehört hatte, war das ja auch nur logisch. Ich hätte ebenfalls Angst vor einem Wesen, das plötzlich und unvorhergesehen wie ein Camerupt oder ein Lektrobal in die Luft ginge. "Hatte" passte meiner Ansicht nach allerdings besser als "hätte" - ich WAR mir ja selbst nicht mehr geheuer!
      Das Treffen mit meinem Vater ausgenommen, war ich eigentlich die ganze letzte Woche über mit anstrengenden, frustrierenden oder schockierenden Ereignissen überhäuft worden. Nachdem die Kalligraphiestunde als letzter Unterrichtsblock beendet war, gönnte ich mir noch ein paar Yatsuhashi, bevor ich zur Okiya zurückkehrte. Yatsuhashi bestehen aus Reispulver, dass mit Zimt und Zucker vermischt in einem beigen Dreieck aus Bohnenteig eingeschlossen war. So kurios die japanische Küche für viele auch zu anmutete, diese typischen Süßigkeiten aus Kyoto waren den europäischen und amerikanischen Desserts gar nicht mal so unähnlich. Vermutlich lag es einfach an dieser unbeschreiblich gut duftenden Kombination aus Zimt und Zucker, die wohl fast allen Menschen auf der Welt das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ! Vor allem an Weihnachten war Zimt scheinbar sehr beliebt, aber dieses wurde in Japan nicht wirklich aus religiösen Gründen gefeiert, doch die schönen, bunten Lichter erhellten die Straßen trotzdem. Momentan waren wir von Weihnachten allerdings weit entfernt. Ich war ganz froh, dass ich den dünneren, blattgrünen Kimono mit entsprechendem Muster trug, anstatt eines wärmeren, obwohl es morgens immer noch relativ frisch war. Man könnte meinen, dass ich wohl wieder in meinen üblichen Alltag zurückgekehrt wäre - einen Alltag, in dem man Überraschungen weder erwarten konnte, noch zu befürchten hatte. Doch dem war nicht so. Natürlich nicht. Die Geister, die ich rief, waren fortan immer an meiner Seite.
      "Sei gegrüßt, Touka. Freust du dich, nach einem langen Unterrichtstag noch mehr Unterricht zu bekommen? Du bist sicher überrascht, uns so gemeinsam zu sehen. Aber naja, es war eben unvermeidlich, wenn du bis zum frühen Abend nicht zu erreichen bist", begrüßte mich Inari, der mittlerweile keine Scheu mehr davor hatte, sich den Menschen mitten auf der Gasse zu präsentieren. Doch er war nicht alleine gekommen, so grotesk das auch schien.
      "Halt die Klappe und lass uns endlich beginnen, Mielke. Touka, sag nicht, dass ich dich nicht gewarnt hätte. Der will nicht nur dich überwachen, sondern auch mich", grollte Ran, die es sich mit gekreuzten Vorderpfoten auf einer schneeweißen Mauer bequem gemacht hatte.
      Ein Vorwurf, den Inari so nicht im Raum stehen lassen konnte. Ehrlich gesagt hätte mich es auch gewundert, wenn die beiden sich auch nur ansatzweise vertragen würden.
      "Bei dir ist es auch von Nöten. Wer weiß, was du noch alles anrichtest", zischte der Rüde die Fähe an, die gleichgültig den Kopf wegdrehte. Weder Urara, noch der jungen Fukumomo oder Yukisango höchstpersönlich hatte ich von der Hetzjagd Khans berichtet. Ich hätte sehr gerne Inari davon erzählt, da er den mächtigen Feuerhund persönlich kannte und vielleicht mehr über dessen Hintergrund wusste, doch im Beisein von Ran schien mir das Ganze zu heikel.
      Unser Ziel war der relativ nahegelegene Großschrein Yasaka-jinja, der wichtigste Schrein, der Gion zu bieten hatte. Wir Geikos und alle anderen Bürger Kyotos waren mit diesem Meisterwerk der Architektur schon immer sehr verbunden. Im Jahre 869 hatte eine Seuche die junge Hauptstadt Kyoto befallen, sodass tragbare Heiligtümer dieses über 1350 Jahre alten Bauwerks durch die Straßen getragen wurden. Dies war die Geburtsstunde des Gion Matsuri, einer Festlichkeit, die den ganzen Juli in Anspruch nahm. Ähnlich wie beim Fushimi Inari leuchteten die Fassaden der Haupttempel und -tore in Weiß, die mit sehr vielen roten Balken gestützt wurden. Die hellrote Farbe erinnerte fast an frisches, sauerstoffhaltiges Blut einer Arterie, als ob die Balken und Säulen das Blutgefäßnetz des Tempels bildeten. Türen und Fenster strahlten standardgemäß in einem mittleren Grün, der extravagante Gebäudeteil passte einfach partout nicht zu dem zwar weit ausladenden, aber in einem schlichten Mattbraun gehaltenen Dach, dass nur in seiner Größe imposant war. Mit dem gleichen Farbton, der den dunklen Streifen eines Zigzachs ähnelte, war auch der Herzschrein ausgestattet. Doch dieser wusste vor allem Nachts die Leute auf eine ganz andere Weise zu bezaubern. Hunderte längliche, pillenförmige, mit Kanji bedruckte Laternen erglühten nachts an allen vier Seiten des Schreins in einem warmen Weiß, so wie die romantischen Gassen Frankreichs zur Weihnachtszeit in Licht eingehüllt wurden.

      "Darf ich dir vorstellen? Deine neue beste Freundin", stellte Inari mir fröhlich vor: "Guck' nicht so bedröppelt! Ein Mensch!" Wieso brauchte ich eine neue beste Freundin? Ich hatte doch in der Okiya bereits Fukumomo und Urara, mit denen ich mich gut verstand. Außerdem gab es mit Kyoko, Yukisango, meinem Vater und den Lehrern genügend andere Menschen, an die ich mich wenden konnte. Was sollte das? Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Ran sich ein Lachen nicht verkneifen konnte. Außerdem war es sehr merkwürdig, dass die beiden sich auf einen Plan einigen konnten - der ja das gleiche Ziel verfolgen musste. Ich musterte das Mädchen. Sie schien ungefähr so alt wie ich zu sein. Nervös rollte sie ihre Schultern und neigte den Kopf ständig nach links oder nach rechts. Immer und immer wieder. Ihre mittelbraunen Haare waren sorgfältig zu einem Pferdeschwanz gebunden, der wie eine Blume eines Bisaflors, das seinen Solarstrahl auf alle Personen hinter ihr abfeuern wollte, gespreizt war. Ihre rehbraunen Augen zuckten hin- und her, als befürchtete sie, dass jederzeit Suicune aus dem Schrein springen würde. Neben einem langärmligen Oberteil eines Kampfanzugs in schwarz trug sie eine ebenfalls schwarze Radlerhose, die bis an die Knie reichte. Darüber hatte sie einen weißen Faltenminirock, vermutlich aus Jeansstoff angezogen. Die schwarzen Söckchen und die weißschwarzen Turnschuhe sahen makellos aus, kein Fleck, absolut gerade und symmetrisch, genau wie ihre tropfenförmigen Jadeohrringe.
      "Dafür, dass sie gewaltig einen an der Klatsche hat, ist sie ja noch echt hübsch. Hahaha, viel Spaß, ihr beide werdet sicher allerbeste Freunde! Lad' sie doch mal bei dir ein! Adios, bis bald!", johlte Ran, die direkt kehrt machte. Das war es also schon? Was hatten sie sich bloß bei dieser Sache gedacht? Denn Rans Worte klangen alles andere als nett. Weder für sie, noch für mich, denn sie kamen fast schon einer Warnung gleich, als ob man einen gewaltigen Pfeil in Neonorange über ihren Kopf hinge.
      Ich verneigte mich höflich vor ihr und versuchte, irgendwie ein Gespräch zu eröffnen: "Hallo. Mein Name ist Touka, freut mich dich kennenzulernen. Ich bin eine Gion-Maiko. Scheinbar haben uns die beiden Vulnona zusammengeführt. Weißt du, wieso?"
      Es dauerte einige Sekunden, bevor das Mädchen mich genug inspiziert hatte und anfing, mit einem starken südlichen Dialekt zu sprechen. Ein Dialekt, wie er in der umgangssprachlich auch Hoenn genannten Großinsel Kyushu oder gar noch weiter zu hören war. Vielleicht Kumamoto, Miyazaki, Kagoshima oder gar Okinawa?
      "Hallo. Du hast Dreck auf deinen Schuhen. Hier, damit kannst du es wegmachen."
      ... nein, so was sagte sie nicht, nein, nein, nein ...
      ...doch. Genauso. Mit einem Lächeln, als ob sie eine gute Tat vollbracht hätte, wie ein kleines Fukano, das ganz aufgeregt auf sein Leckerchen wartete. Sie reichte mir eine Art Feuchttuch, aber ich war in dieser Situation komplett perplex!
      "Möchtest du, dass ich meine Schuhe damit saubermache? Ist es das, was du möchtest? Schau doch, das ist nur ein kleiner Streifen", sagte ich vorsichtig, um nicht zu unhöflich rüberzukommen.
      "Selbstverständlich! Du hast doch sicher nach jemandem gesucht, der tragbare Feuchttücher mit sich herumträgt, um diesen grässlichen Anblick voll und ganz auszulöschen!", kam postwendend zurück.
      Ich versuchte, nicht abweisend zu sein und entfernte diesen minimalen, vielleicht einen halben Zentimeter langen Streifen an meinem rechten Schuh und visierte einen Themenwechsel an, der normalerweise nie notwendig gewesen wäre: "Eigentlich wollte ich ja wissen, wer du bist und wie die Vulnona dich gefunden haben, weißt du? Aber trotzdem, vielen Dank, dass ich meine Schuhe säubern durfte."
      "Gern geschehen. Es freut mich, dass wenigstens ein paar andere Wesen meine Auffassung von Hygiene und Ordnung teilen. Gerade die Großstadt ist ein Dschungel, in dem ..."
      "WIE HEIßT DU? Oh, tut mir leid, wenn ich etwas zu laut geworden bin, das ist sonst gar nicht meine Art", unterbrach ich sie halb unbewusst. Scheinbar schien ihr das nicht viel auszumachen, und wenn, dann tarnte sie es relativ gut. Sie legte verspielt den Kopf zur Seite und lächelte mich an, als ob ich die erste Person sei, die ihre Schuhe jemals sauber gemacht hatte.
      "Also, was du grob über mich wissen solltest ... mein Name ist Raazu Taganzoku, 17 Jahre alt, Nachfahrin einer Ninjafamilie, aber heutzutage züchten wir nur noch Damhirplex und Kronjuwild. Nicht die in Nara, wir besitzen eigene, die auch mit nach Kyoto gekommen sind. Na ja, die beiden Vulnona ... sie ... ich kenne sie jetzt schon ein paar Tage. Sie waren sehr zutraulich, zumindest der Weiße", sprach das merkwürdig anmutende Mädchen, dessen Augen sich plötzlich neugierig weiteten. Nein. NEIN. NICHT SCHON WIEDER! WENN DU MEINE HÖRNER ANPACKST WERF' ICH DICH IN DEN ABWASSERKANAL!
      "Sie sind symmetrisch. Wie kleine Kegel. Sie sind echt hübsch, ich hätte selbst auch gerne welche!", frohlockte Raazu, als ich es tatsächlich über mich ergehen ließ, dass jemand an meine Hörner packte. Wütend peitschte ich mit meinem dunklen Schweif, der unter dem Kimono komplett verborgen blieb, wahrscheinlich ganz im Gegensatz zu meiner Miene.
      "TUCH! Vor vielen Stunden hattest du das letzte Mal geduscht? Hast du Schuppen? Du hast doch ganz sicher keine Läuse, sonst dürftest du doch gar nicht die Quarantäne verlassen, oder? Sag mir bitte, dass du gesund bist und gib mir ein Tuch! Nein, halt! Du würdest dann meine Tasche angreifen, die ich dann komplett abwaschen müsste!", kreischte meine neue allerbeste und bestimmt niemals nervende Freundin, als sie hektisch mit den Armen herumfuchtelte, um irgendwie eines der Feuchttücher aus der Packung herauszuziehen. Das Gesicht, halb mit Ekel, halb mit Panik gefüllt, entspannte sich erst mehrere Atemzüge, nachdem ihre Hände wieder "sauber" waren. Gut, danke, Ran. Ich hatte begriffen, was sie mir sagen wollte. Allerdings hätte keine Warnung dieser Welt mich auf so etwas vorbereiten können. Ich sollte nicht so fies denken. Schließlich hatte man mich auch so oft nur an einigen wenigen Macken mit Vorurteilen belastet, ohne mir je eine Chance zu geben. Klar, ganz koscher kam sie mir nicht vor. Jeder hatte seine Macken. Doch eins fragte ich mich - was versprachen sich meine beiden animalischen Mentoren davon?

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    • Kapitel XIII: Yukionna


      "Ach, die Schlacht von Enoshima von 2003 sagt dir nichts? Also, grob zusammengefasst gab es da ein Mädchen namens Kaede. Sie war genauso eine Außenseiterin wie du und kam wohl lediglich mit Tieren aus. Sie schien eine ziemlich traurige Hintergrundgeschichte zu besitzen, unter anderem ist nichts über ihre Eltern bekannt gewesen. Dieses Mädchen wurde dann eben gemobbt. So wie du, nur, dass du es verdient hast. Das war wesentlich brutaler, das sie hatte einstecken müssen. Oder wirst du von mir geschlagen oder getreten, nein!", beantwortete mir Satori die Frage, die ich eigentlich an Urara gestellt hatte. Natürlich schlug sie mich nicht. Die blauen Flecken würden sofort auffallen und Yukisango hätte sie wohl ohne mit der Wimper zu zucken vor die Tür gesetzt. Aber wie gerne ich hätte ich sie geschlagen, mitten in die arrogante Visage. Sie fühlte sich jetzt ganz besonders überlegen, nach dem sie den Pokémonkampf gegen mich entschieden hatte.
      "Ich würde dich für deine Frechheiten gerne durch die Papiertür ins nasse Gras befördern, aber das bleibt mir leider verwehrt. Die kleine Atsuko wird dann nämlich sofort petzen!", schoss Urara mit Giftpfeilen zurück: "Sie hatte mich gefragt, deswegen bin ich verwundert, dass du dich überhaupt in dieses Gespräch einmischst."
      "Du kannst keine Pointen setzen, bist humorlos und dein Wissen ist lückenhafter als das eines Alzheimer-Patienten. So, Touka, hör zu, dieses Mädchen, Kaede, hat dann ein paar mal randaliert. Man vermutete, sie besäße mysteriöse Kräfte und hatte es deshalb mit fünf Burschen gleichzeitig aufnehmen können. Letztendlich gingen diese Wutanfälle so weit, dass sie zu Todesfällen führten. Als sie ungefähr in deinem Alter war, reihten sich die Ausbrüche aneinander wie eine Grundschulklasse vor dem Zug. Polizei und Spezialeinheiten versuchten, der armen Verrückten Einhalt zu gebieten, doch es funktionierte nicht. Schlussendlich endete ihr verzweifeltes Leben in einem letzten Gefecht auf der Insel Enoshima in der Nähe von Kamakura. So wird es zumindest erzählt, wie von diesem Herrn Okamoto. Vielleicht ist es etwas übertrieben geschildert, aber ich habe mir immer vorgestellt, dass du auch irgendwann wahnsinnig werden würdest", erläuterte Satori mit ihrer selbstgefälligen Stimme.
      Nachdem Urara sie bei ihrem echten Namen genannt hatte, erntete diese einen hasserfüllten Blick, der höchstens eine Sekunde währte, bevor sie sich wieder mir zuwandte. Ich war gerade erst von der Schule gekommen und mein Pony lag chaotisch und pitschnass in meinem Gesicht. Es hatte ziemlich stark an diesem Mittag geregnet, sodass die dunkelgrauen Wolken die Stadt noch immer in eine aschfahle Tristesse einhüllten, die eher auf die späten Abendstunden schließen ließ. Wir hatten sogar die Lampen und die Lampions in allen Zimmern erleuchtet, so dunkel war es. Es war so dunkel, wie in Satoris Kopf. Wann würde sie endlich ihrem Namen gerecht werden und erleuchtet werden? Mir kam es so vor, als würde ihre unangenehme Aura langsam, aber sicher auf mich abfärben. Unmengen an schlechten Gedanken kamen mir in den Kopf, ich stellte mir bildlich vor, wie ich ihr gegen das Schienbein trat und sie sich ihr Steißbein am Kühlschrank prellte. Ich hatte mich seit dieser einen Woche so sehr geändert. Satori befürchtete ja, ich könnte geradewegs auf ein persönliches Debakel zusteuern - meiner Meinung nach war ich bereits in direktem Weg dorthin. Irgendwann würde ich ihr noch eine scheuern, irgendwann. Wie gerne hätte ich ihren verdutzten Gesichtsausdruck gesehen! Wie sich mich angrinste. Touka, bitte beherrsche dich doch.
      Touka!
      "Wir beide gehen mal an die frische Luft. Lass' Touka ihre Sachen ablegen, okay? Sie hat sicher noch einiges zu tun", zischte meine O-nee-san meiner ewigen Widersacherin zu, während sie sie raus aus der Küche zog.

      "Was machst du hier?"
      "Ich soll dich doch treffen. Ich meine, wen soll ich denn sonst treffen? Inari hat gesagt, dass ihr sehr reinlich seid."
      Es war Raazu. Angespannt biss sie sich auf die Lippen, als könnte möglicherweise mit einer zweiprozentigen Chance das absolut Böse hinter unserem Genkan lauern - in ihrer Welt handelte es sich dabei wohl um Sleimok und Deponitox.
      "Komm' rein, hier drinnen ist es warm und trocken!", lud ich meine Gästin freundlich ein. Die Welt der Geikos war ein völlig eigenes Reich, dessen Pforten nur Frauen überwinden durften. Für Jungen und Männer war normalerweise der Flur der letzte Bereich, den sie besuchen konnten. Ich wartete noch darauf, dass Satori es sich irgendwann erdreisten würde, einen Freund hier trotz Verbot einzuschleusen - wenn sie ihn nicht mit ihrer garstigen Art schon längst verschreckt hätte. Ich traute dies jemandem wie ihr durchaus zu, doch letzten Endes war ich nur wieder über mich selbst erschüttert, dass ich an so etwas überhaupt dachte. Denn der achtfache Pfad des Buddhas beinhaltete auch das rechtschaffene Denken. Ich befleckte mich mit Karma, als ich diesen unbegründeten und unberechtigten Vorwurf ihr gegenüber in meinen Gedanken aussprach. Wie bereits gesagt, die Okiya ist für Männer tabu. Es soll auch Fälle gegeben haben, wo Geiko-Mütter unüblicherweise ihre Karriere nach der Schwangerschaft wieder aufnahmen und ihre jungen Söhne mit ins Haus brachten. Einzig und allein dem Ankleider war es gestattet, bis in die obere Etage des Gebäudes vorzustoßen und die Künstlerinnen im Ankleideraum professionell zu betreuen. So war es schon immer.
      Argwöhnisch beobachtete Raazu die ihr völlig unbekannte Umgebung. Mir würde spontan auch nichts einfallen, an dem sie etwas aussetzen hätte können, doch man wusste ja schließlich nie.
      "Touka! Touka, schau mal bitte! Ich glaube, an meinem Tanzfächer ist eine Sprosse abgebrochen, schau, da! Meinst du, dass man das wieder kleben kann?", fragte mich plötzlich Fukumomo auf der Treppe zur oberen Etage, als sie mich mit großen, dunkelbraunen Augen hoffnungsvoll anstarrte. Denn in solchen Sachen war sie, obwohl nicht besonders viel jünger war als ich, hoffnungslos verloren.
      Raazu stieß einen resignierten Seufzer aus, als sie sich den Fächer kurz anschaute: "Reparieren? Schmeiß' den weg! Er ist nicht mehr symmetrisch, selbst wenn du ihn klebst! früher oder später wird er doch sowieso wieder abbrechen!"
      "Das ist aber mein Lieblingsfächer! Am liebsten würde ich immer nur mit ihm tanzen! Er hat eine ganz besondere Bedeutung für mich, weil meine O-nee-san ihn mir gekauft hat! Touka, was ist das für eine? Sie tut ja so, als hätte sie Ahnung vom Tanzen!", jammerte die kleine Maiko, die neben vielleicht noch Kyoko die wohl die einzige Person auf diesem Planeten war, die in mir ein Vorbild sah. Ich war zutiefst gerührt, als ihren Blick von ihrem geliebten, mit Zedern verzierten Maiougi auf mich richtete und innerlich betete, dass ich im Notfall sogar mit gottgleicher Kraft den Tanzfächer wieder reparieren würde.
      "Ich habe Ahnung von Hygiene, das ist schon viel wert. Seid ihr schon mal jemals auf die Idee gekommen, den Griff eures Fächers zu desinfizieren? Es mag ja durchaus sein, dass ihr während des Übens schwitzt!", erläuterte Raazu fast schon etwas erschrocken, doch ich beschloss, einen möglichen Konflikt direkt im Keim zu ersticken.
      "Halt die Klappe und komm' mit nach oben. Deinen Anorak kannst du hierhin hängen. Ich zeige dir mal unser Zimmer!", rief ich enthusiastisch, denn eigentlich könnte das Ganze ganz amüsant werden. Sicher würde ich sie mit irgendetwas schockieren, ja, ganz sicher sogar! Als sie ihre Jacke und ihre Schuhe auszog, traute ich meinen Augen nicht. Was war das denn für eine Heuchlerin? Ich musterte sie von oben bis unten und merkte mit einem fast schon vorwurfsvollen Tonfall an: "Du trägst immer noch deine Schuluniform, obwohl du zuhause gewesen sein musstest, um deinen Anorak anzuziehen. Wenn jemand wie du, der panische Angst vor Schweiß hat nach Hause zurückkehrt, wäre dann nicht eine Dusche das Erste, das er nehmen würde?" Nun musterte ich sie zurück, von unten nach oben. Die exakt symmetrisch hängenden, schwarzen Strümpfe, der blau-schwarz-karierte, kurze Rock und das die dazu passenden Weste, Bluse und Schleife, in den gleichen Farben, die ihre Schuluniform komplettierten.
      Doch mehr als die erhobenen Augenbrauen veränderten sich in ihrem Gesicht, als sie mir mit todernster Miene antwortete: "Ich schwitze nicht. Generell nicht. Nie. Überhaupt nicht. Es ist unmöglich. Deswegen habe ich mich dazu durchgerungen, direkt zu dir zu gehen. Aber du solltest vielleicht duschen. Aber dann ... stimmt, vielleicht hätte ich doch vorher duschen sollen." Die hatte doch einen totalen Sprung an der Schüssel!
      "Hey, du, irgendwann hau' ich dich um. Nicht nur im Pokémonkampf", warf mir Satori entgegen, als sie das Ankleidezimmer verließ und uns auf dem Flur begegnete.
      "Ich habe wirklich schon kreativeres von dir gehört. Ich habe eine Gästin mitgebracht. Und du? Hast du heute frei?", fragte ich sie höflich, um Raazu nicht zu zeigen, wie schlecht es um unser Verhältnis tatsächlich bestellt war.
      "Ach, sieht man das nicht? Klar habe ich frei, schließlich muss ich mich auch mal amüsieren, nicht wahr?", entgegnete sie, ebenfalls sichtlich bemüht, den Konflikt nach außen zu tragen. Ein geschädigter Ruf bei den Kunden glich für die Okiya einem totalen Kollaps. Satori hatte sich die Haare zu einem langen Pferdeschwanz gebunden, trug ein orangenes Top mit einem schwarzen Jackett drüber, einen ziemlich kurzen, hellblauen Jeansmini und schwarze Stiefeletten. Den zinnoberroten Yukata in der Farbe der Wut und des Zornes hatte sie wohl gerade eben gegen dieses Outfit eingetauscht. Mich interessierte schon, wo sie hinging, doch sie würde es mir sowieso nicht verraten. Also führte ich Raazu in unser Dreierzimmer.

      "Mein Bruder Hideaki spielt bei dieser Profifußballmannschaft in Okayama. Weißt du, die mit den roten Trikots. Der Gestank in den Umkleidekabinen ist sicher bestialisch", erzählte sie mir, als ich ihr einen Platz auf einem Sitzkissen aus Leder anbot: "Buddha sei dank, das Sitzkissen ist nicht aus Stoff - wegen der Milben!"
      "Yasuhito, mein O-nii-san, ist Co-Trainer in Takamatsu. Die beiden werden sich im Laufe der Saison sicher begegnen! Aber sag' mal. Wie viele Ängste hast du eigentlich? Du bist komisch", entgegnete ich ihr. Sie war auch wirklich komisch.
      Dies bestätigte sie durch eine mich mittlerweile nicht wirklich überraschende Antwort: "Es sind sicher schon über hundert, also dreistellig. Es werden schließlich immer mehr, weswegen ich mit dem Zählen irgendwann aufgehört hatte."
      "Welche Angst kommt denn bitte schön neu dazu?", fragte ich interessiert nach.
      "Zum Beispiel meine Angst vor GTA V. Genauer gesagt die der Veröffentlichung von GTA V", kommentierte sie trocken mit einem bangen Blick in den Augen, als sie sich das in ungefähr fünf Monaten aufkommende Ereignis bildlich vorstellte.
      Das schien mir wirklich kurios: "Wieso das denn?"
      "Die ganzen Menschenmengen, die wie die Wilden zu dem Spiel stürmen? Das ist doch schon in der Tokioter U-Bahn so schlimm!", rief sie entsetzt, als würde sie eine Ungläubige aufklären.
      Doch dann sah sich die Ungläubige dazu gezwungen, der Super-Hypochonder ebenfalls etwas zu erläutern: "Das ist keine eigene Angst, sondern allgemein eine Angst vor Menschenmengen! Jetzt übertreib' nicht. Man kann sich auch alles schlimmer reden, als es ist."
      Abgesehen von diesem wirklich merkwürdigen Gespräch hatten wir an diesem Nachmittag eine ganze Menge Spaß. Ich zeigte ihr verschiedene Sachen, die sie sich allerdings weigerte, direkt anzufassen. Dafür hatte sie eine Art Zange mitgebracht, um die eigenen Hände nicht in Gefahr zu bringen. Wenn ich das Ganze neutral von außen betrachtete, schien Raazu wie von einem anderen Stern, so wie ich mit meinen Hörnern. Ob sie auch von den Anderen ständig beleidigt wurde? Sicherlich.

      Als ich am späten Abend, wie es sich für eine gute Geiko gehörte, Raazu an der Haustür verabschiedete, starrte ich in den mittlerweile wieder klar gewordenen Himmel. Ich dachte an meine Schwester, an Vater, an Yukisango, Urara und Fukumomo, an Meister Kanda, an Inari, Fluffy und Ran. Ebenfalls dachte ich an Eiko und Raazu. In letzter Zeit gab es doch eigentlich relativ viele Wesen in meiner Nähe, die mich unterstützen und mir halfen, mich in einer Welt voller Vorurteile und Missverständnisse zurechtzufinden. Und dann trottete auf einmal Satori die Straße entlang. Die Nase rümpfend, mit verschmiertem Mascara, die Haare offen und zerzaust. Wie ein geprügelter Hund, fast schon wie eine Yukionna mit ihrem schönen, allerdings auch blassen, fast schon geisterhaften Gesicht, die jemanden jeden Moment mit einer dicken, kalten Eisschicht überziehen könnte. Viel mehr erinnerte mich ihr tiefer gezogener Jeansrock an eine Fessel aus dickem Gletschereis, während ihr dunkles Jackett das orangefarbene Top komplett verschlossen hielt. Irgendwie wirkte sie farblos. Kein einziges, höhnisches Wort warf die Schneefrau mir entgegen. Sie blickte mich an, wie sie mich noch nie angeblickt hatte.

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    • Kapitel XIV: Giseisha


      "Touka", sagte Satori mit etwas heiserer Stimme, als sie mich leer und kraftlos anblickte, als sei sämtliche Aggressivität und Verachtung aus ihrem Körper gewichen: "Kein Wort. Lass mich einfach vorbei.
      Jedem, der sie in diesem Zustand gesehen hätte, wäre klar gewesen, dass etwas nicht mit in ihr in Ordnung war. Ich beschloss, vorsichtig zu fragen, denn sie sah aus, als ob sie Hilfe benötigte:, auch wenn sie es nie zugeben würde: "Satori, was ist passiert? Wieso siehst ..."
      "Pssssh. Es laufen noch zu viele herum. Ich kann noch nicht reingehen", flüsterte sie und begab sich wieder auf den Bürgersteig. Sie konnte noch nicht heimkehren, denn scheinbar würde sie sonst von etwas berichten müssen, was Yukisango nicht gutheißen würde. Ich entschloss mich, ihr zu folgen und bereitete mich darauf vor, dass sie mich nach zehn Sekunden spätestens zusammenschreien würde, doch dem wahr nicht so. Schon bald erreichten wir einen Kinderspielplatz mit Rutsche, Klettergerüst, Schaukel, Spressenwand, Sandkasten, Wippe und diesen seltsamen Reittieren. In diesem Fall waren diese Brutalanda, Knackrack und Shardrago, die sich farblich den neumodischen Plastikattraktionen angepasst hatten. Vor wenigen Monaten handelte es sich noch um morsche und verkommene Spielgeräte aus Holz. Mit einem großen Seufzer ließ Satori sich auf die Schaukel nieder. Ich entschied mich dazu, mich unmittelbar daneben niederzulassen, obwohl ich genau wusste, wie gefährlich das war. Satori schaute mich nicht an. Nicht einmal. Plötzlich packte sie eine Schachtel Zigaretten aus der Tasche ihres Rocks und zündete sich eine davon an.
      "Seit wann rauchst du? Ich habe dich noch nie rauchen gesehen!", fragte ich erstaunt.
      "Ich habe mich auch seit zwei Jahren nicht mehr rauchen gesehen. Willst du eine?", fragte sie mich, immer noch den Blick starr nach vorne gewandt. Sie wusste wohl wirklich nicht, was sie tat, oder es war ihr einfach komplett egal.
      "Nein, natürlich nicht! Ich bin nicht einmal zwanzig Jahre alt, ich dürfte sowieso nicht! Außerdem möchte ich nicht. Mich stößt dieser Geruch immens ab", gab ich ihr entschieden zu verstehen. Satori zuckte lediglich mit den Schultern.
      "Weißt du, wie es sich anfühlt, immer nur Zweite zu sein? Immer und überall die zweite Wahl?", durchbrach sie plötzlich die wie Ewigkeiten scheinende Stille, doch eigentlich handelte es sich höchstens um eine Minute. Sie hätte womöglich die Erste sein können, würde sie sich nicht bei Yukisango kategorisch unbeliebt machen.
      "Nein, in der Regel kenne ich nur die Blickrichtung von dem letzten Platz ausgesehen. Die mit den Hörnern. Die Kuh. Mouka", seufzte ich resigniert. Das hätte doch gerade ihr klar sein müssen.
      "Mir sind deine Hörner scheißegal. Ich bin nur eifersüchtig, weil du Yukisangos Liebling bist. Du und Urara. Die künftigen Nachfolger. Na, habe ich dich jetzt überrascht? Du kamst an und standest sofort über mir in ihrer Gunst. Das kotzt doch jeden an", erklärte sie mir angesäuert.
      "Glaubst du, dass dies der richtige Weg war? Eigentlich hast du damit nur das Gegenteil davon erreicht. Aber von dieser Perspektive hatte ich es wirklich noch nie betrachtet", entgegnete ich erstaunt und ehrlich. Ich hatte mich wirklich nie damit auseinandergesetzt, warum sie eigentlich so gemein zu mir war. Aber was war mit den anderen, die ihren blöden Kommentaren blind hinterher folgten? Ich hatte sie bis jetzt namentlich nie erwähnt, da ihre Sprüche eigentlich nicht erwähnenswert waren. Satori deckte das alles schon alleine ab.
      Satori drückte ihre fertig gerauchte Zigarette an dem blau lackierten Metallgerüst der Schaukel aus.
      "Es geht ja nicht nur um Yukisango. Die kann mich mittlerweile kreuzweise. Aber außerhalb der Okiya ist es genauso. Das geht mir nur noch auf die Nerven", echauffierte sich die unzufriedene Geiko. Doch das konnte ich mir nicht vorstellen. Zusammen mit Urara war Satori der Star unseres Hauses und wurde gewiss nicht weniger oft gebucht als ihre Konkurrentin. Ich hatte da einen Verdacht, worauf sie angespielt hatte, aber ich befahl mir, zu schweigen.

      "Los, komm. Wenn die alle schon im Bett sind, fällt das auf. Ich denke, jetzt ruhen die meisten sich im Wohnzimmer oder im Garten aus", schlug Satori mit einer sanften Tonlage vor, die ich gar nicht von ihr kannte.
      "Trainier' endlich dein Pokemon. Ich will mal einen spannenden Kampf sehen. Du bist vielleicht eine Flasche. Schau' mal, was ich auf die Beine gestellt habe. Und du? Was kannst du überhaupt? Gar nichts", ätzte sie völlig unerwartet auf dem Rückweg. Was war das denn? Ich verspürte enorme Lust, meinen Verdacht ihr gegenüber zu äußern. Vermutlich würde sie mich dann umbringen und im Garten verscharren, damit ich bloß nichts weitererzählen konnte. Den letzten Abschnitt bis zur Okiya absolvierten wir schweigend.

      Glücklicherweise traf genau die Situation ein, die Satori vermutet hatte. So konnte sie unbemerkt ins Badezimmer verschwinden, während mir noch etwas zu Essen machte. Freudig sprang Fluffy ständig gegen mein Bein und ich ließ mir Satoris Worte noch einmal genau durch den Kopf gehen. Sie hatte recht. Ich müsste mit Fluffy noch viel mehr trainieren, um irgendwann Mal den Hauch einer Chance gegen ihr Team zu haben. Außerdem beschlich mich das ungute Gefühl, dass sie sich am folgenden Tag genau so widerwärtig mir gegenüber verhalten würde wie sonst. Ich kannte nur diese eine Satori, von daher war mein Horizont so beschränkt, als dass ich mir eine andere hätte vorstellen können. Wenn ich am nächsten Tag allerdings aufwachen würde, wären die Erlebnisse diesen Tages, genau so unrealistisch wie die zuvor, Gewissheit, ohne dass ich sie hätte umkehren können. Auch wenn ich mir das manchmal mit ganzem Herzen wünschte - es würde nichts helfen.

      "Weißt du, was mir Angst macht? Dass Ran meiner Idee bedenkenlos zugestimmt hat. das ist nicht normal", grollte plötzlich eine Stimme aus einem immergrünen Gebüsch. Es war Inari, der mich hier scheinbar abfangen wollte. Da wir beide ganz alleine waren, konnte ich ihn endlich von der Verfolgungsjagd mit Khan berichten! Schließlich kannten sich die beiden und der Fuchs konnte mir sicher erklären, was dieses Attentat bezwecken sollte.
      "Weißt du, was mir Angst macht? Dass du ständig aus dem Nichts auftauchst, du bist wirklich ein Stalker! Aber da gibt es noch etwas. Vor drei Tagen wurde ich von einem großen Arkani gejagt, das mich am liebsten totgebissen hätte! Nur dank der Hilfe einer jungen Frau konnte ich ihm überhaupt entkommen!"
      "Ich bin kein Stalker, sondern lediglich ein guter Beschützer", hätte Inari sicher geantwortet, wäre da nicht das Problem mit Khan. Verärgert bleckte er die Zähne und schaute zur Seite hin weg. Der Fuchsrüde schnaubte verächtlich, als er mir versuchte, die Situation zu erläutern: "Du warst abseits der Stadt, richtig? Dumme Frage, natürlich warst du das. Ansonsten könnte Khan nicht einfach Jagd auf Menschen machen. Es muss Khan sein, nur er hätte einen Grund, solche Aktionen zu starten." Ich sagte nicht, dass ich die beiden zusammen gesehen hatte, denn ich erhoffte mir Informationen zu erhalten, die ich ansonsten womöglich nicht erfahren hätte.
      "Also, pass auf. Khan und ich sind, ganz genau betrachtet, Partner. Wir beide stehen in Verbindung zu einem Priester am Fushimi Inari. So, wie es meine Aufgabe ist, dich zu beschützen, ist es auch Khans Arbeit. Wir pflegen lediglich andere Vorrangehensweisen", rechtfertigte der Kitsune den übermotivierten Ansatz des flammenfarbenen Löwenhundes.
      "Das ist ja wohl ein Witz! Er bringt mich direkt um und du mich erst in 49 Tagen? Oder wie darf ich das bitte verstehen?", fauchte ich ihn an. Just in diesem Moment überkam mich eine unbändige Wut, dass das Pokémon, dem ich am meisten vertraute, mit einer blutrünstigen Bestie zusammenarbeitete. Das schlimmste daran war für mich, dass das Ganze auch noch mehr oder weniger abgesprochen war!
      Inari gab sich redlich Mühe, mit sanfter Stimme mein erregtes Gemüt zu beschwichtigen: "Das verstehst du falsch. Ich versuche dich, auf dem Pfad der Lebenden zu schützen. Das ist der schwere, steinige, anspruchsvolle und riskante Weg. Khan ist nicht der Typ für sowas. Er geht strikt durch die Wand. Sein Pfad sieht eben vor, dich mehr oder weniger ..."
      "Mehr oder weniger was? Was hat das Ganze mit Schutz zu tun? ER ist doch die Bedrohung!", rief ich, immer wütender bei jedem Wort, dass Inaris Mund verließ.
      "Er ist der Ansicht, dass man dich am besten vor DIR SELBST schützt, in dem man dich einfach tötet. Ich sehe das komplett anders und distanziere mich von dieser Meinung", brummte mir der Fuchs entgegen, der nun ebenfalls sichtlich genervt von der aufgeriebenen Atmosphäre war.
      "Ich brauche niemanden, der mich vor mir selbst schützt! Ich will doch nur mein Leben leben und habe nie jemandem etwas getan! Vor Wesen wie IHM sollte man mich schützen! Vielleicht hatte Ran ja recht, dass irgendetwas faul an dir ist!", jaulte ich wie ein klagendes Fuchsjunges. Tränen standen mir in den Augen. Selbst wenn Inari nicht in der Lage gewesen wäre, gegen Khan einzugreifen, hätte er zumindest die Pflicht gehabt, mich vor jemandem dieses Kalibers zu warnen, Das war doch das Mindeste!
      "Ich will kein zweites Kamakura. Niemand will das, du nicht und Khan genau so wenig, ob du es glaubst oder nicht. Das ist alles. Beruhig' dich und komm' wieder klar zu Sinnen. Es hat heute keinen Zweck, mit dir etwas zu unternehmen", blaffte der Fuchs, dem das Wasser jetzt förmlich bis zum Halse stand. Mir auch. Lass' mich doch in Ruhe! Und dann verschwand er so plötzlich, wie er gekommen war.

      Wir waren doch nur etwas durch die Stadt gelaufen. Dann stiegen wir in einen für japanische Verhältnisse unfassbar leeren Zug. Zugegeben, es war bereits Nacht. Um kurz zur Toilette zu gehen, musste ich ein paar Waggons durchqueren, während Raazu, voller Abscheu gegenüber der öffentlichen Toilette, zurückblieb. In dieser Hinsicht stimmte ich ihr voll und ganz zu. Plötzlich überrumpelte mich ein Mann, als ich die Tür zur Zugtoilette öffnete. Nicht ich war diejenige, die Tür schloss, sondern er.
      Nein!
      Lass mich!
      Fass' mich bloß nicht an!
      Dieser gierige Blick!
      Nein!
      Nicht näher kommen!
      Er packte meinen zierlichen Körper an. Er suchte die Brüste und meinen Po.
      "HILFE!!!"
      "Hört mich denn niemand?"
      "HILFE!!!"
      Ich hatte gegenüber Inari, meinem Beschützer eindeutig überreagiert. Jetzt wurde es mir klar. Ausgerechnet jetzt, als meine Not am größten war, hatte ich ihn vergrault! Es tat mir so leid...
      Ich glaubte, er würde mich noch öfter bepacken wollen. Er ergötzte sich an meinen braunen, vor Schreck geweiteten Augen, die pures Leid ausstrahlten.


      Ich glaubte, er war tot. Meine blutroten Augen ergötzten sich an dem schlaffen Körper eines Mannes um die dreißig, der da auf dem Boden lag. Ich war zu tiefst enttäuscht, dass dieser Raum kein Fenster besaß, aus dem man hätte den Körper feuern können. Ich hätte gerne gesehen, wie sich die spitzen Glasscherben durch sein Fleisch bohrten. Heute trug ich anscheinend ein schwarzes Kleid westlichen Stils, dass mir bis an die Knie reichte. Es stank grässlich hier drinnen, grässlicher würde es wohl selbst in der Yomi nicht riechen. Vielleicht lag das an diesem Typen dort, allerdings wohl nicht nur. Mich dürstete es nach Blut. Im übertragenen Sinne. Noch einmal hielt ich nach Glas Ausschau. Lediglich ein Spiegel. Zu meinem vierten Erwachen also ein Spiegel. Vier war doch die Zahl des Todes. Wie passend. Ich zertrümmerte den Spiegel, ohne ihn zu berühren. Das hatte ich gar nicht nötig, denn ich hasste es, zu berühren. Noch mehr hasste ich es, berührt zu werden. Dafür würde ich jemanden sogar töten. Unter anderem. Da waren seltsame Falten an meiner Kleidung, als ob sie jemand berührt hatte. Mir reichte es nicht. Mir reichte das alles nicht. Ich wollte diese furchtbare Toilette schnellstmöglich verlassen. Der nächste Mensch, der mir unter die Augen kommt, würde ebenfalls als Blutzoll herhalten müssen.
      Alles leer. Wieso war da keiner? Nächster Raum. Wieder leer. Ich glaube, man wollte mich ärgern. Plötzlich öffnete sich wie durch Zauberhand eine dieser modern wirkenden, weißen Türen. Da kam es also angetrippelt, mein Opfer. Mein nächstes Giseisha.
      "Touka, kam dieser Lärm von dir? Bist du in Ordnung?", fragte ein brünettes, besorgt wirkendes Mädchen.
      Wie sie da stand, mit einem Tuch in der Hand hatte sie scheinbar die Tür geöffnet. Schön. Wieso nannte sie mich auch Touka? Sind die alle blöd? Welch eine Frage. Selbstverständlich waren sie das. Du wirst sterben. Du wirst sowas von sterben. Plötzlich hatte sie Angst. Ich hatte keine Angst. Aber sie. Schau mich nicht so an. Du wirst sowieso sterben.

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    • Kapitel XV: Hongan-ji


      "Sag mir ... stelle dir vor, ich würde dir deinen Daumen abhacken ... abreißen, abbeißen ... ganz egal wie. Stelle dir einfach vor, du würdest dank mir deinen Daumen verlieren. Was würdest du tun? Wie würdest du denken?"
      Das war mal eine groteske Frage. Ich liebte es, noch etwas mit den Einfaltspinseln zu spielen und sie erst einmal geistig in alle Einzelteile zu zerlegen. Daran ergötzte ich mich ... unter anderem. Diese vor Unwissen übersprudelnden Gesichtsausdrücke und der damit verbundene Ausdruck der absoluten geistigen Hilflosigkeit faszinierten mich. Das waren die Menschen. Hilflos, nicht über alles erhaben. Dies hatte die Menschheit ziemlich oft miteinander verwechselt.
      Völlig perplex bewegte sich das Augenpaar des Mädchens hin und her. Selbstverständlich wusste sie nichts mit meinem Spielchen anzufangen. Beeilen hätte sie sich schon etwas können.
      "Wieso fragst du sowas? Ich meine ... es ist doch nur logisch, dass ... jeder findet es schrecklich, wenn man solch schwere Verletzungen erleidet. Aber ich persönlich ... ich könnte mich nie mit dem Gedanken anfreunden, asymmetrisch zu sein", antwortete es unsicher.
      WAS?
      Doch nun schien sie irgendwie entschlossener zu sein, viel entschlossener sogar: "Mein tiefstes Inneres würde von mir verlangen, dass du mir genau den gleichen Finger an der anderen Hand entfernen würdest."
      "Du bist doch verrückt! Was ... was ... was ist das überhaupt für eine Antwort? Kein normaler Mensch würde solch eine Antwort geben! Niemand! Das kann nicht dein Ernst sein, das geht einfach nicht!", stammelte ich mehr oder weniger vor mich hin. Sie hatte mich schlichtweg aus dem Konzept gebracht. Das durfte doch nicht wahr sein!
      "GONG! Nächster Halt: Tanbaguchi-eki. Ausstieg bitte auf der linken Seite, Vorsicht vor den Stufen.", ertönte es plötzlich. Eine leicht metallisch angehauchte Frauenstimme forderte die Leute dazu auf, diesen fahrenden Raum zu verlassen. Man hatte kaum gemerkt, dass er sich bewegte und letztendlich fiel mir das auch erst im Nachhinein auf.
      Das Mädchen begab sich schnell zur Tür und drückte einen Knopf, sodass sich diese wie durch Geisterhand öffnete, doch sie würde mir nicht durch einen dermaßen billigen Trick entkommen. "Bleib stehen! Habe ich gesagt, dass ich fertig mit dir bin?", schrie ich ihr nach und folgte schnell. Sie schien so, als wäre sie ihrer Gefahr nicht unmittelbar bewusst gewesen, denn sie rannte nicht. Falls ich überhaupt eine Gefahr darstellte. Ich dachte, die eben entladene Aggression würde mir nur als Aufwärmen dienen, doch in den letzten Sekunden bekam ich den Anschein, dass dieses Potential danach zu Staub zerfallen war. Ich hatte nie mit einer solchen Antwort gerechnet. Wieso konnte sie nicht wie alle Anderen sein und gleich reagieren? Wieso musste es nur dann Menschen geben, die sich von anderen unterschieden, wenn man es einfach nicht gebrauchen konnten! Wieso konnten sie sich nicht einfach in den Dingen unterscheiden, die sie so hassenswert machten?

      "Touka, wir müssen hier eigentlich gar nicht aussteigen, allerdings ist es besser für dich, wenn du an die frische Luft kommst. Normalerweise bin ich doch die Verrückte von uns beiden. Wir können einen schönen Ort in Kyoto suchen, bevor wir umkehren. Schließlich haben wir beide morgen wieder Unterricht, also sollte es nicht zu lange dauern. Welchen Ort schlägst du vor? Ich bin ja keine Einheimische, deswegen kannst du das besser beurteilen als ich."
      Seit wann war ich denn bitte eine Einheimische? Ich bin ein Eindringling, ein Wesen außerhalb jeder Sphäre. Allen voran außerhalb der Sphäre der Menschen. Ich kam nicht bedrohlich rüber. Nein, überhaupt nicht, denn sonst wäre sie schon längst weggelaufen. Vielleicht war sie auch einfach nur dumm. Dummheit wäre bei der Menschheit nichts, was mich wirklich überraschen würde, kein bisschen.
      "Entscheide du etwas. Sehe ich so aus wie jemand, der gerade einen Vorschlag treffen wollte?", schnauzte ich das Mädchen an. Sie schien mir das ganze nicht übel zu nehmen, allerdings war mir das sowieso ziemlich egal. Stattdessen kramte sie eine Art sorgfältig zusammengefaltete Landkarte aus ihrem schwarzen Rucksack mit Ledergriffen.
      "Mal sehen ... Der Tanbaguchi-Bahnhof, richtig? Perfekt! Ich schlage vor, dass wir den Nishi-Hongan-ji besuchen. Schließlich ist das der Tempel, in dem Teile von Shinran beerdigt wurden. Mich hat es beeindruckt, dass dieser Shinran zusammen mit seinem Meister Honen trotz aller Widerstände eine Religionsgruppierung erschaffen hat, die zum ersten Mal auf so etwas wie Gleichberechtigung hingearbeitet hat. Sowohl was den Stand als auch das Geschlecht der Menschen anging - der Heilige Buddha Amida ist für alle da, um sie in das Reine Land des Lotus zu führen. Das Westliche Reich", erläuterte sie mir glücklich und nahm tatsächlich an, dass ich mich dafür auch nur ansatzweise interessieren würde. Unmittelbar nach diesem seltsamen "Bahnhof" in der Farbe von verrottetem, völlig von der Vergänglichkeit verschlungenem Laub passierten wir ein unfassbar hässliches, kastenförmiges Gebäude mit beinahe palastgroßen Ausmaßen. An der Seite des eingezäunten Komplexes konnte man verschiedene Rohre und Schächte erkennen, die von den in der Mitte der Fassade hängenden Lampen stechend weiß beleuchtet wurden.
      "Also laut dem Plan ist das eines der Nebengebäude des Shimabara-Krankenhauses ... ich denke mal nicht, dass wir mehr als zehn Minuten brauchen werden, um durch die Kleinhändlerstraßen zu laufen" erzählte das Mädchen neben mir, während ich leer nebenher trippelte und mich wunderte, wie ein Krankenhaus so unfassbar groß sein konnte. Was mir eher Sorge bereitete, war dieser Zustand der Leere und der Entspannung, der in jenem Moment in mir innewohnte. Damit konnte ich nichts anfangen.

      Unzählige solide Balken wie Hashira-Säulen aus Teakholz trugen das majestätische, kunstvoll geschwungene schwarze Dach dieses sogenannten Nishi-Hongan-ji, des westlichen Tempels des ursprünglichen Gelübdes. Laut des Mädchen wurde das Tempelgelände sowie die Reliquien aufgrund eines Erbstreits zwei- beziehungsweise aufgeteilt, was für ein Unsinn. Jeder, der klar denken konnte, musste wissen, dass eine Teilung von Gebieten irgendwann zu einer kläglichen Bedeutungslosigkeit führen. Wer einen einzigen Apfel am Tag zur Verfügung hatte und diesen dann auch noch teilte, würde auch verhungern. Dieser gepflasterte Platz würde eine hervorragende Arena abgeben. Eine große, flammenförmige Lärche und eine schwarz-silber schimmernde Lampe in einer seltsamen Form, die einem Tentacha fast schon ähnelte ergänzte die hübsche Szenerie. Es war einfach nicht zu glauben, dass ein Mensch solche Gebäude erschaffen hatte. Als mir dies bewusst wurde, zerbröselte meine anfängliche Sympathie für diesen offenbar heiligen Ort.
      Plötzlich durchdrang ein stechender Schmerz mein Gehirn. Für einen Moment flackerten sogar meine Augen, als ob irgendeine übernatürliche Kraft über mich hineinbrechen wollte!
      "Tilge ihr Antlitz von dieser Welt. Die, die die Reinheit bewundert, ist in Wahrheit die Allerverschmutzteste. Innerlich lacht sie über dich und dein Schicksal", erklärte mir eine weibiche Stimme, die in einem noch arroganteren Ton als ich selbst sprach. Ich verstand sehr wohl, was sie sagte, doch ihr Japanisch unterschied sich bei weitem von dem, dass im Alltag gebraucht wurde.
      "Was willst du von mir?", grummelte ich in mich selbst hinein, in der Hoffnung, dass der Schmerz nachlassen würde, der sich in mein Bewusstsein förmlich hineinfraß.
      Sie lachte kein bisschen, sondern sprach bitterernst weiter: "Ich bin erwacht, um dich zu erwecken. Ich bin gekommen, um dich aus der Trance, aus dem Irrglauben zu reißen, der Menschheit Vertrauen zu schenken. Nur Schmerz - nur Leid! Das ist das Werk der Menschheit, erwache!" Aber wieso sollte ich ihr vertrauen? Vielleicht, weil sie in meinem Allerinnersten saß und mich wohl besser kannte ich selbst. Was konnte ich versuchen, um dieses grauenhafte Gefühl abzuschalten?
      "Touka, hey? Bist du in Ordnung? Huhu, ich bin es, Raazu! Du bist doch nicht stehend eingeschlafen, oder? Mit offenen Augen ..."
      Ich holte aus, doch danach zögerte ich. Diese Raazu zuckte verängstigt zusammen. Meine Faust zitterte, doch ich wurde bald wahnsinnig. Wenn diese grässlichen Schmerzen nicht ... ich musste ... ich musste es ausprobieren.
      Finsterfaust.
      "Kyaaau!"
      Endlich! Endlich begann es schwächer zu werden. Raazu fiel auf den Boden wie ein aus dem Baum geschütteltes Tannza und schon wenige Sekunden später verblassten die Schmerzen zu einer Erinnerung aus längst vergangener Zeit. Sie krümmte sich im fahlen Staub einer pflasterfreien Stelle und hatte beide Hände an den Bauch gepresst. Das war ein wuchtiger Schlag, wie ich es selbst nicht anders erwartet hätte. Sobald die letzten Schmerzen in meinem Kopf ausgelöscht waren, begannen meine Arme erneut zu zittern.
      "Kazan, Rauchwolke! Bishamon, schlag' ganz genau zu! Ruckzuckhieb genau auf den Schädel, mit aller Kraft, die in dir steckt!"
      Woher kam das denn schon wieder?
      Nicht nur, dass es in der Nacht schon ohnehin dunkel genug war, wurde ich von einer dunklen Rauchschwade eingehüllt, sodass ich mich nun nur noch auf die Geräuschquellen von außen verlassen konnte. Wer wollte mich da angreifen? Ganz egal ... Daimonji! Eine immense Feuersbrunst in Form des Kanji für "groß", also "dai" raste wie ein fünfarmiger Todesstern auf den Feind zu. Auf einem heiligen Platz verbrannt. Sag' am besten schnell noch das Nembutsu auf, denn dein Freund Amida wird dich in den lichterlohen Flammen kaum sehen! Namu Amida Butsu ... sag es. Jeder, der auch nur ansatzweise an ein Leben nach dem Tod glaubte, würde vor seinem drohenden Ende diesen Satz aufsagen - "Ich ersuche Schutz beim barmherzigen Buddha Amida".
      Sie musste nichts sagen, denn sie überlebte die Flammen. Ein gut gezielter Schlag und erneut fühlte sich mein Kopf so an, als würde er mit einer Naginata-Lanze gegen eine Wand gedrückt werden.


      "Sie hatte kurz vor ihrem Anfall mit sich selbst geredet. Glaubst du, dass sie besessen ist? Sie hatte sich hektisch umgeschaut und gefragt, was diese andere Stimme in ihr denn wolle, die Hände an die Schläfen gepresst. Allerdings war ich der Meinung, etwas gesehen zu haben, jedoch nur für einen ganz kurzen Augenblick. Es war nicht gut sichtbar und das auch nur für eine kurze Weile, allerdings war es sicher kein Mensch. Dafür war es viel zu hell. Glaubst du, das könnte ein Geist gewesen sein?", fragte Raazu, die sich außergewöhnlich angespannt und verkrampft gegenüber von Eiko auf einer Bank hingesetzt hatte. Ich blickte mich um und erkannte den Nishi-Hongan-ji, der eine heilige Statue des Buddhas Amida in seinem inneren beherbergte. Diese Amida-Halle stellte eines der religiösen Zentren Japans dar.
      "Ach, schau mal da. Sie ist wach. Na, brummt dir der Schädel? Nein, also, Raazu, es könnte theoretisch alles möglich sein. Allerdings sind das viel zu wenige Anhaltspunkte. Vielleicht handelte sich lediglich um ein wildes Pokémon, womöglich ein Voltenso oder irgendetwas anderes. Ich bin aber froh, dass wir jetzt gehen können. Wir haben bald drei Uhr nachts, das ist doch der Wahnsinn. Wenigstens etwas Schlaf möchte ich schon noch bekommen", entgegnete Eiko, die, kurz mit den Augen zu mir rüber huschend, gelangweilt und müde mit dem Arm an die Rückenlehne der Bank gelehnt hatte. So, wie sie rhythmisch ihre gekreuzten, in einer schwarzen Jeans nur schemenhaft sichtbaren Beine bewegte, hatte sie wohl seit Äonen darauf gewartet, dass ich wieder erwachte.
      Raazu schüttelte sich, als ob ihr ein Webarak über den Rücken gelaufen wäre und klagte mich vorwurfsvoll an: "Endlich, Touka. Ich will mir einfach nur diese Klamotten abstreifen. Dieser Staub, dieser Dreck, diese Keime! Alles nur, weil du wieder randaliert hattest!" War tatsächlich ich wieder dafür verantwortlich? Das tat mir so unglaublich leid! Angstvoll blickte ich auf den menschenleeren Platz des Tempels, den um diese Uhrzeit eigentlich selbstverständlich niemand mehr besuchte. Wie kam ich überhaupt hierhin?
      "Aber ich habe keine Menschen getötet, oder? Das wäre für mich das Schlimmste. Ich könnte mir nie verzeihen, einen Menschen seines Lebens zu berauben. Nie", sprach ich melancholisch, doch Raazu und Eiko schienen nicht wirklich nachtragend zu sein.
      "Nein, aber du hast mir ziemlich kräftig in den Bauch geschlagen. Das tat höllisch weh, das kann ich dir sagen! Und als ich dann noch in diesen widerwärtigen Staub gefallen bin! Hier ist überall Asphalt oder Pflaster, aber du locktest mich hinterhältig zur dreckigsten Stelle. Aber ich bin dir nicht mehr böse. Das warst nicht du. Das kannst du unmöglich gewesen sein", erklärte das neurotische Mädchen sanft.
      An einem bestimmten Bereich des Geländes war der Boden etwas nass. Man konnte es beinahe schon eine größere Pfütze nennen. Das konnte eigentlich nur vor kurzem gewesen sein, da zu dieser Jahreszeit das Wasser zu schnell verdampfen würde. Es war schließlich nicht November. Als ich auf die drei Pokébälle schaute, die Eiko an ihrem Ledergürtel trug, war ich glücklich, dass Fluffy zuhause in der sicheren Okiya war. Niemals sollte sie mich so sehen. Eine wilde Bestie, die ein wildes Tier trainierte. Wie sollte das denn funktionieren?
      "Eiko, wo kommt die ganze Asche in deinen Haaren her?", fragte ich erstaunt, als mir die hellen Flocken unter dem Licht einer Straßenlaterne auffielen.
      Ihr Gesicht starr gerade ausgerichtet antwortete sie: "Mir war eben ziemlich langweilig und habe deswegen Raazu ein paar Kunststückchen mit Kazan vorgeführt! Ich kann es kaum erwarten, bis er sich endlich entwickelt!"
      Aber wieso nur war es an dieser einen Stelle auf dem Platz pitschnass?

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Woooow! :bg:
      Du bist ja verdammt weit gekommen! Ich muss eigentlich noch 6 Chaps lesen, aber jetzt kommentiere ich lieber dein 15. Kapitel. :)

      Hm, Ich will meinen Daumen eigentlich nie verlieren, sowie den anderen... Aber das Wort "grotesk" scheinst du ja zu mögen. :tlol:
      Die Person... die gesprochen hatte, hatte das Mädchen sich wohl nur eingebildet? Oder... Naja, im Zug zu träumen und das von toten Daumen ist ja normal.

      Toukaaaaaa! :bg: Ich mag sie eigentlich am meisten.
      Jetzt fange ich an neidisch zu sein... Kyoto ist soooo hübsch! :heul:

      "Ich bin ein Eindringling, ein Wesen außerhalb jener Sphäre."
      -> Hahaha ich bin vom Stuhl gekippt. Die Ausdrucksweise war soooo lustig. XD

      Also ich merke, dass du durchgehend keine Fehler machst und immer besser wirst.
      Ich werde auch versuchen die anderen Kaps zu lesen und ein Review zu schreiben. :bg:

      Lg
      Eis
    • [SPOILER=Hongan-ji (Nishi-Hongan-ji, der wichtigere von beiden)][IMG:https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTa5Ty1G7hRYAefxUP0fG5s6X2br2gc7RXNe6GGuFmO_Nw1Rx-o5g][/SPOILER]

      Den letzten Kapitel von #14 hättest du lesen müssen, um diese Szene zu verstehen. Du erinnerst dich noch an Tokunara, richtig? Sie ist etwas anders als Touka, etwas extrem anders sogar. :) Zweizeilige Absätze kennzeichnen einen Bewusstseinswechsel, wie zum Ende des Kapitels, wo die wahre Touka in Erscheinung tritt.

      Die Sache mit der Stimme ist für euch unklar. Für mich jedoch nicht. :sonne:

      Vielen Dank, dass du so fleißig kommentierst! :D Das Ende von Kapitel #14 war allerdings wirklich essentiell für dieses hier, denn Tokunara kommt nicht einfach so. xD Ich lese gerade ein Buch über Kyoto und hoffe, wie mit dem Hongan-ji, noch mehr Sachen daraus in die Geschichte einbauen zu können.

      Such mal den genannten Bahnhof und den Tempel in Google Earth und geh dann mal auf Street View. Du wirst dann genau das sehen, was Touka und die anderen live in der Geschichte erleben! Bei Mischblut geht das beispielsweise nicht, bei Min würde es wieder funktionieren.

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Bildstrecke - Okiya:


      Dies hier ist nicht DIE Okiya der Iwasakis aus Mineko Iwasakis Autobiographie und auch nicht die der Nishikidos aus Yami no Honou, sondern irgendeine. Vom Stil her sind die sich jedoch alle sehr ähnlich. Kapitel #16 ist zu 21% abgeschlossen. Viel Spaß. :)

      Bilder (c) gionkobu.blogspot.de/2010/09/bauart-der-o-kiya.html


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      Okiya von außen


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      Wandschrank


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      Wohnzimmer


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      Genkan


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      Genkan


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      Wohnzimmer mit Tokonoma-Nische und Ikebana


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      Schlafzimmer mit Futons


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      Schlafzimmer mit Futons


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      Gästezimmer


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      Küche


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      Garten

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Kapitel XVI: Kinkaku-ji:


      "'Mann stirbt blutigen Tod in Zugtoilette', das ist ja der Brüller des Tages!", johlte Satori aus vollen Halse, als ich verschlafen mit halb zusammengekniffenen Augen die Treppe hinabging und zum Frühstückstisch watschelte. Okay, Morde waren in Japan immer etwas besonderes, da sie im Vergleich zu den anderen Industriestaaten vergleichsweise selten vorkamen, aber musste man deswegen dermaßen in Sensationslust verfallen? Ich hatte die verbliebenen Stündchen über kein Auge zu gemacht, nach dem der versuchte Übergriff jenes Mannes wieder in mein Gedächtnis zurückgekehrt war. Ach, wie gerne würde ich es für immer aus meinen Erinnerungen streichen. Moment, war das nicht auch in einer Zugtoi-... nein, diesen Gedanken führte ich gar nicht erst weiter aus. Das war einfach nur grotesk.
      "Satori ist nicht auszuhalten, seit sie gestern Nacht unseren gesamten Vorrat Umeshu in sich hinein gekippt hat. So sturzbesoffen habe ich noch nie einen Menschen gesehen, der mit mir öfter zu tun hat. Das ist einfach nur anstrengend. Scheinbar hat sie diese Nacht kein Auge zubekommen", seufzte Urara resigniert: "Allerdings macht deine Fluffy gute Fortschritte. Ich glaube, sie hat eine neue Kampftechnik erlernt. Doppeltraining kann ziemlich praktisch sein. Bald solltest du allerdings wieder mehr Zeit verbringen, Touka. Denn die werde ich dann nicht mehr haben."
      "Ja, Touka, übrigens. Der Unterricht bei Madame Inoue fällt heute aus, also kannst du später aus dem Haus gehen", ergänzte Yukisango mit einem breiten Lächeln. Heilige Amaterasu, musste ich erbärmlich aussehen. Zerzauste, ungekämmte Haare und eine mir sogar noch zu lange, anthrazitgraue Jogginghose und mein schwarzes Schlafanzughemd. Nicht einmal dieses Team Rocket würde jemanden wie mich einstellen, nicht mal in ihrer allergrößten wirtschaftlichen Existenznot. Allerdings war es aufgrund der Vernetzung von Lehrern und Okiyas innerhalb der Karyukai von Kyoto sehr praktisch, nicht wie damals erst zum schwarzen Brett laufen zu müssen, ob der Unterricht nun ausfiel. Dafür hatte ich mich extra so beeilt, denn in meinen nächtlichen Tagträumereien hatte ich vorhin ganz vergessen, aufzustehen.
      Ich betrachtete die blauen Flecken an meinen Armen. Fast symmetrisch, würde Raazu sicher gefallen. Glücklicherweise hatte dieser Mann mich nur dort angefasst. Nein, eigentlich war selbst das schon zu viel. Nochmal würde ich es nicht so weit kommen lassen. Wenn ich mich schon gegen Satori zur Wehr setzte und begann, mir nicht mehr alles gefallen zu lassen, dann sollten solche Leute als allererstes erfahren, dass Shinsetsu na Touka-chan auch zubeißen kann. Klar, Höflichkeit und Freundlichkeit gehörten mitunter zu den obersten Tugenden einer Geiko, aber musste man deshalb anderen Leuten das Recht geben, jemanden wie Dreck, Abschaum oder einfach nur ein austauschbares Einwegprodukt zu behandeln?

      Mittlerweile beherrschte Fluffy die Attacke Sternschauer, mit der ich schon wesentlich mehr Anfangen konnte als mit Duplexhieb. Kiyoha, eine von Satoris treuen Untergebenen, hatte uns mit ihrem Waumboll herausgefordert, doch blieb dank Uraras intensiven Training mit dem kleinen Chinchilla ohne jede Chance. Der Kampf fand quasi nur unter vier Augen statt. Satori war viel zu betrunken, um dem Kampf ihrer Schülerin in Sachen dummer Sprüche und dreister Kommentare beizuwohnen und die anderen hatten ebenfalls kein Interesse daran, was im Grunde genommen auch daran lag, dass Kiyoha ihr Pokémon bisher kaum trainiert hatte. Nach dem Kampf wirkte sie irgendwie traurig, doch sie verließ mein Blickfeld in Sekundenschnelle, als der Kampf beendet war, sodass ich ihr keine aufmunternden Worte übermitteln konnte.
      "I-Inari ...", stammelte ich, als der schneeweiße Kitsune sich plötzlich durch das immer dichter wuchernde Gebüsch zwängte.
      "'Dies war das erste und das letzte Mal, dass dieses Biest entkam. Ich werde es nicht noch einmal zulassen, dass die größte Gefahr des ganzen Landes weiterhin frei ihr Unwesen treiben kann. Dies könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Was du vorhast, spielt keine Rolle für mich, denn darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Versuche nicht, mich aufzuhalten, sonst kannst du dir auch einen Grabstein aussuchen.'"
      ...
      "Zitat Ende. Das war unser Freund Khan, das Arkani, an das du dich sicher noch vorzüglich erinnern kannst, oder? Khan means Business. Serious Business. Wie? Du meinst, Englisch passe nicht zu mir? Du magst Recht haben, aber ich suche angestrengt nach Worten auf Japanisch, um dir die Ernsthaftigkeit der Sache plausibel zu erklären. Sagen wir es so: solltest du noch einmal abseits des Siedlungsraumes herumlaufen, wird Khan kommen und dich töten. Er verfügt über einen ausgezeichneten Geruchssinn und ist schnell wieder Wind, von daher ist die Chance von vornherein ungemein hoch. Meide vor allem das Gebiet nordöstlich von Kyoto, also den Enryaku-ji", belehrte mich Inari, der sich mir jedoch nicht angenähert hatte. Womöglich war er immer noch etwas verletzt von unserer letzten Begegnung und den Vorwürfen, die ich ihm an den Kopf geworfen hatte. Ich holte tief Luft. Mir wollte einfach nicht in den Kopf gehen, wieso dieses Arkani meinen Tod um jeden Preis erzwingen wollte.
      "Inari, was können wir dagegen tun?", fragte ich ratlos. Was konnten wir womöglich gegen ein dermaßen starkes Pokemon tun? Inari selbst grübelte in Anbetracht dieser wirklich kniffligen Frage, doch er kam nicht zur Antwort. Stattdessen war es Kiyoha, die mit dem tragbaren Telefon entnervt zu uns in den Garten eilte. Richtig, ein tragbares Telefon. Auch wenn die Okiyas zu einem großen Teil traditionell eingerichtet waren, so standen sie in Sachen Technik modernen japanischen Haushalten in nichts nach, denn wir besaßen genauso drei Fernseher und zwei Computer.
      Kiyoha schnaubte, als sei ihre Laune nochmal ins Unermessliche gesunken, als sie mir als ihre Bezwingerin erneut in die Augen schauen musste: "Hier ist so eine blöde Ziege für dich. Ich frage mich, wieso du der unsere Nummer und nicht die deines Handy gegeben hast. Mouka."
      Du mich auch ... "Mouka". Wurde denen der ein und der selbe Witz nicht langsam mal langweilig? Ich nahm Kiyoha das handliche, schwarze Telefon aus der Hand und erkundigte mich nach dem Anrufer.
      "Touka. Ich muss mit dir reden. Komm bitte, sobald dein Unterricht beendet ist, zum Kinkaku-ji. Es ist dringend", rief jemand durch den Hörer. Stimmen waren manchmal etwas anders, wenn man sie durch das Telefon wahrnahm, aber es handelte sich hierbei wahrscheinlich um Eiko. Ich versicherte ihr, mich auf den Weg zu machen: "Ich habe bis 14 Uhr frei, von daher kann ich mich gleich mit dir treffen, Eiko. Bis gleich!"

      Von allen sagenumwobenen Schreinen und Tempeln Kyotos war galt der Kinkakuji im Nordwesten Kyotos als einer der schönsten, wenn nicht sogar der Schönste. In unmittelbarer Nähe eines Sees stand dieses im 14. jahrhundert unter den kunstinteressierten Ashikaga erbaute Meisterwerk. Selbst Raazu hätte es zu hundert Prozent gefallen, denn die Grundfläche war quadratisch angelegt. Der Kinkakuji verfügte über zwei weitere Stockwerke über dem Erdgeschoss, die beide mit echtem Blattgold überzogen waren - ausnahmslos. Lediglich die Wände des Erdgeschosses blieben von der Vergoldung ausgeschlossen. Der sogenannte Goldene Pavillon verfügte nicht nur an seiner Spitze ein vollkommen gleichförmiges Dach ähnlich dem einer Pagode, sondern auch über der ersten, großflächigeren Etage. Das Prunkstück jedoch stellte nach der Meinung der meisten Leute allerdings die Statue des legendären Phönixes Ho-Oh dar, die einsam auf der Dachspitze thronte.
      Inmitten der großen Menschenmassen aus Europa, Amerika, China oder auch anderen Landesteilen Japans, die das einmalige Kunstwerk mit offenen Mündern bestaunten und in ein grelles Blitzlichtgewitter hüllten, stand Eiko einbeinig an einem Baum gelehnt, allerdings war sie eingenickt.
      "Ist das die junge Maiko?", rief ein ein mit schwarzer Strubbelfrisur, Kinnbart und schwarzer Lederjacke ausgestatteter Mann, der lässig seine Hände in der dunkelblauen Denim-Jeans ruhen hatte.
      "Huch? Oh, ja, ja, ja! Das ist Touka ... Touka irgendwas. Ich habe nie nach ihrem Nachnamen gefragt. Jedenfalls sollten wir uns etwas von den ganzen Touristen entfernen. Folge mir!", sagte die völlig aus dem Zustand des Dösens gerissene Eiko, als sie hastig ihren anthrazitfarbenen Kapuzenpulli und den hellblauen Jeansminirock abklopfte, um die vom Baum absplitternde Rinde loszuwerden. Doch das wohl Auffälligste an ihr war eine weiß-silberne Armschiene, die ihren rechten Arm ummantelte. Die hatte sie gestern noch nicht!

      "Übrigens, ich bin Motohiro, ein Kollege von Eiko. Wir helfen uns gegenseitig dabei, die Legenden und mystischen Wesens in der Kansai-Region zu erforschen. Normalerweise arbeite ich in Naruto bei Takamatsu, von wo aus ich auf viele Informationen über den Wächter der Meere, Lugia zugreifen kann, während sie sich hauptsächlich mit den legenden in Kyoto selbst, also insbesondere Ho-Oh befasst. Wir führen dich jetzt in das unbewohnte Gebiet nördlich des Kinkaku-ji, wo Eiko dir erzählen kann, was ihr heute Morgen widerfahren ist. Glücklicherweise habe ich mein Rocara aus der Kalos-Reise dabei. mir fällt kein Pokémon ein, dass hier besser zum Schutze taugen würde", erklärte der durchaus unkonventionell aussehende Forscher Ende Zwanzig, doch Eiko sah ja schließlich genauso wenig wie jemand aus, der frisch aus einem Labor kam oder an einer Universität dozierte. Sah ich im Moment überhaupt wie eine Gion Geiko aus? Buddha sei Dank. Glücklicherweise hatte ich mich heute morgen doch noch umgezogen und über die Haare gekämmt. Wenn auf der Busfahrt mich die ganzen Leute so ungepflegt erkannt hätten, hätte das Ganze ein schlechtes Licht auf die Okiya Nishikido geworfen. Ob er wohl meinen Bruder Yasuhito schon getroffen hatte? Auf seiner Silberkette prangte schließlich das blaue Emblem des Fußballvereins aus Takamatsu!
      "Pass auf, Touka, nach der ganzen Sache gestern ... oder heute morgen ... konnte ich nicht mehr wirklich einschlafen, weshalb ich die Umgebung des Kinkaku-ji erforschen wollte, bevor die Invasion der Touristen beginnen würde. Ich hatte mich lediglich geduscht und umgezogen und mich dann ohne Schlaf auf den Weg gemacht. Nun rate Mal, wer mir in diesem Waldgebiet begegnet war ... na los, rate ...", erklärte Eiko, bevor sie mir diese "Quizfrage" stellte. Woher sollte ich das denn wissen?
      Also schwieg ich und die junge Frau löste auf: "Unser Freund, das Arkani hatte mich scheinbar wiedererkannt. Wie ein wilder stürzte das Pokémon auf mich. Ich hatte gedacht, dass mein drittes Pokémon, Mizuki, eine Bojelindame, die Sache im Griff haben würde, doch ich täuschte mich. Der griff dann unter anderem mit Turbotempo oder Knirscher an und mein schöner Plan war zum Scheitern verurteilt. Dieses Vieh hat mehr Kraft, als du dir womöglich vorstellen kannst, damit halten gewöhnliche wilde Pokémon nicht mit. Bevor ich Kazan für seine Rauchwolke aufrufen konnte, attackierte das Arkani mich Turbotempo, wodurch ich extrem unglücklich auf den Boden aufschlug. Danach gelang uns glücklicherweise die Flucht bis zum Tempel, in dessen Nähe das Feuer-Pokémon nicht kommen durfte, ohne irgendwelche Anwohner oder Touristen auf sich aufmerksam zu machen oder gar versehentlich den Tempel erneut abzufackeln. Schließlich war dies oft genug der Fall."
      Das erste, was mir in den Sinn kam, war Khan. Das zweite, dass sich in meinen Gedanken zusammenbraute, war die Lösung der Pfütze auf dem großen Platz vor dem Hongan-ji. Es war Bojelin, das die Feuerangriffe gelöscht hatte! Doch als ich erneut genauer die Armschiene an Eikos Arm inspizierte, tat sie mir unendlich leid. Nur dank ihrer schnellen Reaktion damals war ich überhaupt noch am Leben. Und nun war sie selbst in Lebensgefahr, obwohl dieser Khan doch nur meinen Kopf wollte!
      "Er brannte mehrmals ab? Ich habe nur den Vorfall nach dem 2. Weltkrieg im Kopf, als ein neidischer Mönch, eifersüchtig auf die Schönheit des Goldenen Pavillons, sich mit dem historischen Gebäude verbrannte, da er es nicht mitansehen konnte, dass ganz Japan in Trümmern lag, der Kinkaku-ji allerdings weiter in ganzer Schönheit erstrahlte", fragte ich Eiko, die nicht lange mit ihrer Antwort zögerte: "Damals, inmitten der Feudalzeit, lebte Ho-Oh in diesen Wäldern und ließ sich oft auf dem Dach des Tempels nieder. Doch durch den Wahnwitz der unvorsichtigen Menschen brannte der Tempel auf einmal nieder, in dem Pokémon lebten. Die Menschen ließen diese armen Pokémon wehrlos und alleine zurück. Drei von ihnen, Aquana, Blitza und Flamara, kamen in den Flammen um oder erlagen im Falle von Flamara ihren Verletzungen durch hinabstürzende Holzbalken. Ho-Oh, entsetzt angesichts der Menschen, die die Pokémon im Stich ließen, schenkte den drei unschuldigen mit der ganzen göttlichen Kraft ihres guten Karmas neues Leben als Tiere in einem völlig neuen Gewand. Sie wurden als zumindest teilweise göttliche Wesen wiedergeboren und streiften fortan im Auftrag Ho-Ohs durch das ganze Land, um die Taten der Menschen stets zu überwachen. Der Phönix hingegen kehrte der Menschheit der Rücken und würde erst dann zurückkehren, wenn die Welt sich bessere. So zumindest steht es in den Legenden geschrieben. An den Aizakis, die ihre Eeveelutions in der Gegend um Kyoto gefangen haben, kann man erkennen, dass es als sehr wahrscheinlich gilt, dass es sich bei diesen drei Pokémon tatsächlich um die heutzutage eher selteneren Evoli-Entwicklungen handelt."
      "Verstehe ...", murmelte ich leise, bis wir plötzlich jäh unterbrochen wurden. Ein großer Schatten kündigte ein gewaltiges, vierbeiniges Wesen an, das uns bedrohlich und tief anknurrte.
      "Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet du dich allen Ernstes hier an diesen Heiligsten aller Orte traust. Du kennst wohl überhaupt keine Scham, was?"
      Wen meinte er?
      "Was ... spricht denn dagegen, dass wir hier ... sind?", stotterte Eiko, die das mächtige Raubtier genauso geschockt wie ich anstarrte. Auch Motohiro konnte nicht glauben, welch einer beeindruckenden Erscheinung er da gegenüberstand.
      "Kamakura. Löst das Erinnerungen in dir aus?"
      Eiko schüttelte mit dem Kopf.
      "Enoshima? 2003?"

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Beitrag Numero 1000. Yatta!

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      Kapitel XVII: Shinda


      "Gestatten, Suicune. Wächter des Reinen Wassers und Teil des Trios, das unter Ho-Oh den Zustand der Welt im Auge behalten soll. Zumindest, was dieses Land hier betrifft", säuselte Suicune mit einer Stimme gleich einer Windböe, während er mir tief in die Augen starrte, als ob ich die einzige anwesende Person wäre: "Du dort drüben! Ja, du in der Mitte! Du ... erinnerst dich doch sicher daran, dass dir das ein oder andere Mal schwarz vor Augen geworden ist, richtig? Insbesondere in den letzten beiden Wochen. Ich weiß nicht, ob dir das klar ist, aber es gefährdet nicht nur dein Wohl, sondern auch das Wohl der Anderen. Dieser Ort ist ein Hort der Sicherheit. Es ist fast schon ironisch, dass ein Wesen wie du unbehelligt hereinspaziert." Vor mir offenbarte sich nun eine um die zwei Meter große, cyanblaue Raubkatze, die trotz ihrer muskulösen Beine ihren Fokus überhaupt nicht auf der Physis hatte, sondern stattdessen pure Eleganz ausstrahlte. Die weißen Flecken, die violette, im Wind flatternde Mähne und eine Art eisblaues , an den Enden verwachsenes Geweih verliehen dem Wesen eine majestätische, dem Polarlicht ähnelnde Aura.
      "Ich kann mit euch sprechen, da ich von Meister Ho-Oh diese Gabe erhalten habe", nahm mir das legendäre Wasserpokémon das Wort im Munde weg: "So, und jetzt passt auf. Normalerweise würde es uns gar nichts angehen, wenn Menschen sich gegenseitig ihres Lebens berauben. Doch so einfach ist die Sache nicht. Bestes Beispiel ist der Krieg. Sterben Menschen, sterben auch Pokémon, denn sie werden ihres Lebensraumes beraubt. Darüber hinaus ..." Suicune hielt kurz inne. Nach einer kurzen Neigung seines Kopfes nach rechts, als jemand heimlich in den Büschen lauschen würde, blickte er mir erneut tief in die Augen. Was vermochte er am Grund dieses Brunnens zu sehen, in den er hineinschaute?
      "Darüber hinaus gibt es Kräfte, die nicht zu beherrschen oder zu kontrollieren sind. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Orkane, Monsunregen, Sintfluten, Überschwemmungen, Seuchen, Blindheit, Raserei, Wut, Zorn. Nun sage mir, was haben all diese Phänomene gemeinsam?", fragte der Wächter des Wassers: "Welches Merkmal vereinigen sie?"
      "Sie ... kommen einfach ...?", fragte ich schüchtern, nachdem sich die anderen beiden bedeckt hielten.
      Suicune schnaubte ungeduldig und schüttelte unwirsch den Kopf: "Ja, teilweise hast du Recht, aber du hast das Allerwesentlichste nicht erfasst. Diese Phänomene ähneln in ihrer Gestalt wie Walzer .Sind sie einmal im Rollen, sind sie zu einer hohen Wahrscheinlichkeit noch aufzuhalten. Die einzigen zwei Möglichkeiten, die jemandem wie dir bleiben, wäre erstens eine hermetische Abriegelung von der Menschheit oder zweitens ... nun ... dein Ableben. Selbst ich bin mir nicht sicher, wie man mit dieser Gefahr umzugehen hat, so sagen mir doch beide Auswahlmöglichkeiten nicht hundertprozentig zu."
      Es war nun offiziell. Die Welt wollte mich loswerden und das um jeden Preis. Nur mit größter Mühe konnte ich mich Angesichts dieser offenen Worte in Zaum halten. Plötzlich war ich verzweifelt und doch gleichzeitig so leer. Nun war allen klar, dass das Mädchen mit den Hörnern die ganze Zeit hinweg eine Ausgestoßen war, die nicht in diese Welt gehörte, wie ein Virus.
      "Ist dieses Arkani also dein Lakai?", fragte Eiko, die sich nervös im Gesicht und mit ihren Haaren spielte.
      Suicune konnte jedoch nichts mit der Frage anstellen und reagierte nüchtern: "Mir ist kein Arkani im Speziellen bekannt."
      "Es heißt Khan! Eiko, Khan ist das Arkani, was uns töten wollte! Es gehört wahrscheinlich zu diesem Shinto-Priester am Fushimi-Inari, läuft allerdings völlig frei durch die Parks und Wälder von Kyoto, ohne dass ihm irgendjemand Einhalt gebieten könnte! Suicune. Dieses Pokémon wollte mich töten und wäre bereite dazu, jeden aus dem Weg zu räumen, der mich beschützt", rief ich aufgewühlt. Motohiro machte eine nachdenkliche Miene.
      "Ist das Arkani nun ein komplett wildes Pokémon oder wurde es von diesem Priester eingefangen? Wäre es wild, würde ich mich dessen annehmen und es einfangen. Sollte es mit dem Kannushi bereits einen Besitzer haben, sollten wir damit zur Polizei gehen, die rechtliche Schritte gegen ihn einläutet, sollte er das Pokémon noch ein einziges Mal unbeaufsichtigt umherrennen lassen. Wieso, allerdings, hast du ihn nicht selbst aufgesucht, Touka? Das hätte dir viel Ärger ersparen können", schlug er vor, während er mir sanft die Hand auf die Schulter legte.
      "Ich ... ich habe selbst vor Menschen Angst. Vielleicht denkt der Priester genauso und erträumt sich, meinen Kopf auf einem Silbertablett präsen-... präsentiert zu bekommen", stammelte ich verlegen.
      "Ach, wir sind doch nicht mehr in der Edo-jidai, dass man einfach so jemanden ohne Folgen töten konnte. Immerhin gibt es für besonders schlimme Fälle die Todesstrafe. Ich kann dich auch begleiten, wenn du möchtest", lachte Eiko, doch ich konnte nicht mitlachen. Ein dumpfes, nicht mal schmerzhaftes, aber unfassbar bedrückendes und unbehagliches Gefühl machte sich in meinem Bauch breit.
      "Sind wir nun fertig? Ich muss nun bald wieder zum Unterricht, wenn es euch nichts ausmacht. Auf Wiedersehen, Suicune, schön, dich kennengelernt haben zu dürfen", sagte ich und forderte mit einer hektischen Handbewegung die anderen Beiden auf, mich zurück zur Bushaltestelle in der Nähe des Kinkaku-ji zu begleiten. In einer Stunde würde hoffentlich wieder - wenn auch nur vorübergehend - die Normalität in mein Leben zurückkehren.

      Ebenholzschwarzes Haar, Yozakura, Sakuramiyotote. Genau wie die in den letztgenannten beiden Tänzen stilisierte Kirschblüte kehrte auch der Alltag Stück für Stück zurück. Ich nahm wie gewohnt meinen Tanzunterricht, intensivierte mein Können, entwickelte mein Talent und folgte weiterhin dem Weg der Maiko. Immerhin war meine Lehrlingszeit erst ungefähr zur Hälfte abgeschlossen. Auch Fluffy lernte mit einem kleineren Fächer umzugehen, selbst wenn ihre Schritte zu Beginn ziemlich tollpatschig und lustig anzuschauen waren. Nebenbei nahm ich mir auch nach dem Unterricht mehr Zeit, ihre kämpferischen Fähigkeiten mit aller Entschlossenheit weiter zu trainieren. So gutmütig, wie ich mich doch sonst oft beschreiben würde, war ich in einer Sache nicht - Satori hatte eine Revanche verdient. Nie im Leben würde ich vergessen, wie sie mich damals im wahrsten Sinne des Wortes nassgemacht hatte. Ich mochte mich zwar fortan besser mt ihr verstehen, doch mit den Tagen, die verstrichen, begann auch unser Waffenstillstand zu bröckeln. Was jedoch auffiel, war die Boshaftigkeit ihrer Sticheleien, die sich nicht mehr von der ihrer blinden Apostel wie Kiyoha abhob, im Gegenteil. Wollte sie diese Rivalität aufrechterhalten, um mich zu motivieren? Nichtsdestotrotz verhielt sie sich zu Urara immer noch wie der letzte Mensch und nur mit Mühe und Not gelang es Yukisango, die beiden Streithennen voneinander zu trennen. Wie zwei rasende Jungglut folgte ein Tritt mit Sporen dem Nächsten. Doch es war zu ahnen, dass das Sprichwort "Ruhe vor dem Sturm" stets recht behalten sollte, wenn es im am düsteren Sommerhimmel knisterte, bebte und zeterte ... Blitze am Himmel, Blut am Boden, Seelen in der Unterwelt.

      Ich konnte nicht glauben, was ich gerade tat. Man musste mich für völlig wahnsinnig halten, dass ich mit meinem schönen Tanzkimono, den ich bis eben zum Unterricht trug durch ein tosendes Gewitter rannte. Ich rannte nicht um mein Leben, sondern um ein Leben. So grotesk es auch klang, einer meiner beiden tierischen Senseis hatte einen Touristen hypnotisiert, um per psychokinetische Kräfte eine SMS zu verschicken. Ja, auch ich hielt das ganze für einen geschmacklosen Scherz, bis ich ein grausiges Kampfgebrüll auf meinem Anrufbeantworter vernehmen musste, gepaart mit einem gequälten, schrillen Hilfeschrei. Der Donner, der über die Berge im Osten Kyotos seine wütende Stimme erhob, wirkte im Vergleich zu der Stimme Khans wie ein Mittelschüler, der Lehrer spielen wollte. Mein Kimono saugte sich komplett mit Wasser voll, da ich unglücklicherweise keine Regenjacke mitgenommen hatte - wozu auch? Normalerweise wäre ich innerhalb von fünf Minuten zuhause gewesen! So aber nahm ich den Bus in Richtung Hiei-zan, auf dem einst ein dreitausend Gebäude fassender Tempelkomplex die Fäden der Stadt in der Hand hielt. Die Mönche des dortigen Enryaku-ji erpressten sogar die Adligen und das Kaiserhaus und schreckten vor keiner von Gier getriebenen Tat zurück, bis Nobunaga, ein skrupelloser Daimyo, ein Feuddallord aus dem Zentrum des Landes, so gut wie alles in Grund und Boden brannte. Zahllose Unschuldige, auch Frauen und Kinder der Mönche, fanden damals, im Jahre 1571 ihr Ende. Glücklicherweise musste ich zum Enryaku-ji selbst nicht fahren, denn nach einer absolvierten Strecke von zwanzig Kilometern käme wohl jede Hilfe schon zu spät.

      In der Nähe der Bushaltestelle Kitashirakawa-Biwako-Machi am östlichsten Stadtrand Kyotos begann die steile Waldstrecke in Richtung Otsu am Biwasee in der Präfektur Shiga, die den Tempel ebenfalls für sich beansprucht. Ein kleiner, knapp einen Meter hoher auf einem in etwa gleichgroßen Betonsockel stehender Buddhatempel sollte den Menschen Glück auf ihrem Weg zum Gipfel bringen, was die Swastika auf dem Sockel noch einmal unterstrich. Die gegen den Uhrzeigersinn gerichtete, ungedrehte Swastika war in Indien, China oder Japan ein altes Glückssymbol, dass die Nazis in Deutschland zu ihren Zwecken genutzt hatten, doch das Kanji-Zeichen für Hakenkreuz blieb diese Ur-Swastika, auf japanisch Manji.
      Keine zweihundert Meter im Waldesinneren erblickte ich Khan, der herablassend, einen flauschigen Fellknäuel mit seiner kräftigen Pfote zu Boden drückte und selbstgefällig grinste. Geschützt im Gebüsch, fernab von den Menschen, konnte er seine Beute ohne Störung zerfetzen. Ich rannte, so schnell ich konnte, behielt Fluffy allerdings im Pokéball, da mir ihr Gesang in dieser Situation nichts nützen würde - was wäre, wenn Khan von uns allen am ehesten aufwachen würde? Ich wollte es mir gar nicht erst ausmalen.
      Plötzlich hob der getigerte Löwenhund seine Pranke und setzte zum Todesstoß an, während ich in vollem Lauf war - zu weit weg, um seinen Verderbenshieb irgendwie verhindern zu können. Selbst wenn, wie hätte ein 1,53 m kleines Tanzmädchen wie ich das machen sollen? Der beige Fuchs, der in den Kiefernnadeln und den grünen Laubhaufen lag, gab einen das Mark erschütternden Schmerzensschrei ab, doch dabei blieb es nicht. Eine tiefe Furche durchzog nun den Bauch der Kitsune, aus der das Blut heraussprudelte und die Sommerblätter auf dem Boden in ein herbstliches Rot hüllten.
      "RAAAAAAAAAAAAN! Verdammt, Khan, wieso kannst du uns nicht einfach in Ruhe lassen? ICH HASSE DICH!", schrie ich mir die Seele aus dem Leib. Ich hasste ihn so abgrundtief, diesen Bastard. Bastard. Ich benutzte Schimpfwörter nicht mal in Gedanken, denn auch im Kopf konnten Sünden begangen werden, dem versuchte ich mir so oft wie möglich bewusst zu sein - doch hier konnte ich mich nicht kontrollieren. Pokémon waren doch immer so gut, so herzensgut! Ich liebte Pokémon! Wie konnte dieses Arkani nur solch fürchterliche Taten vollstrecken? Was war das für ein Biest?
      "Endlich verziehst du dich wieder dorthin, wo du hingehörst - in die Jigoku, in die Yomi, es ist mir völlig egal. Hauptsache, ich kann deine Leiche in einen Fluss werfen, an dem die Remoraid und die Kanivanha 108 Sekunden dran zu knabbern haben. Dann muss ich mich nur noch um den anderen Dämon kümmern ... wenn man vom TEUFEL spricht.", lachte der arrogante Rüde höhnisch, der laut Inari "nur" seine Pflicht erfüllen wollte. Mir war klar, dass die beiden Ran nicht ausstehen konnten, aber nur aufgrund dessen zu töten, ging zu weit. Wenigstens ließ sie mich per Telepathie an dem Gespräch teilhaben.
      "Touka ... ", hob Ran ihre von Hass und Schmerz erfüllte Stimme an. Die Art und Weise, wie sie zu Boden geschlagen und aufgeschlitzt wurde, war ihrer nicht würdig. Ich wusste, dass sie selbst mit Sicherheit keine Heilige war, aber dieses Ende hatte sie nicht verdient.
      "ENDE? Sehe zu, und lerne. Lerne, was es bedeutet, den Fluch eines Vulnonas hautnah mitverfolgen zu können!", kreischte die Füchsin, die sich zitternd und zähneknirschend auf ihre Beine erhob, die rechte Vorderpfote hing merkwürdig angewinkelt in der Luft. Die Wunde am Bauch blutete weiter und an allen vier Gliedmaßen rann das Blut in den Erdboden, um bis in die Yomi zu sickern.
      Rans Augen begannen, feuerrot zu leuchten, während um sie Irrlichter wie verlorene Seelen in tiefvioletter Farbe tanzten, genau vierzehn. Neun Schweife, vier Gliedmaßen, ein Kopf. Erst vermutete ich, dass die Flammen schon bald auf Khan einprasseln würden, doch bald sah ich mich eines Besseren belehrt, sie verblieben stets in der unmittelbar ihrer Herrscherin. Mein flaues Gefühl im Magen, dass ich schon seit dem Empfang der SMS mit mir herumtrug, wurde nicht besser.
      "Du verdammte Bestie! Ich wünsche dir einfach nur die Verdammnis!", brüllte Khan, der plötzlich zu bluten begann. Aus dem Mund - aus den Augen - aus den Ohren. Aus allen drei Orten, die die Weisen Affen Japans stets verdeckten. Doch sein Blut schien anders als das von Ran - es hatte sich violett-schwarz verfärbt, dunkel, giftig und bedrohlich wie die Pest.
      "..."
      Khan versagte die Stimme, Ran schwieg.
      Auch mir versagte die Stimme, Khan schwieg.
      Für immer. Der leblose Körper meines bislang größten und gefährlichsten Feindes kippte plump ins Unterholz des Waldes. Tot. Shinda.

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Die Parallelperspektive zu diesem Crossover-Kapitel findet ihr unter diesem Thread: Miiiiiiin - Kapitel V

      Viel Spaß! :D

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      Kapitel XVIII: Hyakujukyu - 119


      "Ich brauche Hilfe! Sofort! Ich stehe an der Haltestelle Kamishirakawa-Biwako-Machi und trage ein schwer verletztes Pokémon bei mir! Es klafft eine gewaltige Wunde an seinem Bauch! Jede Sekunde zählt, ich habe solche Angst, dass mein Vulnona verblutet!", schrie ich panisch in mein Handy, nachdem ich die 119, die japanische Notrufnummer, gewählt hatte.
      Ich zitterte am ganzen Körper und ließ das Mobiltelefon versehentlich aus der Hand gleiten. Gerade die Körperbeherrschung gehörte zu den hohen Künsten einer Geiko, aber was machte ich gerade? Hilflos starrte ich auf Ran hinunter, die kurz nach der Beschwörung ihres Fluchs zusammengebrochen war.
      "Der Geist ist stärker als je zuvor, aber der Körper ... Touka ... streichele mich, mein Mädchen. Du hast zum Glück den Notarzt gerufen, das war sehr schlau von dir ...", säuselte Ran heiser, die nun zur Seite ausgestreckt am Boden lag. So zweifelhaft ihre Methoden auch waren und so sehr ich sie auch gerade in der jüngeren zeit in Frage gestellt hatte, um so mehr tat sie mir nun leid. Ich beugte mich herunter und streichelte die Füchsin an ihrem unversehrten Gesicht. Wann kam denn endlich der Krankenwagen? Neben normalen Krankenhäusern für Menschen und PokéCentern gab es auch größere, die sich sowohl um Menschen als auch für Pokémon kümmerten. Das von hier aus gesehen nächstgelegene müsste eines dieser gemischten Pflegestationen sein.
      Eine Minute, anderthalb Minuten, zwei Minuten ... es schien so, als verstrichen Ewigkeiten; als wäre Dialga Puppenspieler einer riesigen Verschwörung, nur um Rans unruhige, japsende Atmung verstummen zu lassen. Als ich danach das laute Kreischen der Sirene hörte, kam Erleichterung in mir auf - Ran durfte nicht sterben!

      Eine Hiobsbotschaft kam leider selten allein. Während ich im Hof vor dem Allgemeinen Krankenhaus der Japanischen Baptisten auf und ab lief, um von Rans Gesundheitszustand zu erfahren, erhielt ich einen Anruf von Raazu, besser gesagt einen von vielen.
      "Da waren Polizisten ... und Spezialeinheiten ... die haben mich zu dir befragt, dem 'Dämonenmädchen'! Ich habe nur gesagt, dass du Touka heißt und ich nicht weiß, wo deine Familie wohnt - schließlich würde jeder erst einmal davon ausgehen, dass du noch zuhause wohnen würdest, da du ...", rief sie hektisch, als würde die Welt jeden Moment untergehen. Spezialeinheiten?
      "Raazu, bitte, bitte komme erst zur Ruhe! Ich ... ich verstehe nicht! Wieso Spezialeinheiten, was hat das alles zu bedeuten? Wieso suchen die mich?", entgegnete ich zähneknirschend. Schließlich war ich die Gejagte! Ich dachte, ich könnte, wie in den letzten Wochen üblich, eines der abendlichen Geiko-Bankette besuchen und dort durch bloßes Zusehen eine ganze Menge für meine künstlerische Reife lernen, aber nun?
      "Ich habe Eiko diesbezüglich auch schon informiert. Weiß dein Vater davon? Du solltest ihn vorwarnen, deine Schwester und die Okiya selbstverständlich auch. Stell dir vor, die stehen vor eurer Haustür! Also, mach's gut und passe bitte gut auf dich auf!", riet sie mir noch, bevor sie auflegte. Ja, mein Vater wäre der erste, den ich jetzt anrufen würde, das konnte doch alles nicht wahr sein!"
      Plötzlich bebte es für einen Moment in meinem Kopf, denn ich war aufgrund meiner Vertiefung in mein Handy mit einer Person zusammengestoßen, die sich lauthals beschwerte: "F***! Burn in hell, f***ing, B****, move yor f***ing ass and shut your eyes open! Kuso! Sh*t!" Sie schien sehr viele englische Fluchwörter zu benutzen, die der Zunge einer Geiko fremd waren. Panisch fuchtelte sie in ihrer schwarzen Ledertasche herum, um ihr Nasenbluten aufzuhalten! Scheinbar hatte meine Stirn sie genau dort getroffen und ihr noch dabei noch mehr Schmerzen verursacht als mir.
      "Welchen Teil von 'Achtung' hast du nicht verstanden, du schei- .... uuuuh, reagier' dich ab, reagier' dich ab! Ich würde dir so gerne jeden Wirbel einzeln brechen, aber das ist anatomisch leider unmöglich, mann! Komm her, komm her, ich nehm' dich auseinander wie Lego! Uuurg!", brüllte sie wie von der Tarantel gestochen, und spuckte eine Portion blutige Spucke auf den Boden. Nein, danke, Blut hatte ich heute mehr gesehen, als ich mir jemald wünschte. Vielleicht war sie marginal älter als ich, zumindest sah sie mit ihrem Top und dem Minirock sehr jugendlich aus, wahrscheinlich lag die Anzahl ihrer Lebensjahre zwischen denen Eikos und meinen.
      "Tu- ... tut mir leid, ich hatte nicht aufgepasst! Kann ich dir behilflich sein?", fragte ich höflich, auch wenn sie sich schon selbst versorgte.
      Ihre Antwort war rau und brutal: "Glaubst du, ich will hier mein Nachtlager aufschlagen? Fahr zur Hölle, und zwar in die Achtzehnte! Geh mir aus den Au- ... nein, du gehst mir nicht aus den Augen, denn du bekommst jetzt auf die Augen! Menki, los! Jetzt zeig mir mal, ob in dir ein B.O.Z.Z. schlummert!" Die junge Frau hielt mit der einen Hand die Taschentücher, während sie mit der anderen die durchnässten Strähnen ihres schulterlangen, schwarzen Haares zur Seite kämmte. Danach griff sie ruckartig nach einem Pokéball, aus dem das beige Schweineäffchen raussprang. Es war fast schon ein lustiges Schauspiel, dem Menki beim Toben wie auf einem heißen Kohlefeld zuzusehen, als seine braunen Füße in den Pfützen auf dem mit kühlem Regenwasser getränkten Asphalt landeten. Mir was eisig kalt und am liebsten hätte ich mich in eine schöne, warme Wolldecke gehüllt oder an die kuscheligen Körper der beiden Vulnona geschmiegt, doch nun stand ich in meinem leichten Kimono hier draußen im Niesel und wurde von der streitlustigen Trainerin mit einem Kampf- Pokémon konfrontiert. Fluffy war als Normal-Typ bei weitem nicht die beste Wahl und auch wohl kaum die zweitbeste, allerdings blieb mir keine andere. Sie war mein einziges Pokémon, dass ich nun in den Ring schickte.

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      "Karateschlag, zack, bumm, Ende! Los, Menki!", brüllte die junge Frau etwas größenwahnsinnig über den Hof, doch der Typennachteil besorgte mich immens.
      "Fluffy, weiche zur Seite aus", rüttelte ich die noch verschlafen wirkende Fluffy weg, doch sie reagierte zu langsam. Gerade, als sie wegspringen wollte, holte das Kampf-Pokemon mit seinen langen Armen aus und schaffte es durch die Beschaffenheit seiner Gliedmaßen, das Picochilla kräftig zu Boden zu stoßen.
      "Sternschauer! Komm schon, Fluffy, wir dürfen das nicht verlieren!", befahl ich meinem kleinen Schatz, der dem Menki mit seiner Attacke ziemlich zuzusetzen schien. Wenigstens waren diese Pokémon defensiv nicht sonderlich robust, sodass ich mir doch noch eine realistische Chance ausmalte.
      Glücklicherweise setzte das Affenpokémon erst mit Verzögerung zum Fußkick an, da seine Trainerin eine Reihe von wirren Kommandos hintereinander aufsagte oder besser gesagt bis nach Nara brüllte, sodass Fluffy diesmal wirklich die Gelegenheit hatte, dem Angriff auszuweichen. Menki sprang daneben und landete in einer nassen Pfütze, sodass nun die Zeit des Gegenangriffes gekommen war. Mir tat das Pokémon leid, das hier bei dieser verabscheuungswürdigen Witterung in einen Kampf geschickt wurde, doch irgendwie musste das Duell schließlich entschieden werden.
      "Zeig' ihm deine Kehrschelle, Fluffy!", rief ich, damit Fluffy gleich mehrere Schläge nacheinander austeilen konnte. Mein treues Pokémon nahm Anlauf, hob fast so grazil wie ein Emolga in die Luft ab und drosch dreimal auf Menki ein. Eigentlich erwartete ich einen wütenden Gegenschlag; meinem Gegenüber ging es zweifelsohne genauso.
      "MENKI! Karateschlag! Karateschlag! Fußkick! Irgendwas!", rief die gegnerische Trainerin verzweifelt, deren Blutung an der Nase mittlerweile zum Glück gestoppt war. Doch scheinbar hatten zwei Angriffe völlig ausgereicht, um das andere Pokémon schachmatt zu setzen. Das Training mit Fluffy hatte sich also gelohnt! Stolz auf meine tapfere Kämpferin hob ich sie hoch auf meine Arme. Dass sie selbst nass wie ein begossenes Coiffwaff war, störte mich nicht mehr, denn ich war es schließlich auch.
      "Zurück. Komm' mich doch mal in Osaka besuchen, dann bekommst du aufs Maul. Oder nein, ich habe eine viel bessere Idee. Probier' dich doch mal an Akane und ihrem Miltank. Das ist nicht so einfach aus den Socken zu hauen wie ein Pokémon, dass ich erst vor wenigen Stunden erhalten habe", schnaubte die junge Trainerin verächtlich. Sie hasste es, wohl zu verlieren. Jeder verlor ungern, aber sie sah besonders enttäuscht aus, vermutlich, da sie wirklich keine Chance hatte, mit einem frisch gefangenen Pokémon zu bestehen. Aber wieso nur forderte sie mich dann heraus?
      "Kommst du aus Osaka? Was treibt dich denn hierher? Möchtest du gerne Kyotos Kulturschätze besuchen? Übrigens, ich heiße Touka und bin Maiko einer Okiya. Vielen Dank für den Kampf", entgegnete ich höflich, schließlich war ich immer noch für den Zusammenstoß verantwortlich. Wie war das noch mal genau pass-...? Schlagartig kehrte das flaue Gefühl in meinen Bauch zurück, das bereits unmittelbar nach Raazus Anruf in ihm gehaust hatte.
      "Nein, ich komme aus Sapporo, aber in Osaka lebt meine grausame Tante, die dir den Kopf abreißen würde, wenn sie könnte! Kyotos Kulturschätze, ja, die würde ich vielleicht gerne sehen, wenn ich nicht die Haltestelle verpasst hätte und heute Abend zuhause sein muss! Ich habe ein Frizelbliz zu füttern! Wie du heißt juckt mich nicht die Bohne und dass du eines dieser aufgeblasenen Kimono-Girls bist, hab' ich mir bei deinen Klamotten schon fast gedacht", ätzte sie mich unfreundlich an. Ich fühlte mich immer sehr unwohl, wenn mich Leute so behandelten. Ich war schon immer eine Person gewesen, die viel gegrübelt hatte, was denn nun falsch gemacht wurde. Ich suchte immer noch die Fehler viel zu oft bei mir selbst. Inari meinte, dass dies auf Dauer nicht sehr gesund sei. Inari. Ich musste ihn unbedingt sprechen! Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er Ran so übel mitspielen würde!
      "Das einzige, was ich jetzt machen kann, ist auf den nächsten Bus zu warten und diesen völlig entsetzlichen Tag hinter mir zu bringen. Glaub mir, du weißt gar nicht, wie furchtbar dieser Tag für mich war. Gib mir deine Handynummer, denn ich lasse diese Niederlage nicht auf mir sitzen. Irgendwann werde ich eine Revanche bekommen und sie nutzen! Hier ist meine", erzählte die nun eher angeknackst als verärgert wirkende Trainerin und drückte mir einen kleinen Zettel in die Hand. Aber wusste sie denn, wie entsetzlich dieser Tag für mich war? Selbstverständlich war es unmöglich, dass sie davon Bescheid wusste, aber ich hätte heute gerne mit ihr getauscht, selbst wenn mich dieser verlorene Pokémonkampf wohl auch ziemlich geärgert hätte.
      Nachdem ich ihr dieser jungen Frau namens Min ebenfalls meine Nummer überreicht hatte, lief ich zurück ins Krankenhaus, um Neues über den Gesundheitsstand von Ran zu erfahren.

      "Du kannst nach Hause fahren. Sei ohne Besorgnis, dein Vulnona ist bei uns in besten Händen! Es müsste das Gröbste hinter sich haben, bleibt aber weiterhin auf der Intensivstation", versicherte mir eine der Krankenschwestern, die sich auf Tiermedizin spezialisiert hatten. Auffällig war, dass diese, meist in Begleitung eines Chaneiras, rosafarbene, etwas weitere Minikleider mit einer weißen Schürze versehen trugen, was für das Pflegepersonal aus der Personalabteilung nicht zutraf. Vor ungefähr zwanzig Jahren wurden zum ersten Mal angehende Ärzte und Ärztinnen professionell auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Pokémon-Gattungen geschult und nahmen viele Sonderkurse zur Anatomie der Wesen. Diese neue Elitetruppe von Tiermedizinern trug, zumindest auf weiblicher Seite, den Namen "Projekt Joy". Der Begriff "joi", auf Japanisch schlichtweg "Ärztin", bedeutete in der englischen Sprache so viel wie "Freude", denn zuvor war die medizinische Infrastruktur für Pokémon sehr schwach ausgebildet. Gerade in einer Zeit, in der vermehrt Menschen Reisen mit ihren Pokémon durch die Wildnis unternahmen und Arenakämpfe leiteten, war diese nicht weiter tragfähig. Trotzdem war meine Angst vor Medizinern seit dem Vorfall mit Ishida nicht ganz verflogen und insgeheim fragte ich mich, ob mich die Krankenschwester vielleicht nicht doch nur täuschen wollte. Nicht mit einer bösen Absicht, eigentlich sogar mit einer gut gemeinten, aber würden sie mir wirklich ins Gesicht sagen, wenn mein Pokémon es nicht schaffen würde? Ich selbst wäre verzweifelt, müsste ich in einem solchen Szenario zwischen Wahrheit und Lüge abwägen.
      Doch als allererstes musste ich Vater von den Neuigkeiten berichten, die mir Raazu mitgeteilt hatte. Wenn mir doch einer weiterhelfen konnte, dann waren es Yukisango und er, doch letztendlich war er derjenige, der bereits seit meiner Geburt hinter mir stand.
      "Otousan? Papa! D-da ... also ... eine Freundin hat mir erzählt, dass solche Leute ... Polizisten ... und Geheimdienstler oder irgend etwas derartiges sie ausgefragt hätten! Und es ...", klagte ich, als der Hörer nach sekundenlangen, ewigen Warten endlich abgenommen wurde. Ich hatte eigentlich vorgehabt, das Ganze irgendwie etwas genauer zu beschreiben, da es mir in den ersten Sätzen nicht so gelungen war, wie ich mir dies gewünscht hatte. Fluffy, die mit Wundspray an eine der Express-Tresen versorgt wurde, starrte mich verstimmt an, als könnte sie alles hören.
      Die folgenden Sätze schnürten mir den Hals zu: "Touka-chan. Diese Leute waren vor zwei Stunden auch bei uns gewesen und hatten Kyoko und mich verhört! Da waren Mitglieder der höchsten Sicherheitsstufe dabei, ich kann nicht begreifen, warum! Sie müssen dich doch verwechseln, schließlich könntest du nie jemandem etwas zu leide tun, geschweige denn töten! Und sofern keine Menschen sterben, bleiben die Sondereinheiten der Polizei auch fern! Wir müssen das mit Yukisango besprechen, denn ich werde nicht zulassen, dass du in solch einer Gefahr schwebst, nur weil wahrscheinlich eine Verwechslung vorliegt!"
      Ich glaubte nicht an eine Verwechslung. Niemand hatte solche Hörner wie ich - wieso wollten sie mich nur auf dem Silbertablett serviert bekommen? Hatte ich denn nicht genug durchgemacht? Nur Bruchteile von Sekunden später lief so viel Wasser mein Gesicht herunter wie in den Regenschauern vor wenigen Stunden.

      Team Scowzy - Shitposting is my kink
    • Okay, du weißt ja, dass so Japano nicht wirklich mein Geschmack ist, ich hoffe du kannst mir vergeben. :$
      Da sich aber sonst noch niemand erbarmt hat, werde ich dir jetzt zumindest einen Kommentar für das Crossover-Kapitel hinterlassen. ;)

      Wenn man die andere Perspektive kennt, dann ist das ja wirklich ein Kontrast wie Zink und Kupfer...:eek:
      Keine zynische, verbitterte und stets stocksaure Erzählweise, kein Gefluche (:heul:) und keine Englisch-Einsprengsel. Wenn man nur Min kennt, dann ist das ja wirklich mal richtig entspannend zu lesen, nicht hektisch und vor allem nicht mit diesem "fak yu all"-Unterton. :lol:
      So richtig scheint sie sich aber nicht darüber zu freuen, dass sie Min unangespitzt in den Boden gerammt hat, oder? Geziemt sich das etwa nicht für solch eine Dame?

      Die Anspielung auf Bezeichnung "Schwester Joy" finde ich auch ganz nett, endlich mal eine glaubhafte Erklärung dafür, warum diese, wohl in riesigen Chemikalienbädern in Massen gezüchteten, Gestalten (Ich kann sie überhaupt gar nicht ausstehen, hat seine Gründe...) alle gleich heißen! :lol:

      Und trotz allem kann ich mit dem Satz "und bin Maiko einer Okiya" immer noch nichts anfangen. Bin nunmal ein Japan-Analphabet. :oldno:
      Was bedeutet das nun? :)
    • Ein Prolog ist für mich auch ein Kapitel, Coiffwaff!
      Mir also egal, was du sagst. Ganz egal. Ich ignoriere es und schreibe das um 17:12. Egal, was du in der Zukunft sagst, es ist mir egal. Wollte ich dir nur gesagt haben. xD

      Ich finde es großartig, dass du in diesem Prolog erst einmal etwas (vorerst) Allgemeines schreibst und damit einen Überblick über die Legende bietest, auf der diese Geschichte wohl (teilweise) beruhen wird. Da ich selbst momentan ja nur bis ungefähr Kapitel 4 gelesen habe, weil du mir diese damals freundlicherweise ungefragt geschickt hast (so etwas merke ich mir!), weiß ich noch nicht, ob es ganz oder nur partiell der Fall ist, aber davon lasse ich mich dann einfach während der nächsten Kapitel überraschen.
      Natürlich bedienst du dich hier nur eines gedanklichen Zitates der japanischen Legende, aber das ist schließlich die beste Möglichkeit, um bereits aus alter Zeit bekannte Legenden noch mal neues Leben und neuen Sinn einzuhauchen.
      Aber bin ich ein Dämon, weil ich keine Angst davor habe, zu sterben, sondern nur davor, qualvoll zu sterben? Schließlich ist das keine Angst vor dem Tod, sondern vor spezifischen Todesarten.

      Yukisango hatte vor drei Jahren erst kürzlich die Leitung der Okiya übernommen

      Will das nicht verbessern, zick also nicht direkt rum :shifty: Aber dennoch frage ich mich: Sind drei Jahre für Touka eine kurze Zeit? Ich finde drei Jahre jetzt nicht so wenig.

      Ich frage mich gerade, wieso Min nicht bemerkt hat, dass das Mädchen Hörner und einen Schweif hat. Die müssten doch auffallen, oder nicht? Oder passiert in den nächsten Kapitel noch etwas, was dafür sorgt, dass man die nicht mehr sieht? Schließlich ist Min ja in einer relativ normalen, ja, alltäglichen Welt und bei Touka scheint es etwas so, als wäre das zwar keine besonders häufige Begebenheit, dass da Mädchen mit Schweif und Hörnern herumlaufen, aber auch keine nicht vorhandene. Wie viele von diesen gehörnten Frauen gibt es denn so ungefähr? Wirst du das noch sagen?
      Die Mondprinzessin Kaguya - ich fühle mich an Naruto erinnert, da gibt es auch eine Kaguya, die eine etwas andere Verbindung zum Mond hat und dennoch eine Prinzessin (viel mehr Königin) ist. Gibt es also in der japanischen Mythologie eine feststehende Kaguya, die als Mondprinzessin gilt?
      Hab ich erwähnt, dass ich Kimonos großartig finde? Trotz der traditionellen Bedeutung in der japanischen Kultur (wohl vergleichbar mit Saris in der indischen) finde ich sie elegant und schlicht, aber gleichzeitig im Vergleich zu Saris ziemlich großartig. Saris sind so hässlich.
      Schon jetzt mag ich Touka. Sie ist etwas verpeilt, relativ lebensbejahend und freundlich - und dann wird ihr schwarz vor Augen und die Persönlichkeit ändert sich komplett. Aus Touka wird Toukanara und aus der freundlich-friedlichen Geiko, äh, Maiko eine Unheilböen-einsetzende Kämpferin. Das ist schon ziemlich genial und macht mit der Bewusstlosigkeit der Protagonistin einen Spannungsbogen, der für ein erstes Kapitel besonders ist.

      Wie du weißt, folgen bald dann die anderen Kommentare, immer zwei Kapitel pro Kommentar! Haben wir ja so beschlossen. Also viel Erfolg weiterhin!
    • Danke, Dusk, dass du momentan zum einzigen (derzeit aktiven) Kommentator dieser Geschichte avancierst. Diese ist die mit Abstand japan- und die mit Abstand johtolastigste Geschichte und hat mit nunmehr achtzehn Kapitel so eine Verwahrlosung nicht verdient.

      Gut, die Legende existiert genau so schon, also kaum Eigenleistung. Trotzdem mag ich die japanische Shinto-Götterlegenden sehr gerne und freue mich, wenn sie auch Anderen gefallen. :D
      Der Prolog dürfte allerdings vor dem 15. Kapitel für den unwissenden Leser keine Rolle spielen. Er nimmt schon gleich im 1. Kapitel Einfluss allerdings ist es unmöglich, das Ganze miteinander zu kombinieren.

      Da ich selbst momentan ja nur bis ungefähr Kapitel 4 gelesen habe, weil du mir diese damals freundlicherweise ungefragt geschickt hast (so etwas merke ich mir!),

      Ich habe mir gemerkt, dass ich dich gefragt habe, ob du die ungefragt bekommen willst!!!!!!!

      Aber bin ich ein Dämon, weil ich keine Angst davor habe, zu sterben, sondern nur davor, qualvoll zu sterben? Schließlich ist das keine Angst vor dem Tod, sondern vor spezifischen Todesarten.

      Dämonen gelten in der japanischen Mythologie oftmals als "tot". Sobald man den Sanzu bzw. im antiken Griechenland den Styx überquert hat, gilt man als tot. Die Dämonen sind bereits an diesem Ort, können aber auch in die Oberwelt zurück.

      Yukisango hatte vor drei Jahren erst kürzlich die Leitung der Okiya übernommen
      Zickzickzick! Nicht aus ihrer Sicht, sondern allgemein. Viele Okiya-Leiterinnen führen die Jahrzehnte lang. Yukisango wurde Leiterin, als Touka kam (mit 15).


      Beim Zusammenstoß hat Min aus Wut nur auf Gesicht und Klamotten geachtet, danach haben die sich entfernt, da die Pokémon Platz zum Kämpfen brauchten. Toukas Hörner fallen in den schwarzen Haaren nicht auf Distanz auf, da diese auch schwarz sind. Bei Yomi ist das anders (weiß-schwarze Hörner auf beerenfarbenen/magenta Haaren). Den Schweif sieht man bei den längeren Kimonos nicht, vor allem, da sie ihn auch bewegen und krümmen kann.

      Wie viele von diesen gehörnten Frauen gibt es denn so ungefähr?

      Sehr, sehr wenige. Diese Frauen basieren sehr stark auf den Diclonii aus Elfen Lied [(c) Lynn Okamoto] und der Phänotyp (siehe auch Yomis Aussehen, das zumindest davon inspiriert wurde) überträgt sich fast ausschließlich auf Frauen (es gab einen männlichen, Lucys Bruder, though). Die Ereignisse von 2003 sind die aus Elfen Lied, worauf mehrmals indirekt Bezug in Hauptcharakter,, Handlung, Zeit und Ort genommen wird,a llerdings nicht vor Kapitel 4 oder 5. Eine genaue Zahl wird nie genannt, allerdings sind die schon selten. In Elfen Lied gab es eine Art Zuchtstation wie für Mewtu, die allerdings stillgelegt wurde. Diese Diclonii gab es nur in Ostjapan und hatten alle diese rosanen Haare, jedoch ist Touka eine westjapanisch Variante, die eher den normalen Bewohnern ähnelt und im Unterschied zur Vorlage mit Elementen angreift. Welche dies sind, wird sich schon bald zeigen (es ist eig obvious). Tokunara besitzt auch nicht diese unsichtbaren Arme wie die normalen Diclonii (Vektoren), die quasi wie Echnatolls Arme in gefärhrlich sind.

      Diese Kaguya ist in der Regel immer die gleiche Kaguya, die vom Mondvolk auf die Erde gebracht wurde und die ganzen irdischen Adligen mit unlösbaren Aufgaben beauftragt, sodass sie diese doch nicht heiraten muss. Da Kaguya irgendwann zurückkehren muss, hofft sie, dass die Männer scheitern und sie sich nicht binden muss.

      Kimonos sind wunderschön. :D

      Die Geschichte von Touka und Tokunara ähnelt sehr stark der von einer normalen/ihrem Alter entsprechend sich benehmenden (zweiten/späteren) Nyuu aus Elfen Lied, die komplett lieb, harmlos, freundlich und positiv gestimmt ist so wie die der gnadenlosen Lucy. Protagonistin und Antagonistin in einer Person vereint. Ich finde diese Perspektive so spannend. Dieser Gegensatz soll immer wieder auftreten und von Mal zu Mal stärker. Je mehr Kraft Tokunara sammelt, desto länger bleibt sie aktiv, desto grausamer werden die Attacken und desto problematischer die Grundsituation, wie du an Kapitel 3 sicher feststellen konntest. Und es wird Tote geben. Noch nicht so bald, aber es wird kommen.
      Wie die Bewusstseinswechsel eintreten, lässt sich später auch systematisch erkennen, Tokunara kommt nicht einfach so. Darüberhinaus sei aber auch gesagt, dass sie nicht die einzige Böse ist, weit gefehlt! :D

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