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Warum es keinen hätte wundern sollen - Der Brexit-Diskussionsthread

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    • Warum es keinen hätte wundern sollen - Der Brexit-Diskussionsthread

      Vor 2800 Jahren war es die Kelten, vor 1973 Jahren die Römer, vor 1500 Jahren die Angelsachsen, vor 1200 Jahren die Dänen und vor 950 Jahren die Norweger, dicht gefolgt von romanisierten Normannen und Franzosen. Die Erkenntnis bleibt über diese gigantische Spanne von mehr als eintausend Jahren dieselbe – Großbritannien ist und bleibt ein Land der Immigration. Den Briten gibt es nicht, genauso wenig wie es den Franzosen oder den Deutschen gibt, denn wir alle sind ein Mischmasch von Kulturen und Ethnien, die sich Jahrhunderte lang über den Kontinent bewegt und manchmal hier, manchmal dort angesiedelt haben; die Briten sind davon aber noch mehr betroffen als der Deutsche, der vergleichsweise wenig germanische und dafür mehr slawische Vorfahren hat.
      Dennoch sind es ausgerechnet die Briten, die sich auf ihren angelsächsischen Sprachraum und ihre angelsächsische Traditionen berufen, obwohl ausgerechnet sie es sind, die mehr Traditionen und Sprachen in sich vereinen, als die meisten Briten selbst überhaupt wissen. Die britische Kultur ist und war schon immer die Kultur von Immigranten und genau diese sind es, die jetzt verrufen werden, besonders die Muslime darunter. Wenn man von britischer Arroganz spricht, dann ist es nicht die stereotypische übermäßige Höflichkeit, eng verbunden mit dem Monarchismus, sondern einer Arroganz ähnlich der den US-Amerikanern zugesprochenen Ignoranz gegenüber Völkern und Sprachen.

      Nun haben sie es aber gewagt, die ewigen Nörgler in der EU haben ihre Drohungen wahrgemacht und haben zu 52% für den Austritt aus der EU gestimmt. Es ist schon beinahe ironisch, wie sich die Geschichte wiederholt. Man sollte nämlich wissen, dass das Niederländische und Deutsche in einem Dialektkontinuum koexistieren, also mindestens manche Dialekte der jeweiligen Sprache gegenseitig verständig sind. Vor knapp 1200 Jahren war dies auch auf das Englische zutreffend, welches als Angelsächsische/Altenglische mit dem Altniederländischen und verschiedenen Sprachen, die heute als deutsche Dialekte gezählt werden, z.B. das Altsächsische (heute Niederdeutsch), Teil dieses Kontinuums war. Vor 1200 Jahren konnte man also von Niedersachsen, durch die Niederlande über Kent bis nach Cumbria oder Northumberland reisen und dabei Wort für Wort seine eigene Muttersprache benutzen und jeden problemlos verstehen. Warum aber ist das heute nicht mehr so? Nun, die Briten haben offiziell die Party verlassen, als Wilhelm der Eroberer 1066 auf den englischen bzw. damals noch angelsächsischen Thron kam, weil sich die Franzosen leider keineswegs mit der altenglischen Sprache verstanden (Wortwitz, haha .__.) und sie diese nach ihrem romanischen Gefallen so modifizierten, bis wir im 17. und 18. Jahrhundert die Sprache haben, die wir jeden Tag auf YouTube oder anderswo hören – Modernes Englisch.

      Dieses unnütze Wissen macht den EU-Austritt der Briten nun weniger schockierend, wenn man noch David Camerons Ankündigung dazunimmt, dass Großbritannien ein Referendum zum Austritt erhalten werden würde. Und nun haben wir den Salat. Schottland fühlt sich von den repressiven Engländern in London betrogen und wollen ein zweites Referendum über ihre Unabhängigkeit, während in Nordirland schlafende Kräfte wach werden. Die Religion scheint nun nicht mehr wichtig zu sein, es geht ums Sein oder Nichtsein, EU oder Nicht-EU. Und Nordirland und Schottland fühlen sich mehrheitlich Europa zugetan, während England und Wales dem Motto "zu Europa, aber nicht Teil von Europa" folgen. Und wem haben wir diese Denkweise zu verdanken? Genau, den Normannen, die sind sowieso an allem schuld. ;)


      Und nun fühlt euch angeregt, eure Meinung zum Brexit zu teilen! Warum? Wieso? Die Folgen? Alles rein hier! :D


      Hoc est enim corpus meum. Hermione saltica, regina festorum, saltatrix summa, mimema inclyta, malefica fabulosa, arbitratrix Vesperae Omnis Sanctae.

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    • Die Nachricht hat mich erstmal schockiert, gerade auch weil ich Verwandte in England habe die von einem Brexit betroffen wären. Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Tage anschaue, bin ich mir aber gar nicht mehr so sicher ob der Brexit wirklich passiert. Langsam sinkt die Realität ein und die Brexit-Befürworter scheinen keinen echten Plan zu haben wie dieser nun genau ablaufen soll. Es scheint mir, als hätte keiner so recht an diesen Ausgang des Referendums geglaubt und viele haben nur aus Protest gewählt. Boris Johnson sagt jetzt schon, das nicht sofort der Artikel 50, und damit die Austrittsverhandlungen, ausgerufen werden sollen. Schottland hat angedeutet, möglicherweise von ihrem Vetorecht Gebrauch zu machen und so den Brexit zu blockieren. Außerdem gibt es eine Petition für ein zweites Referendum mit fast 4 Millionen Unterschriften. Da das Referendum nicht rechtlich bindend war kann so ziemlich alles passieren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass GB einfach nicht den Artikel 50 auslöst und lieber beim Status Quo bleibt. Wäre aber sicher weder für sie noch für Europa etwas Gutes.

      Weiteres dürften wir jedenfalls Morgen oder Irgendwann diese Woche erfahren. Ich werde jedenfalls mit Spannung die Nachrichten verfolgen und sehen was passiert. Als Unterstützer der europäischen Union sehe ich den Brexit natürlich nicht positiv. Dennoch könnte er auch positive Folgen für Europa haben, da GB in der EU oft mehr ein Hindernis als alles andere war. Mein Traum ist ein vereinter europäischer Staat und vielleicht haben wir ohne Großbrittanien die Möglichkeit, diesem Ziel endlich näher zu kommen.
    • Ehrlich gesagt finde ich, dass die das jetzt durchziehen sollten ... Sicher, für die verblieben 48% ist das bittere Kost und mir tun die leid, die sich für ein geeintes Europa und die EU eingesetzt haben, aber das haben sie alles ihrer grandiosen Regierung zuzuschreiben und natürlich auch der Tatsache, dass sich Leute von Populisten beeinflussen lassen, ohne selbst auch nur ein winziges bisschen über die EU informiert zu sein. Winston Churchill hat schon gesagt, dass das erste Argument gegen die Demokratie eine Unterhaltung mit dem gewöhnlichen Wähler auf der Straße ist. Das ist ja teilweise ekelhaft, aber natürlich überall vertreten. *zu Frankreich, Polen und DE schiel*

      Eigentlich bin ich bis jetzt ein großer Befürworter dessen gewesen, dass das UK zu Europa gehört. Die Britischen Inseln tun es für mich schon, aber dieses widerliche Staatengebilde, das sich Großbritannien nennt, ist mittlerweile zurecht kein Teil mehr von Europa, wenn man bedenkt, dass Cameron als Premierminister fast schon Hilary Clinton nacheifert. Wenn es um den Austritt aus der EU geht, dann ist man natürlich sofort dabei, um die Wähler für sich zu gewinnen, aber wenn Schottland aus dem UK austreten will, dann heißt es natürlich "Ich setze mich dafür ein, dass die Familie zusammenbleibt". Lol. Ich hasse Heuchler .... :ups:


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    • Zwei Dinge die mir während der ganzen Situation besonders sauern aufstoßen:

      1. Leute, die laut eigener Aussage fest mit einem Verbleib in der EU gerechnet haben und deshalb nicht wählen waren... Ich meine, wie kommt man auf so eine Idee?

      2. Der ganze Brexit ist doch wieder mal ein Paradebeispiel, dass diese ganzen populistischen Politiker keinen Deut besser sind als das "böse Establishment" sind. Erst wird groß rumgetönt, und wenn man dann auf einmal nach der eigenen Maßgabe handeln soll wird es auch ganz schnell wieder dünn. Und dennoch scheint das keinen ihrer Anhänger zu stören... Manchmal möchte ich mich wirklich selbst aus der Gesellschaft heraustrennen und Einsiedler in Island werden... Meine Güte...

      Laut der schottischen Verfassung haben doch jetzt sogar das Recht ein neues Referendum durchzuführen (oder irre ich mich da?).

      Ich muss aber auch sagen, dass es auch irgendwie ein Armutszeugnis wäre jetzt einen Rückzieher zu machen. Großbritannien war ja nie ein großer Verfechter der EU, da bezweifle ich irgendwie, dass es wirklich gesund für die EU als Ganzes (und auch für die Einzelstaaten) wäre wenn Großbritannien jetzt trotz des Referendums drin bleibt.
      Storm clouds, fire and steel! Death from above, made the enemy kneel! Fighting, power and grace! Death from above, it's an army of wings!

      Furthermore I believe Victoria 3 must be made! | made by ItsQbiKS
    • @Pinturicchio Ja, ich befürworte Schulz in der Angelegenheit, man sollte den Briten nicht noch eine Extrawurst auftischen. Das wäre dann ein Armutszeugnis Seiten der EU. Man sollte sich gegen GB stellen und deutlich machen, dass wenn man raus ist, man wirklich raus ist. Keine Extrabehandlung für den Herrn Cameron. Wenn die EU zeigen will, dass sie auch ohne Großbritannien stark ist, dann wäre das der erste Schritt.


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    • Ich verstehe dieses Argument zwar, aber andererseits finde ich es sehr problematisch, einen so tiefgreifenden Schritt wie einen EU-Ausstieg durchzuführen, wenn gerade einmal die Hälfte der Bevölkerung dafür ist. Das Referendum hätte für den Austritt eigentlich von Anfang an eine 2/3 Mehrheit erfordern sollen. Deswegen bin ich persönlich einem zweiten Referendum nicht abgeneigt. Gerade viele jüngere Briten führen einen Lebensstil der ohne die EU gar nicht möglich wäre und deren Zukunft zu zerstören wegen einer so knappen Mehrheit halte ich nicht für gerecht.
      Was ich aber auf keinen Fall möchte (mir aber vorstellen kann) ist ein ewiger Status Quo, bei dem der Brexit einfach nicht durchgeführt wird und britische Politiker sich die nächsten Jahre bemühen, bloß nicht den Artikel 50 zu erwähnen. Dann schon lieber Brexit.
    • Was mich dabei aufregt, ist eigentlich die folgende Sache: Der Brexit treibt einen noch tieferen Spalt zwischen die Engländer, als es damals Margaret Thatcher gemacht hat.
      Der Unterschied ist: Thatcher's Politik hat sich zumindest wirtschaftlich gelohnt. Das tut der Brexit sich erstmal gar nicht. All die Kosten, die mit der EU wegfallen, gehen jetzt von der Regierung ab und wenn Zölle gezahlt werden, geht auch der Handel in der EU wesentlich weiter zurück. Man hat planlos sich da reingestürzt und riskiert, dass man eine Bevölkerung aufspaltet. Dabei muss man sagen, dass es hier mehrere Spaltungen gibt:
      theguardian.com/politics/ng-in…live-results-and-analysis

      Klar sieht man jung(pro-EU) vs alt (pro-Brexit)

      Dann ist es allerdings auch ironisch, dass hohes gegen niedriges Bildungsniveau,

      sowie hohes gegen niedriges Einkommen ist.

      Deswegen hasse ich Protestwahlen. Tut mir leid, aber so viel mehr Ahnung von Politik wie die Jungen, die nicht gewählt haben, haben die Alten bestimmt nicht. Man muss jetzt halt trotzdem irgendwie die Situation lösen. Ehrlich gesagt halte ich da zu den jungen Leuten, die nicht gewählt haben, weil ich nicht einsehe, dass sie keine Chance haben sollen, einen Fehler wieder gut zu machen. Ist zwar etwas nachlässig, aber wir tun unserem Bild nicht gut, wenn wir diese Leute aufgrund von Prinzipien einfach ausschließen. Wir sind ja immerhin nicht im Katholischen Lehramt... :bg2:

      PS: Ach ja, und mich regt es auf, dass mein Vater blind für den Brexit ist, weil er prinzipiell Anti-EU ist und seine Quellen von irgendwelchen dubiosen Internetseiten bekommt. Da ist mir ja der Guardian noch echt eine Stütze...
    • Sanchez619 wrote:

      Ehrlich gesagt halte ich da zu den jungen Leuten, die nicht gewählt haben, weil ich nicht einsehe, dass sie keine Chance haben sollen, einen Fehler wieder gut zu machen.
      Wer nicht wählen geht, setzt seine Stimme auf "mir egal".
      Daraus kann man dann später kein "mir egal, aber nicht das" machen.
      Vielleicht ziehen ja ein paar Leute ein Lehre daraus(was ich bezweifle) und raffen sich das nächste Mal auf, wenn sie wählen dürfen.
      Auch wenn man keinen Plan von Politik hat, nichts ist dümmer als gar nicht zu wählen(außer man wählt NPD, dann kann man ruhig zu Hause bleiben), dadurch bekommen die "eh immer gleichen" nur mehr Prozente und gewissen "alternative" Parteien über 5%, weil durch weniger geteilt werden muss.

      Zumindest sollte man sich aber überlegen, ob man dann wirklich meckern sollte, wenn man vorher zu faul war mal ein kleines Kreuzchen zu machen.


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